Clans in Deutschland

Alessio

Clan-Boss



IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Crotone)

DEUTSCHLAND: 
Nordrhein-Westfalen (Solingen)

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Farao, Clan Giglio, Clan Vrenna


GESCHICHTE: 
Der Alessio-Clan gehört zu den 16 ‘Ndrine aus Crotone. Ein hochrangiges Clan-Mitglied wurde im Jahr 2000 ermordet. Zuvor hatte es in Solingen gelebt. Ob der Clan heute noch in Deutschland aktiv ist, ist unbekannt. 







Ascone

Clan-Boss



IN ITALIEN IDENTIFIZIERTKalabrien (Rosarno), Lombardei

DEUTSCHLAND: Nordrhein-Westfalen (Düsseldorf)

HERAUSRAGENDE PERSONEN: 
Antonio Ascone, Vincenzo Ascone, Michele Ascone, Rocco Ascone

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Gallace, Clan Bellocco, Clan Piromalli-Molé

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Drogenhandel, Waffenhandel

GESCHICHTE: 
Der Clan Ascone stammt aus dem kalabrischen Rosarno, der Stadt mit einer der größten ‘Ndrangheta-Dichte Italiens. Die stärksten Clans der Stadt ranken sich um die Familien Pesce und Bellocco. Der Clan Ascone schwankt in seiner Bündnistreue zwischen den beiden Familien.

Der Clan hat sich zunehmend im Ausland ausgebreitet. Ermittler der Anti-Mafia-Direktion aus Reggio Calabria konnten nachweisen, dass der Clan 2004 etliche Millionen Euro mit Immobiliengeschäften in Belgien waschen konnte.
Clan-Boss Antonio Ascone wurde 2006 in Amsterdam festgenommen. Sein Sohn Vincenzo übernahm daraufhin die Clanführung - und bekam schnell Schwierigkeiten mit dem Clan Pesce. Vincenzo Ascone überlebte 2007 einen Anschlag, bei dem Killer auf sein Auto feuerten. Fünf Tagen später wurde ein Cousin des Bosses umgebracht. Heute führt Vincenzo den Clan gemeinsam mit seinem Bruder Michele Ascone.

Auch in Deutschland konnte der Clan nachgewiesen werden. Ein Clanmitglied soll in den 80er Jahren ein Spielcasino im fränkischen Baiersdorf überfallen haben.
2004 wurde ein Mann, der in Düsseldorf einen Lebensmittelladen hatte und vermutlich in Verbindung zum Pesce-Clan stand, in Kalabrien kontrolliert. Im Wagen wurden Kalaschnikows und Munition gefunden. Ermittler gingen davon aus, dass der Wagen und die Waffen dem Clan Ascone zugeordnet werden können.






Barbaro


Clan-Boss



 

IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Raum Reggio Calabria), Emilia Romagna, Friaul, Latium, Ligurien, Lombardei (Raum Mailand), Toskana, Trentino-Südtirol, Venetien

DEUTSCHLAND: 
Baden-Württemberg (Donaueschingen), Nordrhein-Westfalen (Krefeld), Sachsen-Anhalt (Magdeburg)

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Paparo, Clan Papalia, Clan Perre, Clan Trimboli, Clan Molluso

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Drogenhandel, Geldwäsche, Waffenhandel, Erpressung, Wucher

GESCHICHTE: 
Der Clan stammt aus dem kalabrischen Platì und zählt zu den mächtigsten ‘Ndrangheta-Clans. Er hat Ableger in mehreren italienischen Regionen und im Ausland. Man nennt seine Mitglieder auch „Castani“.

Die Barbaro sollen in der Vergangenheit an sechzig Entführungen beteiligt gewesen sein. Ihre Opfer wurden meistens in engen, unterirdischen Räumen untergebracht und am Hals angekettet. 2001 entdeckten italienische Ermittler in Platì ein unterirdisches Labyrinth aus Gängen und Räumen, das sowohl als Fluchtort für die Bosse als auch Verlies für Entführungsopfer genutzt wurde. Im gleichen Jahr wurde auch der Boss Giuseppe Barbaro, genannt „U Sparitu“ (Deutsch: Der Verschwundene) nach über zehn Jahren Flucht gefasst.

Der Clan pflegt Verbindungen zu Deutschland: Das Lösegeld der 1997 entführten Alessandra Sgargella-Vavassuri soll beispielsweise nach Deutschland geflossen sein.


Mehrere Clan-Mitglieder konnten zudem in Deutschland nachgewiesen werden: Ein Schwager von Giuseppe Barbaro “U Sparitu” soll in Krefeld (Nordrhein-Westfalen) gelebt haben. Ein weiteres Clan-Mitglied war bis 1999 über zwanzig Jahre lang in Deutschland gemeldet. Der Mann soll mehrfach nach Südamerika gereist sein und im baden-württembergischen Donaueschingen Kokain verarbeitet haben. 2003 wurde in der Stadt ein Drogenlabor entdeckt, wie das Bundeskriminalamt bestätigt. Seit 2004 lebt der Mann nicht mehr in Deutschland.

Ein Mann des mit dem Barbaro-Clan verbündeten Perre-Clan soll Anfang der 90er Jahre mehrere Nachtclubs und illegale Spielclubs in Magdeburg betrieben haben. Er wurde mehrmals verhaftet, meldete sich zunächst aus Deutschland ab und soll erst 2006 zurückgekehrt sein. Später verschwand er spurlos. Ob der Barbaro-Clan heute noch in Deutschland aktiv ist, ist unbekannt, jedoch wahrscheinlich.








