Donnerstag, 7. August 2014

Die Mafia 2.0

Die sizilianische Cosa Nostra hat während Generationen ein Geheimnis um ihre Rituale und ihr Geld gemacht. Doch die jungen Mafia-Sprösslinge brechen mit dieser Tradition: Auf Facebook stellen sie ihre Körper und ihren Reichtum zur Schau.

«La mafia non esiste!» - «Die Mafia gibt es nicht», heisst es im Zweifelsfall bei der wohl redescheusten Verbrecherorganisation der Welt. «




Omertà» ist jener Teil des Mafia-Ehrenkodexes, der von den Mitgliedern absolute Schweigepflicht verlangt.

Die sizilianische Cosa Nostra hat innerhalb ihrer strengen Hierarchien jahrelang nur mit Geheimcodes kommunziert – meist auf handgeschriebenen Notizzetteln. Doch jetzt ist eine neue Mafia-Generation am Heranwachsen. Und diese Sprösslinge denken nicht daran, aus ihrem Hintergrund ein Geheimnis zu machen.


Inkognito auf Facebook

Wie die britische «Daily Mail» berichtet, legt sich der Mafioso von heute ein Facebook-Profil unter falschem Namen an und wickelt so Drogengeschäfte ab oder treibt Schutzgeld ein. Arrivederci Omertà!

Doch die Polizei schläft nicht. Aus Ermittlerkreisen in Palermo weiss «The Telegraph», dass Polizisten die sozialen Netzwerke gezielt nach Mafiosi mit Alias-Identitäten durchkämmen.

Mit so einem Decknamen ist offenbar auch Domenico Palazotto (28), verantwortlich für mehrere Erpressungs-Fälle in der Arenella-Nachbarschaft in Palermo, unterwegs.
Wie das italienische Magazin «L'Espresso» berichtet, prahlt dieser öffentlich mit seinem Reichtum, zeigt sich beim Champagner schlürfen in der Limousine oder bei der Spritztour auf dem eigenen Boot. Zudem masst er sich an, niemand Geringerer als «der echte Pate» zu sein.

Domenico Palazatto - Facebook-Mafioso



«Ich werde mit niemandem Mitleid haben»

Salvatore d'Alessandro, ein Gefolgsmann Palazottos, verrät indessen seine Pläne, die kriminelle Karriereleiter zu erklimmen. «Noch bin ich einer der kleinen Haie, die in der Tiefe jagen – Aber die Zeit wird kommen, in der ich an die Oberfläche komme und mit niemandem Mitleid haben werde.»

Polizei und Richter sind sich allerdings einig, dass den Mafiosi ihr Geprahle mehr schaden als nützen wird, dass es sogar ihr Untergang sein kann.


«Es gibt eine neue Mafiosi-Generation in Palermo», bestätigt ein sizilianischer Magistrat, «aber die muss erst noch beweisen, dass sie ihren Vorgängern das Wasser reichen kann.» 
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