Mittwoch, 31. Juli 2013

Die schmierigen Geschäfte der Olivenöl-Mafia

Italien hat einen neuen Lebensmittelskandal. Panscher machten gewaltige Mengen Billig-Olivenöl durch Mischen oder Um-etikettieren zu teurer Edelware, manchmal sogar mit gefälschtem Bio-Siegel. 80 Prozent der gesamten Produktion sollen betroffen sein, ein Teil wird auch in Deutschland verkauft.



Keine zwei Wochen ist es her, da beschlagnahmte die Polizei im norditalienischen Verona 2.500 Tonnen angeblicher Bio-Futtermittel, vor allem Soja und Raps, die tatsächlich alles andere als "bio" waren. Einige Hundert Tonnen von dem Zeug sollen zuvor nach Deutschland exportiert und dort an Schweine, Rinder, Hühner verfüttert worden sein. Seit 2007 soll der Betrüger-Ring neben Tierfutter auch Mehl, Obst und Trockenfrüchte für insgesamt 220 Millionen Euro verkauft haben. Auch davon ging ein Teil nach Deutschland.

Jetzt enthüllte die römische Tageszeitung "La Repubblica" den nächsten Millionenskandal mit gefälschten Lebensmitteln: "Italienisches" Olivenöl der Qualitätshöchststufe "Extra Vergine" (in Deutschland: Natives Olivenöl Extra) stamme selten aus heimischen Beständen. In vier von fünf Flaschen seien Öle aus Spanien, Griechenland oder Tunesien. Das jedenfalls hätten Kontrollen und Recherchen der italienischen Behörden ergeben. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Aber schon die ersten Ergebnisse deuten auf einen organisierten Betrug in gewaltigem Ausmaß. Ein Sprecher des Bauernverbandes Coldiretti spricht von Aktivitäten der Mafia.


Mafia macht Traumgewinne mit "Superschnäppchen"

Etwa fünf Milliarden Euro setzen die italienischen Öl-Händler im Jahr um - einen erheblichen Teil davon, so sieht es jedenfalls jetzt aus - mit traumhaften Gewinnen dank betrügerischer Machenschaften. Basis für die schmierigen Geschäfte sind die großen Preisunterschiede in den ölproduzierenden Ländern.

In Spanien kostet das Olivenöl ab Mühle etwa 0,50 Euro, in Tunesien weniger als 0,25 Euro pro Kilo. In Italien verlangen die Ölhersteller dagegen im Schnitt vier bis fünf Euro, in der Toskana etwas mehr, eher sieben Euro, in Apulien und Kalabrien etwas weniger. Und so bringen Tanklaster und riesige mit Öl gefüllte Schiffe jedes Jahr beinahe eine halbe Million Tonnen fremdes Olivenöl nach Italien.

Würde die Ware dort auf Flaschen gefüllt und entsprechend etikettiert - Öl aus Tunesien, zum Beispiel - und mit der zutreffenden Qualitätsstufe gekennzeichnet, wäre die Sache völlig in Ordnung. Aber das geschieht offenbar nur selten. Häufiger werden die Fremd-Öle dem Verbraucher als heimische Produkte untergejubelt. Manchmal steht sogar irgendwo auf dem Etikett, in winzigster, nahezu unlesbarer Schrift "enthält Öle aus EU-Ländern" oder "enthält Öle aus EU- und Nicht-EU-Ländern" - aber oft verzichten die Panscher selbst auf solche versteckten Hinweise und verkaufen das Importöl einfach als italienische Ware - ob als "Superschnäppchen" für zwei bis vier Euro, oder auch viel teurer. Es ist ja schließlich, laut Etikett, beste italienische Qualität.


Die Hälfte ist schimmelig

Tatsächlich ist der Inhalt in der Regel nicht nur kein "extra vergine"-Öl, sondern oft richtig schlecht. Untersuchungen von zwölf gängigen in italienischen Supermärkten verkauften Marken zeigten ein erschütterndes Resultat: die Hälfte der Öle war schimmelig.

