Freitag, 27. Juni 2014

Mafia entwendet in Essen Lkw mit Arznei

Wieder hat die Pharma-Mafia aus Süditalien zugeschlagen. Man hat einen lukrativen Geschäftszweig für sich entdeckt: den Verkauf von gestohlenen Arzneimitteln. Besonders teure Krebsmittel von Premium-Herstellern wie Hexal, Baxter oder Roche bringen große Profite. Sie werden gestreckt, gepanscht und im Anschluss als Original wieder in den Markt geschleust.




Das LKA vermutet nun einen solchen Diebstahl in Neuss. Seit 2012 sind in Italien in 40 Fällen Lastzüge mit Pharmaprodukten, Lager oder auch Klinik-Apotheken ausgeraubt worden.

Das Bundeskriminalamt ist in Ermittlungen eingeschaltet, die nach dem Diebstahl hochwertiger Arzneimittel in Italien eingeleitet wurden. Auch die Polizei in NRW klärt in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt in Düsseldorf derzeit Hintergründe eines Überfalls unbekannter Täter auf ein Auslieferungslager für Medikamente in Neuss in der Nacht zu Christi Himmelfahrt. Dabei wurden größere Bestände teurer Präparate entwendet. Ob hier ein Zusammenhang mit italienischen Mafia-Operationen besteht, ist unklar.

Die Bundesregierung wurde im Frühjahr durch italienische Zulassungsbehörden über mehrere spektakuläre Überfälle informiert. So haben Unbekannte dort im Dezember 2013 die Ladungen zweier Lkw gekapert, die für den Roche-Konzern unterwegs waren. Teile der Beute, darunter das Brustkrebs-Präparat Herceptin, tauchten in der Folge im deutschen Arznei-Großhandel auf und wurden von den für die Arzneimittelsicherheit zuständigen Instituten aus dem Verkehr gezogen. Im Mai wurde in einem Berliner Labor die in einer Apotheke aufgetauchte Fälschung einer Wachstums-Infusion des Herstellers Novo Nordisk nachgewiesen.

Bisher wurden offenbar keine Patienten geschädigt. Die Diebstähle in Italien stehen nach Informationen der italienischen Behörden in Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität“, sagt das Gesundheitsministerium in Berlin. Bisher lägen für Deutschland zwar „keine Hinweise vor, dass Patienten durch gestohlene Arzneimittel geschädigt wurden“. Aber: „Es ist nicht auszuschließen, dass weitere Arzneimittel von Diebstählen betroffen sind und in die legale Vertriebskette eingeschleust werden.“ Apotheken, Praxen und Kliniken sind aufgefordert, auf Veränderungen an Verpackung und Lieferlisten zu achten.