Samstag, 30. November 2013

Protokoll einer Abhörung / Opfer Schweinen zum Fraß vorgeworfen

Ein grausamer Tonbandmitschnitt der Carabinieri, die die Mafiosi abgehört haben, zeigt die pervertierte Welt der Bosse. Im März 2012 verschwand der italienische Mafioso Francesco Raccosta spurlos. Jetzt steht fest: Er wurde auf Befehl von Mafia-Boss Simone Pepe (24) brutal hingerichtet.

Nach Medienberichten wurde Raccosta mit einem Spaten zusammengeschlagen und lebendig den Schweinen zum Fraß vorgeworfen!

Mafia-Boss Simone Pepe
er hat angeordnet, Francesco Raccosta bei lebendigem Leibe
von Schweinen fressen zu lassen.


Raccosta habe verzweifelt um Gnade gefleht, als die Schweine über ihn herfielen. Das gab die kalabrische Polizei jetzt bekannt, nachdem sie in einem großangelegten Lauschangriff die Telefone von Mafia-Mitgliedern abgehört hatte.
 
Originalprotokoll der Carabinieri: „Es war ein echtes Vergnügen, ihn schreien zu hören. Mamma mia, konnte der schreien, man konnte ihn bis ins nächste Dorf hören...“, habe Pepe am Handy gesagt. „Das Größte war, als der Eber ihm den Oberschenkel abgebissen hat! Das Blut ist nur so gespritzt. Die andere Sau hat ihm einfach den Arm abgerissen, das ging wie Butter. Meiner Meinung nach ist jetzt nichts von ihm übrig. Madonna mia, diese Schweine können echt fressen...!“

Danach hätten die beiden Mafiosi sich noch minutenlang amüsiert und die Grausamkeit telefonisch besprochen.

Raccosta und Pepe sind Mitglieder zweier verfeindeter Clans der kalabrischen Mafia ’Ndrangheta im Süden Italiens. Ein Polizeisprecher: „Diese Fehde hat seit den 1950er-Jahren zahlreiche Menschen das Leben gekostet.“


Seit März 2012 war Francesco Raccosta verschwunden. Jetzt steht fest: Er wurde brutal hingerichtet
 
Pepe wurde jetzt festgenommen. Laut dem britischen „Mirror“ hat er den Mord gestanden und ihn als Rache dargestellt für ein tödliches Attentat auf Mafia-Boss Domenico Bonarrigo. Er wurde elf Tage vor Raccostas Verschwinden im Auto erschossen.
 
Die ’Ndrangheta gilt als die mächtigste Mafia-Organisation Europas – mit einem geschätzten Jahresumsatz von 44 Milliarden Euro. Nach Erkenntnissen europäischer Ermittler ist die ’Ndrangheta die bedeutendste Gruppe im europäischen Kokain-Handel. Weitere wesentliche Ertragsquellen sind Waffenhandel, Geldwäsche und Erpressung. Die ’Ndrangheta hat vermutlich 7000 Mitglieder – organisiert in rund 90 Clans. Ca 30 Clans der 'Ndrangheta haben sich über ganz Deutschland verbreitet und hier etabliert.
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Freitag, 29. November 2013

Zwanzig Mitglieder der 'Ndrangheta verhaftet

Die italienischen Carabinieri haben vorgestern wieder zugeschlagen. Zwanzig Clan-Mitglieder der 'Ndrangheta wurden in der Nacht verhaftet. Ihnen werden fünf Morde vorgeworfen. Ein Mord wurde besonders grausam durchgeführt, denn das Opfer wurde bei lebendigem Leib auf einem Bauernhof den Schweinen zum Fraß vorgeworfen.

Frencesco Raccosta wurde lebendig den Schweinen zum Fraß vorgeworfen



Insgesamt verhafteten die Carabinieri 20 Mitglieder des Mazzaghetti-Clans, beschlagnahmten Häuser, Grundstücke und größere Gebäude im Gesamtwert von 70 Millionen Euro. Auch große Mengen Bargeld wurden konfisziert. 

mehrere hunderttausend Euro konfisziert


Einsatz bei dem Clan-Chef Rocco Mazzagatti


Der Clan-Chef der 'Ndrangheta  Rocco Mazzagatti , 50, wurde in Handschellen aus seinem Haus geführt. Opfer waren die Männer Bonarrigo und Polimeni, Ferraro, Raccosta.  

Bei der Untersuchung hat das Militär festgestellt, dass Francesco Raccosta, eines der Opfer lebendig an die Schweine verfüttert wurde.




Raccosta war im März 2012 zusammen mit Carmine Putrino, der ebenfalls getötet wurde, spurlos verschwunden. Der Doppelmord hatte die Fehde zwischen der Bande und dem Rivalen Mazzagatti und  Ferraro, ausgelöst.

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Opfer von Mafiosi lebendig an Schweine verfüttert

Bei einer Operation gegen einen Klan in der süditalienischen Region Reggio Calabria verhafteten die Ermittler vor Kurzem 20 mutmaßliche Mafiosi.

Dabei fand die Polizei nun heraus, dass die Gangster ein Mitglied eines rivalisierenden Klans offenbar besonders grausam aus dem Weg schafften. Sie warfen den Mann Schweinen zum Fraß vor - und zwar lebendig.


hier das Video!
http://www.stol.it/Artikel/Chronik-im-Ueberblick/Chronik/Gangster-offenbar-lebendig-an-Schweine-verfuettert


Bericht mit Bildmaterial im nächsten Artikel.
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Wurde die WM-Qualifikation von der Mafia manipuliert?

Nach der Verhaftung von sechs Verdächtigen geraten immer neue Details aus dem englischen Fußball-Wettskandal an die Öffentlichkeit. Ein Verdächtiger behauptet einem Pressebericht nach sogar, WM-Qualifikationsspiele manipuliert zu haben.

Der Fußball-Wettskandal in England könnte doch weitere Kreise ziehen als bislang bekannt. Einem Bericht des "Daily Telegraph" zufolge hat einer der festgenommenen Verdächtigen behauptet, auch WM-Qualifikationsspiele manipuliert zu haben. Angeblich kontrolliere er ein komplettes Nationalteam aus Afrika, habe der mutmaßliche Wettbetrüger einem verdeckten Ermittler versichert. 
Zudem soll er geprahlt haben, auch Einfluss auf Mannschaften aus europäischen Ligen nehmen zu können, darunter Belgien und Frankreich. In Deutschland seien die Profis allerdings wegen des hohen Gehaltsniveaus nicht empfänglich für Manipulationsversuche, hieß es in dem Bericht.
 
 
 
 
 
 
Sechs Verdächtige verhaftet
 
Britische Behörden hatten am Dienstag und Mittwoch sechs Verdächtige im Zuge von Ermittlungen gegen ein internationales Wettsyndikat verhaftet. Bei der Aufdeckung des Skandals hat der englische Fußball-Verband (FA) nach eigenen Angaben eng mit den Behörden kooperiert. Weitere Angaben zu dem Fall machte der Verband wegen der laufenden Untersuchungen nicht. Nach einer Mitteilung der Premier League und der Football League ist keine Partie der obersten vier Spielklassen von der Manipulationsaffäre betroffen. 
 
Allerdings erklärte einer der Verdächtigen, der aus Singapur stammen soll, er könne mit Hilfe eines vom Weltverband FIFA lizenzierten Spielerberaters Partien in aller Welt beeinflussen. Darunter seien möglicherweise auch Spiele in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft gewesen. Zudem habe er Freundschafts-Länderspiele zum Zwecke des Wettbetrugs organisiert. Durch Geldzahlungen könne er Schiedsrichter und Profis zur Spielmanipulation bewegen. 
 
 
Drei Spieler unter den Verdächtigen
 
Bislang war bekanntgeworden, dass die nun verhafteten Männer unter dem Verdacht stehen, Spiele im britischen Fußball manipuliert zu haben. Unter den Verhafteten seien mindestens drei Spieler. Welche Mannschaften betroffen sind, war zunächst unklar. Die Zeitung verwies auf laufende Ermittlungen. Laut "Telegraph" ist es das erste Mal seit Jahrzehnten, dass Beweise für das Verschieben von Spielen für Festnahmen in Großbritannien ausreichten. Wettskandale hatten zuletzt bereits mehrere europäische Ligen erschüttert. 
 
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Donnerstag, 28. November 2013

Wettskandal: Gelbe Karte als Mafia-Signal für Manipulation

Durch die Aufdeckung eines Manipulationsskandals im englischen Fußball sind auch versteckte Signale angeheuerter Spieler für die Wettmafia entschlüsselt worden.




Durch die Aufdeckung eines Manipulationsskandals im englischen Fußball sind auch versteckte Signale angeheuerter Spieler für die Wettmafia entschlüsselt worden. Das geht aus dem Bericht der britischen Tageszeitung The Telegraph zu den insgesamt sechs Verhaftungen von Verdächtigen am vergangenen Dienstag und Mittwoch durch die National Crime Agency (NCA) hervor.

Demnach soll der festgenommene Mittelsmann des Wettsyndikats aus Singapur in einem verdeckt aufgenommenen Video eines fingierten Verhandlungsgespräches schildern, dass Gelbe Karten für einen bestimmten Spieler innerhalb der ersten zehn Spielminuten ein Zeichen an die Mafia für den Verlauf der jeweiligen Begegnung in den vorher abgesprochenen Bahnen bedeuten. Der jeweilige Spieler soll für seine Botschaft umgerechnet 6000 Euro erhalten.

