Samstag, 3. Januar 2015

Italienische Bischöfe: Mafiosi sind automatisch exkommuniziert

Ein halbes Jahr nach der aufsehenerregenden Mafia-Rede von Papst Franziskus im süditalienischen Kalabrien haben die Bischöfe der Region die automatische Exkommunikation von Mafiosi bekräftigt. Die Mafia stelle einen "Abfall von Gott" und eine "Struktur der Sünde" dar, heißt es in einer "seelsorgerischen Erklärung" der kalabrischen Bischöfe vom Wochenende.





Mafiosi stünden "nicht in Gemeinschaft mit der Kirche und stellen sich automatisch außerhalb der christlichen Gemeinschaft und des rechten Glaubensbekenntnisses", so das am Freitag in Reggio Calabria vorgestellte Papier. Ebenso wie Papst Franziskus beziehen die Bischöfe damit offenbar die automatische Exkommunikation schon auf die Zugehörigkeit der Mafia unabhängig von konkreten Delikten.

Die kalabrische Mafia, die sogenannte Ndrangheta, gilt mittlerweile mit einem geschätzten Umsatz von über 50 Milliarden Euro als mächtigste Verbrecherorganisation Italiens. Ihre größte Einnahmequelle ist der internationale Drogenhandel.

Die Ndrangheta sei nicht nur eine kriminelle Organisationen wie jede andere, schreiben die kalabrischen Bischöfe, sie instrumentalisiere und missbrauche vielmehr religiöse Riten und Formeln, um das Heilige nachzuäffen. Sie huldige einer "atheistischen Heiligkeit".

Echo auf Papstbesuch im Juni

Franziskus hatte im Juni in Kalabrien mit einer scharfen Verurteilung der Mafia Aufsehen erregt: "Diejenigen, die der Straße des Bösen folgen, wie die Mafiosi, sind nicht in Gemeinschaft mit Gott, sie sind exkommuniziert", sagte er. Das hatten viele Beobachter als Verschärfung der kirchlichen Verurteilung der Mafia interpretiert.


Der Vatikan wies jedoch daraufhin, dass die päpstlichen Worte keine Neuerung darstellten. Schon 1994 hätten die sizilianischen Bischöfe festgestellt, dass schon allein die Zugehörigkeit zur Mafia automatisch zur Exkommunikation führe. Auch wenn der Begriff Exkommunikation damals nicht gefallen sei. Die kalabrischen Bischöfe sprechen nun ebenfalls nicht ausdrücklich von einer Exkommunikation.