Freitag, 9. Mai 2014

Neuer Mafia-Skandal um Expo 2015

Am Donnerstag sind in Italien sieben Manager und Politiker wegen Korruption rund um die Expo 2015 in Untersuchungshaft genommen worden. Zudem wurde der frühere Minister Scajola wegen Beihilfe zur Flucht eines mafiosen Politikers verhaftet.

Italiens Ministerpräsident Renzi hat am Donnerstag die Werbetrommel für Auslandsinvestitionen im Belpaese gerührt. Zuerst in Genua, wo er die 40-prozentige Beteiligung der Shanghai Electric an dem vom italienischen Staat kontrollierten Kraftwerkunternehmen Ansaldo Energia feierte, und dann in Rom am italienisch-deutschen Wirtschaftsforum.


Ministerpräsident Renzi


Dabei rief Renzi aus, dass es ein Italien gebe, das jeden Morgen früh aufstehe, arbeiten gehe und Gutes vollbringe. Diese Imagepflege wurde jedoch durch neue aufsehenerregende Verhaftungen wegen mutmaßlicher Korruption und Kontakte zur Mafia aus den Schlagzeilen der elektronischen Medien verdrängt. Zum einen ließ die Mailänder Staatsanwaltschaft sieben Manager, Unternehmer und Politiker wegen Korruption bei der Verteilung von Bauaufträgen für die Expo 2015 in Untersuchungshaft nehmen.

Und zum andern steckten die Anti-Mafia-Behörden von Reggio Calabria den früheren Innen- und Industrieminister Scajola, der in Regierungen von Ministerpräsident Berlusconi gedient hatte, in Rom in ein Untersuchungsgefängnis. Ihm wird vorgeworfen, einem wegen Mafiabeziehungen verurteilten Parteikollegen zur Flucht verholfen zu haben.

 
Industrieminister Scajola


Im Fall der Expo 2015, die im kommenden Jahr vom 1. Mai bis Ende Oktober am Rande von Mailand stattfinden wird, wurde den Verhafteten die Bildung einer mafiosen «cùpola» zur persönlichen Ausbeutung und Manipulation der milliardenschweren Auftragsvergabe angelastet. In Untersuchungshaft genommen wurden unter anderen der für die Auftragsvergabe direkt zuständige Expo-2015-Manager sowie der ehemalige Chef der für Infrastrukturvorhaben verantwortlichen Gesellschaft der Region Lombardei.


Der letztgenannte Direktor war bereits einmal im März zusammen mit sieben Komplizen wegen korrupter Machenschaften in Untersuchungshaft gesteckt worden. Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat auch schon mehrfach warnend auf das hohe Risiko von Infiltrationen der Mafia hingewiesen. Aus Angst davor, dass die Bauarbeiten nicht pünktlich abgeschlossen werden, sah sich die Regierung jedoch gerade dieser Tage veranlasst, die Kontrollverfahren gegen die Mafia zu «vereinfachen».
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