Dienstag, 31. März 2015

Armer Handlanger der Mafia

Drogen- und Geldwäschereiaffäre der «Pizza Connection»: Schweizer Ermittler entdeckten ein Konto der Cosa Nostra – aber müssen sich jetzt mit sehr wenig zufrieden geben.

Die Entdeckung eines Kontos des 2006 in Italien verurteilten Mafioso Vito Roberto Palazzolo bleibt ohne große Folgen: Eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Geldwäscherei musste eingestellt werden. Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts hat lediglich die Einziehung von 5000 Franken genehmigt.




Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts hat eine Beschwerde des ehemaligen Kassierers der sizilianischen Cosa Nostra, Vito Roberto Palazzolo, abgewiesen, wie aus dem Entscheid hervorgeht.


Untersuchungen eingestellt

Auf Palazzolos 1983 eröffnetem Konto in der Schweiz stiess die Bundesanwaltschaft im Februar 2014 aufgrund einer Benachrichtigung durch die Meldestelle für Geldwäscherei 

Sie eröffnete eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Geldwäscherei, die im November des gleichen Jahres wieder eingestellt werden musste. Der Grund: Die letzten Bewegungen auf dem Konto wurden 1986 getätigt und damals war das Geldwäschereigesetz noch nicht in Kraft.


Höchstinstanzlich bestätigt

In Italien wurde Palazzolo 2006 vom Gericht Palermo wegen der Mitgliedschaft in der Mafia zwischen März 1992 und Juli 2006 zu neun Jahren Haft verurteilt. Dieser Entscheid wurde vom Appellationsgericht und im März 2009 auch vom Kassationsgericht bestätigt.

Die Entdeckung eines Kontos des 2006 in Italien verurteilten Mafioso Vito Roberto Palazzolo bleibt ohne große Folgen: Eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Geldwäscherei musste eingestellt werden. Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts hat lediglich die Einziehung von 5000 Franken genehmigt.

Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts hat eine Beschwerde des ehemaligen Kassierers der sizilianischen Cosa Nostra, Vito Roberto Palazzolo, abgewiesen, wie aus dem Entscheid hervorgeht.


Untersuchungen eingestellt

Auf Palazzolos 1983 eröffnetem Konto in der Schweiz stieß die Bundesanwaltschaft im Februar 2014 aufgrund einer Benachrichtigung durch die Meldestelle für Geldwäscherei.

Sie eröffnete eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Geldwäscherei, die im November des gleichen Jahres wieder eingestellt werden musste. Der Grund: Die letzten Bewegungen auf dem Konto wurden 1986 getätigt und damals war das Geldwäschereigesetz noch nicht in Kraft.


Höchstinstanzlich bestätigt

In Italien wurde Palazzolo 2006 vom Gericht Palermo wegen der Mitgliedschaft in der Mafia zwischen März 1992 und Juli 2006 zu neun Jahren Haft verurteilt. Dieser Entscheid wurde vom Appellationsgericht und im März 2009 auch vom Kassationsgericht bestätigt.

In der Schweiz können Palazzolos 5000 Franken eingezogen werden, weil sie in der Verfügungsmacht der Mafia und damit einer kriminellen Organisation standen. Dabei ist es nicht entscheidend, ob sie die Organisation auf legale oder illegale Weise erworben hat. Ziel ist, ihr die finanziellen Mittel zu entziehen.

Laufen die Gelder unter dem Namen einer Person, welche die Organisation unterstützt hat oder Mitglied war, gilt die Vermutung, dass die Gruppierung über die Mittel verfügen konnte – bis das Gegenteil bewiesen werden kann. Dies ist Palazzolo jedoch nicht gelungen.


«Pizza Connection»

Palazzolo wurde 1985 im Rahmen einer internationalen Drogen- und Geldwäschereiaffäre im Tessin zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Fall wurde unter dem Namen «Pizza Connection» bekannt.

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Montag, 30. März 2015

Willkommen in der Stadt des Mafiaclans der Casalesi

VON BIRGIT SCHÖNAU

Ein Hund liegt vor dem Rathaus von Casal di Principe, gelbe Augen, fahles Fell, kein Halsband. "Ein Streuner, einer von vielen", sagt Renato Natale. Und ein Problem für den 64-jährigen Bürgermeister Natale, eines von vielen.

