Freitag, 10. Januar 2014

Unterwandert die Mafia die Energieversorgung der EU?

Seit den jüngsten WikiLeaks-Veröffentlichungen gibt es neue Hinweise: Die europäischen Gaslieferungen aus Russland könnten zum Teil in den Händen von Kriminellen mit Verbindungen zu Mafia-Gruppen liegen. Damit wäre schon eingetroffen, was die Europäische Polizeibehörde Europol in ihrer Studie „Organisierte Kriminalität und Energieversorgung“ für die kommenden Jahre befürchtet: Europas Energiesektor droht die Unterwanderung durch Verbrecherbanden.




„Es ist wie bei nahezu allen knappen Rohstoffen zu erwarten, dass die Organisierte Kriminalität hier aktiv wird, um Geschäfte zu machen“, sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, DIW. „Im Energiebereich geht es schließlich um heiß begehrte Güter, die teurer und unsicherer werden.“

Besonders verwundbar sei der Energiesektor in Sachen Versorgungssicherheit und Preisstabilität, so Europol. Eine potenzielle Gefahr sei zum Beispiel die Infiltration von Energieversorgungsunternehmen dadurch, dass eine Gruppe der Organisierten Kriminalität (OK) in sie investiert. Damit könne sie dann Preise diktieren und zum Beispiel Öl- oder Gaslieferungen gefährden.

Energieexpertin Claudia Kemfert meint: „Die Politik bereitet sich nicht genügend auf mögliche Szenarien vor.“ Auch Europol rät zu Wachsamkeit. Immerhin, so die Studie, zeigten Geheimdienst-Informationen, dass „organisierte kriminelle Gruppen in die Energieversorgung der EU verstrickt“ sind. So wird zum  Beispiel ein ukrainisches Gashandelsunternehmen mit der russischen und der italienischen Mafia in Verbindung gebracht. In einem von Wikileaks veröffentlichten Dokument bringt ein US-Botschafter in Kiew das Gashandelsunternehmen RosUkrEnergo AG (RUE) in Zusammenhang mit einem der bekanntesten sizlianischen Mafia-Paten. Gerüchte darüber gab es schon seit Jahren.

In dem als „geheim“ eingestuften Dokument wird der Miteigentümer Dmitry Firtash damit zitiert, er habe „Verbindungen“ zu Semjon Mogilewitsch, einem der zehn „Most Wanted“ des FBI. Nur mit dessen Einwilligung sei es ihm überhaupt gelungen, Geschäfte einzufädeln. Firtash und Mogilewitsch ließen nach den WikiLeaks-Veröffentlichungen dementieren, Geschäftskontakte zu haben - wie RosUkrEnergo seit Jahren Gerüchte über Kontakte zur Mafia dementiert.





Was sich weit entfernt anhört, hat durchaus mit Deutschland zu tun: RosUkrEnergo wickelt einen großen Teil des Gashandels zwischen Russland und der Ukraine ab und ist für Teile des russischen Gasexports in die EU zuständig. Deutschland wiederum deckt rund ein Drittel seines Gasbedarfs mit Importen aus Russland. „Grundsätzlich ist zu empfehlen, nicht zu abhängig von einem Energieanbieter zu werden, sondern mehrere Bezugsquellen zu haben“, so die DIW-Energieexpertin Kemfert.

In Russland - das kabelten US-Diplomaten unter Bezug auf eine spanische Staatsanwaltschaft in die Heimat - übe die Mafia „gemeinsam mit ihren Freunden in der Politik“ eine „enorme Kontrolle“ über strategische Sektoren der globalen Wirtschaft aus. 

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