Bellocco

Clan-Boss



IN ITALIEN IDENTIFIZIERT
Kalabrien (Rosarno, Gioia Tauro), Lombardei, Piemont

DEUTSCHLAND: 
Baden-Württemberg (Bodenseeraum), Hessen (Hofheim), Nordrhein-Westfalen (Köln)

HERAUSRAGENDE PERSONEN: 
Umberto Bellocco, Gregorio Bellocco

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Pesce, Clan Piromalli, Clan Molè, Clan De Luca

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Drogenhandel, Geldwäsche, Erpressung, Wucher, Manipulation öffentlicher Aufträge, Waffenhandel

GESCHICHTE: 
Der Bellocco-Clan stammt ebenfalls aus der Stadt Rosarno und ist ein enger Verbündeter des Clans Pesce. Einige Beobachter gehen so weit, von einem Clan Pesce-Bellocco zu sprechen. Der damalige Staatsanwalt der Reggio Calabria, Giuseppe Pignatone, schrieb im Jahr 2010 im Rahmen der Operation Crimine über Rosarno: „Die Stadt hat 15.000 Einwohner. Mindestens 250 davon sind Mitglieder der ‘Ndrangheta und jede Woche kommen etwa sieben neue Mitglieder hinzu. Rechnet man zu den direkten ‘Ndrangheta-Mitgliedern die Verwandten, Freunde und Bekannte hinzu, erkennt man, dass die ‘Ndrangheta das Leben in der Stadt mit einem beinahe demokratischen Modell kontrolliert - ganz ohne Gewalt. Sie hat die Mehrheit.”

Der Clan Bellocco war bereits Ende der 70er Jahre aktiv. Damals zogen auch einige Mitglieder nach Hofheim in Hessen.

Der Clan-Boss Umberto Bellocco unterstützte in den 80er Jahren die Gründung der vierten italienischen Mafia-Gruppierung, die Sacra Corona Unita aus Apulien. Er wurde mehrmals verhaftet und freigelassen. Während er eine längere Haftstrafe absaß, übernahm sein Bruder Gregorio die Führung des Clans, bis dieser 2005 in einem unterirdischen Bunker gefasst wurde.

Der Bellocco-Clan gilt als besonders brutal: Am 1. September 1977 wurden Maria Rosa Bellocco, deren Ehemann Mario Alessio sowie ihr achtjähriger Sohn Franco umgebracht. Die Cousine von Umberto Bellocco hatte ihren Ehemann betrogen. Dieser hatte sich geweigert, sie deswegen zu bestrafen. Der Regelkodex der ‘Ndrangheta sieht vor, dass in solchen Fällen Verwandte die Ehre der Familie wiederherstellen sollen.

Seit dem zweiten ‘Ndrangheta-Krieg gehört Umberto Bellocco der „Provincia“ an, der Führungsebene der ‘Ndrangheta, dem die Bosse der wichtigsten Familien angehören. Der Clan Bellocco und der verbündete Pesce-Clan kontrollieren einen großen Teil des Kokainhandels in Italien und im Ausland. Aus abgehörten Gesprächen aus dem Jahr 2014 wissen Ermittler, dass die Bellocco im Hafen von Gioia Tauro Beamten bestochenen haben.
Mehrmals gingen Polizisten gegen den Clan vor - in Kalabrien und in Norditalien, wo sich der Clan ausgebreitet hatte.

Im November 2012 führten Ermittlungen in die Schweiz: Zwanzig Haftbefehle gegen Mitglieder des Bellocco-Clans wurden ausgestellt – unter anderem gegen Clan-Vertrauensleute, die in der Lombardei und im Piemont aktiv waren. Nach Angaben der schweizerischen Fedpol aus dem Jahr 2013 führte der Clan im Tessin eine Immobiliengesellschaft. Italienische und schweizerische Ermittler hatten dessen kriminelle Geschäfte aufgedeckt: Ein italienischer Callcenter-Unternehmer, der in Kalabrien und Piemont bis zu 1000 Mitarbeiter beschäftigte, hatte beim Bellocco-Clan Schutz vor einem anderen Mafia-Clan gesucht. Das Angebot des Clans: Er bekommt Schutz, dafür muss er Unternehmensanteile an den Clan abgeben. Der Vertrauensmann aus dem Tessin hatte den Deal vermittelt. Später brachte der Clan das ganze Unternehmen an sich.


In Deutschland konnten Clan-Mitglieder in der Vergangenheit in Köln und Hofheim nachgewiesen werden. Ob sie heute noch an diesen Orten aktiv sind, ist unbekannt. Sicher ist, dass der Clan heute im Bodenseeraum aktiv ist.







Calvano

Clan-Boss


Alfonso Diletto

IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (San Lucido)

DEUTSCHLAND: 
Bayern (Raum München)

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Pino-Sena, Clan Muto

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Erpressung, Waffenhandel, Drogenhandel


GESCHICHTE: 
Der Calvano-Clan stammt aus San Lucido (Provinz Cosenza) und war zunächst dem Serpa-Clan unterordnet. 1977 hatte ein Clan-Mitglied ein 5-jähriges Mädchen in Genf entführt. Die Eltern zahlten ein Lösegeld in Höhe von zwei Millionen US-Dollar. Das Clanmitglied konnte kurz nach der Tat verhaftet werden, schaffte es jedoch, drei Jahre später aus der Haft zu entkommen. Erst 22 Jahre später, im Jahr 2002, wurde der Mann in München verhaftet. Da die Schweiz auf einen Auslieferungsantrag verzichtete, wurde er freigelassen und nach Italien abgeschoben. Es ist unklar, ob der Clan heute noch in Bayern aktiv ist.







Carelli


Clan-Boss



Giorgio Basile (Engelsgesicht)

IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Corigliano Calabro und andere Orte aus der Provinz Cosenza)

DEUTSCHLAND: 
Baden-Württemberg (Heidelberg), Bayern (Kempten, München, Mittelfranken, Oberpfalz), Hessen (Frankfurt, Herborn, Offenbach), Nordrhein-Westfalen (Gelsenkirchen, Hagen, Mülheim an der Ruhr, Wuppertal)

HERAUSRAGENDE PERSONEN: 
Santo Carelli, Giorgio Basile, Pietro Giovanni Marinaro

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Farao, Clan De Stefano, Clan Tegnano

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Drogenhandel, Geldwäsche, Erpressung, Autoschieberei

GESCHICHTE: 
Der Carelli-Clan ist seit Ende der 70er Jahre als ‘Ndrina, als Mafia-Zelle, bekannt. Santo Carelli übernahm damals die Führung des Clans aus Corigliano Calabro (Provinz Cosenza). Heute gilt der Clan als aufgelöst, seine Mitglieder sollen sich dem Farao-Clan angeschlossen haben, heißt es aus dem Bundeskriminalamt (BKA).

