Donnerstag, 19. Mai 2016

Mafia dominiert deutsche Baubranche

Von: Jan Zimmermann 
In der deutschen Baubranche wird derzeit so viel betrogen wie vermutlich noch nie zuvor. Und: viele Beschäftigte in der Baubranche werden ausgebeutet, um Baupreise zu drücken und immer mehr Aufträge zu bekommen. Gewerkschaften sprechen von Lohndumping im großen Stil, Arbeitgeber von organisierter Kriminalität.



Die Betroffen werden ausgebeutet, um Baupreise zu drücken und immer mehr Aufträge zu bekommen, so Hans-Hartwig Loewenstein, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, im Interview mit dem ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus. Die boomende Bauwirtschaft locke Betrüger aus Ost- und Südosteuropa an, die zehntausende Bauarbeiter nach Deutschland bringen und sie hier oft um ihren verdienten Lohn prellen.


Viele Beschäftigungsverhältnisse illegal

Nach ARD-Recherchen steigt die Zahl der nach Deutschland entsandten Bauarbeiter seit sieben Jahren in Folge deutlich an. Im vergangenen Jahr waren es fast 107.000 Beschäftigte. Die Sozialkassen der Bauwirtschaft nehmen an, dass inzwischen rund 80 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse im Roh- und Trockenbau illegal sind. „Es sind schlimme Formen von Betrug“, so Gregor Asshoff, Vorstand der Soka Bau (Sozialkasse Bau). Im Einzelnen gehe es um Lohn-, Sozialabgaben- und Steuerbetrug.


Kaum Chance für seriöse Firmen

Die Baumafia habe inzwischen große Teile der Branche in der Hand und bestimme die Baupreise in Deutschland. Asshoff meint: „Wenn 20 Prozent des Marktes oder der Beschäftigungsverhältnisse in diese illegalen Strukturen abgeglitten sind, dann hat man eigentlich keine Chance mehr. Dann passiert nichts anderes, als dass der Rest des Marktes mit einbricht und sich diesen illegalen Formen anschließt.

“Seriöse Baufirmen haben in Folge des Preiskriegs und ruinösen Wettbewerbs kaum Chancen und müssen immer häufiger schließen. Nach Schätzung von Verbandschef Hans-Hartwig Loewenstein entstehen Staat, Sozialkassen und der Branche ein jährlicher Schaden in Höhe von etwa fünf Milliarden Euro.


Mehr zu diesem Thema in "Plusminus", Mittwoch, 18. Mai, 21.45 Uhr vom BR im Ersten