Mittwoch, 25. Februar 2015

Mafia: Südtirol nach wie vor verlockend

Das Trentino-Südtirol scheint am effektivsten einer Infiltration durch Mafia-Organisationen im Vergleich zu anderen Regionen im Triveneto Widerstand geleistet zu haben. Dies betonte Giovanni Russo, Rat im Oberlandesgericht in Trient der Bezirksdirektion der Antimafia-Polizei, beim Bericht über das Jahr 2014, wie die Tageszeitung Alto Adige schreibt. 





Trotzdem wecke die Region nach wie vor den Appetit von kriminellen Organisationen. Grund sei der ökonomische Wohlstand vor allem im Tourismussektor. Außerdem würden in der Region wichtige öffentliche Infrastrukturen errichtet. 

Die kriminellen Phänomene, auf die die Ermittler ihr Hauptaugenmerk in der Region gelegt haben, sind vor allem Tatbestände in Zusammenhang mit Drogen. Obwohl beim internationalen Drogenhandel selten Südtirol oder das Trentino der Bestimmungsort der „Ware“ sind, müssen Kuriere und Zwischenhändler die Region durchqueren. 

Südtirol ist vor allem auch für den Zigarettenschmuggel relevant. In diesem Bereich sind unter anderem Banden aus Griechenland, Russland, Moldawien, Polen, der Ukraine und Ungarn aktiv, die wiederum Verbindungen zur organisierten Kriminalität in Kampanien aufweisen. Die Zigaretten werden oft in Fahrzeugen mit doppeltem Boden versteckt. Während Busse, Lkw, Liefer- und Campingwagen beliebte Transportmittel sind, wurde in einem Fall sogar ein Rettungswagen benutzt. Neben den Pässen am Brenner und in Winnebach sind vor allem der Friaul sowie die Häfen von Ancona, Bari und Brindisi beliebte Ankerpunkte, wo die geschmuggelte Ware in Italien ankommt. 

Insgesamt wurden in der Region 17 Ermittlungsakten eröffnet. Auch der illegale Mülltransport spielt in der Region eine Rolle. Fünf Ermittlungsakten konnten noch nicht abgeschlossen werden. Gegen 26 Personen wird derzeit ermittelt, zwei Personen befinden sich in Untersuchungshaft, vier Strafverfahren sind momentan am Laufen, während neun Urteile gefällt wurden.

 Im Jahr 2014 wurden im Trentino-Südtirol keine besonderen Maßnahmen zur Vorbeugung gegen die organisierte Kriminalität getroffen - warum auch immer... Gleichzeitig wird im Bericht auch auf eine Zunahme von ausländischen Staatsbürgern in der Region, gegen die ermittelt wird, hingewiesen. Dies mache deutlich, dass die Region weniger eine italienische Grenzregion, sondern vielmehr ein strategischer Knotenpunkt im Herzen Europas sei. Vor allem im Bereich des Drogenhandels seien kriminelle Vereinigungen aus Albanien und Nordafrika aktiv. Sie wickeln die Drogenflüsse ab und knüpfen Kontakte zu kriminellen Organisationen in anderen Regionen. Was die Dealer vor Ort anbelangt, seien in letzter Zeit vermehrt Personen aus Mittelafrika ins Visier der Ermittler geraten. 

Oft handle es sich um Flüchtlinge, die darauf warten, dass ihrem Asylantrag stattgegeben wird. Generell stammen die Dealer meistens aus Marokko, Tunesien und Algerien. In der Region kam es zwischendurch zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen nordafrikanischen und albanischen Drogendealern im Kampf um die Kontrolle über das Territorium. 


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