In den 90er Jahren gewann der Clan an Bedeutung: Aus ihm wurde sogar ein Locale, dem sechs ‘Ndrine unterstanden. Darunter auch eine ‘Ndrina aus Rossano.
Der Boss Santo Carelli leitete damals den Clan aus einem Fischladen im Örtchen Schiavonea heraus. Sein Geld verdiente der Clan hauptsächlich mit Drogenhandel. Seine Mitglieder konnten mit Hilfe der Cosa Nostra aus Sizilien eine Heroin-Raffinerie im kalabrischen Acri aufbauen. Clan-Chef Santo Carelli arbeitete hierbei eng mit dem Farao-Clan aus Cirò Marina zusammen.

Ein Kronzeuge erzählt, dass der Carelli-Clan so gut organisiert war, dass er zwei verschiedene bewaffnete Gruppen unterhalten konnte: Eine Gruppe war zum Schutz des Clan-Gebiets und der eigenen Mannschaften abgestellt. Eine zweite Gruppe führte Angriffe aus.
Erst im Jahr 1995 konnte der Clan im Rahmen der Operation „Galassia“ geschwächt werden: Mehrere Mitglieder, darunter auch Clan-Boss Santo Carelli, wurden verhaftet. Carelli blieb bis November 2015 in Haft. Er starb im Januar 2016 mit 67 Jahren.

Nach den Festnahmen Mitte der 90er Jahre existierte der Clan zunächst unter der Führung von Pietro Giovanni Marinaro und Antonio Bruno weiter. Doch interne Fehden schwächten den Clan. Zudem gelang Ermittlern im Jahr 2006 einen erneuten Schlag gegen den Carelli-Clan im Rahmen der Operation „Corinan“. Etliche Mitglieder wurden verhaftet.

Seit Ende der 80er Jahre können Clan-Mitglieder in Deutschland nachgewiesen werden. Kronzeugen erzählen, dass der Clan-Boss selbst mehrere Mitglieder seiner Zellen in Deutschland getauft hat.

Nach Erkenntnissen der Ermittler ließen sich Clan-Mitglieder vor allem in Nürnberg, Mülheim und Dortmund nieder. Hier investieren sie in Immobilien, Restaurants und Eisdielen - und waschen ihr Geld. Außerdem handeln sie mit Drogen. Ein ranghohes Clan-Mitglied war Giorgio Basile, genannt “faccia d’angelo” (Engelsgesicht) oder “il tedesco” (der Deutsche). Der Sohn von Gastarbeitern wuchs im Ruhrgebiet auf. Basile reiste für den Clan zwischen Deutschland, Italien, Holland und Frankreich herum und kaufte Drogen, die dann in deutschen Nachtlokalen und sogar in Pizzerien verkauft wurden. Rund dreißig Menschen soll Basile im Auftrag der ‘Ndrangheta getötet haben. 1998 wurde Basile schließlich am Bahnhof von Kempten (Allgäu) verhaftet. Einem LKA-Beamten gelang es, Basile zur Aussage zu überreden. So wurde er zum wichtigen Kronzeugen. Andreas Ulrich vom Spiegel konnte sein Leben später im Buch „Engelsgesicht“ portraitieren.


Nach wie vor leben in Deutschland mehrere mutmaßliche ‘Ndrangheta-Mitglieder aus Corigliano Calabro, doch Ermittler gehen davon aus, dass diese nicht mehr Teil des Carelli-Clans sind, sondern nun für den Farao-Clan arbeiten.









Cariati-Anania


Clan-Boss





IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Cariati, Cirò)

DEUTSCHLAND: 
Baden Württemberg (Waiblingen, Fellbach, Backnang, Heidelberg), Saarland (St. Ingbert)

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Farao

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Erpressung, Drogenhandel


GESCHICHTE: 
Der Clan Cariati-Anania aus dem kalabrischen Cariati ist mit dem Farao-Clan verbündet. Clan-Mitglieder konnten im Raum Stuttgart (Waiblingen, Fellbach, Backnang), in anderen baden-württembergischen Städten wie Heidelberg und im Saarland (St. Ingbert) festgestellt werden. Ob der Clan heute noch in Deutschland aktiv ist, ist unbekannt, aber wahrscheinlich.







Chimenti


Clan-Boss


Salvatore Chimento


IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Provinz Cosenza)

DEUTSCHLAND: 
Baden-Württemberg (Stuttgart)

GESCHICHTE: 
Der Clan Chimenti aus in der Provinz Cosenza konnte in den 90er Jahren in Stuttgart nachgewiesen werden. Der Clan hat nach der Ermordung seines Bosses Vincenzo Chimenti (2009) deutlich an Macht verloren. Es ist unklar, ob der Clan noch im Raum Stuttgart aktiv ist.





Ciconte


Clan-Boss




IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Sorianello bei Vibo Valentia)

DEUTSCHLAND: 
Saarland (Saarbrücken), Hannover

VERBÜNDETE CLANS: 
Vallelunga-Turrà

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Waffenhandel

GESCHICHTE: 
Der Ciconte-Clan stammt aus dem Gebiet Vibo Valentia. 1995 nahmen italienische Polizisten mehrere Clan-Mitglieder fest - zwei von ihnen wegen illegalen Waffenhandels in Deutschland. Sie waren in Saarbrücken aktiv. In Italien ist der Clan Ciconte dem Clan Vallelunga-Turrà untergeordnet. Derzeit ist unbekannt, ob er noch im Saarland präsent ist. Clanmitglieder werden derzei in Hannover vermutet.






Cirillo


Clan-Boss




IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Provinz Cosenza)

DEUTSCHLAND: 
Nordrhein-Westfalen (Duisburg)

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan De Stefano-Tegnano, Clan Pesce, Clan Farao

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Drogenhandel, Erpressung, Geldwäsche

GESCHICHTE: 
Der Cirillo-Clan war von 1978 bis 1991 besonders aktiv. Clanführer war in dieser Zeit Giuseppe Cirillo aus Kampanien. In den 60er Jahren handelte Cirillo mit Hühnern und zog mit seinem Betrieb nach Kalabrien. Hier investierte er in Immobilien. In den 70er Jahren lernte er einen gewissen Ciccio Spina kennen, der ihm erzählte, dass man mit Erpressungen viel Geld verdienen könne. Spina schlug Cirillo vor, der ‘Ndrangheta beizutreten. Cirillo gründete daraufhin das erste ‘Ndrangheta-Locale in Nordkalabrien: die Zelle von Sibari. So geht es aus Gerichtsakten hervor.