Casal di Principe, 20.000 Einwohner, 1.200 Schwarzbauten, 40 Baufirmen, liegt gut 200 Kilometer südlich von Rom. Es ist der Heimatort der Casalesi, einer der mächtigsten Clans der neapolitanischen Mafia-Organisation Camorra. Lange waren die Casalesi die Herren von Casal di Principe und der gesamten Gegend. Ihr Regime war totalitär, sie brachten nicht nur ihre Konkurrenten um, sondern auch über 40 Unschuldige, darunter Frauen und Kinder. Und Gegner wie den Priester Giuseppe Diana. Wer heute in Casal di Principe ankommt, wird von diesem Schild empfangen: "Willkommen in der Stadt von Don Peppe Diana".




Bürgermeister Natale sagt, nach drei Jahrzehnten sei der Ort "wie von einer Militärdiktatur befreit". Die Bosse der Casalesi sind tot oder im Gefängnis. Auch ihre Gewährsmänner in der Politik sind entmachtet, allen voran Nicola Cosentino, Silvio Berlusconis ehemaliger Statthalter in der Region. Cosentino sitzt heute in Untersuchungshaft.

Nicola Cosentino, Silvio Berlusconis ehemaliger Statthalter in der Region. Cosentino sitzt heute in Untersuchungshaft


Die Aufräumarbeit der Justiz ist noch in vollem Gange. Gerade erst wurde im Nachbarort ein Kommunikationsnetz der Camorristi entdeckt, die sämtliche Haussprechanlagen im Ortskern miteinander verbunden hatten, um Befehle erteilen zu können. Sogar das Provinzkrankenhaus wurde von den Bossen beherrscht, von der Krankenhausküche bis zu den Elektrikern.

In ihrer Hochburg Casal di Principe war der Wahlsieg des parteilosen Arztes Natale im vergangenen Sommer wie ein Volksfest gefeiert worden. Es gab ein Feuerwerk, die Leute tanzten auf den Straßen. Auch in anderen berüchtigten Mafia-Nestern regieren heute bekannte Gegner der Bosse – etwa in Palermo, Catania und Corleone auf Sizilien und im kalabrischen Reggio Calabria. In Neapel ist ein früherer Staatsanwalt Bürgermeister. Und ein anderer Staatsanwalt, Raffaele Cantone, der viele Camorristi hinter Gitter brachte, stieg zum Präsidenten der nationalen Antikorruptionsbehörde auf.

Raffaele Cantone, der viele Camorristi hinter Gitter brachte


"Die militärische Macht der Casalesi ist gebrochen", bestätigt Renato Natale. "Aber sie können sich jederzeit neu organisieren. Wenn wir die in uns gesetzten Erwartungen enttäuschen, wird der Frust der Bürger umso stärker sein. Und mit Frustrierten hat die Camorra leichtes Spiel."

Auf den ersten Blick scheinen die Hürden für den Bürgermeister gar nicht so hoch zu liegen. Sicher, die streunenden Hunde müssen von der Straße, die Schwarzbauten legalisiert und an die Kanalisation angeschlossen werden, die Löcher im Asphalt gehören geflickt. Die Müllabfuhr soll endlich funktionieren, und das Stadion, in dem der inzwischen aufgelöste Fußballverein der Casalesi spielte, instand gesetzt werden. "Auch die Bevölkerung von Casal di Principe hat ein Recht darauf, Sport zu treiben", sagt Natale, es klingt trotzig. Als erste Amtshandlung ließ er das hoch gewachsene Gras im Stadion mähen, um den Joggern den Weg frei zu machen.

Was anderswo in Europa eine Selbstverständlichkeit ist, bedeutet für Casal di Principe einen großen Schritt, denn die Kommune hat kein Geld. Rund 15.000 Euro im Jahr für die Unterbringung der herrenlosen Hunde sind bereits ein Problem. Sozialhilfe für 1.200 Antragsteller zu zahlen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Die Zahl der Arbeitslosen wächst. Fast alle hier arbeiteten im Baugewerbe oder in der Landwirtschaft: beides von der Mafia verseuchte Wirtschaftszweige.

