Freitag, 7. Februar 2014

Mafia-Boss will Auslieferung nach Italien verhindern

In Italien wurde Domenico Rancadore zu sieben Jahren Haft verurteilt. Da war der Mafioso längst unter falschem Namen in England untergetaucht. Nach Jahrzehnten wurde er festgenommen - und wehrt sich nun gegen seine Abschiebung nach Italien.

Domenico Rancadore soll nach dem Willen der britischen Justiz noch in diesem Jahr an Italien ausgeliefert werden. Das wurde bei einer gerichtlichen Anhörung vor einem Londoner Gericht deutlich. Der Mafioso hatte sich mehr als 20 Jahre lang unter falschem Namen in Großbritannien versteckt gehalten.

Mafia-Boss Domenico Rancadore


Rancadore will die Auslieferung verhindern - und zudem erreichen, dass er auf Kaution freigelassen wird. Allerdings ist er mit letzterem Ansinnen schon zweimal gescheitert. Die Staatsanwaltschaft hat die Befürchtung, wenn Rancadore auf Kaution freikomme, werde er flüchten. Dafür gebe es "überwältigende Gründe", sagte Staatsanwalt Aaron Watkins bei einer früheren Anhörung.

Einfach zu entkräften ist diese Argumentation nicht. Bei der Festnahme hatte Rancadore versucht, durch die Hintertür zu fliehen. Dort war allerdings ein Polizist postiert. Laut "Guardian" soll Rancadore seinen Namen zunächst als Marc Skinner angegeben haben. Erst als ein Polizist gesagt habe, er wisse, wen er vor sich habe, soll Rancadore seine wahre Identität offenbart haben.


Uxbridge - Hier wohnte der Mafia-Boss


20 Jahre lebte Rancadore unter dem Decknamen Skinner im Westlondoner Vorort Uxbridge. Das Haus war nicht besonders luxuriös, um die Ecke eine Grundschule. Mit seiner Frau Anne betrieb er ein Reisebüro, das Paar hat zwei Kinder, heute 33 und 36 Jahre alt. Nachbarn fanden nur gute Worte für ihn. Am 8. August durchbrach die Festnahme das Vorstadtidyll.

Es war das Ergebnis einer Zusammenarbeit der italienischen Polizei mit Scotland Yard und Interpol. In Italien war Rancadore in Abwesenheit wegen Mitgliedschaft in der Mafia zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Er soll unter anderem Schmiergelder von Immobilienhändlern eingetrieben haben.

Rancadore sei ein "prominenter Vertreter" der Cosa Nostra, teilte das italienische Innenministerium nach der Festnahme mit. In den neunziger Jahren sei der Mann Chef der Cosa Nostra in der sizilianischen Stadt Trabia gewesen. Dort wurde der frühere Lehrer "der Professor" genannt.

Rancadores Anwalt sagte, sein Mandant sei 1993 nach Großbritannien gekommen - als freier Mann und mit seiner Familie. "Er hat in diesem Land unbescholten 20 Jahren gelebt", sagte der Verteidiger. Der 64-Jährige hat nach eigener Aussage Angst vor einer Rückkehr nach Italien - und das angeblich nicht wegen seiner Haftstrafe. Wenn er in seine Heimat zurückgehe, "werden sie mich töten", sagte er britischen Polizisten.


Das Gericht setzte eine weitere Anhörung im nächsten Monat an. Über Rancadore Abschiebung soll demnächst verhandelt werden.
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