Cirillo waren verschiedene ‘Ndrine untergeordnet: Unter anderem die ‘Ndrina aus Rossano Calabro, die da noch von Pasquale Tripodoro geleitet wurde. Der Clan Cirillo war schon damals eng mit dem Farao-Clan aus Cirò verbündet. Mit der Entstehung eines Locale in Corigliano Calabro verlor der Clan-Cirillo allerdings deutlich an Macht. Ein Clan-Mitglied lebte Anfang der 2000er Jahre in Duisburg. Ob der Clan heute noch in Duisburg aktiv ist, ist unklar.





Cordi

Clan-Boss





IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Raum Locri)

DEUTSCHLAND: 
Bayern (Schöllkrippen), Aschaffenburg

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Erpressung, Manipulation öffentlicher Aufträge

GESCHICHTE: 
Der Cordì-Clan stammt aus Locri und kämpfte seit 1967 in einer langen Fehde gegen den Cataldo-Clan. Erst im Jahr 2010 sollen die Clans Frieden geschlossen haben. Trotz der Fehde konnte der Cordì-Clan das lokale Krankenhaus und die lokale Fußballmannschaft infiltrieren und sich in Norditalien ausbreiten. Ein Clan-Mitglied betrieb bis 2004 eine Pizzeria in Schöllkrippen bei Aschaffenburg. Ob das heute noch der Fall ist, bleibt unklar.







Costanzo


Clan-Boss




IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Catanzaro)

DEUTSCHLAND: 
Rheinland-Pfalz (Montabaur)

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Arena

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Erpressung, Manipulation öffentlicher Aufträge

GESCHICHTE: 
Der Clan kontrolliert gemeinsam mit dem Di-Bona-Clan die kriminellen Aktivitäten in Kalabriens Hauptstadt Catanzaro. Ein Clan-Mitglied hat in den 90er Jahren in Montabaur gelebt. Ob der Clan heute noch in Deutschland aktiv ist, bleibt unbekannt.







De Stefano-Tegano


Clan-Boss




IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Reggio Calabria), Latium, Lombardei (Raum Mailand)

DEUTSCHLAND: 
Düsseldorf, Köln

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan De Luca, Clan Latella, Clan Valle, Clan Commisso, Clan Greco

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Drogenhandel, Geldwäsche, Wucher, Erpressung, Manipulation öffentlicher Aufträge, Waffenhandel, Prostituiertenhandel


GESCHICHTE: 
Der Clan stammt aus dem Viertel Archi in der Stadt Reggio Calabria. Wegen ihrer Herkunft werden ihre Mitglieder „Arcoti“ genannt.

1974 brach in Kalabrien der erste ‘Ndrangheta-Krieg aus: Der Piromalli-Clan verbündete sich mit den Brüdern Di Stefano gegen die alten Bosse der ‘Ndrangheta. Es ging um Macht: Der Piromalli-Clan wollte die ‘Ndrangheta durch den Beitritt einiger Mitglieder zu den Freimaurern staatlichen Institutionen infiltrieren. 

Im Zuge dieser Fehde ließen die Di Stefano 1976 den alten Boss von Reggio Calabria, Domenico “Mico” Tripodo, im Gefängnis von Poggioreale ermorden. Die Clans De Stefano und Piromalli gewannen den Krieg – und damit Macht und Ansehen. In Deutschland hatte der Clan in der Vergangenheit Verbindungen nach Düsseldorf. Ob seine Mitglieder heute noch in Deutschland aktiv sind, ist unbekannt.




Di Dieco


Clan-Boss





IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Castrovillari)

DEUTSCHLAND: 
Bayern (Grassau), Groß-Gerau (Hessen)

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Carelli

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Erpressung

GESCHICHTE: 
Anfangs war der Clan nach dem ehemaligen Anführer Recchia benannt - dann nach seinem Nachfolger Antonio Di Dieco, der später zu einem Kronzeugen wurde. Im Jahr 1998 wurde ein Österreicher, der dem Clan zugerechnet wird, in Grassau (Oberbayern) verhaftet. Er soll dort eine mafiöse Vereinigung gegründet haben. Ein weiteres Clan-Mitglied hat zwanzig Jahre lang in Groß-Gerau (Hessen) gelebt. Ob der Clan heute noch in Deutschland aktiv ist, ist unklar.







Di San Lucca


Clan-Boss



Clan Bosse 
(ROMEO-PELLE, NIRTA-STRANGIO und PELLE-VOTTARI)


IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (San Luca, Rosarno, Gioia Tauro), Lombardei (Mailand), Emilia-Romagna (Piacenza)

DEUTSCHLAND: 
Baden-Württemberg, Bayern (Raum München), Hessen, Nordrhein-Westfalen (unter anderem Duisburg, Gelsenkirchen), Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen (Dresden, Leipzig), Sachsen-Anhalt (Halle), Thüringen (Eisenach, Erfurt)

HERAUSRAGENDE PERSONEN: 
Sebastiano Strangio (geb. 1970), Sebastiano Strangio (geb. 1975), Giovanni Strangio, Sebastiano Nirta, Domenico Nirta, Giovanni Nirta, Giuseppe Nirta, Francesco Nirta, Antonio Pelle genannt Gambazza, Giuseppe Pelle, Antonio Romeo (geb. 1956), Antonio Romeo (geb. 1947), Giuseppe Giorgi, Antonio Pelle

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Drogenhandel, Geldwäsche, Erpressung, Manipulation öffentlicher Aufträge, Infiltration bei der öffentlichen Verwaltung, Waffenhandel

GESCHICHTE:
 Der Clan Strangio kommt aus der ‘Ndrangheta-Hochburg San Luca. Er ist einer der stärksten und mächtigsten ‘Ndrangheta-Clans und hat sich sowohl in Norditalien als auch in den Benelux-Ländern und Deutschland ausgebreitet. Der Clan setzt sich seit den Morden von Duisburg aus den Clans Nirta-Strangio, Pelle-Vottari und Romeo-Pelle zusammen, die nach Ansicht deutscher Ermittler nahezu untrennbar geworden sind. Der Clan ist vor allem im Drogenhandel aktiv.

