Mittwoch, 25. Mai 2016

Skandal in Italien - Mitglieder der Camorra als Gefängniswärter

Fast 8000 Menschen haben sich in Rom für 400 Gefängniswärter-Jobs beworben - und 88 haben bei dem Test geschummelt. Jetzt ermitteln die Behörden: Sie vermuten, dass Camorra-Anhänger verantwortlich sind.




Ermittler in Rom sprechen von großangelegtem und organisiertem Betrug: 7700 Menschen hatten einen Test absolviert, um sich für eine von 400 Stellen als Gefängniswärter zu qualifizieren. Doch in 88 Fällen wurde den Angaben zufolge die Prüfung unterlaufen.

Die Bewerber hätten Antworten auf Armbändern oder Handyhüllen in den Raum geschmuggelt; einige hätten auch Ohrstecker bei sich gehabt, durch die den Ermittler zufolge wohl die Lösungen durchgegeben wurden.

Ihren Angaben zufolge wurden die Prüfungsunterlagen nördlich von Neapel gedruckt - dort, wo auch die Camorra regiert. Die Fahnder vermuten, dass Anhänger des Mafiaclans sich die Lösungen beschafft haben umso eigenen Leute als Wärter in die Haftanstalten einzuschleusen - dort sind Hunderte Mafia-Mitglieder inhaftiert.




Details zu den Ermittlungen wurden nicht bekannt. Das Justizministerium kündigte jedoch an, die Ergebnisse des Tests vom April annullieren zu wollen. "Es ist eine Schande", sagte der Chef der Gewerkschaft für Arbeiter im Strafvollzug. Als die Betrugsvorwürfe öffentlich wurden, "waren wir die ersten, die das Ministerium um Aufklärung gebeten haben", sagte Donato Capece.

Die Jugendarbeitslosigkeit in Italien war 2013 auf einen Rekordwert von über 42 % gestiegen, noch immer ist der Wert europaweit einer der höchsten. Am Dienstag zogen nun zahlreiche Test-Teilnehmer - viele von ihnen zwischen 20 und 30 Jahren alt - auf einen Platz nahe des Justizministeriums in Rom. Sie forderten die Regierung auf, sofort 1000 neue Gefängniswärter einzustellen.

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