Leseproben

...es ist so Brauch

Erscheinungstermin Dezember 2015



…es weihnachtet in Pirmansöd

Auf der Dorfstraße vor dem hell erleuchteten Wirtshaus Huberwirt roch es nach Schweinebraten, deftiger Biersoße und beißendem Rauch, der aus dem gemauerten Kamin des klotzigen Bauwerks quoll. Die ehemalige Posthalterstation, seit mehr als hundertfünfzig Jahren die größte und einzige Gastwirtschaft am Platz, hatte schon bessere Zeiten gesehen, damals, als es noch keine Autos gab und alle im Dorf geblieben waren. Längst waren Schafkopf-Karten am Stammtisch gegen die heimische Fernbedienung eingetauscht worden, während die Jugend lieber im Coffeshop in der Kreisstadt ihre Freizeit verbrachte.
Der beleuchtete Schriftzug des uralten Gasthofes bildete wegen des dichten Nebels eine blasse Aureole um den Namen Huberwirt, und verbreitete ein mystisch anmutendes Licht, das gerade ausreichte, um die ausgetretenen Steinstufen vor der Eingangstür zu erhellen. Hinter den fünf Fenstern schimmerte es gelbwarm und verbreitete einladende Gastlichkeit. Draußen trieben aufgedunsene Wolken wie ein Heer blassgrauer Geister bäuchlings die Hänge des bayerischen Waldes hinunter und legten sich über Dächer und Mauern, schlichen in Höfe und Gärten und verhüllten alles Leben. Die jahrhundertealten Gehöfte von Pirmansöd schienen sich in die enge Talsenke zu ducken, ganz so, als wollten sie sich vor der kalten Winternacht und dem bevorstehenden Schneesturm schützen.

In engen Windungen krümmte sich die Straße durch den Dorfkern und die dicht gedrängten Häuser, vorbei an der Kapelle Sankt Emeran mit ihrem Zwiebeltürmchen, um nur wenige Meter hinter dem letzten Hof von Max Lechleitner zu enden. Von dort tauchte aus der Dunkelheit ein groß gewachsener Mann auf, der sich mit raumgreifenden Schritten dem Gasthaus näherte. Er war bekleidet in einem schwarzen Lodenmantel, dessen Saum bis zu seinen Schaftstiefeln reichte. Weil er den Mantel nicht zugeknöpft hatte, flatterte er im Wind wie ein aufgeblähtes Segel. Vornüber gebeugt, die Hände tief in den Taschen vergraben, strebte er auf den Dorfgasthof zu. Im Mundwinkel wippte eine Zigarette und immer, wenn er einen Zug machte, erhellte der Schein der Glut tiefe Falten in seinen markanten Gesichtszügen, die sich von der Nasenwurzel bis zu den Mundwinkeln zogen und sich messerscharf in die derbe Haut eingegraben hatten. Maxl, wie jeder im Dorf Lechleitner nannte, war spät dran. Normalerweise würde man ihm das nicht weiter ankreiden, weil jeder im Dorf wusste, dass er viel um die Ohren hatte. Außer seinem Hof, den Stallungen mit Viehzeug und seinen Pferden nahm ihn die ehrenamtliche Funktion als Ortsvorstehers ziemlich in Beschlag. Aber heute befürchtete er den Unmut der Wartenden. Mit zwei energischen Schritten eilte er die Stufen hinauf und betrat die Wirtsstube.


In Pirmansöd, ein scheinbar weltverlassener Marktflecken, eingebettet in einem vergessenen Tal zwischen schroffem Gebirge, saftigen Auen, anmutigen Bachläufen und dichten Wäldern, war Bayern bayerischer, die Idylle friedvoller und das Leben lebenswerter als an irgendeinem anderen Ort des Freistaates. Und doch wussten die alt eingesessenen Bewohner um die sorgsam gehüteten Geheimnisse des Dorfes, um die unerklärlichen Mythen, die schaurigen Geschichten und Sagen, die sich seit Menschengedenken um das abgelegene Dorf rankten. In rauen Winternächten, besonders, wenn der eisige Wind aus Böhmen die Bäume zum Ächzen brachte, das Eis auf den Bächen verdächtig knackte und wilde Schneeschauer ein Rieseln und Raunen verursachte, hörten die Kinder in den gemütlichen Stuben mit verstecktem Schauern und offenen Mündern den Geschichten der Großeltern zu, die auf knarzenden Hausbänken am Ofen sitzend, viel Unheimliches zu erzählen hatten. 