Seit den 90er Jahren war der ursprüngliche Nirta-Strangio-Clan in eine Fehde mit dem Pelle-Vottari-Clan verwickelt. 1991 warfen Jugendliche des Clans Nirta-Strangio Eier in eine Bar des gegnerischen Clans. Es kam zu einem Streit. Tage später wurden der 20-jährige Francesco Strangio und der 19-jährige Domenico Nirta umgebracht.

Die Fehde eskalierte erneut im Jahr 2006 mit dem Mord an Maria Strangio, 33. Die Ehefrau des Clanchefs Giovanni Nirta wurde vor ihrem Haus erschossen. Eigentlich sollte ihr Mann sterben. Die Fehde breitete sich rasch bis nach Duisburg aus. Dort wurden am 15. August 2007 sechs Menschen ermordet, die in Verbindung mit dem Pelle-Clan standen.


Als Haupttäter der Morde wurde Giovanni Strangio 2011 zu lebenslanger Haft verurteilt. Strangio war mit der ermordeten Maria Strangio verwandt. Auf dem Weg zu ihrer Beerdigung war Giovanni Strangio kontrolliert worden. Weil er eine Pistole bei sich trug, blieb er für einige Monate im Gefängnis. Nach seiner Freilassung kehrte er zunächst nach Kaarst (Nordrhein-Westfalen) zurück, wo er das Restaurant „Tonis Pizza“ leitete.

Nach den Mafiamorden von Duisburg hatte die Polizei zwei Pizzerien und die Wohnung von Strangio in Kaarst durchsucht. Die Ermittler gewannen den Eindruck, dass die Räume fluchtartig verlassen worden waren: Es lagen massenhaft Geldscheine herum. Tatsächlich lebte Strangio bis zu seiner Festnahme am 12. März 2009 in Amsterdam auf der Flucht.


Dort versteckte sich auch sein Schwager Giuseppe Nirta (geb. 1973), der auf der Liste der hundert meistgesuchten Verbrecher Italiens stand. Er wurde 2008 verhaftet. 2008 wurde mit Calogero Costadura ein weiterer Drogenhändler des Clans in Maasmechelen, Belgien, verhaftet. Ein Jahr später wurde auch Giuseppe Nirta (1940) wegen internationalen Drogenhandels verhaftet. Er blieb bis 2014 in Haft.

2013 wurde Sebastiano Strangio, der Bruder der ermordeten Maria Strangio, in Piemont verhaftet. Der Boss Antonio Pelle, genannt „La Mamma“ (Die Mutter), wurde am 5. Oktober 2016 in seiner Heimatstadt Bovalino verhaftet. Er versteckte sich in einem Bunker hinter einem Kleiderschrank. Seit 2016 gilt die Fehde als beendet.

Der Clan Romeo-Pelle gehört ebenfalls seit etwa 2006 zu dem Geflecht des San-Luca-Clans. Seine Mitglieder unterhielten seit langer Zeit enge Verbindungen nach Deutschland. Nach Angaben italienischer Ermittler kümmern sich seit Jahren Clanmitglieder in Duisburg um die Drogengeschäfte der Gruppe. Ein Cousin des Clans ist der bekannte Drogenhändler Giuseppe Giorgi, genannt „U Capra“ (Deutsch: Die Ziege), der auf der Liste der meistgesuchten Kriminellen des italienischen Innenministeriums steht.


In Duisburg betrieb ein weiterer Angehöriger des Clans Anfang der 90er Jahre ein Restaurant, das nach Ansicht von italienischen Ermittlern als Umschlagplatz für Kokain fungierte. Das konnte allerdings nie gerichtsfest bewiesen werden. Im Jahr 1996 zogen Angehörige von Clan-Mitgliedern nach Erfurt und eröffnete dort neue Restaurants. Ebenso leben Kinder des Bosses Antonio Romeo, genannt „Centocapelli“ (Deutsch: Hunderthaare), heute in Deutschland. In Oberhausen wurde 2011 das international gesuchte Clan-Mitglied Bruno P, in einem Restaurant verhaftet. Er hatte zuvor in Oberhausen und Duisburg gelebt. Und war im Jahr 2004 kurzzeitig in Oberbayern verhaftet worden.







Dragone


Clan-Boss




IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Cutro, Crotone), Emilia-Romagna

DEUTSCHLAND: 
Bayern (Augsburg), Hamburg, (Baden-Württemberg), Mannheim

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Arena, Clan Mannolo

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Erpressung, Drogenhandel

GESCHICHTE: 
Die Clans Grande Aracri, Dragone und Mannolo lieferten sich jahrelang eine Fehde um die Kontrolle der Stadt Crotone. Bereits in den 80er Jahren konnte der damalige Boss Antonio Dragone den Einfluss seines Clans in die Emilia Romagna ausdehnen. Im Jahr 2008 wurde er ermordet. Clan-Mitglieder haben in den 90er Jahren in Augsburg und Hamburg gelebt. Ob der Clan heute noch in Deutschland aktiv ist, ist unbekannt.Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es noch einen Ableger in Mannheim.





Elia


Clan-Boss




IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Cassano allo Ionio)

DEUTSCHLAND: 
Schleswig-Holstein (Bad Bramstedt)

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Carelli

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Erpressung

GESCHICHTE: 
Der Elia-Clan stammt aus Cassano allo Ionio und war dem Carelli-Clan unterordnet. Der Clan hatte mehrere Verbindungen nach Deutschland. Ein Clanmitglied lebte in Schleswig-Holstein, in Bad Bramstedt. Ein Boss der Familie Abruzzese soll sich Ende der 90er Jahre bei ihm versteckt haben. Im selben Jahr meldete er sich in Bad Bramstedt ab und zog nach Italien zurück. An seiner Stelle zog ein Bruder samt Familie nach Schleswig-Holstein. Ob der Clan heute noch in Deutschland aktiv ist, bleibt offen.


