Mittwoch, 8. Januar 2014

Koks in Bananenkisten und Drogen im Kulturverein...

In Berlin und Brandenburg haben Aldi-Mitarbeiter in Bananenkisten 140 Kilo Kokain gefunden. Allein 100 Kilo wurden in Köpenick sichergestellt. Dennoch war die Lieferung wohl nicht für Berlin bestimmt.





Ermittler von Polizei und Zoll haben den größten Drogenfund der vergangenen Jahre in Berlin sichergestellt. Zu Hilfe kam den Beamten dabei der sprichwörtliche "Kommissar Zufall". In mehreren Filialen des Lebensmitteldiscounters Aldi-Nord entdeckten Mitarbeiter beim Auspacken gerade angelieferter Bananenkisten zahlreiche Pakete mit Kokain, insgesamt 140 Kilo. Die gewaltige Drogenmenge stammt nach ersten Erkenntnissen aus Kolumbien. Wie sie zu Aldi gelangte, ist derzeit noch Gegenstand der Ermittlungen. Fahnder sprachen am Dienstag von einer "offenbar fehlgeleiteten Lieferung".



so kommt das Koks nach Deutschland



In insgesamt fünf Filialen des Discounters seien die Drogen am Montagnachmittag entdeckt worden, sagte ein Polizeisprecher. Betroffen waren der Polizei zufolge vier Läden in Berlin, unter anderem in Reinickendorf und Köpenick sowie ein Geschäft in Velten (Oberhavel). Details nannten Polizei und Zoll nicht. Nach Informationen dieser Zeitung sollen allerdings allein in zwei Filialen in Köpenick 60 und 40 Kilogramm sicherstellt worden sein. Der Gesamtwert der beschlagnahmten Ware liegt nach Angaben von Andreas Beyer vom Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg bei etwa sechs Millionen Euro.


gesamter Drogenfund in Berlin / Aldi


Polizei und Zoll präsentierten den Riesenfund am Dienstagmittag der Presse. Die Konzernleitung von Aldi-Nord wollte sich mit Verweis auf laufende Ermittlungen nicht zu dem Fall äußern. Die Beamten der gemeinsamen Ermittlungsgruppe EG Rauschgift des Berliner Landeskriminalamtes und des Zollfandungsamtes haben inzwischen den Weg der Ware vom Herkunftsland bis in die Aldi-Filialen zurückverfolgt.

Nach derzeitigem, noch nicht offiziellen Ermittlungsstand sind die Drogen in Containern auf einem sogenannten Bananendampfer nach Hamburg gelangt. Dort lagerten die Container bis zum Weitertransport per Lkw nach Berlin auf dem Fruchthof im Hafen.

Drogentransport per Schiff ist gängige Praxis


Der Drogentransport per Schiff ist nach Angaben eines Ermittlers eine durchaus gängige Praxis. "Im Herkunftsland werden die Drogen unter der offiziellen Ware versteckt und die Liegezeit nach der Ankunft der Container in Europa nutzen hiesige Abnehmer oder Zwischenhändler, um sie wieder in ihren Besitz zu bringen. Entweder durch Komplizen, die Zugang zu den Container haben, oder man knackt die Transportbehältnisse einfach", beschreibt ein Ermittler das Vorgehen.


Fahndung nach Kokain in Hamburg / nach wilder Verfolgungsjagd...


Im aktuellen Fall sei es den Drogenschmugglern offenbar nicht gelungen, im Hamburger Hafen an die Container zu gelangen, zeigten sich Kripo-Ermittler und Zollfahnder am Dienstag überzeugt. So gelangten die Bananenkisten mit ihrem brisanten Inhalt unangetastet nach Berlin, ins Zentrallager von Aldi und schließlich in die Filialen.

Kokain könnte auch für Berliner Szene bestimmt gewesen sein


Unklar ist derzeit noch der endgültige Bestimmungsort der heißen Fracht. "Die Drogen könnten natürlich für die Szene der Hauptstadt bestimmt gewesen sein. Aber 140 Kilogramm in nur einer Lieferung sind sehr viel, daher spricht vieles dafür, dass Berlin nur als Umschlagplatz vorgesehen war", sagte ein Ermittler. Ob das Kokain an andere Orte in Deutschland weitergeleitet werden sollte, oder für den osteuropäischen Markt bestimmt war, auch das ist derzeit noch Gegenstand der Ermittlungen.

Knapp 2500 Verfahren wegen Drogenhandels haben die Behörden in Berlin im vergangenen Jahr eingeleitet. Die Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik sagen jedoch wenig über den tatsächlichen Umfang des Kokainhandels in Berlin aus. LKA-Ermittler und Zollfahnder gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Denn der Handel mit dem weißen Pulver blüht weitgehend im Verborgenen. 


riesiger Drogenfund in Charlottenburg


Kokain gilt nach wie vor als Partydroge der Schönen und Reichen. "Die Kokainkonsumenten treiben sich nicht an U-Bahnhöfen oder in Parks herum", sagt ein Zollfahnder. Die Dealerbanden tragen den Wünschen ihrer gehobenen Kundschaft in jeder Hinsicht Rechnung. So flog Ende 2009 in Charlottenburg eine Bande von libanesischen Kokainhändlern auf, die für ihre zahlungskräftige Kundschaft einen bequemen Bestell- und Lieferservice organisiert hatte.

Großfamilien kontrollieren Kokainhandel in Berlin


"Die Lieferung erfolgt in der Regel frei Haus, konsumiert wird ebenfalls im privaten Umfeld, häufig auf Partys. In diese abgeschottete Szene einzudringen, ist ausgesprochen schwer", beschreibt ein Ermittler die Probleme bei der Bekämpfung gerade des Kokainhandels. Weitere Umschlagplätze sind diverse Bars und Restaurants in der Stadt, allesamt Lokale der gehobenen Kategorie.




Den Kokainhandel in Berlin beherrschen etliche nahöstliche Großfamilien sowie Mafiagruppen aus Ost- und Südeuropa. Auch Rockerbanden mischen kräftig mit. Die zumeist aus Südamerika stammende Ware kommt auf dem See- oder Luftweg ins Land. Für den Transport auf dem Luftweg heuern die Dealer Kuriere an, die das Rauschgift gegen Honorar von einigen Tausend Euro schmuggeln.



Ganz großer Bahnhof auf der Anschlussstelle Billstedt: 15 Beamte stoppten den mutmaßlichen Koks-Dealer.



Der Transport auf dem Seeweg erfolgt zumeist in Containern, deren Zielorte Überseehäfen wie Hamburg  Bremerhaven oder Antwerpen sind. Von dort geht es dann auf dem Landweg weiter. Besonders beliebt ist seit geraumer Zeit auch der Transport mit gecharterten Hochseeyachten. Den wohl spektakulärsten Fall in der Region Berlin gab es 2011. Da flog eine sechsköpfige Bande, die das Kokain min einer Segelyacht nach Hamburg brachten. Bei der Durchsuchung des Schiffes im niedersächsischen Cuxhaven wurden 17 Kilogramm Kokain sichergestellt, bestimmt für die Schickeria-Szene in der Hauptstadt.