IL BASTARDO

März/April 2015 2015





Die Journalistin Gianna Corodino, hat bei einem verbrecherischen Blutbad ihre kleine Tochter verloren. Allessandro Valverde, Mafiajäger der DIA, soll das blutige Massaker, bei dem es auf der Piazza in Castelbuono fünf Tote gegeben hat, schnellstmöglich aufklären. Das Motiv liegt zunächst völlig im Dunkeln. Doch bald wird klar, dass zwei prominente Opfer eine zentrale Rolle spielten. Zeugen gibt es nicht und die Omertá ist in den Bergen Sizilien ein Gesetz. Für Valverde steht fest, ein eiskalter Profikiller hatte ganze Arbeit geleistet.

Gianna Corodino, ehemalige Journalistin hat bei diesem Blutbad ihre kleine Tochter verloren. Traumatisiert zieht sie sich zurück. Um wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Sie kann ihrem Leben wieder nur nach und nach wieder einen Sinn zu geben und nimmt  eine Stellung beim Messaggero an. Der Verlag hat gleich eine heikle Aufgabe, die sie völlig in Beschlag nimmt. Ihre Erfahrung im investigativen Journalismus kommt ihr dabei zugute. Mehrere Schiffe des Müllmaklers Comerio und des Reeders De Masso stehen im Fokus ihrer Arbeit, Schiffe, die vor der adriatischen Küste plötzlich verschollen sind und allesamt hochtoxischen Giftmüll an Bord hatten. 

Der Roman wird im März/April 2015 erscheinen und auf der Leipziger Buchmesse präsentiert.  







N E U E R S C H E I N U N G E N 

Der Januar-Krimi 2015



DER PATE VON LÜTJENHOLM


Kapitel 1







Donnerstag gegen Mittag

Ole entdeckte sie zuerst. Blaugraue, aufgedunsene Finger schienen sich ihm aus der braunen Erde entgegenzustrecken. Er zuckte zurück und griff sich ans Herz. Wie vom Blitz getroffen verharrte er sekundenlang auf der Stelle und versuchte den Brechreiz zu unterdrücken. Gerrit stützte sich auf seine Schulter, als suche er bei ihm Hilfe. »Oh Gott …, is datt grauselig«, flüsterte er. Hastig fummelte er sein Sprechfunkgerät aus der Tasche. Um ein Haar wäre es ihm aus der Hand gefallen. Mit zitternden Händen stellte er den Kontakt zur Polizeizentrale in Flensburg her.
Während er auf Antwort des Kollegen in der Funkleitzentrale wartete, raunte er seinem Kollegen zu: »Kennst du die Hand?«
Ole schüttelte mit weit aufgerissenen Augen den Kopf und trat einen Schritt näher heran. »Sowas hab ich in meinen ganzen Dienstjahren noch nicht gesehen. Wieso ist die Hand so blau?«
»Weiß ich doch nicht«, knurrte Gerrit sichtlich beeindruckt. »Vielleicht der Schock oder so …«
Endlich stand die Verbindung nach Flensburg und Ole erstattete er Meldung. Er nickte mehrmals und beendete das Gespräch mit einem unterwürfigen: Jawoll.
»Wir sollen nichts anrühren und großräumig absperren«, raunte er Gerrit zu. »Am besten, wir sagen auf dem Platz Bescheid, dass die Leute bleiben sollen wo sie sind.« Er sah auf seine Armbanduhr. »Jetzt ist es genau 13 Uhr 27 …!«
»Jo«, bestätigte Gerrit. »Schreib es auf, dann ist es amtlich.«
Ole trat nahe an die Hand heran und nahm sie in Augenschein. »Dat is’ne Männerhand. Eindeutig. Sieh mal, den klobigen Ring. Sieht echt aus …«
»Ausländer, sach‘ ich ma‘«, kommentierte Gerrit trocken.
»Jo. Datt is‘ aber keiner von hier«, meinte Ole. »Irgendeiner muss den hier vergraben haben.«
»Sieht nach Endlösung aus«, bekräftigte Gerrit mit Leichenbittermiene. »Da können wir nix mehr machen.«
»Stimmt.« Ole nickte zögernd. »Datt is‘ jetzt Sache von den Kriminalen in Flensburg. Sie wollen in‘ner viertel Stunde da sein, ham’se gesacht.«
»Hmm…« Gerrits Blick fiel auf den Spaten, der neben der Hand in der Erde steckte. »Gehört sicher Helga …«
»Mein’ste …?«
»Jou …!« Gerrit hob energisch das Kinn und zeigte eine selbstsichere Miene. »Ich erkenne ihn am Griff. Den hat die Helga vor lauter Schreck hier vergessen.«
»Dann sag ihr Bescheid ….! Nicht, dass sie noch mal zurückgeht. Das ist ein Tatort!«

