Freitag, 28. März 2014

Mafia-Superboss Messina Denaro

Polizei zeigt neues Bild des Mafia-Phantoms

Der Cosa-Nostra-Killer Matteo Messina Denaro ist seit mehr als 20 Jahren untergetaucht. Mit einem neuen Phantombild will die Polizei ihn endlich fassen. Doch der Sicherheitskordon, den der Pate um sich gezogen hat, ist offenbar undurchdringlich.


Matteo Messina Denaro - 26 Jahre alt


"Es gibt jemanden, der ihn von nahem gesehen hat": So lautet die Nachricht des Tages für all jene, die seit mehr als zwei Jahrzehnten versuchen, Matteo Messina Denaro hinter Gitter zu bringen. Ermittler der Abteilung Organisierte Kriminalität bei der italienischen Finanzpolizei haben ein neues Phantombild des flüchtigen Cosa-Nostra-Chefs angefertigt; es beruht auf Angaben einer Person, die den Boss offenbar gut kennt.

Älter, fülliger und grimmiger, die Nase etwas schmaler als früher - so präsentiert sich der Pate auf dem Bild, das jetzt um die Welt geht. Die obligatorische Brille fehlt, obwohl man vermutet, dass die Augen des Capos eher schlechter als besser geworden sind mit den Jahren: Ein spanischer Arzt gab zu Protokoll, dass Messina Denaro an einer schweren Netzhauterkrankung leide und auf einem Auge erblinden könne. Bei dem Mediziner hatte sich der Mafioso auf der Flucht in Barcelona behandeln lassen.


Matteo Messina Denaro - heute


Seit seinem Untertauchen im Juni 1993 gilt Messina Denaro als "Fantasma", als Gespenst. Keine Überwachungskamera hat je sein Gesicht aufgenommen, kein Richtmikrofon seine Stimme dokumentiert. Es gibt nur ein paar jahrzehntealte Fotos des "Capo dei Capi". Schon deshalb ist jeder noch so kleine Anhaltspunkt über das Aussehen des meistgesuchten Mafioso Italiens für die Ermittler wichtig.


Körper in Säure aufgelöst

Messina Denaro gilt als skrupelloser Killer, der in seiner Jugend viel Wert auf schnelle Autos und teure Uhren legte. Im Juli 1992 soll er nicht nur den untreuen Mafioso Vincenzo Milazzo getötet, sondern auch dessen schwangere Freundin eigenhändig erdrosselt haben. Ihm wird unter anderem die Mittäterschaft bei drei Bombenanschlägen in Rom, Florenz und Mailand vorgeworfen, bei denen im Sommer 1993 zehn Menschen ums Leben kamen und mehr als hundert verletzt wurden.




Im November desselben Jahres soll er an der Entführung des kleinen Giuseppe Di Matteo beteiligt gewesen sein, der 779 Tage von der Mafia festgehalten wurde, damit sein Vater eine Aussage zum Mord an dem italienischen Anti-Mafia-Richter Giovanni Falcone zurückziehe. Das Kind wurde erdrosselt, sein Körper in Säure aufgelöst.




Es gab Gerüchte, dass Messina Denaro ins Ausland geflohen sei, doch die Ermittler sind inzwischen davon überzeugt, dass er sich irgendwo nahe seinem Heimatort Castelvetrano im Nordwesten Siziliens aufhält. Es ist eines der ungeschriebenen Gesetze der Mafia, dass ein Capo immer vor Ort sein muss, wenn er die Kontrolle über sein Territorium behalten will. Dies gilt auch in Zeiten, in der die Cosa Nostra sich zunehmend internationalisiert. Wie sein Vorgänger Bernardo Provenzano, der krank und in die Jahre gekommen im Gefängnis sitzt, kommuniziert Messina Denaro über sogenannte "Pizzini" - kleine, vielfach gefaltete handschriftliche Nachrichten, über die er codierte Befehle an seine Untergebenen gibt.

Zwar hat die Polizei hunderte seiner Mittelsmänner aus dem Verkehr gezogen, auch wurde Vermögen im Wert von 3,5 Milliarden Euro von den Konten seiner Strohmänner konfisziert. Doch "Diabolik", wie ihn seine Freunde in Erinnerung an seine blutige Vergangenheit nennen, ist noch immer auf freiem Fuß. Es ist ein offenes Geheimnis, dass dies auch an der Unterwanderung von Polizei und Carabinieri durch Mafia-Angehörige liegen könnte: Gut möglich, dass diese den Capo und seine Sicherheitsleute gegebenenfalls vor einem Zugriff warnen. Messina Denaro soll zudem im Besitz von hochgeheimen Informationen des Bosses Totò Riina sein, die ihn vor einer Verhaftung schützen.

Auf Hinweise, die zur Ergreifung von Messina Denaro führen, ist eine Belohnung von 1,5 Millionen Euro ausgeschrieben. Genug für ein sorgenfreies Leben. Genau das aber hat niemand, der einen Mafioso ins Gefängnis bringt.

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