Oft reichen hübsche Flaschen und schöne Etiketten nicht, um das Importprodukt verkäuflich zu machen. Denn nicht selten stinkt das Billig-Öl schrecklich. Dann muss es chemisch "desodoriert" und vielleicht auch mit etwas gutriechendem Öl vermischt werden. Aber sogar diese chemisch aufgehübschte Schrottware wird mitunter noch als "Bio"-Produkt auf den Markt gebracht. Nicht nur in Italien.


Top-Öl für drei Euro geht nicht

Zwar landet das Gros des italienischen Olivenöls, sei es importiert oder selbst produziert, in den Töpfen oder Pfannen italienischer Küchen. Aber immerhin 250.000 Tonnen Olivenöl exportiert Italien pro Jahr. Viel davon, um die 60.000 Tonnen, landet in Deutschland. Und, vermutlich, ist dabei auch viel von dem Schmier-Öl.

Dass die Verbraucher damit hereingelegt werden, ist zum Teil auch deren Schuld. Denn manche Angebote sind so billig, dass unmöglich das drin sein kann, was drauf steht. Und viele Käufer wissen das zwar, theoretisch, fallen im Ernstfall aber immer wieder der Billig-Billig-Versuchung zum Opfer.

Ein "Natives Olivenöl Extra" ist ein reines Naturprodukt, kaltgepresst, aus erster Pressung, mit einem ganz geringen Säuregehalt. Die Bäume müssen gepflegt, die Oliven schonend geerntet werden - bei Spitzenölen sogar von Hand, fünf Kilo oder mehr für einen Liter - das Pressen ist aufwendig. Das alles ist teuer. Ein Öl der höchsten Qualitätsstufe für drei, vier Euro - wie sie auch in deutschen Läden zu haben sind - kann es in Wirklichkeit nicht geben. Es sei denn, der Verkäufer verschleudert seine gute Ware unter dem Herstellungspreis - oder die Ware ist gar nicht so gut.

Betrug beim Olivenöl ist keine neue Sache. Früher pressten betrügerische italienische Ölpanscher die Oliven ein zweites Mal, jagten die Maische mit heißem Wasser durch eine Zentrifuge und holten so den letzten Tropfen aus der Frucht. Das Produkt war minderwertig - aber der Profit stimmte. Jetzt holt man sich gleich Billigöl und füllt es um. Die Mühe ist geringer, der Verdienst noch größer.


EU hilft Öl-Panschern

Dazu kommt, dass die Wahrscheinlichkeit, beim Schummeln mit verschimmeltem Öl aufzufliegen, nicht sonderlich groß ist. Die Kontrollen sind lasch, die Vorschriften verwirrend und teilweise unsinnig. Bis vor ein paar Jahren genügte es, tunesische Oliven in einer toskanischen Ölmühle auszuquetschen - schon hatte man, ganz legal, original Toskana- Olivenöl. Seit 2008 schreibt Italien immerhin vor, dass dort angebotenes Olivenöl die Herkunft der Oliven ausweisen muss.
In vielen anderen Ländern, so in Deutschland, gibt es das nicht. Da kann man den Verbrauchern ganz legal Ölverschnitte aus mehreren Ländern als "italienisches" Produkt unterschieben.

Und die Europäische Union tat in diesem Frühjahr noch ein übriges: Sie setzte für das Premium-Öl (Nativ Extra) den erlaubten Höchstgehalt von Alkylestern - das sind chemische Verbindungen, die beim Pressen minderwertiger Früchte oder beim Panschen entstehen - kurzerhand auf 150 Mikrogramm (µg) pro Kilo herauf. Im ordentlichen Natur-Olivenöl liegt dieser Wert selten über 30 µg/kg, bei Spitzenölen sogar nur um 15 µg/kg. Nur wer Öle panscht oder sogar desodoriert kommt auf die hohen Werte. Im Klartext: Brüssel macht mit der neuen Verordnung der Öl-Mafia das Leben noch leichter.



Dienstag, 30. Juli 2013

Viertliga-Klubs in Italien im Mafia-Zwielicht

Wegen Verbindungen zur mächtigen Mafia-Organisation 'Ndrangheta haben die italienischen Justizbehörden zwei Fußball-Viertligisten in der Region Kalabrien unter Zwangsverwaltung gestellt und aus dem Spielbetrieb genommen. Die Klubs Interpiana di Cittanova und AS Sapri sollen nach Angaben der Ermittler faktisch im Besitz von zwei Clans der Organisation stehen und von der 'Ndrangheta vor allem für Geldwäsche benutzt worden sein.