 


Farao


Clan-Boss




zweitmächtigster Clan in Deutschland neben Strangio


IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Cirò, Cirò Marina, Cariati, Mandatoricco, Melissa, Umbriatico, Cutro, Cariati, Taurianova, Seare Terme, Amaroni) Lombardei (Legnago), Umbrien (Perugia), Toskana (Lucca)

DEUTSCHLAND: 
Baden-Württemberg (Stuttgart, Backnang, Waiblingen, Gmünden, Lörrach, Murrhardt, Korntag-Münchingen), Bayern (Immenstadt, Bad Kissingen), Hessen (Borken, Fuldatal, Spangenberg, Homberg-Efze, Melsungen, Kassel, Körle, Frielendorf, Eschwege, Waldkappe, Glauburg, Neu-Isenburg, Frielendorf), Niedersachsen (Bramsche, Rotenburg, Hemseen), Nordrhein-Westfalen (Hagen, Dortmund, Münster, Neuenrade), Sachsen (Lommatzsch, Torgau)

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Piromalli, Clan Mancuso, Clan Bellocco, Clan De Luca, Clan Sabatino

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Drogenhandel, Geldwäsche, Erpressung, Wucher, Manipulation öffentlicher Aufträge, Infiltrationen bei der öffentlichen Verwaltung

GESCHICHTE: 
Die ‘Ndrangheta-Zelle (Locale) aus Cirò wurde anfänglich von Nicodemo (Nick) Aloe und von den Brüdern Giuseppe und Silvio Farao geführt.


In den 80er Jahren handelte der Farao-Clan mit Heroin. Die Drogen aus der Clan-Raffinerie in San Leonardo di Cutro (Kalabrien) wurden in Kalabrien, in der Lombardei, aber auch in der Schweiz und in Deutschland (insbesondere im Raum Kassel und Stuttgart) verkauft. In Deutschland kümmerte sich Vincenzo Cavallaro um die Drogengeschäfte. Cavallaro wurde 1984 im Rahmen der Operation “Galassia” festgenommen - und im Jahr 1993 zum Kronzeugen. Er hatte nach eigenen Aussagen das Vertrauen in die ‘Ndrangheta verloren, seitdem sein Jugendfreund und früherer Chef Nicodemo Aloe 1987 ermordet worden war.



Nach dem Tod von Aloe übernahmen die Geschwister Silvio und Giuseppe Farao gemeinsam mit Cataldo Marincola die Clanführung. Nach ihrer Verhaftung übernahmen ihre Söhne den Clan. Die Faraos sind in Deutschland besonders mächtig. Mitglieder herrschen über kriminelle Aktivitäten insbesondere im Raum Kassel und Raum Stuttgart.



Bereits in den 80er Jahren - so erzählt es Kronzeuge Cavallaro - sollen die Brüder Silvio und Giuseppe Farao in Deutschland neue Mitglieder in die ‘Ndrangheta aufgenommen habe. Giuseppe Farao soll zwischen Ende der 60er und Anfang der 90er Jahre zwischen Deutschland (Raum Kassel) und Italien gependelt sein und das kriminelle Netz seines Clans in Deutschland gespannt haben.



In der Vergangenheit soll der Clan über Vertrauens- und Strohmänner Restaurants in Fuldatal, Borken, Melsungen, Kassel, Lommatzsch, Backnang, Glauburg, Gmünden, Bad Kissingen, Bramsche, Stuttgart, Heermsen, einen Pub in Lörrach, einen Club in Fellbach, ein Lebensmittelgeschäft in Melsungen und ein Café in Homberg betrieben haben.


 


Femia


Clan-Boss




IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Gioiosa Ionica), Piemont

DEUTSCHLAND: 
Nordrhein-Westfalen (Köln)

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Mazzaferro

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Drogenhandel, Raub, Waffenhandel, illegales Glücksspiel

GESCHICHTE: 
Der Femia-Clan stammt aus Gioiosa Ionica (Kalabrien) und steht im Kontakt sowohl mit der neapolitanischen Camorra als auch mit der sizilianischen Cosa Nostra. Der Clan ist auch im Piemont aktiv. In der Vergangenheit hatte der Clan Verbindungen nach Deutschland, insbesondere zu Mittelsmännern in Köln. Ob dies heute noch der Fall ist, bleibt unklar.


 


Ferrazzo

Clan-Boss




IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Mesoraca) Lombardei, Sardinien

DEUTSCHLAND: 
Baden-Württemberg (Grenzach Wyhlen, Küssaberg), Nordrhein-Westfalen (Dortmund)

VERBÜNDETE CLANS: 
Clans aus Catanzaro

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Drogenhandel, Waffenhandel, Geldwäsche

GESCHICHTE: 
Der Ferrazzo-Clan ist nicht nur in Kalabrien, sondern auch in Sardinien, in der Lombardei, in der Schweiz und in Spanien aktiv. 1996 spaltete sich der Clan. Heute existieren zwei Ferrazzo-Clans. Im Jahr 2000 wurde der Boss Felice Ferrazzo, der sich eine Zeitlang in Deutschland versteckt hielt, zum Kronzeugen. In Deutschland war er unter einer Telefonnummer zwischen Grenzach und Wyhlen Küssaberg (Baden-Württemberg) erreichbar. Mitglieder des Clans sollen seit den 70er Jahren in Deutschland leben, auch im Raum Dortmund. Ob der Clan heute noch in Deutschland aktiv ist, ist unbekannt.


 


Forastefano


Clan-Boss




IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Cassano allo Ionio, Sibari)

DEUTSCHLAND: 
wechselnd

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Carelli

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Erpressung, Wucher, Manipulation von Wahlen, Manipulation öffentlicher Aufträge, Drogenhandel

GESCHICHTE: 
Der Clan Forastefano stammt aus Cassano allo Ionio. Er führte eine Fehde gegen den Clan der Abruzzese, die aus dem Roma-Umfeld stammen. Der Clan-Chef soll einen Mord bei einem Killer im Auftrag gegeben haben, der in Deutschland lebte. Der Clan ist den Clans Farao und Grande Aracri untergeordnet und auch in den USA tätig. Ob der Clan heute in Deutschland aktiv ist, bleibt unklar.