Die Armut ist allgegenwärtig. Viele Häuser sind unverputzt, manche nur Bauruinen. Geschäfte sind geschlossen, und wo doch einmal die Tür offen steht, weist sie in ein heruntergekommenes Ladenlokal. Auch die Rathaustreppen sind verdreckt, Natale kann sich keine Putzkolonne leisten. Der Bürgermeister arbeitet umsonst, dafür aber eigentlich immer. An zwei Wochentagen ist er ehrenamtlich als Arzt für die Ärmsten im Einsatz, für Migranten ohne Papiere und Straßenprostituierte. Mehr Einsatz geht kaum.

Es muss aber noch mehr gehen, denn die Regierung von Matteo Renzi hat verfügt, dass überall im Land Schulden abgebaut werden sollen, auch in soeben befreiten Städten wie Casal di Principe. Oder 500 Kilometer weiter südlich, in Reggio Calabria. Dabei scheint es dort, in der Hauptstadt Kalabriens, nicht an Geld zu fehlen. Streunende Hunde sieht man nicht am Corso Garibaldi, der Flaniermeile im Zentrum. Dafür florierende Geschäfte, kaum Billigläden.

In Kalabrien ist die ’Ndrangheta zu Hause, Italiens mächtigste Mafia-Organisation. Ihr vor allem auf Drogengeschäften basierender Umsatz wird auf rund 40 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Die kalabrischen Familienclans sind ein weltumspannendes Unternehmen, sie kaufen Drogen in Südamerika und waschen das Geld überall in Europa, auch in Deutschland. In den vergangenen Monaten flogen ’Ndrangheta-Firmen auf, die sich Aufträge für die Expo 2015 in Mailand gesichert hatten. Die Casalesi mögen geschwächt sein, die ’Ndrangheta aber wird immer stärker.

In Reggio Calabria galt ihre Macht sogar als nahezu unbegrenzt. Vor drei Jahren allerdings wurde die Stadtverwaltung abgesetzt, als sich herausstellte, dass neben den Politikern sämtliche kommunale Dienstleistungsfirmen der Mafia unterstanden. Im vergangenen Oktober wurde ein neuer Bürgermeister gewählt: Giuseppe Falcomatà, erklärter Mafia-Gegner wie schon sein Vater Italo, der die Stadt von 1993 bis 2001 regiert hatte. Auch Reggio wagt den Neuanfang.

Der Sozialdemokrat Falcomatà ist 31 Jahre alt, in seinem dichten, kastanienbraunen Haar glitzern die ersten grauen Strähnen. Er empfängt im roten Salon des Rathauses, ein geschmackvoll renovierter Jugendstilbau. Auch er wirkt aufgeräumt, aber da ist auch viel Sarkasmus. "Lassen Sie uns zuerst über die angenehmen Seiten meiner Stadt reden", sagt er. "Das Klima ist perfekt, das Meer wunderschön. Damit hätte es sich."

Gerade kommt der Bürgermeister von einer Krisensitzung mit den städtischen Verkehrsbetrieben. Sämtliche Busse waren im Depot geblieben, weil die Versicherungsfrist abgelaufen war, angeblich völlig überraschend für die Verantwortlichen. Genauso wie die zehn Ausfälle in der Wasserleitung vergangene Woche. "Zehn Defekte in einer Woche sind zu viel", kommentiert Falcomatà, das Wort Sabotage spricht er nicht aus. In Kalabrien ist man vorsichtig mit bestimmten Wörtern.

Giuseppe Falcomatà ist Jurist. Und Schriftsteller, zwei Romane hat er veröffentlicht, in einer bemerkenswert leichten, luftigen Prosa. Dann ging er in die Politik, eroberte über 60 Prozent der Wählerstimmen. "Ein beeindruckend starker Wunsch nach Veränderung", analysiert er kühl. "Wie damals bei meinem Vater. Aber ich muss sagen: Als er vor 20 Jahren Bürgermeister wurde, war vieles einfacher." Einfacher? Damals ermordete die sizilianische Mafia Cosa Nostra die Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, zündete Bomben an der weltberühmten Gemäldegalerie Uffizien in Florenz und vor zwei Kirchen in Rom. Die sizilianische Mafia hatte dem Staat den Krieg erklärt. "Doch damals reagierte die Regierung in Rom", sagt Falcomatà. "Und wir bekamen Hilfe aus Europa. In Reggio herrschte Aufbruchstimmung."

