Dienstag, 29. Juli 2014

Marienprozession in Palermo huldigt Mafiaboss

In Süditalien hat erneut eine kirchliche Prozession einem Mafiaboss gehuldigt. In Palermo hielt ein Umzug mit einer Marienstatute einige Minuten vor dem Bestattungsinstitut eines inhaftierten Clan-Chefs an, wie die italienische Tageszeitung "La Repubblica" am Dienstag berichtete. Vor dem Haus hätten Verwandte des Mafioso den Trägern der Madonnenstatue zwei Kinder gereicht, die das Standbild küssen sollten. Die Prozession im Stadtteil Ballaro fand demnach am Sonntag statt. Der 41 Jahre alte Alessandro D'Ambrogio gilt laut der Zeitung als einer der gefährlichsten Mafiabosse von Palermo.




Ein ähnlicher Vorfall im süditalienischen Oppido Mamertina am 2. Juli hatte in Italien großes Aufsehen erregt. Die Bischofskonferenz zeigte sich empört. Papst Franziskus hatte im Juni im süditalienischen Kalabrien das organisierte Verbrechen angeprangert und gesagt, dass Mafiosi exkommuniziert seien. Am vergangenen Samstag hatte er in der Mafia-Hochburg Caserta dazu aufgerufen, Kirchenfeste auf ihren religiösen Kern zu beschränken und nicht durch fremde Elemente zu beeinträchtigen.


Hier sind sie versammelt, die Stadtteilbosse der Mafia. Mitten in Palermo werden hier
die dicken Geschäfte abgehandelt.


Es sei ein "anomaler" Halt gewesen, zitierte die Zeitung den zuständigen Geistlichen aus Palermo, Bruder Vincenzo. Der Priester hat nach eigenen Angaben vor der Prozession versucht, einen solchen Vorfall zu vermeiden. "Ich habe gewisse Dinge so freundlich wie möglich gesagt, um Reaktionen zu vermeiden, aber ich habe sie gesagt", rechtfertigte sich der Ordensmann. Nach dem Bericht hatte der Kardinal von Palermo, Paolo Romeo, einen Beobachter zu der Prozession entsandt, um auf deren ordnungsgemäße Durchführung zu achten.

Die Organisatoren von Marienprozessionen in Süditalien sind vor allem katholische Bruderschaften. Diese sind häufig von der Mafia unterwandert, die solche Anlässe zur Selbstdarstellung nutzt. Einige Prozessionen wurden in den vergangenen Monaten aus diesem Grund abgesagt.