Freitag, 6. Mai 2016

Mafia - Pizza - Pasta Basta

Der italienische Staat ist über Nacht um 80 Millionen Euro reicher geworden - ihm gehören jetzt Dutzende Pizzerien, Eisdielen und Autos: Die Behörden haben sich ein kulinarisches Mafia-Imperium in Rom angeeignet.



Vor zwei Jahren beschlagnahmte die Polizei im Herzen Roms sämtlichen Besitz eines italienischen Mafia-Clans, nun ist der Staat noch einen Schritt weitergegangen: Das gesamte Imperium einer Mafia-Familie im Wert von etwa 80 Millionen Dollar sei in staatlichen Besitz übergegangen,

Damit hat der italienische Staat auf einen Schlag etwa 28 Etablissements verstaatlicht - unter anderem Pizzerien, Eisdielen, Bars und Restaurants. Insgesamt sind 41 Immobilien, 76 Fahrzeuge, 77 Gesellschaften sowie 300.000 Euro Bargeld in staatlichen Besitz übergegangen.

Grazzanise

früherer Bürgermeister des süditalienischen Städtchens Grazzanise: Enrico Parente


Auch in Neapel gelang Ermittlern ein Erfolg gegen die Mafia. Wie die Medien in Italien berichten, nahmen Einsatzkräfte am Donnerstagmorgen acht Verdächtige fest - darunter den früheren Bürgermeister des süditalienischen Städtchens Grazzanise: Enrico Parente soll mit der Camorra zusammengearbeitet haben.

Erst Ende März hatte der bislang größte Mafia-Prozess Norditaliens unter großem öffentlichen Interesse gestartet. Insgesamt 147 Angeklagte, darunter der italienische Fußballweltmeister Vincenzo Iaquinta und dessen Vater, müssen sich in Reggio Emilia vor Gericht verantworten.

Im Visier der Justiz steht die kalabrische `Ndrangheta, die mehr und mehr auch im Norden des Landes aktiv wird. Iaquinta, der 2006 in Deutschland Weltmeister wurde, werden illegaler Waffenbesitz und Unterstützung der Mafia vrgeworfen. Sein Vater wird verdächtigt, Mitglied der Verbrecherorganisation zu sein. Der frühere Nationalspieler weist die Vorwürfe zurück.


Mit den beiden prominenten Angeklagten stehen zahlreiche Verdächtige vor Gericht, darunter Beamte, Politiker, Handwerker, Unternehmer und Journalisten. Zu den Anklagepunkten zählen vor allem klassische Mafia-Verbrechen wie Mord, Geldwäsche, Erpressung, Korruption und Stimmenverkauf bei Kommunalwahlen.