Dienstag, 15. Juli 2014

Papst Franziskus liest Clan-Chefs die Leviten…

Am 21. Juni 2014 las Papst Franziskus eine Messe, bei der er Italiens Mafiosi in besonderer Weise ins Gebet nahm. Sie seien böse, gottlos und ab sofort exkommuniziert. Ein Rausschmiss erster Klasse? Oder bloß eine leere Drohung?




Mutig ist es allemal, denn Papst Franziskus schickt sich an, einen Augiasstall wahrhaft biblischer Dimension auszumisten. In vielen Ortschaften in Kalabarien gibt es eine enge Verbindung zwischen Kirche und Clan. Priester unterstützen offen die Mafia und geben sich als Zeremonienmeister her. Die internen Verflechtungen zum Beispiel von Vatikanbank und der N'drangheta, der Vereinigung der kalabrischen Mafia, sind bekannt. Wie stumpf ist also das Schwert, mit dem Franziskus gegen das organisierte Verbrechen zu Felde zieht? Fakt ist: Nahezu alle Clan-Chefs sind zutiefst religiös.



Die Exkommunikation ist bei Katholiken die schwerste Kirchenstrafe. Sie schließt den Exkommunizierten vom Empfang aller Sakramente aus. Doch selbst Papst Franziskus kann nicht ex cathedra kommunizieren. Nicht einmal der Tatbestand des Mordes bietet ihm dazu eine Handhabe.

Und doch: Auch für den von Franziskus mit Freuden empfangenen Bürgermeister Palermos, Leoluca Orlando, ist dieser Bannspruch des Papstes ein Meilenstein im Kampf gegen die Mafia. "Der Papst hat die Mafia empfindlich gestört, indem er gesagt hat, dass sich ein Geistlicher, der Beziehungen zur Mafia unterhält, aus der Gemeinschaft der Kirche begibt", so der Bürgermeister. "Da wurde eine Jahrzehnte alte Tradition jäh unterbrochen."


Doch erst vor kurzem wurde der Handlungsspielraum der Vatikanbank auf päpstliche Weisung dramatisch beschnitten. Franziskus' symbolischer Exkommunikation folgte die Aufkündigung der Bankverbindungen in die Unterwelt. Und doch, aller Euphorie über das Diktum des Papstes: Die alten, katholischen Seilschaften zur Mafia sind noch lange nicht gekappt. Der jüngste Skandal aus Kalabrien ist gerade ein paar Tage alt. Da marschierte eine Marienprozession zum Hause eines greisen Mafia-Bosses.


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