Giuseppe Falcomatà


Heute ist das anders. Die Cosa Nostra erscheint zwar geschwächt, die ’Ndrangheta aber weitet ihre Geschäfte aus. Der Aufbruch in Kalabrien hat einer lähmenden Krise Platz gemacht. Und Rom rückt immer weiter weg. Premier Matteo Renzi will sich mit der Mafia nicht aufhalten. Reformen, Schuldenabbau, Wachstum, das ist sein römischer Dreiklang. Im Süden kommt davon nur ein schwaches Echo an: sparen, sparen, sparen.

Die Stadtkasse von Reggio ist leer. Am Wochenende hat der Bürgermeister mit 50 freiwilligen Helfern die Friedhöfe von Reggio aufgeräumt. Der Auftrag für den Grünflächendienst konnte noch nicht erteilt werden – kein Geld. In Reggio Calabria sind nur die anderen reich: die Bosse. Ähnlich wie sein Kollege in Casal di Principe hat Falcomatà seinen Wählern nicht das Blaue vom Himmel versprochen. Aber doch immerhin ein funktionierendes Krankenhaus, pünktlich fahrende Busse. Klingt nicht nach viel, bedeutet aber: eine andere Stadt.

Das größte Problem wird Falcomatà freilich nicht lösen können. Man muss zweimal hinschauen, bevor man es wahrnimmt, aber dann wird es unübersehbar. Es wimmelt von jungen Menschen in Reggio Calabria. Trauben von jungen Frauen schlendern den Corso entlang, perfekt frisiert, modisch gekleidet, teure Handtaschen am Arm. Gruppen junger Männer sitzen in den Bars, hantieren mit den neuesten Smartphones und lassen Diamantohrringe aufblitzen. An der Meerespromenade mit dem spektakulären Blick auf die Küste Siziliens und den schneebedeckten Ätna knutschen Paare unter Magnolienbäumen. Und das alles freitagmorgens um elf Uhr.

Eine Zeit, in der junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren üblicherweise an der Uni sind, im Betrieb oder im Büro. Nicht in Reggio, der 180.000-Einwohner-Stadt am südlichsten Ende Italiens und Europas. Weit über die Hälfte der Jungen hier sind beschäftigungslos. Keine Arbeit, kein Studium.

Nur Shopping. Aber von welchem Geld? "Die Familien legen Wert auf die Fassade", erklärt Bürgermeister Falcomatà. "Eher verschuldet man sich, als die eigenen Kinder ärmlich gekleidet aus dem Haus zu schicken." Kredite zu Wucherzinsen zu verleihen, das ist jetzt ein großes Geschäft für die ’Ndrangheta. Im Vergleich zum Drogenbusiness macht sie damit wenig Gewinn, aber es garantiert ihr die Kontrolle über ihr Territorium.

Eine Kontrolle, von der ein gewählter Bürgermeister nur träumen kann.


Sonntag, 29. März 2015

Sohn von Mafia-Paten Provenzano hält Vorträge

Angelo Provenzano, Sohn der langjährigen Nummer eins der sizilianischen Cosa Nostra, Bernardo Provenzano, hält für US-Touristen in Palermo Vorträge zum Thema Mafia. Der 39-Jährige berichtet dabei jeden Samstag über das Leben mit seinem Vater, der sich mehr als 40 Jahre lang vor der Polizei versteckt hielt. Kritik kommt nun von der Justiz und Anti-Mafia-Verbänden.




Die Vorträge finden im Luxushotel Plaza Opera statt, berichtete die in Rom erscheinende Tageszeitung "La Repubblica" am Sonntag. Das Publikum besteht aus wohlhabenden US-Touristen, die beim Reiseveranstalter "Overseas Adventure Travel" in Boston eine Sizilien-Tour gebucht haben.


