Donnerstag, 24. Juli 2014

Mafia bedroht Journalisten wegen Bericht über Marienprozession

Weil er aufdeckte, dass eine kirchliche Prozession mit Marienstatue einem Mafiaboss eine Ehrenbezeugung erwies, muss ein italienischer Journalist nun um sein Leben fürchten. Michele Albanese, Mitarbeiter der Tageszeitung «Quotidiano del Sud» wurde unter Polizeischutz gestellt und erhielt ein gepanzertes Fahrzeug, wie die italienische Tageszeitung «Corriere della Sera» (19. Juli) berichtete.




 


Anlass für die Maßnahme war dem Bericht zufolge ein abgehörtes Gespräch von Angehörigen der kalabrischen Mafia, der Nrdangheta, gewesen. Darin hätten diese über einen Anschlag auf Albanese beraten. Albanese kündigte unterdessen an, dass er seine journalistische Arbeit wie bisher fortsetzen wolle.


Michele Albanese


Der Fall der Marien-Prozession im süditalienischen Oppido Mamertina hatte landesweit grosses Aufsehen hervorgerufen. Die kirchliche Prozession mit einer Marienstatue hatte am 2. Juli vor dem Haus des inhaftierten Clan-Chefs Giuseppe Mazzagatti angehalten. Die Träger der Statue neigten diese in Richtung des Anwesens. Albanese berichtete als erster über diesen Vorfall. Zwei Wochen zuvor hatte Papst Franziskus bei einem Besuch in Kalabrien zum Kampf gegen die Ndrangheta aufgerufen und erklärt, dass Mafiosi exkommuniziert seien, weil sie nicht in Gemeinschaft mit Gott stünden.





Kirchliche Untersuchung gegen Pfarrer

 


Die italienische Bischofskonferenz hatte sich empört über den Vorfall geäußert. Die Verantwortlichen hätten die Bedeutung der Prozession entstellt, um jemanden zu ehren, der Böses getan habe, sagte ihr Generalsekretär, Bischof Nunzio Galantino. Gegen den örtlichen Pfarrer, der an der Prozession teilnahm, leitete der Ortsbischof eine Untersuchung ein. Don Benedetto ist nach Medienberichten ein Cousin des zu lebenslanger Haft verurteilten Mafiabosses. Der Bürgermeister von Oppido Mamertina widersprach Medienberichten von einer Ehrbezeugung für einen verurteilten Verbrecher.
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