 


Franconieri


Clan-Boss




IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Rizziconi)

DEUTSCHLAND: 
Bayern (Nürnberg)

GESCHICHTE: 
Der Franconieri-Clan stammt aus Rizziconi, einer Stadt unweit des kalabrischen Hafens Gioia-Tauro. Der ehemalige Clan-Boss Michelangelo Franconieri war 1958 untergetaucht und blieb über vierzig Jahren auf der Flucht. Er wurde deswegen auch „Primula rossa dell’Aspromonte“ (rote Primel des Aspromonte-Gebirges) genannt. Zwischenzeitlich soll er sich in Nürnberg versteckt haben. 2002 begab er sich wegen einer schweren Krankheit ins Krankenhaus von Polistena, wo er kurz darauf starb. Ob der Clan heute noch in Deutschland aktiv ist, bleibt unklar.


 


Gallace-Novella


Clan-Boss




IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Guardavalle bei Catanzaro, Nettuno bei Roma, Lombardia

DEUTSCHLAND: 
Bayern (München, Plattling, Regen) Hessen (Raum Frankfurt)

HERAUSRAGENDE PERSONEN: 
Carmelo Novella, Vincenzo “Cenzo” Gallace, Antonino Belnome, Cosimo Gallace (Sohn von Vincenzo)

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Vallelunga

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Drogenhandel, Waffenhandel, Wucher, Erpressungsgelder, Manipulation öffentlicher Aufträge

GESCHICHTE: 
Der Clan Gallace-Novella entstand in den 50er Jahren in der Provinz Catanzaro. Sein Geld machte der Clan damals vor allem mit manipulierten Aufträgen in der Forstwirtschaft. Berühmt wurde er im Jahr 1977 durch die so genannte „Waldfehde“. Mehrere Clans kämpften um die Vorherrschaft in den Wäldern der Provinz. Am Ende der Fehde wurden die Gallace zum führenden Clan des Serre-Gebirges. Danach stieg der Clan Gallace-Novella ins Geschäft mit Entführungen ein und beteiligten sich am Drogenhandel.

Der Clan breitete sich in der Lombardei und im Latium aus. Im Jahr 2005 wurden mehrere hochrangige Mitglieder im Rahmen der Operation Mythos verhaftet. Viele Kronzeugen behaupteten, das Oberhaupt Carmelo Novella sei ein Capo-Crimine, eine der wichtigsten Führungsfiguren der ‘Ndrangheta. Man geht davon aus, dass der Clan am „Treffen von Montalto“ teilnahm, bei dem sich im Jahr 1970 einzelne ‘Ndrangheta-Clans aus Süd- und Norditalien vereinigten.

Ein bekannter Killer aus der Gruppe ist Antonino Belnome. Er erschoss im Jahr 2008 den damaligen Clanchef.

Belnome war ein vielversprechender Fußballspieler, bis ein Autounfall seine Karriere beendete. In Norditalien trainierte er eine Fußballmannschaft, arbeitete als Unternehmer – und als ‘Ndrangheta-Boss. Vor seiner Festnahme war er sogar zum „Padrino“ ernannt worden, der höchste Grad der Società Maggiore.

2010 wurde Belnome festgenommen und zu elf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Als Kronzeuge enthüllte er die Hintergründe von Morden an führenden Figuren der Mafia und von Schutzgelderpressungen in der Lombardei. Während seines Prozesses sagte Belnome: „Mein Ziel war es, die höchsten Ebenen der ‘Ndrangheta zu erreichen. Aber sobald man an der Spitze steht, ist man am Ende: Man kann niemandem mehr vertrauen. Und am Ende steht man da ohne Familie und ohne Freunde. Die ‘Ndrangheta steht nicht nur für schöne Frauen, Auto und Motorräder. Die ‘Ndrangheta ist eine Droge, die dich im Inneren zerfrisst.“

In Deutschland wurden Aktivitäten des Clans in München, Plattling, Regen und im Raum Frankfurt festgestellt.




 


Gentile


Clan-Boss




IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Amantea)

DEUTSCHLAND: 
Baden-Württemberg (Pforzheim)

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Africano, Clan Muto

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Erpressung, Wucher, Drogenhandel

GESCHICHTE: 
Der Clan stammt aus Amantea im Norden Kalabriens. 2015 wurde der gesamte Hafen der Stadt beschlagnahmt, weil er von dem Clan Gentile-Africano beherrscht wurde. Ein Clanmitglied hat ein Jahr lang in Pforzheim gelebt. Ob der Clan heute noch in Baden-Württemberg aktiv ist, bleibt unklar.


 


Gilio


Clan-Boss




IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Strongoli)

DEUTSCHLAND: 
Nordrhein-Westfalen (Bad Honnef, Remscheid, St. Augustin, Gelsenkirchen), Baden-Württemberg (Esslingen, Münslingen), Bayern (Erlangen)

WICHTIGE FIGUREN: 
Salvatore Giglio, Otello Giglio

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Farao

HAUPTAKTIVITÄTEN:
Drogenhandel, Geldwäsche, Erpressung

GESCHICHTE: 
Der Clan Giglio kommt aus der kalabrischen Provinz Crotone, aus der Kleinstadt Strongoli. Zwischen Ende der 90er Jahre und Anfang der 2000er war der Clan in eine Fehde gegen den Clan Valente verstrickt. Es gab mehrere Tote. Bei dem blutigsten Anschlag starben am 26. Februar 2000 fünf Menschen auf offener Straße in Strongoli. Eines der Opfer war ein unschuldiger Rentner, der gerade auf einer Bank saß, die anderen vier Opfer sollen dem Valente-Clan angehört haben. Der Anschlag ist als „Blutbad von Strongoli“ bekannt.

In Italien untersteht der Giglio-Clan dem Farao-Clan aus Cirò Marina. Auch in Deutschland konnte sich der Clan auf die Unterstützung zweier Brüder verlassen, die Verbindung zur Farao-Familie aufweisen. Bis 1989 lebten drei hochrangige Clan-Mitglieder in Remscheid. Andere Clan-Mitglieder waren in Nordrhein-Westfalen in Bad Honnef, St. Augustin und Gelsenkirchen, in Baden-Württemberg Esslingen und Münslingen und im bayrischen Erlangen.

Ein Mann, der Verbindungen zu dem Clan hatte und in den 90er Jahren in Bad Honnef lebte, soll einem italienischen Clan-Mitglied eine Waffe besorgt haben, die im Rahmen der Clan-Fehde benutzt werden sollte.


