Freitag, 7. Februar 2014

Bau-Mafia hat in Köln zugeschlagen

Einen Schaden in Höhe von mehr als 30 Millionen Euro sollen die vier Angeklagten im Alter zwischen 39 und 56 Jahren angerichtet haben, denen seit Donnerstag vor der 18. Großen Strafkammer des Landgerichts der Prozess gemacht wird.





Einen Schaden in Höhe von mehr als 30 Millionen Euro sollen die vier Angeklagten aus Sizilien angerichtet haben, denen seit Donnerstag vor der 18. Großen Strafkammer des Landgerichts der Prozess gemacht wird. Die Mafiosi im Alter zwischen 39 und 56 Jahren werden der italienischen Bau-Mafia zugerechnet. Polizei, Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung haben mit über 400 Einsatzkräften Razzien in Deutschland bei den Angeklagten durchgeführt und sind sogar Spuren in Italien nachgegangen.

Jeder der Angeklagten hat mindestens zwei Rechtsanwälte an seiner Seite. Die Staatsanwaltschaft wirft den vier Männern Steuer- und Sozialbeitragshinterziehung, die Gründung von Scheinfirmen, die Einstellung von Strohmänner, den Besitz von Schwarzgeldkonten, Kokainhandel sowie Warenkreditbetrügerei vor. Mehr als zweieinhalb Stunden dauerte allein das Verlesen der Anklageschrift, in der jeder einzelne der 100 Vorwürfe aufgelistet wird.

Laut Anklage sollen die Angeklagten Scheinfirmen in ganz NRW gegründet haben – außer in Köln auch in Bonn, Kerpen, Hagen, Schwerte und weiteren Städten. Dafür sollen sie Strohmänner beschäftigt haben, die gegen ein Entgelt als Geschäftsführer auftraten. 

Mit dem Einsatz von Schwarzarbeiterkolonnen und mit dem Ausstellen von Rechnungen für Leistungen, die nie erbracht wurden, sollen sie ihr Geld gemacht haben. Steuern und Sozialbeiträge in Millionenhöhe führten sie nicht ab, sondern deponierten die Beträge auf Schwarzgeldkonten.

Richtige Büros hatten die Angeklagten offenbar nicht. Zu Gesprächen trafen sie sich mit ihren Kunden immer in Pizzerien, Bars oder Cafés. Jeder der vier hatte nach den Erkenntnissen der Anklagebehörde seinen eigenen Aufgabenbereich. Einer war beispielsweise dafür zuständig Rechnungen auszustellen, ein anderer verwaltete die Konten. Je nach Beteiligung erwarten sie Freiheitsstrafe zwischen vier und fünf Jahren.

Bislang sind 16 Verhandlungstage angesetzt. Der erste endete gestern mit einem Rechtsgespräch, zu dem sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger hinter verschlossenen Türen zurückzogen. Darin sollte es darum gehen, wie eine ausufernde Beweisaufnahme vermieden werden kann.
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