"Geschichte der Region"

"Unsere Gäste sind über 60 Jahre alt und wollen die Geschichte der Region kennenlernen, die sie besuchen. Sie treffen auch Flüchtlinge, die auf Sizilien ankommen. Wir veranstalten keine Mafia-Touren, sondern zeigen unseren Gästen das wahre Sizilien", erklärte Salvo Cascino, der regionale Organisator der Tour.

"Die Figur des Mafia-Paten Provenzano darf nicht verherrlicht werden", warnte der sizilianische Anti-Mafia-Staatsanwalt Leonardo Agueci. Mitglieder von Anti-Mafia-Verbänden riefen den Tourveranstalter auf, Vorträge mit den Angehörigen der Cosa-Nostra-Opfer zu organisieren.


"Boss der Bosse"

Bernardo Provenzano, ehemaliger Chef der Cosa Nostra, war im April 2006 in seinem sizilianischen Heimatdorf Corleone verhaftet worden. Die Polizei hatte ihn 43 Jahre lang gesucht. Der heute 81-Jährige galt als der meistgesuchte italienische Mafia-Pate. Der "Boss der Bosse" soll laut Aussagen von Mafia-Aussteigern in mindestens 40 Morde verwickelt gewesen sein. Mehrmals wurde er während seiner Flucht in Abwesenheit zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt. Er soll auch Drahtzieher von internationalem Drogenhandel und Geldwäsche sein.

Sein Sohn Angelo, gegen den niemals wegen Mafia-Zugehörigkeit ermittelt wurde, verteidigt sich: "Ich habe das Recht auf ein normales Leben. Für mich sind die Vorträge eine Gelegenheit, um im Tourismusbereich zu arbeiten", sagte Provenzano junior. 

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50 Mio. von 'Ndrangheta-Firmen beschlagnahmt


Die italienische Finanzaufsicht hat gestern Güter im Wert von 50 Millionen Euro von drei Unternehmern beschlagnahmt. Sie unterhielten Hotels und Luxusimmobilien in ganz Italien.

Die in Italien bekannten Tourismusunternehmer Bruno V., Antonio C. und Domenico M. sollen nach neuen Ermittlungen der italienischen Finanzaufsicht von Reggio Calabria Beziehungen zur ‘Ndrangheta unterhalten und für eben diese Geld gewaschen haben.




Sie nahmen das illegale Geld der Clans aus Morabito und Aquino, wuschen es rein und benutzen es dann um in den Immobilienmarkt von Rom zu investieren. Laut der Staatsanwaltschaft von Reggio Calabria seien so wichtige Hotelanlagen auf illegale Gelder der organisierten Kriminalität zurückzuführen.

Anlass zu den Ermittlungen waren Hinweise auf eine Verbindung zwischen Bruno V. und Mitgliedern der ‘Ndrangheta, die während der Operation Metropolis ans Licht kamen. Damals ist bereits sein Luxushotel “Parco dei Principi a Roccella Ionica” beschlagnahmt worden. Nun zeigte sich, dass Bruno V. außer in Hotels auch im Immobiliensektor aktiv Geld wusch.

Die beschlagnahmten Güter im Wert von über 50 Millionen, waren im Großteil Immobilien, darunter ein Luxushaus im Zentrum von Rom, 12 Unternehmen und 12 Autos und Motorräder.

Für ihre Ermittlungen haben die Beamten vor allem Satellitenbilder benutzt. So konnten sie den Wert, der von den Unternehmern angegebenen Anwesen und deren tatsächlichen Reichtum vergleichen und stießen auf eklatante Unterschiede.

Die Ermittlung zeigt wieder einmal, wie neben dem Drogenhandel, die Unterwanderung des Immobilienmarktes einer der wichtigsten Geschäftszweige der ‘Ndrangheta ist, weil in Zeiten der Krise sie durch Darlehen und private Kredite es schafft, Unternehmer auf die eigene Seite zu ziehen.


Freitag, 27. März 2015

Anti-Mafia-Priester Luigi Ciotti schwer bewacht

Zwanzig Jahre im Visier der ehrenwerten Gesellschaft - Priester kümmert sich um Drogenabhängige, Prostituierte und ehemalige Häftlinge.