Wenige Augenblicke später stellten die Polizisten ihren Dienstwagen neben dem Rettungswagen auf dem Zeltplatz ab und stiegen mit wichtigen Mienen aus.
»Und …?«, erkundigte sich einer der beiden Sanitäter.
»Alles zu spät«, erwiderte Gerrit. »Ihr könnt abrücken.«
Mit ernstem Gesichter wandte sich Gerrit der Menschengruppe rund um Helga zu. Vor ihm kniete Knut im Heidegras. Halb auf seinem Schoß liegend, Helga. Sein Blick verdunkelte sich und seine Augen glitzerten böse.
»Wat is …?« blaffte Knut und zog Helga ein wenig fester an seine Brust, als es notwendig gewesen wäre.
»Nix«, erwiderte Gerrit mürrisch. Umständlich kniete er sich neben Knut auf die Erde und raunte: »Lass deine dreckigen Finger von ihr, oder leistest du bei ihr seit neuestem Erste Hilfe?«
Knut grinste anzüglich, während seine riesige Pranke von den Umstehenden unbemerkt auf Abwege geriet. Zentimeter für Zentimeter bahnte sich seine Hand den Weg unter Helgas Bluse, die ihrerseits durch Anpressen des Ellbogens die Erschließung weiterer Hautpartien zu verhindern suchte. Mit unbewegtem Gesicht dachte sie darüber nach, welche Möglichkeit es gab, sich Knuts haptischen Fortschritten zu entziehen. Keinesfalls wollte sie vor aller Augen einen Skandal riskieren, zumal Gerrit sie wie ein paralysiertes Karnickel anstarrte.