Die NCA, die erst im laufenden Jahr zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität gegründet worden ist, nahm bei ihrer zweitägigen Intervention auch den früheren Premier-League-Profi Delron Facey fest. Außer dem heutigen Spieler-Berater, der in der Saison 2003/04 für die Bolton Wanderers in Englands höchster Klasse spielte, verdächtigt die NCA drei weitere Spieler aus unteren Ligen. Premier-League-Begegnungen sollen inoffiziellen Informationen nicht zu den manipulierten Spielen zählen. Zu den tatsächlich betroffenen Klubs machten die Behörden auch keine Angaben.

Erkenntnissen der NCA-Fahnder zufolge hat der verhaftete Wettpate, der erst in der vergangenen Woche in England angekommen war, die Kosten für die Manipulation eines Fußball-Spiels allgemein auf umgerechnet gut 60.000 Euro beziffert. In England allerdings seien "die Kosten sehr hoch, normalerweise bekommen die Spieler fast 84.000 Euro". In den mitgeschnittenen Verhandlungen über die illegale Beeinflussung von Spielen auf der Insel noch vor Weihnachten stellte der Asiate dem finanziellen Aufwand für die Manipulationen auf dem Feld allerdings Gewinne von mehreren hunderttausend Euro gegenüber.

Der englische Fußball-Verband FA bestätigte Informationen durch NCA über die Verhaftungen. Wie die Liga lehnte die FA mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen der NCA weitere Kommentare zum Skandal ab.

Mittwoch, 27. November 2013

Senat wirft Berlusconi raus

Silvio Berlusconi fliegt aus dem Parlament: Der Senat stimmte für den Ausschluss des früheren Premiers, weil der als Steuerbetrüger verurteilt worden war. Ihm droht nun endgültig das politische Aus.

 Italiens früherer Premierminister Silvio Berlusconi muss seinen Sitz als Senator aufgeben. Eine Mehrheit im Senat warf den Cavaliere in einer mit Spannung erwarteten Abstimmung aus dem Parlament.

Damit wendete die Mehrheit ein Gesetz aus dem Jahr 2012 an, nach dem verurteilte Straftäter nicht im Parlament sitzen dürfen. Berlusconi wurde im August rechtskräftig als Steuerbetrüger verurteilt. Seit dem Urteil hatte sich Berlusconi erbittert gegen den Ausschluss aus dem Senat gewehrt.
Der 77-Jährige verliert nun sein wichtigstes öffentliches Amt und seine Immunität. Zudem darf er sich für sechs weitere Jahre nicht mehr um neue politische Ämter bewerben. Im Oktober hatte sich bereits der Immunitätsausschuss der Parlamentskammer für einen Ausschluss des Medienmoguls ausgesprochen.






Berlusconis Anhänger demonstrierten kurz vor dem Votum in Rom und warnten vor einem "Staatsstreich" und gar dem "Ende der Demokratie". Berlusconi selbst beteuerte vor seinen Anhängern erneut seine Unschuld. "Heute ist ein bitterer Tag und ein Tag der Trauer für die Demokratie", sagte er.


Berlusconi will nicht aufgeben

Aufgeben will Berlusconi allerdings nicht. In seiner Rede vor treuen Anhängern betonte er, dass er auch ohne Parlamentsmandat seine Partei leiten könne. Dabei verwies er auf Beppe Grillo, der seine Fünf-Sterne-Bewegung auch ohne Mandat fest in der Hand habe. Der Cavaliere kündigte an, weiterzukämpfen. Das wird dem Cavaliere, der Italiens Politik seit 1994 prägt, allerdings schwer fallen.

In einer teils hitzigen Debatte beriet der Senat über den Ausschluss. Seine Unterstützer attackierten ehemalige Gefolgsleute scharf - Berlusconis Ziehsohn Angelino Alfano hatte kürzlich mit dem Cavaliere gebrochen und eine eigene Fraktion gegründet.

Berlusconis wiederbelebte "Forza Italia" beantragte nach Beginn der Senatssitzung erneut eine geheime Abstimmung, die Senatspräsident Pietro Grasso jedoch ablehnte. Berlusconi hatte in den vergangenen Jahren immer wieder geheime, zuvor als aussichtslos erscheinende Abstimmungen doch noch gewonnen. Dieses Mal halfen keine Tricks.

Italiens Oberstes Gericht hatte am 1. August die Verurteilung des Cavaliere wegen Steuerbetrugsbei seinem Medienkonzern Mediaset in letzter Instanz bestätigt. Die vierjährige Haftstrafe wurde in einen einjährigen Hausarrest umgewandelt. Seit dem Urteil war klar, dass der Senat über den Ausschluss Berlusconis befinden müsse. In weiteren Verfahren werden dem Ex-Premier unter anderem Amtsmissbrauch, Sex mit minderjährigen Prostituierten und Bestechung vorgeworfen.

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HSH-Bank - eine Mafia-Geld-Maschine

"Keine italienische Bank hätte soviel Geld gegeben" - so die einhellige Meinung der italienischen Banken. Nach der Razzia bei der HSH Nordbank wundern sich die Ermittler in Italien, warum die Deutschen Millionen für einen angeblichen Windpark gegeben haben. Die Verbindungen zur Mafia sind offensichtlich.

Ein Kredit in Höhe von 225 Millionen aus einer Bank im fernen Norddeutschland, der das Projekt einer kleinen Firma tief im italienischen Süden finanziert – das war Ermittlern und Staatsanwälten der kalabrischen Stadt Catanzaro suspekt. "Keine italienische Bank hätte einer solchen Gesellschaft soviel Geld gegeben", erklärt Staatsanwalt Giovanni Bombardieri der "Welt".
 
 
Giovanni Bombardieri
 
 
Bombardieri koordiniert die Ermittlungen und Verfahren um den Windpark "Windfarm Isola Capo Rizzuto", so benannt nach der gleichnamigen Gemeinde an der Südküste Kalabriens. Vergangene Woche gab es im Zusammenhang mit Ermittlungen der Osnabrücker Staatsanwaltschaft, in deren Zentrum das Geschäft mit dem Windpark steht, eine großangelegte Razzia bei der HSH Nordbank in Hamburg und Kiel sowie bei Firmen in Deutschland, Italien, der Schweiz und San Marino.
 
Nun ist es bei Windkraftprojekten nicht ungewöhnlich, große Summen an kleine Firmen zu leihen. Aber in diesem Landstrich Italiens schürt so etwas Verdacht: Kalabrien ist die Heimat der Mafia-Organisation 'Ndrangheta, die heute zu den mächtigsten der Welt gehört.
 
 
Riesige Geldwaschanlage?

Der Geldsegen aus dem Norden, mit dem die Firma "Vent1 Capo Rizzuto srl" das Projekt seit 2008 finanzierte, führte daher schon 2008 zu den ersten Ermittlungen. Es kam schnell der Verdacht auf, dass das Projekt nichts als eine riesige Geldwaschanlage für die Mafia sein dürfte.
 
Im Visier hatten Staatsanwälte und Finanzpolizei dabei den Clan der Familie Arena. "Wir hatten eine Reihe von Hinweisen, die darauf hindeuteten, dass die Familie in das Projekt verwickelt sei", erklärt Staatsanwalt Bombardieri. "Familien wie die Arenas stehen aufgrund ihrer kriminellen Tätigkeiten unter regelmäßiger Beobachtung von Seiten der Finanzpolizei und deren Spezialeinheit zur Bekämpfung organisierter Kriminalität und internationaler Beziehungen, Scico, die auch mit Interpol zusammen arbeitet". Bombardieri bezeichnet die Zusammenarbeit mit den Osnabrücker Kollegen als "exzellent".
 
 
 
 
 
Zentrale Figur ist Pasquale Arena, der eigentlich ein Angestellter in der Gemeindeverwaltung von Isola Capo Rizzuto ist. Pasquale ist der Neffe des Clanchefs Nicola Arena, ihm konnten kriminelle Machenschaften und eine Verbindung zum Clan allerdings nie nachgewiesen werden.
 
 
Schutzgelderpressung und Drogenhandel

Involviert ist auch der bayerische Unternehmer Martin Josef Frick, ein ehemaliger Anwalt und CSU-Politiker. Er hatte gemeinsam mit einem Brancheninsider aus Rheine, Ulrich Schomakers, und dem niedersächsischen Finanzmakler Ludwig Nyhuis die Betreiberfirma für das Windparkprojekt "Ventuno Design Gmbh" gegründet.


Ulrich Schomakers
 
 
 
 
ehemaliger CSU-Politiker und Unternehmer Josef Frick
 


Finanzmakler Ludwig Nyhuis

 
Es beteiligten sich weitere Firmen aus der Schweiz, San Marino und Italien an der Ventuno Design, aber auch die Arenas selbst ließen über Mittelsmänner wohl Geld in das Projekt fließen. Laut Ermittlern könnte es sich dabei um Umsatz aus kriminellen Geschäften mit Schutzgelderpressung, Waffen- und Drogenhandel handeln.
 
 
Das Steuerparadies San Marino in Italien
 
 
Als dieses Konstrukt aufzufliegen drohte, änderte sich der Firmenmantel, aus der Ventuno Design wurde die italienische "Vent1 srl" mit Sitz in Isola Capo Rizzuto in Kalabrien. Als weitere Investoren werden auch eine "Tiger Project GmbH" mit Sitz in Deutschland, die "Econex Finanz AG" aus der Schweiz, die "SEAS srl" in San Marino und die "Purena Srl" mit Sitz in Kalabrien genannt.
 
 
Die Macht reicht bis nach Deutschland

Die Staatsanwälte von Catanzaro ermitteln inzwischen gegen 31 Personen. Schon im Sommer 2012 wurde die Windanlage wegen Verdachts auf Geldwäsche beschlagnahmt.
 
