Sonntag, 4. Januar 2015

Schwaben - der große Rückzugsraum der Mafia

Der Südwesten habe eine zentrale Lage im Herzen Europas, zudem gebe es unter anderem gute Investitionsmöglichkeiten und eine hohe Lebensqualität, sagt Stürmer. Baden-Württemberg - und auch der Bodenseeraum - seien allerdings weniger Aktionsraum als ein "Rückzugs- und Ruheraum", sagt Stürmer. Konkrete Straftaten ließen sich dem bekannten Personenkreis eher selten nachweisen. "Zuhause vor seiner Haustüre will man seine Ruhe haben und nicht auffallen." Dennoch dürfe man nicht den Eindruck erwecken, in der Region sei alles friedlich: "Wir sind hier keine Insel der Seligen. Aber von deutschem Boden, wird organisiert, geplant und angeordnet..."



"In Baden-Württemberg kennen wir circa 180 Personen, bei denen uns Erkenntnisse vorliegen, dass sie der italienischen Mafia angehören." Nach Angaben des Landeskriminalamtes wurden 2013 beispielsweise zwei in Italien gesuchte mutmaßliche Mafia-Mitglieder in Metzingen und Singen festgenommen, im Jahr 2011 schnappte die Polizei fünf Männer im Landkreis Konstanz, die Mitglieder der Gruppe Ndrangetha gewesen sein sollen.

Ein dritter Bereich der Organisierten Kriminalität sei russisch-eurasisch: "Hier finden wir vor allem Eigentumskriminalität, Cybercrime, aber auch straff organisierte Kriminelle, die hoch professionell ältere Menschen mit dem Enkeltrick ausnehmen."

Die schweigsamen Mafiosi bleiben im Verborgenen: Es reiche nicht, einzelne Akteure auf der unteren Ebene festzunehmen, sagt Stürmer. "Die werden sofort ersetzt." Ziel der polizeilichen Ermittlungen sei es, möglichst auch an die wahren Bosse heranzukommen.
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