Ole war hinzugetreten und schien Knuts heimliche Fummelei bemerkt zu haben. Sein Blick wanderte zu Gerrit. Er wusste, dass sein Kollege Helga glühend verehrte und sie heimlich anbetete. »Is watt?«, fuhr Knut den Beamten an.
»Jo …!«, antwortete Ole, obwohl er gar nicht gemeint war. »Der Heideweg ist ab sofort gesperrt. Da geht keiner von euch rein. Damit datt klar is‘«
»Is klar«, murmelte es vieltönig aus der Menschengruppe.
»Helga …«, wandte sich Polizeimeister Ole Dirksen an Hinnerks Frau, deren Gesichtsfarbe allmählich ein wenig rosiger wurde. Sie hatte sich im stillen Kampf mit Knuts vorwitzigen Annäherungsversuchen etwas Luft verschafft. »Direkt neben der Hand steckt ein Spaten in der Erde. Und ein Eimer steht da auch noch. Sind datt deine Sachen?«
»Ich hab alles stehen und liegen lassen«, jammerte sie. »Ich wollte nur weg …«
»Hab‘ ich mir gedacht«, entgegnete Ole aufmunternd. »Wir müssen sowieso nochmal hin, dann soll Gerrit dein Zeug mitbringen. Ihr seid ja Nachbarn.«
»Danke.« Ein flüchtiges Lächeln zog in ihre Miene und als wollte sie sich bei Gerrit entschuldigen, fügte sie leise hinzu: »Ich wollte doch nur ein paar Eimer Torf mitnehmen …«
Gerrit winkte ab. »Lass dich nicht erwischen, du weißt, dass es nicht erlaubt ist, im Moor Torf zu stechen. Wenn dir die Naturschützern draufkommen, kriegst du richtig Ärger.«
Helga senkte zerknirscht den Blick und seufzte betroffen.
»Ich stell dir den Spaten später in die Garage«, meinte Gerrit versöhnlich. »Du kannst ihn später bei mir abholen. Von mir erfährt es niemand.«
Helga verstand die Andeutung nur zu gut. Aber den Gefallen würde sie ihm nicht tun. Sie würde sicherheitshalber Hinnerk schicken, den Spaten abzuholen.
Hinnerk drängte sich dazwischen. »Geht’s wieder?«
Helga nickte abweisend.
»Ich muss los …!«, murmelte er, machte auf dem Absatz kehrt und verschwand.
Helga sah ihrem Mann verächtlich nach. Nicht ein einziges, fürsorgliches Wort hatte sie von ihm gehört. Aber wenn sie ehrlich war, hatte sie auch nichts anderes von ihm erwartet. Das war früher einmal anders. Bilder zogen durch ihren Kopf. Vor Jahren hatten sie sich auf einer Reitveranstaltung in Stedesand kennengelernt, als sie noch auf Aliosha, einem Hannoveraner-Friesen-Mix mit dem imponierenden Stockmaß von eins fünfundachtzig Dressur ritt. Er war ihr sofort aufgefallen. Er umwarb sie charmant, war witzig, fürsorglich und humorvoll. 
Obwohl er etwas kleiner war als sie, hatte sie sich sofort in ihn verliebt und sich kurze Zeit später mit ihm verlobt. Ja, so war das damals. Und heute kümmerte er sich nur noch am Rande um ihre Bedürfnisse. Sie hatte deshalb sogar erwogen, mit Gerrit Lemmert ein Verhältnis anzufangen. Der gestandene Polizist hatte vor vier Jahren das Grundstück neben ihnen erworben und ein kleines Haus gekauft. Als vor einem Jahr Gerrits Frau mit einem gut aussehnenden Kerl aus dem Nachbardorf durchgebrannt war, hatte sie den wieder Gedanken verworfen und Salvatore kennengelernt. Nichtsdestoweniger hatte sie bemerkt, dass Gerrit ein Auge auf sie geworfen hatte, wahrscheinlich auch deshalb, weil sie ihm anvertraut hatte, sich oft einsam und vernachlässigt zu fühlen. Doch jetzt waren ihr die Avancen ihres Nachbarn eher lästig, auch wenn es beim gemeinsamen Grillen im Garten oder beim alljährlichen Straßenfest nicht immer einfach war, seinen frivolen Avancen ohne verletzende Zurückweisung zu entgehen.