Die Familie Arena gehört der kalabrischen 'Ndrangheta an, die heute die mächtigste Mafia-Organisation Italiens ist. Große Summen hat die Familie bereits in der norditalienischen Region Emilia-Romagna und in der Lombardei investiert.
 
Mehrere Clan-Mitglieder verbüßen Haftstrafen, auch lebenslang wegen Mordes. Ihre Macht reicht bis in die höchsten Etagen auch in der Politik und – nach Deutschland: Über einen Mittelsmann ließ die Familie Arena den römischen Politiker Girolamo Di Nicola, der Kandidat für die Berlusconi-Partei PDL in einem sogenannten "Auslandswahlkreis" für Auslandsitaliener in Stuttgart war, in den Senat wählen. Auf der Wahlparty in Rom feierte auch Clanmitglied Fabrizio Arena mit, der wegen Mord, Drogen- und Waffenhandel verhaftet wurde.

 
Gemeinderäte sind infiltriert

Die kalabrische 'Ndrangheta gehört heute zu den mächtigsten Mafia-Organisationen der Welt. "Sie beherrscht einen großen Teil des internationalen Drogenhandels", sagte der Staatsanwalt Enzo Ciconte, der lange Jahre für die nationale Antimafia-Staatsanwaltschaft arbeitete und sich vor allem mit den Beziehungen der 'Ndrangheta beschäftigte, der Welt. "Keine andere Mafia-Organisation ist so weit verbreitet und auf allen fünf Kontinenten präsent."
 
 
Anti-Mafia-Staatsanwalt Enzo Ciconte
 
 
Allein in Italien soll sich der Umsatz ihrer verschiedenen Aktivitäten auf rund 150 Milliarden Euro belaufen, wie der nationale Rechnungshof und Antimafia-Staatsanwaltschaft in Italien schätzen – das sind etwa acht Prozent des italienischen Bruttosozialproduktes. Allein in den vergangenen vier Wochen sind Güter der 'Ndrangheta im Wert von über 600 Millionen Euro überall in Italien beschlagnahmt worden.
 
Viele Milliarden werden in "legalen" Geschäften wie der Bau- und Immobilienwirtschaft gewaschen. Erst in den vergangenen Monaten war es zu mehreren Skandalen in der norditalienischen Lombardei gekommen, wo auch Gemeinderäte wegen Infiltration von 'Ndrangheta-Mitgliedern aufgelöst wurden.
 
Die 'Ndrangheta hat der sizilianischen Mafia und der Camorra, die in Kampanien um Neapel beheimatet ist, damit wirtschaftlich längst den Rang abgelaufen. Ihre Stärke ist der traditionell starke Familienzusammenhalt der Clans: Nur Verwandte werden am Familienbusiness beteiligt – von der einfachen Schutzgelderpressung bis zum internationalen Finanzgeschäft.
 
Das schützt die Familien vor Überläufern, die vor Ermittlern auspacken, um Straferleichterungen auszuhandeln. Diese sogenannten "pentiti", die Reuigen, hatten die sizilianische Cosa Nostra in den 90er-Jahren stark geschwächt. Pentiti waren meist Clanmitglieder, die nicht zur Stammfamilie gehörten.
 
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Dienstag, 26. November 2013

Keine Hinweise auf Verwicklung der Mafia bei Müll-Export

Mit Müll kann man heute viel Geld verdienen. Doch manchmal stinken diese Geschäfte bis zum Himmel. Im Müll-Untersuchungsausschuss des sächsischen Landtages kamen nun italienische Ermittler zu Wort. Donnerwetter, sag ich da nur! Wie kommt denn der Landtag zu diesem "beruhigenden" Ergebnis?

Mülldeponie Cröbern / Sachsen


Italienische Ermittler haben bei den illegalen Müllexporten aus den Regionen Campagna und Marche nach Deutschland keine Hinweise auf Verwicklungen zur Mafia festgestellt. Staatsanwalt Paolo Sirleo machte am Montag im Müll-Untersuchungsausschuss des sächsischen Landtages für solche Machenschaften vielmehr „autonome Gruppen“ innerhalb der italienischen Müllbranche verantwortlich. Aha....! Autonome Gruppen aus Italien also!

Fest steht, dass mit gefälschten Unterlagen auch auf die Deponie Cröbern bei Leipzig Abfälle entsorgt wurden. Sie seien zwar als gefährlich deklariert, aber dennoch „schlimmer“ als auf den Papieren angegeben gewesen. Allein in Cröbern landeten 2008 etwa 4.000 Tonnen Müll aus Italien. So, so, autonome Gruppen waren das also!

Der Untersuchungsausschuss war auf Betreiben von Grünen und Linken entstanden und hatte im Sommer 2010 seine Arbeit aufgenommen. Das Gremium thematisiert mögliche Fehler und Versäumnisse der Regierung beim Umgang mit Müll und Müllimporten. Linke und Grüne werfen der Regierung vor, Sachsen zu einem der größten Müll-Importländer gemacht zu haben. „Die Staatsregierung suggeriert, dass es in Sachsen ein funktionierendes System der Abfallkontrolle gibt. Aber das gibt es nicht“, bewertete der Grünen-Politiker Johannes Lichdi am Montag am Rande der Sitzung die bisherigen Ergebnisse.

In einer Doppelvernehmung wurde neben Sirleo auch Giuseppe de Venere, Chef einer Sonderermittlungseinheit der Carabinieri, befragt. Beide gaben ausführlich zu Protokoll, wie das System funktionierte. Demnach hatte eine Abfallbehandlungsfirma aus Corridonia (Provinz Macerata) aus Profitgier immer mehr Lieferungen entgegengenommen, obwohl die vorhandene Anlage gar nicht für diese Mengen ausgelegt war. Deshalb suchte man über „Abfall-Makler“ nach anderen Lösungen und exportierte den zuvor mit anderen Abfällen vermischten Müll unter falscher Kennzeichnung auch nach Deutschland. Von den Lieferanten wurden 200 bis 220 Euro pro Tonne kassiert, die Deponie Cröbern erhielt etwa 130 Euro.

Auch in Italien sind unterdessen Verfahren in dieser Angelegenheit anhängig. Nach Aussagen von Staatsanwalt Sirleo versuchten die Ermittler, den Verdächtigen unter anderem durch Telefonüberwachung auf die Schliche zu kommen.



Freitag, 22. November 2013

Berlusconi bestach Zeugen und fälschte Beweise

In seinem Prozess wegen Minderjährigen-Prostitution hat Italiens früherer Ministerpräsident Silvio Berlusconi nach Einschätzung des zuständigen Gerichts Zeugen bestochen. Zudem sei dem 77-Jährigen die "systematische Fälschung von Beweisen" zur Last gelegt worden, hieß es in der von italienischen Medien verbreiteten Urteilsbegründung aus Mailand zu dem im Sommer abgeschlossenen sogenannten Rubygate-Verfahren. Berlusconis Anwälte kritisierten die Äußerungen des Gerichts heftig.
 
 
 

In der Urteilsbegründung wurde noch einmal bekräftigt, dass Berlusconi eine "sexuelle Vorführung junger Frauen" organisiert habe, die bei sogenannten Bunga-Bunga-Partys darum gewetteifert hätten, Wünsche der Anwesenden zu erfüllen. Das Gericht sei zudem zu der Einschätzung gelangt, "dass der Angeklagte sexuelle Kontakte mit 'Ruby' gegen riesige Geldsummen und andere Belohnungen" wie etwa Schmuck gehabt habe.

Berlusconi war Ende Juni nach zweijährigem Prozess wegen Prostitution Minderjähriger und Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft und einem Ämterverbot verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Berlusconi bezahlten Sex mit der zur Tatzeit minderjährigen Nachtclubtänzerin Karima al-Mahrough alias Ruby Rubacuore (Ruby Herzensbrecherin) hatte.

Das Urteil ist erst rechtskräftig, wenn alle Revisionsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, was im kommenden Jahr der Fall sein könnte. Berlusconi wies stets alle Vorwürfe zurück. In einem weiteren Verfahren wegen Steuerbetrugs ist er aber rechtskräftig zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt, die wegen einer Amnestieregelung auf ein Jahr verkürzt wurde und aus Altersgründen nicht im Gefängnis verbüßt werden muss.

Berlusconi droht wegen der diversen Verfahren und Urteile auch der Verlust seines Sitzes im italienischen Senat. Vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg kämpft er gegen die Anwendung eines Ende 2012 in Italien verabschiedeten Gesetzes, nach dem zu mehr als zwei Jahren Haft verurteilte Politiker nicht mehr Abgeordnete sein dürfen.

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Donnerstag, 21. November 2013

Lebt die Mafia jetzt gefährlich?

Der leitende Staatsanwalt von Reggio Calabria, Nicola Gratteri, spricht aus, was keiner der neureichen Finanzhaie der Mafia und 'Ndrangheta so recht wahrhaben mag:





Der Papst ist in Gefahr.

Er mache, so meint der angesehene Jurist, die Finanzmafia nervös und Gratteri äußert wörtlich: „Sie arbeiten unübersehbar an einem Plan.“

Bemerkenswert, auch seine folgenden Worte: „Dieser Papst ist auf dem rechten Pfad. Er hat von Anfang an wichtige Signale gesendet mit seinem eisernen Kruzifix und seinen Mahnungen gegen den Luxus und der Plünderungsmentalität der Banken. Er ist konsequent, glaubwürdig und sein Ziel ist eine ‚Grundreinigung’ der Kirche.“ Seit neuem weht im Vatikan ein neuer Wind, wobei der Skandal um Tebartz van Elst in den Augen Franziskus eher als ein minder wichtiger Vorgang rangiert. Der Papst denkt in anderen Größenordnungen. Und genau an diesem Punkt kann es für ihn gefährlich werden.