Die 'Ndrangheta gilt als mächtigste Mafia-Organisation auf dem europäischen Kontinent. In der jüngeren Vergangenheit erreichte der Geheimbund geschätzte Jahresumsätze von fast 44 Milliarden Euro.

Die zumindest vorübergehende Stilllegung der Vereine erfolgte im Zuge einer ausgedehnten Polizei-Operation gegen das organisierte Verbrechen in Kalabrien. Dabei konfiszierten die Behörden Vermögenswerte in Höhe von rund 190 Millionen Euro.

Interpiana und Sapri sind nicht die ersten Klubs im Visier von Mafia-Ermittlern. In den vergangenen Jahren waren auf dem Apennin schon mehrfach Fußball-Vereine in den Verdacht der Geldwäsche für Verbrecher-Organisationen geraten.

Drogenschmuggler in Mailand notoperiert

Ein brasilianischer Drogenschmuggler aus Sao Paolo wurde kurz nach seiner Ankunft in Mailand ins Krankenhaus eingeliefert und einer sofortigen Notoperation unterzogen. Der nicht vorbestrafte, 27-jährige Mann, der etwa 30 „Kokain-Eier“ verschluckt hatte, um die Drogen nach Italien zu schmuggeln, suchte die Klinik Citta' Studi auf und klagte über starke Bauchschmerzen.




Eine Computertomographie brachte ans Tageslicht, dass der Mann zwar imstande gewesen war, die mit Kokain gefüllten Kunststoffeier zu verschlucken, jedoch war er nicht imstande, sie auf herkömmlichem Wege wieder loszuwerden.

Die Ärzte haben sich zu einer Notoperation entschlossen. Nach seiner Entlassung wird der Brasilianer wegen Drogenschmuggels in Italien in Haft bleiben.

Wer hat Angst vor der Mafia?

Freie Meinungsäußerung – die ist mitten in Europa eigentlich selbstverständlich, denkt man. Aber auf Sizilien, wo seit eineinhalb Jahrhunderten die Mafia regiert, ticken die Uhren anders: Hier ist »Omertà« (Schweigen) das oberste Gesetz. Wer viel spricht, der lebt gefährlich.

Unter diesen Voraussetzungen grenzt es an ein Wunder, dass es Telejato, den kleinen gemeinnützigen TV-Sender aus dem Jatotal, überhaupt noch gibt. Doch die Menschen in Partinico, San Giuseppe Jato und Corleone (alles Heimatorte legendärer Mafiabosse!), lieben ihren unerschrockenen Mini-Sender, der sie seit acht Jahren mit den wirklich wichtigen Nachrichten versorgt – mit brühwarmen Geschichten über Korruption und Schutzgelderpressung, kurz: mit Berichten aus dem sizilianischen Alltag. Auf der Insel entrichten schätzungsweise 85% Prozent der Geschäftsleute den »Pizzo«, das Mafiaschutzgeld, und jeder weiß von mindestens einem Mafiaopfer im Bekanntenkreis.




Auch Telejato bleibt von den Einschüchterungsversuchen der Mafia nicht verschont: Wenn Pino Maniaci, bei Telejato Chef und Anchorman in Personalunion, mit sarkastischem Unterton von »technischen Pannen« im Sendebetrieb spricht, wissen die 150.000 Zuschauer, was gemeint ist. Drohbriefe und –anrufe, zerschnittene Autoreifen, Brandanschläge, Hinterhalte und eingeworfene Fensterscheiben sind bei den engagierten Fernseh-Machern an der Tagesordnung.

Zudem hetzen die Mafiagranden ihre Top-Anwälte auf Pino Maniaci – fast 200 Verleumdungsklagen musste er schon einstecken. Doch bis jetzt konnte die »ehrenwerte Gesellschaft« ihm nichts anhaben – Telejato sendet weiter aus der Dreizimmerwohnung der Maniacis. Seine Tochter Letizia ist mit der Kamera unterwegs – auf den Straßen, in Gerichtssälen und Gefängnissen. Mutter und Sohn sind ebenfalls fest in den Sendebetrieb eingebunden. Die Zuschauer lieben und unterstützen ihren kleinen mutigen Sender. Und auch ich verbeuge mich voller Hochachtung vor der Zivilcourage meines publizierenden Mitkämpfers.

