Donnerstag, 24. März 2016

Mafioso in Augsburg festgenommen

Es war Ende Januar 2015, als in einer Pizzeria im Augsburger Stadtteil Hochzoll die Handschellen klickten. Polizeibeamte nahmen den Chef fest, der unbewaffnet war und sich wohl auch nicht widersetzte. Der Mann war mit einem internationalen Haftbefehl gesucht worden. So berichteten es unmittelbar nach der Verhaftung italienische Medien. Das alles passierte, ohne dass in Augsburg groß von dieser Festnahme Notiz genommen wurde.



Jetzt sieht es anders aus: Der festgenommene Mann wird mit der Mafia in seinem Heimatland Italien in enge Verbindung gebracht. Über ein Jahr nach der Festnahme des Italieners beginnt jetzt im norditalienischen Reggio Emilia einer der größten Mafia-Prozesse Italiens. 

Es gibt 147 Angeklagte, zu denen auch der Gastronom gehört. Im Prozess geht es um mögliche Verbrechen der kalabrischen Mafiaorganisation ’Ndrangheta, die sich in Norditalien abgespielt haben. Hintergrund sind Immobiliengeschäfte, die in Verbindung mit zwei Erdbeben stehen. Vereinfacht gesprochen: Die Mafiosi sicherten sich über Strohmänner finanziell erquickliche Aufträge beim Wiederaufbau von Häusern. Laut italienischen Medien war der Mann, der in Augsburg verhaftet wurde, bei diesen Bauprojekten involviert.


Landeskriminalamt nahm ihn fest

Wie tief sind dann aber die Spuren der Mafia, die nach Augsburg führen? Welche Rolle spielte dabei womöglich der Gastronom? Wie intensiv war sein Kontakt zur alten Heimat Polizei und Staatsanwaltschaft haben offenbar keine Anhaltspunkte, die gezielt auf dunkle Geschäfte vor Ort in Augsburg hinweisen. Wie zu vernehmen ist, handelt es sich bei der damaligen Festnahme um ein Amtshilfeverfahren. Die italienischen Behörden hatten um Unterstützung gebeten. Zuständig ist das Bayerische Landeskriminalamt. LKA-Beamte nahmen den Verdächtigen fest. Der Gastronom wurde nach Italien ausgeliefert.

Wie zu vernehmen ist, hat sich der Fall aus heutiger Warte für die hiesigen Dienststellen erledigt. Zu den aktuellen Spekulationen von italienischen Medien, wonach der verdächtige Grande-Aracri-Clan über eine eigene Zelle in Augsburg verfüge, sagt Matthias Nickolai, Sprecher der Staatsanwaltschaft Augsburg, auf Anfrage: „Es wird immer viel behauptet.“ Letztlich entscheidend seien belegbare Fakten. Polizei und Staatsanwaltschaft wollen unabhängig davon keinen Einblick in ihre Arbeit geben, in wie weit mögliche mafiöse Strukturen vor Ort in Augsburg vorliegen.


Wie laufen die Geschäfte?

Wie mögliche schwarze Geschäfte ablaufen, ist kein Geheimnis. Die Buchautorin Petra Reski, die in Venedig lebt und sich in Büchern mit der italienischen Mafia befasst, hatte dies gegenüber unserer Zeitung einmal so beschrieben: „Wenn etwa ein 18-jähriger Italiener in Deutschland 100000 Euro in eine Pizzeria investiert, müssen sich die deutschen Behörden mit der Auskunft begnügen, das Geld habe er von einem Onkel in Italien bekommen.“ Die Beweislast, dass es sich um sauberes Geld handelt, liege in Deutschland bei den Behörden – in Italien beim Investor. 

Deshalb investiere die Mafia schmutzige Millionen seit Jahrzehnten besonders gerne in deutsche Immobilien, Firmen und Energieanlagen, um am Ende saubere, legale Gewinne einzustreichen. „Die Mafiosi laufen nicht mit der Maschinenpistole durch die Gegend, es ist die vornehmste Eigenschaft der Mafia, gerade nicht aufzufallen.“

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