Polizeihauptmeister Gerrit Lemmert stand neben seinem Dienstwagen und stimmte sich mit den Kripobeamten ab, wie er sich verhalten musste. Nach einigen, kleinen Missverständnissen schienen die Vorkehrungen, die zu treffen waren, klar zu sein.
»Ole ...!«, rief Gerrit seinem Kollegen zu, der sich mit aufgeregten Dörflern unterhielt. »Anweisung von den Kriminalen, Tatort sichern und abwarten. Heidewiesen und Moor abriegeln.«
Hinnerk Olsen, der noch ganz in der Nähe stand, bekam schlagartig lange Ohre. Es gab einen Tatort! Helga hatte doch nicht halluziniert. Mit einem Satz stand er neben Gerrit, um der Sache auf den Grund zu gehen. »Habt ihr ne Leiche?«
Gerrit nickte. »Liegt zweihundertfuffzig Meter von hier im Moor. Da kannste jetzt nicht hin.«
»Komm, hab dich nicht so …! Nur ein Foto.«
»Solange die Kollegen aus Flensburg nicht hier waren, wirst du schön hier bleiben.« Sein Blick wanderte hinüber zu Helga, die sich aus Knuts Umklammerung gelöst hatte und langsam auf sie zukam.
»Verdammt. Ein einziges Bild …! Du kennst mich doch«, insistierte Hinnerk heftig. »Ich bin kein Anfänger. Abgesehen davon haben meine Leser ein Anrecht darauf, informiert zu werden.«
»Du bleibst wo du bist, Hinnerk! So schnell kannst du gar nicht schreiben, wie ich dich drankriege.«
»Bemüh dich nicht! Der macht sowieso immer was er will«, bemerkte sie spöttisch.
Gerrit musste sich zusammenreißen, um seinen Blick von Helgas grandiosen Brüsten abzuwenden. »Die Leute im Dorf werden früh genug erfahren, was passiert ist. Außerdem sind die Kriminalen aus Flensburg in zwanzig Minuten da. Wenn die mitbekommen, dass Hinnerk bei der Leiche war, kann er sich warm anziehen.«
Hinnerk schien hochgradig nervös zu werden. »Hör mal, Gerrit. Du weißt ganz genau, dass es in Lütjenholm seit Menschengedenken noch nie eine Moorleiche gegeben hat. Das ist eine einzigartige Sensation, die ich mir als Journalist nicht entgehen lassen werde.«
»Du hältst die Füße still, Hinnerk«, fauchte Gerrit. Man konnte in der Miene des Polizisten ablesen, dass es ihm ernst war. Er drehte sich auf dem Absatz herum. »Alle mal herhören«, brüllte er über den Platz. »Wir haben ein Verbrechen aufzuklären. Keiner verlässt das Areal, bis ich jeden Einzelnen von euch mit Namen erfasst habe. Es ist möglich, dass ihr eine Zeugenaussage machen müsst.«
Hinnerk schnaubte wie eine rossige Stute. Das fehlte noch, dass er hier unnötig Zeit verplemperte. Die Schlagzeile würde er sich nicht entgehen lassen. Eine Leiche im Moor war ein Ereignis, das alle anderen Nachrichten in den Schatten stellte und würde ihm als erster Berichterstatter vor Ort einige Meriten einbringen. Er brauchte Tatortfotos, koste es, was es wolle.
»Sag mir wenigstens, ob es ein Mann oder eine Frau ist«, insistierte Hinnerk weiter.
»Eine Männerhand«, raunte Gerrit kaum hörbar.
»Und ….? Weiter …!«
»Ich sag’s dir, weil wir Nachbarn sind, Hinnerk. Aber du weißt nicht, woher du das hast. Verstanden?«
»Is in Ordnung.« Hinnerk hob die Hand, als wolle er sagen: Von mir erfährt niemand ein Wort.
»Also …, wenn‘ste mich fragst, liegt dort ein Ausländer unter der Erde. Ich tippe auf Spanier oder Italiener.«
In Hinnerks zog ein zufriedenes Lächeln. Ohne dass jemand auf ihn achtete, stieg er in seinen Wagen und stahl sich davon, während Polizeimeister Ole Dirksen mit Kugelschreiber und Block bewaffnet, die Anwesenheit jeder einzelnen Person festhielt.

Hinnerk kannte sich im Moor aus, wie kein Zweiter, zumal er in seiner Freizeit seit Jahren als Hobby-Ornithologe seine Studien in der Vogelwelt betrieb. Er würde das Schutzgebiet auf die Landstraße umfahren und von hinten über die Westermooser Straße ins Moor gelangen. Von dort aus konnte es nicht mehr weit bis an die Stelle sein, an der Helga die Leiche gefunden hatte. In Schrittgeschwindigkeit rollte er über den sandigen Weg und näherte sich einer Biegung. Geräuschlos ließ er seinen Wagen beinahe hinter ein Gebüsch rollen und schaltete den Motor ab. er schloss die Fahrertür und huschte tief geduckt durch die hohen Gräser, pirschte sich im Schutz von einigen Erlen und Birken hinüber zu einer kleinen Gruppe von Weiden. Dort nahm er erst einmal Deckung. Keine zwanzig Meter vor ihm rollte Gerrit ein rot-weißes Absperrband aus. Mit der Kamera im Anschlag näherte er sich unbemerkt den Beamten.
Wie eine Ringelnatter schlängelte er sich über das lockere Erdreich, bis er die richtige Position lag, um sein Motiv optimal einzufangen. Mit triumphierendem Lächeln richtete er sein Objektiv aus und drückte ab.

Diese Aufnahmen würden sein Leben verändern. Insgeheim rieb er sich die Hände. Sein Chefredakteur würde Augen machen …!