Freitag, 24. Oktober 2014

Kokain-Affäre im Allgäu

In der Kokain-Affäre um den Chef der Allgäuer Drogenfahndung ist jetzt auch eine Streifenpolizistin unter Verdacht geraten. Am Dienstag (01.07.14) durchsuchte die Polizei die Wohnung der Kollegin.




Ermittler des Bayerischen Landeskriminalamtes durchsuchten neben der Privatwohnung der 43-Jährigen auch ihren Schrank und ihren Schreibtisch in der Polizeidienststelle. Nach Exklusiv-Informationen des Bayerischen Rundfunks gibt es einen Zusammenhang mit dem Fall des bereits seit einem halben Jahr in Untersuchungshaft sitzenden Chefs der örtlichen Rauschgiftfahndung. Im Büroschrank des 52-jährigen Kriminalers waren 1,6 Kilogramm Kokain gefunden worden. Jetzt steht fest, es waren tatsächlich 1,8 Kilogramm. Merkwürdig…, können Polizeibeamte Waagen nicht richtig ablesen?

Die Staatsanwaltschaft München I hat nun Anklage gegen den in Untersuchungshaft sitzenden Polizisten erhoben, wegen Drogenbesitzes, Vergewaltigung, Körperverletzung und Alkohol am Steuer. Hinweise auf eine psychische Erkrankung fanden die psychiatrischen Gutachter bei ihm aber nicht.


Fingerabdrücke auf dem Kokain-Päckchen

Bei der Untersuchung des Kokains waren auf einer Verpackung Spuren gefunden worden, die mithilfe eines genetischen Fingerabdrucks der Polizistin zugeordnet werden konnten. Ermittler prüfen inzwischen, ob die 43-Jährige ein privates Verhältnis mit dem Chef der Drogenfahndung und damit auch Zugriff auf das von ihm illegal gehortete Kokain hatte. In einem solchen Fall würde gegen die Polizistin ein Verfahren wegen Verdachts auf "Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge " eingeleitet. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnung machte die Beamtin keine Angaben.


Verdacht gegen weiteren Kripo-Beamten

Ein Polizeisprecher hatte dem Bayerischen Rundfunk außerdem bestätigt, dass es Ermittlungen gegen einen weiteren Beamten gab. Der Kripobeamte soll einen italienischen Drogenhändler über einen Dritten vor Polizeiaktionen gewarnt haben. Im Juni 2013 wurde das Verfahren nach Angaben des Polizeisprechers allerdings eingestellt, weil es keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine Straftat gab.




Seit beim Chef der Kemptener Drogenfahndung im Februar 1,8 Kilo Kokain gefunden worden sind, gibt es Spekulationen über Verbindungen der Allgäuer Drogenfahndung zur Mafia oder zur organisierten Kriminalität. Dass zwei Neu-Ulmer Ermittler in den vergangenen Jahren suspendiert worden sind, könnte ein Puzzlestein in der Geschichte sein. Ins Rollen kamen die Ermittlungen, nachdem der 52-jährige Chef-Drogenfahnder seine Ehefrau bei einem Streit schwer misshandelt haben soll.

Daraufhin wurde er festgenommen und bei einer Durchsuchung seines Büros kamen die 1,8 Kilo Kokain zum Vorschein. Die Herkunft der Drogen ist unklar.




Polizist soll die Drogen selbst gekauft haben, doch womit hat er bezahlt?
Die Ehefrau hatte die Polizei nach Informationen des BR-Politmagazins Kontrovers auf die 1,6 Kilo Kokain im Büro ihres Mannes hingewiesen. Außerdem hatte sie angegeben, ihr Mann habe das Rauschgift selbst gekauft. Das Landeskriminalamt ermittelt nun, ob die Drogen mit Geld bezahlt wurden, oder ob im Gegenzug Polizei-Informationen geflossen sein könnten.

Wie naiv sind die Münchner Ermittler eigentlich? Oder betreibt man Schadensbegrenzung, indem  Justizbehörden Nebelkerzen werfen oder "Nichtwissen" vorschützen? Auch die Mutmaßung, der Kemptener Leiter der Kripo habe Koks im Wert von 250.000 Euro gegen interne Informationen erhalten, ist geradezu lächerlich. Bislang ist kein Fall bekannt, dass die Mafia oder Drogenbarone mit Koks Polizisten bezahlt hätten... Die Herrschaften der Mafia nehmen nur Bares!


Zu viel Drogen für Schulungszwecke

Die Staatsanwaltschaft schenkt  der Aussage der Ehefrau mehr Glauben, als der Angabe des Beamten, er habe das Kokain zu Schulungszwecken besessen. Eine solche Menge an Kokain sei in keinem Schulungskoffer für Polizisten vorhanden. Der Polizeibeamte sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Die Drogen sollen einen Wert von bis zu 250.000 Euro haben.


Gefährliche Körperverletzung?

Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen schwerer Körperverletzung. Der Grund: Der Beamte war nach eigenen Angaben auf seine Ehefrau losgegangen, soll sie gewürgt haben. Daraufhin hatte sie die Polizei alarmiert.


Vergewaltigung im Kampfanzug

Aber das Ganze verlief ein wenig dramatischer. Nach einem Ehekrach in der Nacht auf den 15. Februar soll der 53-jährige Leiter der Drogenfahndung in Kempten seine Frau in seinem Haus in Moosbach vergewaltigt und mit einem Kissen zu ersticken versucht haben. Die Frau konnte flüchten, der Mann setzte sich sturzbetrunken ins Auto und raste durch das Allgäu. Polizeikollegen stoppten den Drogenfahnder und nahmen ihn fest, in seinem Büro fanden sie wenig später 1,8 Kilogramm Kokain.

Dabei trug er angeblich einen Kampfanzug und hatte seine Kripo-Dienstmarke in der Hand.  Auch soll der Polizist sie mit einem Küchenmesser bedroht haben - laut Staatsanwaltschaft nicht zum ersten Mal.
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