Dienstag, 20. Januar 2015

'Ndrangheta - geheimes Ritualbuch beschlagnahmt

Die heimlichen Rituale der kalabrischen ‘Ndrangheta, ihre bisher nie bestätigten Traditionen und Legenden wurden nun in einem Buch gefunden, dass die Antimafia-Behörde heute in Rom sichergestellt hat. Der “Code von San Luca” bietet ein neuen, noch nie gehabten Blick in das Innenleben der kriminellen Organisation.





Im sogenannten “Code von San Luca” sind die einzelne Schritte der Rituale beschrieben, um neue Personen in die Mafia aufzunehmen oder ihnen höhere Grade anzuerkennen. Bisher gab es lediglich Vermutungen über die Abläufe solcher Rituale, vereinzelt konnten italienische Polizisten auch Teile von Ritualen filmen, eine Anleitung dazu gab es noch nie.

Das Buch ist in einer Geheimschrift geschrieben, die die italienischen Behörden entziffern konnten. Es wurde gemeinsam mit einem Waffenarsenal, dass dem Pizzata-Clan zugeschrieben wird gefunden. Dieser betreibt den Drogenhandel in Rom.




Außerdem konnte die Ermittlergruppe der italienischen Guardia di Finanza eine besonders wichtige Zelle der Kalabresischen Clans Pelle-Nirta-Giorgi alias Cicero in Rom aufdecken, die ebenfalls alle auf den internationalen Handel mit Drogen spezialisiert waren.

So kam es neben dem Buchfund zu 31 Verhaftungen wegen Mitgliedschaft in der Mafia, Erpressung, Drogenhandel und Waffenbesitz. Unter den Festgenommenen sind international gesuchte Mafiosi wie Luigi Martelli des Pelle-Clans, der seit 2012 gesucht wird, Edmundo Salazar Cermeno, “der Chemiker” genannt, sowie Francesco Nirta, der am Bahnhof von Rom festgenommen wurde, als er gerade nach Reggio Calabria flüchten wollte.



Außerdem konnten insgesamt 600 Kilo Drogen sichergestellt werden, darunter hauptsächlich Kokain und Haschisch. Die Clans sollen laut Ermittler auch Mitglieder in Kolumbien und Marokko haben, die gemeinsam mit den südamerikanischen und afrikanischen Drogenkartellen Geschäfte machen. Sobald die Drogen in Italien angekommen sind, werden sie durch andere ‘Ndrangheta - aber auch Camorra-Clans vertrieben. Der Gewinn wird in legale Wirtschaftszweige der ‘Ndrangheta investiert.
Doch unter den ‘Ndrangheta-Clans in Rom herrschte keine Einigkeit.





So gab es einen Krieg zwischen den Pizzata und den Mitgliedern des Nirta-Clans. Erstere hatten um die gesamte Kontrolle über den Drogenhandel zu bekommen den römischen Boss des Nirta-Clans am 24. Januar 2013 umgebracht. Außerdem kam es immer wieder zu Einschüchterungsversuchungen und Gewaltakten gegenüber der römischen Bevölkerung. Insgesamt waren über 450 Beamte der italienischen Polizei und Guardia di Finanza bei der Razzia im Einsatz.
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