Gratteri meint weiter, dass der Finanzmafia dieser von Franziskus eingeschlagene Pfad  gar nicht gefalle, denn sie investiere, wasche und beziehe seit Ewigkeiten Geld der katholischen Kirche und es heißt wörtlich: Die Finanzmafia „ hat sich nicht nur ungehindert davon ernährt, sondern auch extrem bereichert – mit dem Wissen der Kirche. Diejenigen, die sich bis heute mit Geld und Macht aus dem Vatikan bereichern, sind aufs Äußerste beunruhigt und sehr nervös.”

Zu Recht. Nicht wenige trauen diesem Papst konsequentes Handeln im Dienst der Liebe zu, auch was eine Neuordnung finanzieller Praktiken innerhalb der Kirche betrifft.

Nachzulesen ist Obiges in der Huffington Post – im Original in ihrer italienischen Ausgabe – und ich denke, für diese aufrüttelnde Information dürfen wir dieser Online-Zeitung dankbar sein.
Gratteri, selbst seit 1989 unter Polizeischutz lebend, meint: „Ich weiß nicht, ob das organisierte Verbrechen momentan in der Lage ist, zu handeln (…) aber sie denken mit Sicherheit über ihre Möglichkeiten nach.


Wenn die Mafia Franziskus ein Haar krümmt

wäre das meines Erachtens ihr eigenes Ende. Kaum eine Italienerin oder ein Italiener würden ihr das jemals verzeihen. – Und ich vermute, es wäre weltweit so.

So gesehen ist die Mafia womöglich in größerer Gefahr als sie es selbst ahnt.
Warum ich denke, dass wir den Schutz dieses Papstes alle mittragen sollten, ist, weil er auf eine neue überkonfessionelle Weise Glaubwürdigkeit, Liebe und Barmherzigkeit ausstrahlt.

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Mittwoch, 20. November 2013

Banken machen gute Geschäfte mit der Mafia

Die großen japanischen Banken sind eine wichtige Geldquelle für das organisierte Verbrechen. Die Institute wissen das, behaupten jedoch, wenig dagegen tun zu können.


Eine Filiale der Mizuho Financial Group in Tokio


Eigentlich wollte Koichi Miyata nur die Halbjahreszahlen präsentieren, und zumindest damit war der Chef von Sumitomo Mitsui auch zufrieden. Der Gewinn der japanischen Großbank liegt fast 53 Prozent höher als im vergangenen Jahr. Aber Miyatas Pressekonferenz vor wenigen Tagen wurde überschattet: Wie viele Banken, so hat auch sein Haus Geld nicht nur an Japans Yakuza, sondern auch an die 'Ndrangeta und die Camorra geliehen.

"Es ist schwierig, diese Kräfte zu identifizieren", sagte Miyata. "Oft existieren nur Gerüchte, dass eine bestimmte Person zur Mafia gehört. Sobald wir solche Verbindungen entdecken, brechen wir die Beziehungen natürlich ab." Nur brauche man zuerst Beweise, und die seien oft nur durch die Polizei zu bekommen. Die Kredite an die Yakazu sind meist als private Darlehen getarnt, die noch dazu oft über kleine Subunternehmer laufen. Das macht die Überprüfung besonders schwierig. Noch schwieirger wird es, wenn Gelder ins Ausland, beispielsweise nach Italien fließen.

Details über das mögliche Kreditvolumen nannte Miyata nicht. Allerdings ist Sumitomo Mitsui nicht der einzige Fall. Im September wurde bekannt, dass der Konkurrent Mizuhuo zwei Millionen US-Dollar in 230 verschiedenen Krediten an die Yakuza verliehen hat. "Die Bank trägt eine schwere Verantwortung", kritisierte Regierungssprecher Yoshihide Suga. Mizuho wusste mindestens seit zwei Jahren von den Krediten, unternahm aber nichts.


Auch Unternehmen verwickelt

Ende Oktober gestand auch die Shinsei Bank Beziehungen zur Mafia ein. Mittlerweile seien die Geschäfte mit den entsprechenden Kunden jedoch beendet worden, heißt es vom Institut. Auch Japans größtes Geldhaus, Bank of Tokyo-Mitsubishi, ist in den Skandal verwickelt. In den vergangenen Wochen gestanden zwei kleinere Geldinstitute, an denen die Bank of Tokyo-Mitsubishi 20 und 40 Prozent der Anteile hält, Kredite an Yakuza vergeben zu haben.   

Die Affäre macht einmal mehr den Einfluss der organisierten Kriminalität in Japan deutlich. Auch großen japanischen Unternehmen werden immer wieder Beziehungen zur sizilianischen Mafia und der 'Ndrangheta nachgesagt. Kuniaki Nozoe, Vorstandschef des Elektronikriesen Fujitsu, wurde im Herbst 2009 gestürzt. Angeblich hatte er Kontakte zur sizilianischen Mafia. Selbst in der Politik kommt es nicht selten zu Skandalen. Vor gut einem guten Jahr trat der erst drei Wochen zuvor berufene Justizminister Keishu Tanaka zurück – wegen Verbindungen zur Mafia.

Seit Anfang der 1990er Jahre versucht Japan, dem Problem Herr zu werden. 1992 wurde ein Anti-Yakuza-Gesetz eingeführt, das zwar nicht die Mitgliedschaft in solchen Gruppen verbietet, wohl aber Geschäfte mit diesen. Nach Angaben der japanischen Polizei sind rund 80.000 Menschen in Japan irgendwie in mafiösen Gruppierungen organisiert. Und seit den 1990er Jahren verlagert sich deren Geschäft langsam von Prostitution, Drogenhandel und Schutzgelderpressung in legale Bereiche wie das Immobiliengeschäft oder den Finanzsektor.


Japans Regierung will durchgreifen

Auch deshalb plant die japanische Regierung eine große Offensive: Japans Finanzaufsicht soll die Bücher der großen Banken prüfen. Vergangene Woche musste der Chef der Mizuho Bank, Yasuhiro Sato, vor dem Parlament Rede und Antwort stehen. Und Mitte des Jahres kündigte Japans Regierung an, eine Taskforce ins Leben zu rufen, um unsaubere Geldgeschäfte generell besser zu überprüfen. Schärfere Gesetze sollen folgen, versprach Premierminister Shinzo Abe damals. Denn ansonsten sei auch das Ansehen des Finanzstandorts Japan in Gefahr.

Ob das Land so seine Probleme in den Griff bekommen wird, ist ungewiss. Im Oktober bemängelte die in Berlin ansässige Nichtregierungsorganisation Transparency International, dass viele Industrienationen bei ihrer Exportwirtschaft gern ein Auge zudrücken, wenn es um Korruption geht. Japan wurde in dem Bericht als einer der Missetäter erwähnt. Und die Financial Action Task Force (FATF), eine Unterorganisation der OECD, befindet zwar, dass Japan gute Gesetze gegen Geldwäsche und das organisierte Verbrechen hat. Nur umgesetzt würden diese kaum. Im jüngsten Länderreport der Organisation aus dem Jahr 2008 erhielt Japan in neun von 40 Teilbereichen die schlechteste Bewertung.

Einer der Hauptkritikpunkte der FATF ist, dass es in Japan nur selten zu Anklagen kommt. Und so könnte es sich auch mit den Großbanken und deren Verbindung zur Mafia verhalten: Der Mizuho Bank wurde bisher nur eine Art Unterlassungsverordnung erteilt. Die anderen Banken haben nicht einmal das erhalten.

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Mafia-Spuren ins romantische Dörfchen

Ein deutscher Ex-Politiker erhielt in seinem Haus in Niederndorferberg Besuch vom Bundeskriminalamt. Wegen seiner Verbindungen zur süditalienischen Mafia.




Die beschauliche Gemeinde Niederndorferberg rückte am Dienstagvormittag ins Zentrum eines Wirtschaftskrimis. Genaugenommen war es das mit einer massiven Betonmauer umfasste Haus eines Ex-Politikers aus Bayern, dem die Ermittler aus zwei Staaten und drei Städten einen unerwarteten Besuch abstatteten. Der Grund für die Hausdurchsuchung: Verdacht der internationalen Geldwäsche. Und zwar mit Hilfe eines Windparks, den der Wahl-Tiroler in Zusammenarbeit mit einem süditalienischen ’Ndrangheta-Klan (Mafia) in Kalabrien errichtet hat.

Einst war der Verdächtige Rechtsanwalt und Stadtrat in Rosenheim mit Bürgermeister-Ambitionen. Bis er über ein Grundstücksgeschäft stolperte. Veruntreute Mandantengelder kosteten ihn die Zulassung als Anwalt.
 
Seither ist der heute 62-Jährige ein dubioser Geschäftsmann. Wie das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet, fasste der Ex-Stadtrat mit Wohnsitzen in Niederndorferberg, der Schweiz und San Marino bei einem Jagdausflug in Kalabrien den Entschluss, dort einen Windpark zu errichten. Das war vor etwa sechs Jahren.
 
Mit an Bord des Projekts ein Neffe des örtlichen ’Ndrangheta-Bosses – der 49-Jährige sollte dem Bayern für eine Beteiligung von zunächst zehn, später 15 Prozent die bürokratischen Stolpersteine aus dem Weg räumen.
 