Es war eine der größten Kundgebungen, die Bologna in den letzten Jahren erlebt hat: Rund 200.000 Demonstranten feierten am Samstag das 20-jährige Bestehen von "Libera", dem größten Anti-Mafia-Netzwerk Italiens, einer Dachorganisation von mehr als 1300 Vereinen und Bürgerinitiativen. Der Gründer von Libera ist der 69-jäh- rige Straßenpriester Don Luigi Ciotti. Der aus den Dolomiten stammende Geistliche ist der von der Mafia am meisten gehasste Mann des Landes. Er muss von über 20 Polizisten rund um die Uhr beschützt werden.

Der Priester hatte schon 1965 als 20-Jähriger in Turin eine Hilfsorganisation gegründet, die sich um Drogenabhängige, Prostituierte und ehemalige Häftlinge kümmerte. Später war Don Ciotti von einer neuen Idee beseelt: Die von der Mafia mit Blut- und Drogengeld zusammengerafften Ländereien sollten der Zivilgesellschaft zurückgegeben und von gemeinnützigen Organisationen gratis genutzt werden können. 1995 gründete Don Ciotti zu diesem Zweck Libera und sammelte innerhalb von wenigen Monaten über eine Million Unterschriften für ein Gesetz, das die definitive Beschlagnahmung von Mafia-Gütern ermöglichen sollte. Bereits 1996 trat es in Kraft.

Seither wurden in Italien tausende Mafia-Besitztümer konfisziert: Hotels und Ferienanlagen, Appartements und Villen, Pizzerien und Konditoreien, Gutshöfe, Felder, Wald und Wiesen. Auf mehreren Gutsbetrieben hat Don Ciotti Kooperativen gegründet, wo arbeitslose Jugendliche gemeinsam mit ausgebildeten Landwirten Äcker bestellen, Oliven ernten, Hartweizen mahlen und Wein pressen. Die Produkte werden in eigenen Bioläden verkauft, die den schönen Namen "Sapori della legalità" tragen - "Geschmack der Legalität". Der erste Laden wurde 2007 in Rom eröffnet; inzwischen gibt es sogar einen in Corleone, der sizilianischen Heimatstadt des Super-Paten Toto Riina.

Die Kooperativen seien eine "doppelte Ohrfeige" für die Clans, betont Don Ciotti: "Man hat sie enteignet, und nun entsteht gerade auf ihrem früheren Land so etwas wie ein Gemeinschaftsgefühl." Beides sei Gift für die kriminellen Clans: "Was Sinn stiftet und zu einem ehrlich erwirtschafteten Auskommen beiträgt, wird von der Mafia gefürchtet." Dass die Clans gegen die Kooperativen immer wieder Brandanschläge und Sabotageakte verüben, bestätigt Don Ciotti nur in seiner Überzeugung, "dass wir auf dem richtigen Weg sind"

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Donnerstag, 26. März 2015

Leckere Pizza enttarnt italienischen Mafioso in Russland

Ein italienischer Mafioso hat sich nach Russland abgesetzt und ist dort Pizzabäcker geworden. Durch seine leckeren Spezialitäten wird er berühmt und anschließend verhaftet. Seine Kollegen wundern sich und hoffen auf eine baldige Rückkehr. Doch daraus wird wohl nichts.



Die Russen haben richtige italienische Mafiosi bisher nur im Kino erlebt. In der St. Petersburger Express Trattoria fielen die Kollegen aus allen Wolken, als bei ihnen die russische Kriminalpolizei erschien, um den italienischen Pizzabäcker Nicolo, der gern auf den russischen Kosenamen Kolja hörte, festzunehmen. Sie mussten sich sagen lassen, sie hätten ein Jahr lang mit einem echten Mitglied der Cosa Nostra Seite an Seite zusammen gearbeitet.


