Freitag, 24. Oktober 2014

Mexico - Dorgen, Mafia und Korruption

Studenten aus Iguala bleiben verschwunden

Über der mexikanischen Stadt Iguala liegt eine Mischung aus Wut, Angst und Misstrauen. Hier verschwanden vor knapp einem Monat 43 Studenten. Unter Verdacht: der Bürgermeister und die lokale Drogenmafia. Der Gouverneur des Bundesstaates Guerrero ist inzwischen zurückgetreten.




Auf den Straßen von Iguala patrouillieren die Jeeps der mexikanischen Bundespolizei, einige mit aufgepflanzten Maschinengewehren. Draußen vor der 120.000 - Einwohnerstadt hat die Armee weitere Fahrzeuge, überall sieht man Uniformen – aber die Sicherheitskräfte konnten nicht verhindern, dass aufgebrachte Demonstranten das Rathaus angezündet haben.

Iguala ist berüchtig wegen seiner hohen Mordrate. Die Drogenkartelle arbeiten mit der Justiz Hand in Hand. Fast wöchentlich werden irgendwo Tote, Verstümmelte, Hingerichtete gefunden. Und immer laufen die Fäden im Rathaus zusammen.






Von hier aus im Rathaus soll der Bürgermeister Jose Luis Abarca direkt mit der örtlichen Drogenmafia zusammengearbeitet haben. Abarcas Ehefrau kommt aus einer Familie des Drogenmafia-Milieus. Auch der Polizeichef von Iguala war wohl mit im Boot. Für das Verschwinden der 43 Studenten dürften die drei und die Drogenbande Guerreros Unidos verantwortlich sein. Misstrauen hängt über Iguala in Guerrero, nur wenige wollen reden. Etwa dieser Mechaniker:

"Es gab immer Gerüchte über den Bürgermeister in unserer kleinen Stadt. Auch, dass seine Frau zur Mafia gehört. Aber die Stadtverwaltung selbst hat gut funktioniert."


Der Bürgermeister und seine Frau sind untergetaucht

Abarca, seine Ehefrau und der Polizeichef sind untergetaucht. Gegen sie wurde inzwischen ein Haftbefehl erlassen. Denkbar ist, dass die drei sich in ihrer Macht bedroht fühlten durch die linken Studenten, die vor knapp einem Monat in Iguala protestierten, und dass sie die jungen Leute deshalb umbringen ließen.

Gestern hat der Gouverneur des Bundesstaates Guerrero, Angel Aguirre, politische Konsequenzen gezogen und ist von seinem Amt zurückgetreten. Das hatten viele seit Wochen gefordert. Aguirre gilt ebenfalls als korrupt – ihm wird vorgeworfen, dass er den Bürgermeister von Iguala und das Treiben dort geduldet hat.

Iguala ist weder schön noch hässlich, viele kleine Geschäfte, enge Straßen. Bisher war man stolz darauf, dass die mexikanische Trikolore von hier stammt. Jetzt steht die Stadt für die Unterwanderung durch das organisierte Verbrechen, die direkte Verbindung von Politik, Polizei und Mafia, wie es sie auch in anderen Gegenden Mexikos geben dürfte. Ein Anwohner erklärt sich das so.

"Es ist ein Problem von uns allen. Einige wussten sicher etwas, aber haben nichts gesagt oder angezeigt aus reiner Angst. Andere haben vielleicht selber Kinder, die bei der Mafia mitmischen und sagen deshalb nichts. Jetzt haben wir ein großes Problem."


Massengräber draußen vor der Stadt

Draußen in den Bergen vor der Stadt wurden Massengräber entdeckt. Nach den ersten DNA-Tests soll es sich bei den Leichnamen nicht um die verschwundenen Studenten handeln. Aber kaum jemand stellt die Frage, wer die Toten dann sind. Eine Frau in der Berggegend beschreibt, wie das hier so zuging:

"Regelmäßig sind hier schwere Wagen hochgefahren in die Berge. Fünf bis zehn Autos, nachts um eins – und erst im Morgengrauen sind sie wieder runtergekommen. Da oben ist eigentlich nichts. Wir sind aus Angst vor denen nicht vor die Tür gegangen."

Iguala ist nun voller Uniformierter, die Bundesbehörden versprechen Aufklärung, haben mehr als 40 Personen festgenommen, in der Mehrheit Polizeibeamte aus Iguala. Ansonsten haben die Behörden aber wenig Erfolge vorzuweisen. Und die 43 Studenten gelten weiter als verschwunden:

"Ich möchte gerne glauben, dass die jungen Leute noch am Leben sind. Gerade für ihre Eltern muss es schrecklich sein. Wir hoffen alle, dass wir sie lebend wiedersehen."