Der frühere CSU-Politiker nahm auch zwei deutsche Geschäftsleute mit ins Boot. Die dänische Firma Scan-Energy errichtete die 48 Windmühlen, die HSH Nordbank aus Hamburg übernahm die Finanzierung. 225 Millionen Euro streckte das Geldinstitut vor. Der Plan: Der Geschäftsmann aus Niederndorferberg und seine Partner wollten die durchaus profitable Windenergie-Anlage nach der Errichtung sofort verkaufen und dann den Kredit zurückzahlen.
 
Die Staatsanwaltschaft Catanzaro in Süditalien hat den Plan allerdings durchkreuzt und die 48 Riesenwindräder beschlagnahmt. Auch die Erlöse aus dem Stromverkauf wurden eingefroren. Das war vor knapp eineinhalb Jahren. Seither fürchtet die Bank um ihre 225 Millionen.
 
Ein abgehörtes Telefongespräch zwischen ’Ndrangheta-Mitgliedern hat zu diesen Zwangsmaßnahmen geführt. Dabei ging es um 80 Millionen Euro, die der Mafia-Klan in den Windpark investieren wollte. Drogenverkaufserlöse, mutmaßen die Behörden.
 
Weiters vermutet die italienische Justiz, der Geschäftsmann aus Niederndorferberg und seine deutschen Partner hätten dem kalabrischen Klan bei der Geldwäsche in der Schweiz geholfen. Die zunächst zuständige Staatsanwaltschaft Kiel sah das anders, die Italiener beschwerten sich. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Osnabrück. Und die gab den Startschuss für eine staatenübergreifende Großrazzia bei den Geschäftspartnern der ’Ndrangheta. Etwa 200 Beamte durchsuchten am Dienstagvormittag Büros und Wohnungen der Verdächtigen. In Deutschland und San Marino ebenso wie in der Schweiz und Niederndorferberg. Auch die HSH Nordbank erhielt unerwarteten Besuch von deutschen Kriminalbeamten.
 
„Die Beschuldigten stehen im Verdacht, mittels ihrer Firmen in Deutschland, Italien, San Marino und der Schweiz inkriminierte Gelder einer ’Ndrangheta-Gruppierung gewaschen zu haben“, gab der Osnabrücker Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer nach den Hausdurchsuchungen am Dienstag bekannt: „Außerdem sollen sie Geschäftsanteile des Windparks für diese kriminelle Vereinigung übernommen haben, um so deren Beteiligung zu verschleiern.
 
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Dienstag, 19. November 2013

Jetzt auch Razzia in Österreich - Mafia Geldwäsche

Im Zusammenhang mit einem vermutlich von der Mafia gebauten Windpark in Kalabrien hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück verdächtige Zahlungen in Höhe von 200 bis 300 Mio. Euro ausgemacht, sagte Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer auf APA-Anfrage. Der damit verbundene Verdacht auf Geldwäsche via HSH Nordbank hat am Dienstag zu Razzien in sechs deutschen Bundesländern sowie in Österreich geführt.



Wegen des Verdachts der Geldwäsche sind am Dienstag unter anderem Büros von Enercon und der HSH Nordbank durchsucht worden


Geschäfte mit 'Ndrangheta-Clan

Ob es bei der Hausdurchsuchung in Österreich zu Festnahmen gekommen ist, konnte die Staatsanwaltschaft Osnabrück vorerst nicht beantworten. Einem Bericht des "Spiegel" zufolge ist einer der Beschuldigten der Initiator des Windparks, ein Rosenheimer CSU-Politiker und Anwalt. Der Wahlschweizer habe einen Zweitwohnsitz in Österreich und soll mit einem Mitglied des 'Ndrangheta-Clan Geschäfte gemacht haben. Die italienischen Behörden würden sich bei den Ermittlungen um den inzwischen beschlagnahmten Windpark kümmern, die deutschen Ermittlungsbehörden die verdächtigen Zahlungsströme analysieren, beschrieb der Oberstaatsanwalt das Vorgehen in der Causa.

Die Ermittlungen richten sich gegen mutmaßliche Geldwäscher im Auftrag einer Gruppierung der italienischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta. Sie sollen mittels ihrer Firmen in Deutschland, Italien, San Marino und der Schweiz Gelder aus kriminellen Machenschaften in den legalen Wirtschaftskreislauf gebracht haben. Außerdem sollen sie Gesellschaftsanteile an einem Windparkbetreiber übernommen haben, um die Beteiligung der Mafia zu verschleiern. Die HSH Nordbank soll das Projekt mit 225 Mio. Euro finanziert haben.

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Auch in Bayern Razzien wegen Mafia-Geldwäsche

Hat die italienische Mafia mithilfe eines Windparks mehr als saubere Energie produziert? Ermittler glauben, dass die Anlagen auch Teile der Finanzbestände ordentlich durchpusten. In einer bundesweiten Aktion durchsuchten sie nun Räume deutsche Unternehmen.

Die Durchsuchungen dienten der Beweissicherung. Betroffen waren 20 Objekte in Bayern, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Aufgrund der internationalen Verbindungen gebe es außerdem auch Razzien in Österreich. Die Ermittlungen gegen die Geschäftsleute liefen seit Februar. Die 'Ndrangheta ist eine der vier großen italienischen Mafiaorganisationen. Sie besteht aus verschworenen Familien-Clans, die vom süditalienischen Kalabrien aus operieren.


Verhaftung des sogenannten Arena-Clans in Crotone / Windkraftbetrüger


Einer der Beschuldigten ist ein Geschäftsmann und Anwalt aus dem bayerischen Rosenheim, der mit mutmaßlichen Mitgliedern eines der 'Ndrangheta-Clans in Kontakt stand. Er soll sich mit weiteren Partnern zusammengetan haben, um den Windpark mit einer eigenen Firma als Generalunternehmer zu bauen und zu verkaufen.

Mafia-Geldwäsche - Polizei durchsucht Räume der HSH Nordbank

Mit Strom aus Windkraft sollen drei deutsche Geschäftsmänner der Mafia geholfen haben, schmutzige Gewinne aus Drogenhandel und Erpressung zu waschen. Die HSH Nordbank finanzierte das Investment. Nun haben Polizisten Wohnungen und Büros der Verdächtigen sowie Geschäftsräume der HSH durchsucht.


Windkraftanlage in Capo Rizzuto: Die HSH Nordbank finanzierte die Anlage mit 225 Millionen Euro. Doch der Park steht im Verdacht, eine Geldwaschanlage der Mafia zu sein.

Der Windpark Capo Rizzuto ist einer der größten Europas. Laut der Staatsanwaltschaft Osnabrück hat die Anlage drei deutschen Geschäftsmännern vor allem dazu gedient, schmutzige Gelder aus Drogenhandel und Erpressung der süditalienischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta zu waschen. Die angeschlagene HSH Nordbank finanzierte den Park mit 225 Millionen Euro.

Seit den frühen Morgenstunden durchsuchten nun rund 200 Polizeibeamte insgesamt 20 Wohnungen und Büros der drei Verdächtigen sowie die Geschäftsräume der HSH Nordbank in Hamburg und Kiel. Beteiligt sind Beamte des Bundeskriminalamtes, der Landeskriminalämter Bayern und Niedersachsen sowie die Zentrale Polizeidirektion Hannover.


Einsatzfahrzeuge vor der HSH Nordbank: Bundesweit sind 20 Gebäude durchsucht worden, insgesamt waren rund 200 Beamte beteiligt.


Ermittelt wird wegen des Verdachts der Geldwäsche und der Unterstützung einer ausländischen kriminellen Vereinigung. "Die Beschuldigten stehen im Verdacht, mittels ihrer Firmen in Deutschland, Italien, San Marino und der Schweiz inkriminierte Gelder einer 'Ndrangheta-Gruppierung gewaschen zu haben. Außerdem sollen sie Gesellschaftsanteile an der Betreibergesellschaft eines Windparks für diese kriminelle Vereinigung übernommen haben, um so deren Beteiligung zu verschleiern", sagt der Osnabrücker Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer.

Der Windpark, um den es geht, liegt rund 2100 Kilometer von Osnabrück entfernt. Die 48 Windmühlen an der Sohle des italienischen Stiefels haben eine Leistung von rund 100 Megawatt und können jährlich Strom im Wert von 30 Millionen Euro erzeugen. "Die Anlage ist ökonomisch erfolgreich", sagt Rüdiger Volk, Direktor der HSH Nordbank. Volk verantwortet in der Bank den Bereich "Sanierung". Der Windpark ist längst zum Problem geworden.

Wie der SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe berichtet, hegte die italienische Staatsanwaltschaft schon lange den Verdacht, dass die Anlage auch dazu dient, schmutziges Geld des Arena-Clans zu waschen, der in der Region das Sagen hat. Clan-Chef Nicola Arena, 76, sitzt im Gefängnis, sein gleichnamiger Neffe, 49, hat den Windpark maßgeblich vorangetrieben.



  Eingang der HSH Nordbank in Hamburg: Auch bei der Landesbank wurden Beweise sichergestellt.


Auf der Suche nach Investoren

Ein dubioser Geschäftsmann aus Rosenheim, der ehemalige CSU-Stadtrat und Rechtsanwalt Martin Frick, 62, hatte die Idee zu dem Projekt. Die notwendigen Kontakte nach Kalabrien stellte ein Pizzeria-Betreiber aus seiner Heimatstadt her.

Es ist deshalb gut möglich, dass Frick von Anfang an wusste, auf wen er sich da eingelassen hatte, auch wenn er beteuert, dass sein Partner Nicola Arena ihm versichert habe, nichts mit den krummen Geschäften seines Onkels zu tun zu haben. Womöglich gehörte es auch zum Kalkül, dass die Mafia bei der Realisierung eines solchen Projektes in einer der korruptesten Regionen Europas sehr hilfreich sein könnte.