Der nette Mafioso

Ihr Kolja war kein schießwütiges Ungetüm aus dem Film, sondern ein bezaubernder, stets lächelnder, sehr männlicher Mann von 33 Jahren, der ein reizendes Italo-Russisch sprach. Als die Polizisten am Mittwoch kamen, servierte er ihnen seine Spezialität, die geschlossene Pizza Calzone. Sie sollen sie kosten, solange er sich umziehe, es sei ja gerade die Mittagszeit, meinte er. Auch trug er keine Rollkragenpullover, um, wie der Volksmund behauptet, das Gewinde vom Holzkopf zu verbergen. In Italiens Unterwelt hörte er nämlich auf den Spitznamen „Holzkopf“. Die Kollegen wollten es einfach nicht glauben und wünschten Kolja, er solle bald wieder frei und zu ihnen zurückkommen. Danach sieht es allerdings nicht aus.


Di Mauro versteckte sich seit März 2014

Im Juli 2013 nahmen die italienische Kriminalpolizei und Carabinieri 50 sogenannte Generäle der Mafia in Rom fest. Gleichzeitig wurden in Süditalien 65 Mitglieder der sizilianischen Familien Fasciani, Triassi und D`Agati dingfest gemacht. Sie sollen sich im Laufe von 20 Jahren das ganze Spiel- und Unterhaltungsgeschäft in Rom-Ostia mit nicht immer sauberen Mitteln geführt haben. Ende Januar 2015 verurteilte ein italienisches Gericht 14 von ihnen zu insgesamt 200 Jahren Gefängnis. 

Der Chef des Familienclans, Carmine Fasciani, wurde zu 28 Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Seine Frau Silvia muss für 16 Jahre und 9 Monate hinter Gitter. Der Vertraute von Don Carmine, Nicolo di Mauro, wurde im März 2014 festgenommen. Da jedoch damals nichts Ernsthaftes gegen ihn vorlag, wurde er bis zum Prozessbeginn wieder auf freien Fuß gesetzt. Er setzte sich sofort nach Russland ab, das ihm am sichersten erschien.


Berufseifer wurde zum Verhängnis

Wie nun russische Zeitungen berichten, soll di Mauro eine förmliche Einladung von einer „juristischen Person“ in St. Petersburg erhalten haben. Er reiste legal nach Russland ein, erhielt anstandslos eine Arbeitsgenehmigung, mietete sich eine Wohnung und ließ sich ordnungsgemäß polizeilich anmelden. Obwohl er über Interpol zur Fahndung ausgeschrieben wurde, hatte er gute Chancen, weiter im Schatten zu bleiben. 

Er fiel nur auf, weil er seinen neuen Beruf viel zu ernst nahm. Seine leckeren Pizzen waren stadtweit berühmt. Die Spezialität Calzone gab es nur auf Voranmeldung. Zahlreiche Schüler wollten von ihm die Geheimnisse der Pizzaherstellung lernen. In der Presse erschienen seine Fotos, die auch beim russischen Interpolbüro registriert wurden.

In der Heimat wird di Mauro angelastet, „feindliche Übernahmen“ im Auftrag von Don Carmine organisiert zu haben. Er schuf Briefkastenfirmen und meldete auf sie Unternehmen um, die ihren legitimen Besitzern weggenommen wurden. Italien muss nun binnen 40 Tagen einen Auslieferungsantrag stellen. Bis dahin bleibt der nette Holzkopf im St. Petersburger Untersuchungsgefängnis Nummer 4.

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Papst auf „Kreuzzug“ gegen die Camorra

Franziskus hat sich in die gefährliche Camorra-Hochburg Scampia im Norden Neapels begeben und Korruption und Arbeitslosigkeit angeprangert.




Neapel. Vor rund 60.000 Gläubigen hat Papst Franziskus am Samstag in Neapel eine Messe auf der Piazza del Plebiscito gefeiert und die Gläubigen zur Befreiung der Stadt von der Kriminalität aufgerufen. Damit sprach er indirekt Neapels Camorra an: „Reagiert mit Stärke auf die Organisationen, welche die Jugend, die Armen und Schwachen mit dem zynischen Drogenhandel und anderen Verbrechen ausbeuten und korrumpieren. Lasst euch die Hoffnung nicht nehmen [. . .]. Korruption und Kriminalität entstellen das Gesicht dieser schönen Stadt!“, so der Papst.



