Donnerstag, 7. August 2014

Deutschland, das Paradies der Mafia

Anfang der Woche habe ich über die Mafia in Facebook berichtet. Weit weniger um Aufmerksamkeit bemüht sind ihre klassischen Kollegen, die in Deutschland ihr Unwesen treiben.

In Köln ist Anfang des Jahres ein Prozess zu Ende gegangen, in dem sich vier Italiener wegen Bandenkriminalität verantworten mussten. Mit Hilfe von Briefkastenfirmen hatten sie Schwarzarbeiter an deutsche Bauunternehmen vermittelt und so einen zweistelligen Millionenbetrag am Fiskus vorbei in die eigene Tasche gewirtschaftet.





Neue Geschäftsfelder

Aber Steuerhinterziehung und Mafia? Die beiden Dinge passen zueinander wie Wladimir Putin und Barack Obama. Genau diesen Gegensatz nutzen die Mafiosi in Deutschland aus. Statt im Drogenmilieu zu schießen und zu stechen, unterwandern sie hierzulande lieber ganze Wirtschaftszweige, wie der Fall vor dem Kölner Landgericht zeigt.

Die Mafiosi von heute treten wie Unternehmer auf, mit weißem Kragen. Sie sind freundlich, sprechen mehrere Sprachen. Sie machen dich reich.“ – so der Generalstaatsanwalt und Mafia-Jäger Roberto Scarpinato.




Geholfen hat den vier Männern dabei ein kaum zu durchdringendes Netzwerk von Scheinfirmen. Über 400 deutsche Bauunternehmen haben die Dienste dieser Briefkastenfirmen in Anspruch genommen. Somit hatten sie bei Ausschreibungen Wettbewerbsvorteile aufgrund geringerer Personalkosten.

Hinter diesem System vermutete die Staatsanwaltschaft die sizilianische Cosa Nostra. Eine direkte Verbindung zu hochrangigen Mitgliedern konnte sie den Angeklagten allerdings nicht nachweisen. Vor Gericht stritten die Männer jeglichen Kontakt zur sizilianischen Mafia ab. Lediglich die Steuerhinterziehung gestanden sie ein und kamen mit milden Haftstrafen davon.


Deutschland braucht härtere Gesetze

Deutschlands nicht vorhandene Anti-Mafia-Gesetze machen die Bundesrepublik als Investitionsziel besonders attraktiv. Das glaubt zumindest der Mafia-Jäger von Palermo, der oberste Staatsanwalt Roberto Scarpinato. „Wenn du in Italien ein Millionenvermögen hast und mir nicht erklären kannst, woher das Geld kommt – dann wird es konfisziert“, beschreibt Scarpinato die Anti-Mafia-Gesetze in Italien.

Auch deswegen leben rund 460 Mafia-Mitglieder dauerhaft in Deutschland. Ein Großteil davon hat sich laut einer internen Polizeistudie in Baden-Württemberg niedergelassen. So verwundert es nicht, dass von den bundesweit 27 festgenommenen Mafiosi gleich sechs aus dem Bundesland kamen. Darunter waren auch einige hochrangige Mitglieder der kalabrischen 'Ndrangetha.


Alte Gewohnheiten sterben schwer

Aber auch wenn die WDR-Doku eher in Richtung Wirtschaftskriminalität deutet, hat die Mafia das traditionelle Rauschmittelgeschäft noch lange nicht aufgegeben.

Wie der BKA-Bericht „Organisierte Kriminalität“ von 2012 aufzeigt, liefen mehrere Ermittlungsverfahren gegen italienische Mafia-Gruppierungen wie`Ndrangheta. Gegenstand der Ermittlungen waren Verdachtsfälle auf Kokainhandel und Waffenschmuggel.

Wann die Fassade ehrbarer Geschäftsmänner fällt, bekam ein deutscher Unternehmer zu spüren. Er war zur Vertragsunterzeichnung mit einem italienischen Geschäftspartner nach Zürich gereist.

In einer Bank präsentierte der Italiener ihm einen Koffer mit 8,5 Millionen Euro in bar. Die 8 Millionen waren Teil des Geschäfts, 500.000 Euro waren für den deutschen Unternehmer. Auf die Frage hin, was den Italiener so sicher mache, dass der Unternehmer mit dem Geld nicht einfach abhauen würde, antwortete der:


„Ich weiß, Ihre beiden Kinder, die sind jetzt in der Schule, 13 und 15. Und die geben mir die Sicherheit, dass mein Geld gut bei Ihnen angelegt ist.“ 
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