In Deutschland hat Frick schon lange ein Problem. Seine Politikerkarriere bekam einen Knick, weil er sich als Anwalt, statt Honorar zu kassieren, ein Grundstück überschreiben ließ, das später Bauland wurde. Frick saß damals im Bauausschuss. Seine Anwaltszulassung verlor er, nachdem er wegen Veruntreuung von Mandantengeldern verurteilt wurden war. 2002 musste er zudem ein Schuldanerkenntnis bei der Volksbank Mittweida über 500.000 Euro unterschreiben, das er bis heute nicht bezahlt hat.

Es dürfte ihm deshalb schwergefallen sein, den Windpark selbst zu realisieren. Auf der Suche nach Investoren traf er auf Ulrich Schomakers, einen Brancheninsider aus Rheine, und Ludwig Nyhuis, einen Finanzmakler aus Twist im Emsland. Sie gründeten eine Firma, die Ventuno Design, die den Windpark als Generalunternehmer bauen und anschließend verkaufen sollte. Die HSH Nordbank war bereit, das gesamte Projekt zu finanzieren.


Blick in das Foyer der HSH Nordbank: Die Durchsuchungen sind das Ergebnis eines Ermittlungsverfahrens, das seit Februar 2013 geführt wird. Es geht um den Verdacht der Geldwäsche und der Unterstützung einer ausländischen kriminellen Vereinigung.


Der italienischen Staatsanwaltschaft kam der Windpark von Anfang an verdächtig vor. Einerseits weil Frick Mitglieder der Arena-Familie erst mit zehn, später mit 15 Prozent an dem Projekt beteiligte, obwohl sie angeblich kein Geld investiert hatten. "Arena war für die soziale Komponente des Projektes zuständig. Er sollte dafür sorgen, dass mögliche Konflikte zwischen den Beteiligten gelöst werden", sagt Nyhuis. Andererseits war man bei der Staatsanwaltschaft skeptisch, weil die Bank 100 Prozent finanzierte.


Die Staatsanwaltschaft Rom bat um Rechtshilfe aus Kiel

Die Staatsanwaltschaft Catanzaro beschloss, die Telefone der Beteiligten abzuhören. So erhielten die Ermittler in Italien Hinweise auf Korruption, Geldwäsche und Einschüchterungen.
Trotzdem - oder deshalb - ging die Windkraftanlage Capo Rizzuto Ende 2009 wie geplant in Betrieb. Die Schulden, 225 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer, wurden damit auf die Firma Vent1 Capo Rizzuto überschrieben, eine Betreibergesellschaft ohne nennenswertes Personal und mit 10.000 Euro Kapital. Geschäftsführer: Martin Frick.

Etwa zur gleichen Zeit schickte die Antimafia-Staatsanwaltschaft aus Rom ein Rechtshilfeersuchen nach Kiel. Darin ging es im Kern um die Frage, wie der Kredit mit der HSH Nordbank zustande gekommen war. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Bank so ein Projekt zu 100 Prozent finanziert", sagt Chefermittlerin Maria Vittoria De Simone, "da muss es noch Sicherheiten im Hintergrund geben."

Als einzige Reaktion schickte die Kieler Staatsanwaltschaft am 25. November 2010 zwei DIN-A-4-Ordner mit den Vertragsunterlagen, die sie von der HSH Nordbank erbeten hatte. Ein Sprecher der Bank sagte, es habe sich um eine damals übliche Projektfinanzierung gehandelt, bei der die Anlage und sämtliche Erlöse daraus als Sicherheit dienten.

In Kalabrien, rund 2000 Kilometer südlich von Kiel, spitzten sich die Dinge damals zu. Die Arenas drängten auf den Verkauf und wollten Geld sehen. Frick und sein Geschäftspartner bei der Schweizer Firma Econex, die an dem Windpark beteiligt ist, gerieten in finanzielle Schwierigkeiten. "Da unten gibt es Probleme. Keine Problemchen, echte Probleme", sagte Frick am Telefon.


Ermittlungen des Bundeskriminalamtes

Ein Treffen von Frick und Arena-Angehörigen mit Grazia Canuto, Abteilungsleiterin im italienischen Umweltministerium, brachte offenbar die dringend erhoffte Wende. Ihr gelang es offenbar, den italienische Energieversorger Terna für den Windpark in Capo Rizzuto zu begeistern. Es ging um einen Kaufpreis von rund 240 Millionen Euro. Den Arenas war das wohl zu wenig.

Frick arrangierte dennoch ein Treffen mit den Terna-Vertretern in Rom. Noch während er mit ihnen am 12. Juli 2012 zu Mittag aß, klingelte sein Telefon. Die italienische Staatsanwaltschaft hatte den Windpark beschlagnahmt, erfuhr er. Das Geschäft war geplatzt.

Schnell änderte Frick die Zusammensetzung der Gesellschafter, offenbar mit dem Ziel, den Namen Arena aus den Unterlagen zu tilgen, und legte Beschwerde gegen die Beschlagnahmung ein. Damit aber hatte er nur kurzfristig Erfolg. Das Gericht in Catanzaro bestätigte die Beschlagnahmung. Seither fließt auch kein Geld mehr an die HSH Nordbank.

Dass jetzt bei den drei verdächtigen Geschäftsleuten und auch bei der Bank durchsucht wird, liegt indes nicht an der Kieler Staatsanwaltschaft. Dort ruht der Fall immer noch unbearbeitet zwischen Aktendeckeln.

In aller Stille aber hatte eine Geldwäscheverdachtsanzeige eines niedersächsischen Finanzamtes die Staatsanwaltschaft Osnabrück alarmiert. Sie beauftragte das Bundeskriminalamt mit den Ermittlungen. Nachdem es aus Italien wiederholt Beschwerden über die Nachlässigkeit der Deutschen in dieser Sache gegeben hatte, nahm sich die Bundesbehörde selbst des Falles an.
Für den Hauptverdächtigen Frick wird es nun eng. Zwar hat er schon länger keinen Wohnsitz mehr in Deutschland und auch kein pfändbares Vermögen.

Ein Inkassounternehmen aber, das der Volksbank Mittweida seine 500.000 Euro Schulden abgekauft hatte, stieß jetzt auf Fricks Schweizer Firma Econex. Das zuständige Bezirksgericht hat gerade einen Arrestbefehl über sämtliche Aktien, Gehaltsansprüche und Konten Fricks ausgestellt.

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Montag, 18. November 2013

Stadt, Müll und Mafia

In Neapel brennt Abfall und die Camorra freut sich darüber. Denn sie verdient nicht nur Unmengen Geld mit dem stinkenden Müll, sondern hat auch noch die volle Rückendeckung der Bevölkerung. Die demonstriert nämlich gegen jede staatliche Einmischung.


                   


Das bürgerkriegsartige Chaos, das Neapel derzeit der Welt vorführt, handelt von einem globalen Problem in kleinem Maßstab: Alle machen Müll, aber niemand will mit dessen Beseitigung etwas zu schaffen haben. Nun findet sich in zivilisierten Weltgegenden stets ein Kompromiss für diesen Zwiespalt; in Deponien, Verbrennungsöfen, mit Mülltrennung und Recycling wird eine Gesellschaft des Abfallproblems irgendwann Herr. Dass dies in Neapel nicht so ist, hat mit einer markanten Sonderstellung der italienischen Millionenstadt zu tun: Hier ist staatliches Handeln ohne Auseinandersetzung mit der organisierten Kriminalität unmöglich.

„Für uns bedeutet der Müll pures Gold“, zitieren italienische Zeitungen Aussagen jener Clanchefs, die mit der ungeregelten Wegschaffung des Mülls weiterhin Milliarden verdienen. Das funktioniert so: Anstatt eine preisgünstige und möglichst schonende Abfall-Logistik zu nutzen, überlässt die Gesellschaft ihren Müll gegen gutes Geld den Kriminellen. Die müssen sich um Gesetze und Auflagen nicht kümmern und können alles kostenfrei in die Landschaft kippen. Zahllose Seen, Bergtäler, Naturschutzgebiete in Süditalien hat die Camorra durch diese Lösung bereits ruiniert, andererseits aber sauberes Geld mit Dreck verdient.

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Mafia-Boss Roberto Moia arbeitet mit Polizei zusammen

Die Entscheidung, mit der Staatsanwaltschaft zu kooperieren hat Roberto Moia das Leben gerettet, jedenfalls vorübergehend. Er hat sich bereit erklärt, gegen den berüchtigten Clan Tegano im Prozess "Malavenda" auszusagen.




Der hoffnungslos zerstrittene Clan, der von den Brüdern Giovanni und Pasquale bekämpft wurde, wollte Roberto Moia als Führungsfigur eliminieren. Er hat bereits mit den Ermittlern im Jahr 2004 zusammen zusammengearbeitet und für die Verhaftung des flüchtigen Giovanni Maio, seinem Onkel gesorgt. Das war sein Todesurteil, nachdem die Brüder herausgefunden hatten, dass Roberto der Verräter war.

Sobald die Führer des Clans wussten, dass ein "Spion" unter ihren Reihen zu suchen war, war Robert Moia seines Lebens nicht mehr sicher. Nun hat er sich in die Hände der Behörden gegeben.
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Mafia-Boss nach monatelanger Flucht gefasst

Ein im Sommer aus dem Hausarrest entwischter Mafia-Boss ist nach monatelanger Flucht in der süditalienischen Stadt Reggio Calabria gefasst worden. Antonino Lo Giudice hatte bei den Ermittlern ausgepackt und die Verantwortung unter anderem für ein Bombenattentat auf eine Gebäude der Staatsanwaltschaft sowie Anschläge auf Staatsanwälte übernommen. Er war Medienberichten von heute zufolge zu sechs Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden.

