Mittwoch, 19. April 2017

Cafebar der Mafia mitten im Justizpalast Turin

Seit Monaten ist das Café am Eingang zum Turiner Landesgericht nach einem Korruptionsverfahren geschlossen. Hier tranken bis vor Kurzem noch Richter, Anwälte, Polizisten und Gerichtsbedienstete ihren Cappuccino. Pikantes Detail: Die Betreiber der Kaffeebar waren Camorra-Mitglieder. Sieben Personen befinden sich mittlerweile wegen Korruption und Mafia-Verwicklungen hinter Gittern. Doch die "Bar del Palagiustizia" in Turin ist nur die Spitze des Eisbergs.



15 Prozent vom Umsatz -

Denn 5000 Restaurants sollen in den Händen der Mafia sein. In Italien gibt es 118.000 Restaurants, Trattorien und Pizzerien. Die Beteiligung des organisierten Verbrechens am Umsatz in der Gastronomie beläuft sich auf circa 15 Prozent. In italienischen Metropolen wie Rom und Mailand sei mindestens jedes fünfte Lokal im Besitz eines Mafia-Bosses, vor allem der kalabrischen ´Ndrangheta. "Das organisierte Verbrechen hat die Wirtschaftskrise ausgenutzt, um die lokale Ökonomie zu unterwandern – und das auf eine sehr große und weitreichende Art und Weise", sagt ein Sprecher des italienischen Landwirtschaftsverbandes Coldiretti.

Vor wenigen Tagen gelang der Polizei ein neuer Schlag gegen die Mafia: Dabei wurden Bankkonten und Besitztümer einer Camorra Familie im Wert von 20 Millionen Euro beschlagnahmt. Darunter befand sich auch das Mailänder Restaurant "Donna Sophia", das seit 1931 am Corso di Porta Ticinese 1 betrieben wurde. "Leckeres Abendessen mit Pizza, Wein und Tiramisu. Freundliche Bedienung und gute Preise. Gern wieder. So kann man den Abend in Mailand ausklingen lassen", lautet einer der letzten Einträge einer Kundin auf der Plattform TripAdvisor. Die Polizei hat die Kontrollen in der Gastronomie intensiviert. 200.000 waren es 2016.

Restaurants und Bars dienen zumeist als Alibi für illegale Geschäfte und Geldwäsche. Dabei geht es der Mafia laut La Repubblica weniger darum "schmutzige Teller, als schmutziges Geld zu waschen". Den meisten Lokalbetreibern ist es daher auch egal, ob das Restaurant gut besucht ist. Zwei bekannte Restaurants in bester Lage in der Nähe des Pantheons im römischen Centro Storico wurden 2015 wegen Mafiaverwicklungen geschlossen. Auch die Beschlagnahmung des "Café de Paris" auf der legendären Via Veneto, ebenfalls in den Händen der ´Ndrangheta, sorgte für Aufregung.

Die sizilianische Cosa Nostra hat besonderes Interesse am Erwerb von landwirtschaftlichen Betrieben, sowie am Lebensmittelhandel, Einkaufszentren und Supermärkten. Die Camorra ist auf Nahrungsmittelindustrie und Gastronomie fokussiert. Die kalabrische ´Ndrangheta wiederum versucht verstärkt Einfluss auf Landwirtschaft sowie öffentliche Verwaltung zu nehmen.
Coldiretti warnt vor dem skrupellosen Vorgehen der Mafia, die bei der Lebensmittelproduktion keine Rücksicht auf Konsumentenschutz nimmt und auch gesundheitsschädigende Mittel einsetzt. Kriminelle Bosse zwingen Bauern zu Preisdumping. Die illegalen Einnahmen aus der Landwirtschaft beliefen sich im Vorjahr auf geschätzte 21 Milliarden Euro. Dies sei um 30 Prozent mehr als in den vergangenen Jahren.