Zuvor hatte sich Franziskus in die gefährliche Camorra-Hochburg Scampia im Norden Neapels begeben und Korruption und Arbeitslosigkeit angeprangert. Er rief dazu auf, Stadt und Gesellschaft „von diesem Übel zu reinigen“. Seit seinem Amtsantritt 2013 hat sich der Argentinier oft gegen die Mafia gewandt. Er sprach bei einem Besuch in Kalabrien im Vorjahr erstmals von Exkommunikation der Mafiosi. Im norditalienischen Bologna demonstrierten zeitgleich Tausende gegen die Mafia. Organisiert wurde der Protest von Pfarrer Luigi Ciotti, der seit Jahren gegen das organisierte Verbrechen kämpft.
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TV-Doku beleuchtet Schweizer Mafia-Szene

Die Szene ähnelt einem Ausschnitt aus einem Martin-Scorsese-Film: Rund um einen Tisch herum sitzen ältere Männer in Anzügen, vom Tischende her tönt es: «Kokain, Heroin, es hat von allem. Zehn Kilo, 20 Kilo pro Tag bringe ich euch persönlich.» Man wähnt sich in einer kalabrischen Mafiahochburg. Nur stammt das Video weder aus Italien noch handelt es sich um eine Hollywood-Kulisse. Aufgenommen wurde es von der Thurgauer Kantonspolizei – im Gasthaus Schäfli in Wängi.




Die von den italienischen Untersuchungsbehörden in der Reggio Calabria bereits im letzten Jahr veröffentlichten Aufnahmen sind vom Tessiner Fernsehen TSI erneut aufgegriffen worden. Dabei entstanden ist eine Dokumentation, die am Freitag auf SRF info gezeigt wurde.


Bisher nur wenige Festnahmen

Der Beitrag der beiden Reporter Maria Roselli und Marco Tagliabue bietet vertiefte Einsichten in die mafiosen Strukturen der seit 40 Jahren existierenden 'Ndrangheta-Zelle, die unter anderem auch in Frauenfeld operiert. Dabei wird klar, dass viele Mitglieder der Organisation weiterhin unbehelligt und zum Teil unerkannt in Frauenfeld leben.

Nur wenigen konnte bis jetzt das Handwerk gelegt werden – zum Beispiel dem mutmaßlichen ehemaligen Paten Antonio N., der in dem Video seinen Gefolgsleuten Drogenlieferungen verspricht. Er wurde im August 2014 zusammen mit Raffaele A., einem weiteren Thurgauer Verdächtigen, verhaftet. Auch der ranghöhere Giuseppe L., genannt «Peppe die Kuh», der über die 'Ndrangheta-Zellen in Norditalien und der Schweiz geherrscht habe, wurde am 18. November letzten Jahres festgenommen.



«Ich kenne ihn. Das ist ein Witz, oder?»

Laut der Tessiner TV-Doku hatte «Peppe die Kuh» zuvor noch versucht, bei einem Bauunternehmer in Pragg-Jenaz in Graubünden kalabrische Landsleute einzuschleusen. Mit den kriminellen Machenschaften des Bekannten konfrontiert, reagiert der Bauunternehmer mit Verblüffung: «Machen Sie Witze?», fragt er die Reporterin. «Ich kenne ihn, ja. Das ist ein Witz, oder?»

Nicht nur im Bündnerland kann man sich einfach nicht vorstellen, dass im Bekanntenkreis der eine oder andere Mafiosi stecken könnte. Dass die Namen der identifizierten Personen aus dem Schäfli-Video aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht veröffentlicht werden, verkompliziert die Situation zusätzlich. In der Frauenfelder «Communità» schafft das erhebliche Verunsicherung. «Jeder verdächtigt jeden», ist im TV-Beitrag zu hören.


Weiteres Vorgehen unklar

Keine Klarheit verschafft die Dokumentation über das weitere Vorgehen gegen den Mafia-Ableger. Da die Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation wie der kalabrischen 'Ndrangheta in der Schweiz und in Italien juristisch unterschiedlich beurteilt wird, sind den Behörden die Hände gebunden.


Während das Schäfli-Video laut «Thurgauer Zeitung» der italienischen Justiz als Beweis für die Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation ausreicht, verlangt Bundesanwalt Michael Lauber, dass auch eine konkrete Straftat vorliegen müsse, bis man ein Mitglied belangen könne.
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