Der ’Ndrangheta-Boss, genannt „Nano“ (Zwerg), war auch im Ausland gesucht worden, vermutlich hatte er seine Heimat aber gar nicht verlassen.



Geständnis widerrufen

Wahrscheinlich hätten ihm seine Frau und sein Sohn beim Verstecken geholfen, heißt es bei „Corriere della Sera“ (Onlineausgabe). Über seinen Sohn hatte er nach seinem Abtauchen sein Geständnis widerrufen und behauptet, die Ermittler hätten ihn zu den Aussagen gezwungen. „Ich habe alles erfunden.“ Die Staatsanwälte hätten ihm gedroht, wenn er nicht das sagte, was sie hören wollten.

Festnahme auch in Spanien

Unterdessen wurde bekannt, dass die spanische Polizei auf den Balearen ein mutmaßliches italienisches Mafia-Mitglied gefasst hat. Der 36-jährige Gennaro Zampini wurde auf Ibiza festgenommen, wie die Polizei heute mitteilte. Er gehört demnach dem Gioia-Clan an, einer Bande innerhalb der neapolitanischen Camorra, und soll auf der Balearen-Insel an Drogengeschäften beteiligt gewesen sein. Weitere mutmaßliche Mitglieder seines Clans wurden den Angaben zufolge in Italien festgenommen.

Die Camorra ist eine der vier großen Mafia-Organisationen in Italien. Die anderen Zweige sind die sizilianische Cosa Nostra, die ’Ndrangheta aus Kalabrien und die Sacra Corona Unita aus Apulien.

Sonntag, 17. November 2013

Ist der Papst tatsächlich im Visier der Mafia?

Hat sich Papst Franziskus mit seiner klaren Positionierung für eine „Kirche der Armen“ und gegen Korruption schon Feinde gemacht, die ihm nach dem Leben trachten?

Erstmals stammen entsprechende Vermutungen nicht von Verschwörungstheoretikern, die ein paar Vatikan-Krimis zu viel gelesen haben. Sondern von einem ausgewiesenen Experten für Organisierte Kriminalität, der sich in den Verstrickungen von Staat, Mafia und Kirche bestens auskennt: Vom italienischen Staatsanwalt Nicola Gratteri (55), der selbst schon auf der Todesliste der ’Ndrangheta, der kalabrischen Variante der Mafia, gestanden haben soll.



Gratteri behauptet nicht, dass die Mafia bereits konkrete Anschlagspläne verfolgt!
Doch in einem Interview mit der Zeitung „Il Fatto Quotidiano“, spricht er von „Überlegungen“ der Bosse, die „gefährlich sein könnten“:

„Wenn sie eine Möglichkeit sehen, dem Papst ein Bein zu stellen, werden sie dies tun.“

Grund dafür ist der „richtige Weg“, den Papst Franziskus aus Sicht des Mafia-Jägers zu Beginn seines Pontifikats eingeschlagen hat: „Er hat sofort wichtige Signale ausgesandt, trägt ein Kruzifix aus Eisen, wendet sich gegen Luxus. Er ist konsequent und glaubwürdig, setzt auf die totale Reinigung.“
 
So habe der Papst mit der Demontage wirtschaftlicher Machtzentren im Vatikan begonnen. Das können aufmerksame Vatikan-Beobachter nur bestätigen: Wer wollte, konnte gerade in den letzten Wochen anhand unauffälliger Personalentscheidungen erkennen, wie ernst es dem Argentinier mit seinem Kulturbruch ist.


Nicht ganz zufällig stellte Franziskus das Thema Korruption zuletzt mehrfach in den Mittelpunkt seiner Predigten.

Wer sich bestechen lasse, der „Göttin Schmiergeld“ huldige, „verliert seine Würde“, so der Papst. Ein hoher Kurienvertreter: „Die Zeichen, die Franziskus aussendet, sind inzwischen von vielen verstanden worden.“

Das mache allerdings auch jene Mafiosi der alten Generation nervös, deren Macht und Reichtum bislang an der Kirche hingen, meint der Staatsanwalt. Dies seien etwa Geldwäscher, die sich bislang trotz Mitwisserschaft von hohen Prälaten sicher fühlen konnten.

Der Buch-Autor („Acqua Santissama“, „heiligstes Wasser“) nennt haarsträubende Beispiele für Verflechtungen von Kirche und Mafia. So habe der Bischof von Locri (Kalabrien) Gemeindemitglieder geduldet, die mit Tausenden Morden in Verbindung gebracht werden. Doch erst, als Mafiosi Obstbäume aus Kirchenbesitz vernichteten, soll er sie im Zorn exkommuniziert haben.
Die Schwierigkeit im Umgang der Geistlichen mit den Drogenbossen und Killerbanden: 88 Prozent der Mafiosi bezeichnen sich bei einer Knast-Umfrage als tief religiös. Und das, obwohl der emeritierte Papst Benedikt XVI. gegen die Organisierte Kriminalität als „Straße des Todes“ gewettert hatte, die nicht mit christlichem Glauben vereinbar sei.

Das Beseitigen von Menschen, die nicht mit ihnen kooperieren, betrachten Mafia-Killer nach Worten des Staatsanwalts jedoch nicht als Sünde, sondern als aufgezwungene Pflicht. In den meisten Fällen würden sie nach dieser kruden Logik sogar beten, bevor sie ihre Feinde töten. Ein Hinterhalt in einem kalabrischen Dorf ist eine Sache, der Petersplatz in Rom eine andere.


Kooperation mit der Mafia

Die Mafia, die durch Investitionen und Geldwäsche «die wahre Macht» besitze, sei durch die «stillschweigende Duldung der Kirche» reich geworden, so Mafia-Ankläger Gratteri weiter. Gratteri wirft Priestern und Bischöfen in Süditalien vor, mit den Verbrechen zu kooperieren, indem sie sich etwa durch persönlichen Umgang mit ihnen legitimierten.

Verstärkend für die Verbindung wirke die «glühende religiöse Ergebenheit» der Mafiosi, sagte Gatteri dem «Guardian» zufolge. Es gebe in den Mafia-Clans «kein Ritual der Zusammengehörigkeit, das nicht die Religion heraufbeschwört», so der Mafia-Ankläger.

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Gemüse auf dem Giftacker der Mafia

Der Lebensmittelhandel meidet Produkte aus Kampanien, weil Süditalien der Müllkrise nicht Herr wird
 
Mal sind es zwanzigtausend Demonstranten, mal viertausend; an diesem Sonnabend sollen es mindestens fünfzigtausend werden. In immer neuen Protestzügen lehnen sich die Menschen nördlich von Neapel auf gegen die hunderttausenden Tonnen von wild deponiertem Giftmüll, der Land und Brunnen verseucht; gegen die tagtäglichen, meist vorsätzlich gelegten Brände in legalen und illegalen Abfalldepots, die Luft und Lungen mit Dioxin verpesten; gegen die Politik, die dem Treiben der Camorra und der industriellen Müll-Profiteure fünfundzwanzig Jahre lang tatenlos zugesehen habe – und gegen den Krebs, der in dieser Gegend nach medizinischen Studien entschieden häufiger zuschlägt als anderswo.





„Wir sind es müde, so viele Kinder auf den Friedhof zu tragen.“ Maurizio Patriciello, Pfarrer und Protestführer im „Feuerland“ zwischen Neapel und Caserta, hat das neulich der Umweltministerin entgegengeschleudert. Und diese wusste nicht viel zu entgegnen.

Den Stein ins Rollen gebracht hat ein früher führender Mafioso. Carmine Schiavone aus dem Clan der Casalesi – geoutet und berühmt geworden durch Roberto Savianos Buch „Gomorrha“ – legte im August eine ausführliche Fernsehbeichte ab. Er berichtete, wie sein „System“ so vielen norditalienischen Unternehmen geholfen hat, ihren Sonder- und Giftmüll kostensparend zu entsorgen.



 


Er erzählte von Sandgruben an den Stränden, von Fischteichen und von Steinbrüchen im Hinterland, in denen nächtens Lastwagenkolonnen ihr undeklariertes Zeug abladen durften, geleitet durch „eine geradezu militärische Organisation von Camorristi in gefälschten Polizeiuniformen“. Auch „radioaktiven Schlamm aus Deutschland“ habe man verschwinden lassen. „Wir wussten“, sagte Schiavone, „dass in zwanzig Jahren hier alle an Krebs sterben würden.“ Dass die Sache lukrativ war für die Casalesi, wegen fehlenden Fahndungsdrucks und mangelnder Sanktionen auch noch entschieden risikoärmer als der Rauschgifthandel, das alles wussten die Staatsanwälte lange vor Schiavones Auftritt.


 


Bekannt war auch, dass Mülltransporte dieser Art und Dauer nicht ohne Wissen von Kommunalpolitikern abgewickelt werden konnten, und dass so manche Bauern unter ihren Gemüsefeldern – gegen gutes Geld natürlich – Depots anlegen ließen. Doch erst jetzt wird tatsächlich nachgeschaut. Erst jetzt hat das Parlament das sechzigseitige Protokoll einer geheimen Anhörung freigegeben, in der Schiavone schon 1997, also vor sechzehn Jahren, das Müllgeschäft in unzähligen Facetten beschrieben hat. Erst heute kommen verrostende Fässer tatsächlich ans Tageslicht. Heute rückt der Schrecken den 300 000 Einwohnern von „Feuerland“ direkt auf den Leib. Von einem „Tschernobyl“ sprechen die einen, die anderen von „Aids“ oder „Pest“.

