Montag, 6. Januar 2014

Die Abfall-Sauerei der Mafia wird immer größer

Die Region um Neapel hat einen neuen Namen: Kampanien heisst jetzt «Terra dei fuochi» (Feuerland). Der Name leitet sich von den Hunderten von brennenden Deponien ab, wo die sogenannte Öko-Mafia riesige Mengen von Haushalt-, Industrie- und Sonderabfall illegal ablagert und anzündet. Die Müllwirtschaft wird dort von einigen Camorra-Clans beherrscht, ihr Geschäftsmodell beruht darauf, dass sie Abfall gegen Bezahlung abführen und ihn dann nicht entsorgen, sondern irgendwo in der Landschaft vom Lastwagen kippen. Gerade wurden illegale Deponien auch in der Toscana festgestellt. Offenbar ist neben der Camorra auch ein chinesisches Syndikat am Geschäft beteiligt.


Den Schaden hat die Natur, den Schaden haben aber auch Bauern und Konsumenten. In den Deponien wurden Giftstoffe wie Arsen festgestellt; mit dem Grundwasser und dem Rauch der Feuer werden sie über das Land verteilt. Nun drohen die vielgerühmten Spezialitäten aus Kampanien wegen verseuchter Böden in Verruf zu geraten – die Kunden wollen keinen mit Gift versetzten Mozzarella, auch wenn er mit einer klingenden Ursprungsbezeichnung geschmückt ist. Wenig hilfreich ist, wenn zudem Mozzarella mit gefälschter Ursprungsbezeichnung auf mafiosen Kanälen in den Handel gelangt – dabei ist vielleicht die falsch etikettierte Ware von anderswo gesünder als die richtige.


Der Umweltverband Legambiente fordert, dass die illegalen Deponien erfasst und saniert werden, und zwar auf Kosten der Verantwortlichen. Die Regierung versucht mit einem zahnlosen Abfallgesetz abzuwiegeln. Die Umweltschützer lassen nicht locker, sie lancieren eine kulinarische Kampagne: «Terra dei cuochi» (Land der Köche) heisst ihr Rezeptbuch gegen die Mafia; darin präsentieren namhafte Köche regionale Köstlichkeiten. Gewidmet ist das Buch Angelo Vassallo, Bürgermeister von Pollica, Vorkämpfer für den Umweltschutz und die mediterrane Küche. Er wurde 2010 umgebracht, wahrscheinlich von der Camorra, weil er ihre Kreise gestört hatte. Die Mörder wurden bisher nicht gefunden.