Dienstag, 2. Juli 2013

Verbranntes Wissen

Es ist ein Rätsel, wer den Brand in Italiens größtem Wissenschaftsmuseum gelegt hat. Steckt die Mafia dahinter? Entsprechende Warnungen gab es zwar keine, aber einige Anzeichen deuten darauf hin. Nun wird diskutiert, ob das zerstörte Museum wieder aufgebaut werden soll - und wer das bezahlt.

Das Feuer brach am Abend des 4. März aus. Der Nachthimmel färbte sich blutrot. Die Flammen zerstörten fast den gesamten Ausstellungsbereich des zwischen 1996 und 2001 eingerichteten Wissenschaftsmuseums Città delle Scienze in Bagnoli bei Neapel. Dabei wurden nicht nur das dazugehörige Planetarium sowie Dutzende Geräte und interaktive Einrichtungen des Science Center zerstört, sondern auch die Exponate einer temporären Ausstellung über den Polarforscher Fridtjof Nansen, die aus norwegischen Museen stammten.



Vor allem ging mit den Ausstellungsräumen in den restaurierten Hallen einer ehemaligen Glashütte vom Anfang des 19. Jahrhunderts ein Industriedenkmal in Flammen auf. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft lag ein klarer Fall von Brandstiftung vor, weil das Feuer gleichzeitig an mehreren Stellen ausgebrochen war.

Bislang gibt es keine Hinweise auf den oder die Täter. In Neapel spekuliert man schnell über Mafia-Hintergründe, offen bleibt hier allerdings das Motiv. Vor dem Brandanschlag hat es anscheinend auch keine der sonst üblichen Bedrohungsszenarien wie Erpressungen oder Schutzgeldforderungen gegeben.

Doch dieser Küstenabschnitt mit teils verwahrlosten Gebieten oder Brachland bietet für das organisierte Verbrechen viele Schlupflöcher für die Anlandung und Lagerung von Drogen und anderen Schmuggelwaren. Eine im öffentlichen Interesse stehende Einrichtung mit starkem Publikumsverkehr kann hier die Kreise der Camorra nur stören. Den Brandanschlag wird in Polizeikreisen als ernste Warnung der Camorra interpretiert, die Città delle Scienze besser an eine andere Stelle zu verlegen. In diesem Stadtteil will man seine Ruhe haben!

Die Ermittlungen dauern an, das betroffene Gelände ist nach wie vor behördlich gesperrt. Der Physiker Vittorio Silvestrini, Präsident der Museumsstiftung, setzt sich für einen Wiederaufbau der Ausstellungshallen ein, "wie sie waren und wo sie waren", um möglichen "verbrecherischen Forderungen" nicht nachzugeben und ein "Zeichen der Legalität" zu setzen. Er hat auch bereits konkrete Zeitvorstellungen. Binnen 18 Monaten könnte die gesamte Einrichtung wieder aufgebaut werden, offen bliebe allein der davor liegende Zeitraum für bürokratische Abwicklungen.