Aber es ist nicht nur die Angst um die Gesundheit. In Kampanien, der drittgrößten Agrarregion Italiens, erzeugt die Landwirtschaft einen Jahresumsatz von drei Milliarden Euro. 136 000 Firmen und 65 000 Jobs hängen an ihr. Anders als der Rest der regionalen Ökonomie boomt die Branche; vergangenes Jahr hat sie ihre Arbeitsplätze um ein Zehntel ausgeweitet. Und jetzt? Nach den Giftmüllberichten hat der nationale und der exportorientierte Großhandel seine Nachfrage nach kampanischem Obst und Gemüse um ein Drittel zurückgefahren. So berichtet es die Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“. Und Promos, ein von Handelskammern, Universitäten und Provinzen getragenes Forschungsinstitut, urteilt: „Der Großhandel hat ein Veto gegen kampanische Produkte ausgesprochen. Er hat kapiert, was bei uns los ist: das Chaos. Es gibt keine Kontrollen. Woher die Produkte kommen, lässt sich nicht zurückverfolgen. Es gibt keine Sicherheit für die Kunden. Man vertraut uns nicht. Es ist ein Drama.“


 

Von wegen, sagen sie in der Regionalregierung: Tomaten, Brokkoli, Fenchel, Kartoffeln, Salat, Pfirsiche – alles sei „superkontrolliert“. So versichert es Ministerpräsident Stefano Caldoro: „Wir haben die besten Erzeugnisse Italiens, die beeindruckendsten Landschaften, das schönste Meer.“ Die verseuchten Äcker, das seien nicht einmal fünf Prozent der gesamten Anbaufläche: „Also Hände weg von unserem schönen Kampanien!“ Doch selbst Caldoros Landwirtschaftsassessorin, Daniela Nugnes, muss zugeben, dass die Ergebnisse der Lebensmittelanalysen „in der Schublade geblieben“ sind. Kampanien, so vermeldet das nationale Gesundheitsministerium, habe als einzige Region Italiens die Untersuchungen zu problematischen Rückständen in Lebensmitteln nicht nach Rom gemeldet: „Sie haben gesagt, das liege an Computerproblemen.“

Was soll jetzt getan werden? „Etwas“, fordern die Demonstranten, „und zwar möglichst schnell.“ Was das genau sein soll, weiß niemand. Die verseuchten Böden sanieren – von zweitausend bekannten Problemflächen spricht die regionale Umweltbehörde Arpac – wird nach Ansicht von Ministerpräsident Caldoro „achtzig Jahre dauern“. Kenner regionaler Vorgänge wie der Antimafia-Staatsanwalt Franco Roberti und der Chefredakteur der neapolitanischen Tageszeitung „Corriere del Mezzogiorno“, Marco Demarco, befürchten eines: dass nun auch die Millionen, die Rom für die Sanierung des Bodens womöglich nach Neapel überweist, in den Händen der Camorra landen. Und dass das Gelände dann sauber würde, ist noch lange nicht garantiert.

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Massenprotest in Neapel gegen Giftmüllkippen der Mafia

Millionen Tonnen an radioaktivem Material und Industriemüll hat die Camorra in den vergangenen Jahren zwischen Rom und Neapel illegal entsorgt - tödliche Krebsgefahr für die Bevölkerung inklusive.
 
 
 
 
 


Zehntausende Menschen haben am Samstag in Neapel gegen illegale Müllkippen der Mafia demonstriert. In strömendem Regen riefen die Demonstranten "Nein zur Camorra" und hielten Plakate hoch, auf denen sie auf den "Biozid" durch die Müllkippen hinwiesen. Einige der Demonstranten zeigten Fotos ihrer Verwandten, die an Krebs gestorben waren. Laut den Veranstaltern kamen 100.000 Menschen zusammen, die Polizei sprach von 30.000 Teilnehmern.
Die Camorra, die neapolitanische Mafia, lädt in Kampanien giftige Abfälle ab. Nach Angaben der Organisation Legambiente wurden in 22 Jahren insgesamt zehn Millionen Tonnen Industriemüll illegal entsorgt. Die Region zwischen Neapel und Caserta wird als "Dreieck des Todes bezeichnet". Die Protestbewegung beklagt insbesondere, dass die Verbrennung des Mülls giftige Dämpfe freisetzt

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Auch radioaktives Material aus Deutschland

Das Treiben der Camorra wurde von den Mafiosi selbst schon vor Jahren bestätigt. Ex-Mafia-Boss Carmine Schiavone hatte bereits 1997 vor einem Untersuchungsausschuss dazu ausgesagt - seine Informationen wurden von den Parlamentariern jedoch unter Verschluss gehalten. Erst Ende Oktober wurde das bis dato als Staatsgeheimnis deklarierte Protokoll veröffentlicht. "Ich weiß aus Erfahrung, dass bis 1992 Regionen im Süden Italiens mit toxischem Müll verseucht wurden - Müll aus ganz Europa, nicht nur aus Italien", hatte Schiavone bei seiner Anhörung vor den italienischen Abgeordneten gesagt. Seit Ende der 1980er-Jahre habe die Mafia daran verdient, den Abfall illegal zu entsorgen.




"Wir reden nicht von Tausenden Tonnen toxischen Materials, sondern von Millionen Tonnen", gab Schiavone damals zu Protokoll. Detailliert schilderte er, wie die Casalesi - der berüchtigte Camorra-Clan, dem er angehörte -, die Müllentsorgung zwischen Latina, 70 Kilometer südlich von Rom, und Caserta, 40 Kilometer nördlich von Neapel, kontrollierte. Darunter sei Industrie-Müll aus Norditalien gewesen, aber auch radioaktives Material aus Deutschland, das etwa in Gruben und Seen gelandet sei. Die Mafia habe besonders nach dem Mauerfall viel Geld mit Geschäften aus Deutschland verdient. Laut Schiavone soll es unter anderem Verbindungen nach Dortmund, München und Baden-Baden gegeben haben.


Auch Bürgermeister eingespannt

Auch habe die Camorra habe Ende der 1980- und Anfang der 1990er-Jahre Bürgermeister "in allen 106 Kommunen der Provinz Caserta" für ihre Ziele eingespannt, so der Mafia-Aussteiger weiter. Sie habe zudem auf das Stillschweigen mehrerer Minister sowie des früheren Premiers Ciriaco De Mita vertrauen können - heute ein Mitglied des Europaparlaments. Und: Die illegale Müllentsorgung werde bis auf de heutigen Tag unverdrossen fortgesetzt.

Das könnte fatale Folgen für die Gesundheit der Einwohner haben. Allgemeine Statistiken über erhöhte Krebsraten in Neapel und Umgebung gibt es zwar nicht. In einer Gemeinde aber schnellten die Fälle von Krebserkrankungen auffällig in die Höhe: von 136 im Jahr 2008 auf 420 im Jahr 2012. Umweltaktivist und Pfarrer Maurizio Patriciello empörte sich über das Versagen der italienischen Behörden, die Bürger aufzuklären. "Wenn der Staat uns Einwohner von Casela und Neapel vor 16 Jahren gewarnt hätte, dass wir durch die giftigen Abfälle an Krebs sterben könnten, hätten wenigstens die Jüngeren ihre Sachen packen und woanders hinziehen können", sagte er der italienischen "Huffington Post". Nun aber erkrankten selbst Verwandte der Camorra-Mitglieder.

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Samstag, 16. November 2013

Anti-Mafia-Staatsanwalt warnt vor Attentat auf den Papst

Der angesehene italienische Anti-Mafia-Staatsanwalt Nicola Gratteri sorgt in Italien für Aufsehen mit der Behauptung, dass die Mafia den Papst im Visier habe. Der neue Kurs von Franziskus mache so manchen Mafioso nervös, sagte Gratteri der italienischen Zeitung „Il Fatto Quotidiano“. Grund dafür seien die vom Papst angestoßenen Reformen in der Kurie und der Vatikanbank.




 
„Papst Franziskus macht die Finanzmafia nervös. Er ist konsequent, glaubwürdig, und sein Ziel ist eine Grundreinigung der Kirche“, so Gratteri. „Ich weiß nicht, ob das Organisierte Verbrechen momentan in der Lage ist, zu handeln. Aber sie denken mit Sicherheit über ihre Möglichkeiten nach. Es kann gefährlich werden“, betonte der Staatsanwalt. Der Jurist zählt zu den bekanntesten Jägern der kalabresische ‚Ndrangheta und steht seit Jahren unter Personenschutz.
 
Der Vatikan zeigte sich über die Aussagen Gratteris allerdings unbesorgt. „Es gibt keinen konkreten Grund zur Sorge und es hat keinen Sinn, Alarm zu schüren“, sagte der vatikanische Pressesprecher Pater Federico Lombardi.
 
„Beten wir zu Gott, dass die Herzen dieser Mafiosi sich zu Gott bekehren“, hatte Papst Franziskus Ende Mai auf dem Petersplatz gesagt. Anlass war die Seligsprechung des von der Mafia erschossenen Priesters Giuseppe Puglisi am 25. Mai in Palermo. Der sizilianische Geistliche war am 15. September 1993 vor seinem Haus in Palermo von einem Auftragskiller getötet worden.
 
Noch am Freitag hatte Franziskus deutlich gegen die Korruption Stellung bezogen. Bestechungsgelder anzunehmen sei „schwer sündhaft“, hatte er in seiner täglichen Frühmesse im Vatikan gesagt. Gott habe den Menschen aufgetragen, ihr Geld durch ehrliche Arbeit zu verdienen „und nicht auf diesen Wegen, die einfacher sind, dir aber am Ende alles nehmen“. Die Anhänger der „Göttin Schmiergeld“ verlören ihre Würde.
 
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