Mittwoch, 20. November 2013

Banken machen gute Geschäfte mit der Mafia

Die großen japanischen Banken sind eine wichtige Geldquelle für das organisierte Verbrechen. Die Institute wissen das, behaupten jedoch, wenig dagegen tun zu können.


Eine Filiale der Mizuho Financial Group in Tokio


Eigentlich wollte Koichi Miyata nur die Halbjahreszahlen präsentieren, und zumindest damit war der Chef von Sumitomo Mitsui auch zufrieden. Der Gewinn der japanischen Großbank liegt fast 53 Prozent höher als im vergangenen Jahr. Aber Miyatas Pressekonferenz vor wenigen Tagen wurde überschattet: Wie viele Banken, so hat auch sein Haus Geld nicht nur an Japans Yakuza, sondern auch an die 'Ndrangeta und die Camorra geliehen.

"Es ist schwierig, diese Kräfte zu identifizieren", sagte Miyata. "Oft existieren nur Gerüchte, dass eine bestimmte Person zur Mafia gehört. Sobald wir solche Verbindungen entdecken, brechen wir die Beziehungen natürlich ab." Nur brauche man zuerst Beweise, und die seien oft nur durch die Polizei zu bekommen. Die Kredite an die Yakazu sind meist als private Darlehen getarnt, die noch dazu oft über kleine Subunternehmer laufen. Das macht die Überprüfung besonders schwierig. Noch schwieirger wird es, wenn Gelder ins Ausland, beispielsweise nach Italien fließen.

Details über das mögliche Kreditvolumen nannte Miyata nicht. Allerdings ist Sumitomo Mitsui nicht der einzige Fall. Im September wurde bekannt, dass der Konkurrent Mizuhuo zwei Millionen US-Dollar in 230 verschiedenen Krediten an die Yakuza verliehen hat. "Die Bank trägt eine schwere Verantwortung", kritisierte Regierungssprecher Yoshihide Suga. Mizuho wusste mindestens seit zwei Jahren von den Krediten, unternahm aber nichts.


Auch Unternehmen verwickelt

Ende Oktober gestand auch die Shinsei Bank Beziehungen zur Mafia ein. Mittlerweile seien die Geschäfte mit den entsprechenden Kunden jedoch beendet worden, heißt es vom Institut. Auch Japans größtes Geldhaus, Bank of Tokyo-Mitsubishi, ist in den Skandal verwickelt. In den vergangenen Wochen gestanden zwei kleinere Geldinstitute, an denen die Bank of Tokyo-Mitsubishi 20 und 40 Prozent der Anteile hält, Kredite an Yakuza vergeben zu haben.   

Die Affäre macht einmal mehr den Einfluss der organisierten Kriminalität in Japan deutlich. Auch großen japanischen Unternehmen werden immer wieder Beziehungen zur sizilianischen Mafia und der 'Ndrangheta nachgesagt. Kuniaki Nozoe, Vorstandschef des Elektronikriesen Fujitsu, wurde im Herbst 2009 gestürzt. Angeblich hatte er Kontakte zur sizilianischen Mafia. Selbst in der Politik kommt es nicht selten zu Skandalen. Vor gut einem guten Jahr trat der erst drei Wochen zuvor berufene Justizminister Keishu Tanaka zurück – wegen Verbindungen zur Mafia.

Seit Anfang der 1990er Jahre versucht Japan, dem Problem Herr zu werden. 1992 wurde ein Anti-Yakuza-Gesetz eingeführt, das zwar nicht die Mitgliedschaft in solchen Gruppen verbietet, wohl aber Geschäfte mit diesen. Nach Angaben der japanischen Polizei sind rund 80.000 Menschen in Japan irgendwie in mafiösen Gruppierungen organisiert. Und seit den 1990er Jahren verlagert sich deren Geschäft langsam von Prostitution, Drogenhandel und Schutzgelderpressung in legale Bereiche wie das Immobiliengeschäft oder den Finanzsektor.


Japans Regierung will durchgreifen

Auch deshalb plant die japanische Regierung eine große Offensive: Japans Finanzaufsicht soll die Bücher der großen Banken prüfen. Vergangene Woche musste der Chef der Mizuho Bank, Yasuhiro Sato, vor dem Parlament Rede und Antwort stehen. Und Mitte des Jahres kündigte Japans Regierung an, eine Taskforce ins Leben zu rufen, um unsaubere Geldgeschäfte generell besser zu überprüfen. Schärfere Gesetze sollen folgen, versprach Premierminister Shinzo Abe damals. Denn ansonsten sei auch das Ansehen des Finanzstandorts Japan in Gefahr.

Ob das Land so seine Probleme in den Griff bekommen wird, ist ungewiss. Im Oktober bemängelte die in Berlin ansässige Nichtregierungsorganisation Transparency International, dass viele Industrienationen bei ihrer Exportwirtschaft gern ein Auge zudrücken, wenn es um Korruption geht. Japan wurde in dem Bericht als einer der Missetäter erwähnt. Und die Financial Action Task Force (FATF), eine Unterorganisation der OECD, befindet zwar, dass Japan gute Gesetze gegen Geldwäsche und das organisierte Verbrechen hat. Nur umgesetzt würden diese kaum. Im jüngsten Länderreport der Organisation aus dem Jahr 2008 erhielt Japan in neun von 40 Teilbereichen die schlechteste Bewertung.

Einer der Hauptkritikpunkte der FATF ist, dass es in Japan nur selten zu Anklagen kommt. Und so könnte es sich auch mit den Großbanken und deren Verbindung zur Mafia verhalten: Der Mizuho Bank wurde bisher nur eine Art Unterlassungsverordnung erteilt. Die anderen Banken haben nicht einmal das erhalten.

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