 


Gioffre

Clan-Boss



IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Seminara)

DEUTSCHLAND: 
Baden-Württemberg (Karlsruhe), Niedersachsen (Hannover)

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Romeo, Clan Santaiti

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Drogenhandel, Flüchtlinge, Prostitution, Geldwäsche, Erpressung, Waffenhandel, Wucher, Manipulation öffentlicher Aufträge

GESCHICHTE: 
Der Clan stammt aus dem kalabrischen Seminara in der Nähe von Gioia Tauro. Seine Mitglieder handeln mit Drogen und Waffen - aber auch mit Prostituierten und Flüchtlingen. Erst 2013 hat ein Kassationsgericht die Existenz dieses Clans in einem Urteil bestätigt. Aktivitäten des Clans wurden in der Vergangenheit in Karlsruhe und Hannover festgestellt. Ob der Clan heute noch in Deutschland aktiv ist, bleibt unbekannt.



 


Grande-Aracri

Clan-Boss



IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Cutro), Emilia-Romagna, Lombardei, Venetien

DEUTSCHLAND: 
Bayern (Stadtbergen, Augsburg), Hessen (Hanau), Nordrhein-Westfalen (Warendorf, Münster)

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Pelle, Clan Vrenna-Bonaventura, Clan Nicoscia, Clan Comberiati-Garofalo, Clan Policastro

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Drogenhandel, Geldwäsche, Erpressung, Wucher, Manipulation öffentlicher Aufträge, Infiltrationen bei der öffentlichen Verwaltung

GESCHICHTE: 
Der Clan Grande-Aracri stammt aus Cutro, hat sich aber auch in Norditalien und im Ausland ausgebreitet. Clan-Boss war jahrelang Nicolino Grande Aracri, genannt „mano di gomma“ (Deutsch: Gummihand). Vor seiner Festnahme soll er die “Provincia”, die höchste Führungsebene der ‘Ndrangheta, geführt haben. Nach seiner Verhaftung führt sein Bruder Francesco den Clan.

In den letzten Jahren wurde der Clan im Rahmen der Operation “Aemilia” auch im Ausland bekannt: Deutsche Medien berichteten etwa über den ersten Prozess in der Emilia Romagna gegen die ‘Ndrangheta. Mehr als 140 Verdächtige standen vor Gericht - darunter Beamte, Politiker und Unternehmer.

Auch in Kalabrien hat der Clan sowohl öffentliche als auch private Verträge manipuliert. Der Clan soll sowohl Feriendörfer als auch den Windpark von Cutro aufgebaut haben. Er soll Straßen renoviert und sich an der Müllabfuhr beteiligt haben.
Der Clan Grande-Aracri soll Kontakte zu institutionellen, juristischen, aber auch religiösen Kreisen haben. Erst im Jahr 2016 wurde im Rahmen der Operation Kyterion ein Bankkonto identifiziert, das vermutlich auf Nicolino Grande Aracri zurückzuführen ist: Sein Buchwert betrug 200 Millionen Euro und war als Bürgschaft für eine Bauinvestition in Algerien angegeben.

Im Rahmen der Operation Kyterion enthüllten Ermittler auch die mutmaßlichen Verbindungen von Nicolino Grande Aracri zu einer Freimaurerei-Loge des Malteserordens. Zur Loge soll auch eine Journalistin mit Verbindungen zu wichtigen religiösen und politischen Kreisen gehören. Sie soll gewusst haben, dass Grande Aracri einen ‘Ndranghetista ist. Trotzdem nannte sie ihn “Fratello” (Deutsch: Bruder - in dem Fall einfach Mitglied der Freimaurerei). Sie soll zum Beispiel in religiösen Kreisen Druck aufgebaut haben, damit ein Verwandter Grande Aracris, der seine Strafe in einem Gefängnis weit von von seiner Familie absitzen musste, in ein heimisches Gefängnis verlegt wird. Zur gleichen Loge sollen auch wichtige Politiker gehört haben wie Gianni Letta, der 2006 auf Vorschlag von Silvio Berlusconi für das Amt als Staatspräsident kandidierte.

Seit 2013 sitzt Nicolino Grande Aracri im Gefängnis. Im Rahmen der Operation Kyterion wurde ein zweiter Haftbefehl gegen ihn vollstreckt. In erster Instanz wurde Grande Aracri zu sechs Jahren und acht Monaten Haft verurteilt, doch er beteuert seine Unschuld: Aracri behauptet, er sei erst seit 2000 Mafia-Boss gewesen. Davor habe er seinen Lebensunterhalt als Hirte und Landwirt verdient.

Der Clan hat enge Verbindungen nach Deutschland: Der Clanführer selbst soll in Warendorf (Nordrhein-Westfalen) gelebt haben. Ein hochrangiges Clan-Mitglied lebte in Stadtbergen (Bayern).

In Augsburg lebte zudem zwanzig Jahre lang ein Clan-Mitglied, das in Italien an der Ermordung zweier Mitglieder eines verfeindeten Clans beteiligt gewesen sein soll. Der Mann wurde international gesucht, im Jahr 2011 in Augsburg festgenommen und an Italien ausgeliefert. Drei Tage nach seiner Entlassung im Jahr 2014 wurde er in Kalabrien umgebracht. Heute ist der Clan Grande-Aracri besonders im Raum Münster stark.


 


Greco-Crescente

Clan-Boss



IN ITALIEN IDENTIFIZIERT: 
Kalabrien (Cirò )

DEUTSCHLAND: 
Baden-Württemberg (Stuttgart, Waiblingen), Rheinland-Pfalz (Niederhausen)

VERBÜNDETE CLANS: 
Clan Farao, Clan Grande-Aracri, Clan Critelli

HAUPTAKTIVITÄTEN: 
Drogenhandel

Geschichte: 
Der Greco-Crescente-Clan ist dem Clan Farao-Marincola untergeordnet und soll in Deutschland ein Vertriebsnetz für Drogen aufgebaut haben. Clanmitglieder wurden im Raum Stuttgart festgestellt. Sie haben dort unter anderem Restaurants betrieben. Weitere Clanmitglieder haben sich im Ort Niederhausen in Rheinland-Pfalz niedergelassen.