Montag, 29. Juli 2013

Die Rocker-Auswanderer

Richter ordnet Untersuchungshaft für Hanebuth und 17 weitere Angehörige der Rocker-Bande an, die nach Mafia-Manier Angst und Schrecken verbreiteten.
 
 
 
Sonne, Strand, Sandburg – und davor ein muskelbepackter Hüne mit fettem „Hells Angels“-Tattoo auf dem Rücken...
 
Doch einige der Malle-Rocker sitzen jetzt in einer anderen Burg fest – Razzia, Untersuchungshaft! 25 Mitglieder der „Hells Angels“ wurden nach Durchsuchungen auf Mallorca festgenommen, darunter Frank Hanebuth (49, Ex-Hannover-Chef). Sie sollen auf der Insel mit Millionen jongliert haben. Das Geld stammte aus der Ausbeutung von Prostituierten und Schutzgelderpressung.
 
Hanebuth sowie 17 weitere Angehörige und Gehilfen der Rocker-Bande bleiben vorerst hinter Gittern. Nach der Großrazzia am Dienstag und mehreren Verhören ordnete Ermittlungsrichter Eloy Velasco nun für 18 der Verdächtigen verschärfte Untersuchungshaft an. Das berichtet die spanische Nachrichtenagentur EFE unter Berufung auf Justizkreise.




Für Hanebuth und elf weitere Betroffene sei keine Freilassung gegen Kaution möglich, hieß es. Der Bande wird unter anderem Erpressung, Nötigung, Geldwäsche, Zuhälterei und Betrug zur Last gelegt. Rocker-Boss Hanebuth fliegt schon längerer Zeit auf die Sonneninsel. Er soll sich dort nach einer Schule für seinen Jungen (12) umsehen – und liebäugelt nach der Auflösung seines Hannover-Charters offenbar mit einem kompletten Umzug nach Mallorca.



Ein Neustart auf der Ferieninsel? Seine zwei Bordelle in Hannover laufen unabhängig davon weiter.
Vater und Sohn sind bei dem langjährigen Hanebuth-Kumpel Paul E. (71, Spitzname „Thrombose-Paul“) auf dessen riesiger Finca im Ort Lloret de Vistalegre im Inselinneren untergekommen.

Die Stammkneipe der Malle-Rocker ist das „Casablanca“ in El Arenal – nach dem Lokal wurde offenbar auch der Codename der Razzia („Operation Casablanca“) vergeben. Deutsche Kellner, deutsches Publikum, das Interieur im US-Rocker-Stil: Billardtisch, Dart-Scheiben, Flachbildschirme. Die „Hells Angels“ waren dort Stammgäste.
 
 
Als die Freier in die Bordelle der Rocker in Arenal kamen, ahnten sie nicht,
dass sie nicht nur für Sex bezahlen sollten. Sondern auch dafür,
dass es niemand erfährt ...

Im „Restaurant & Künstlertreff Deutsches Eck“ waren die Rocker ebenfalls öfter anzutreffen. In El Arenal gehörten ihre Motorräder mittlerweile zum Alltagsbild. Ein Rocker betreibt nach Informationen der „Mallorca-Zeitung“ das Fitnessstudio „Combat“ in Arenal, in dem illegale Boxkämpfe stattfinden sollen. Auch das „Red Palace“ am Ballermann 6 soll in der Hand der „Hells Angels“ gewesen sein, dazu weitere „Table Dance“-Bars (mit Separees für Sex).

Hauptgeschäftsfelder der Rocker laut Polizei: Prostitution und Schutzgelderpressung! Angeblich wurden reiche Männer bei Bordellbesuchen mit versteckter Kamera gefilmt. Die Rocker drohten, die Bilder der Ehefrau oder der Familie zu zeigen. Es sollen bis zu 420 000 Euro pro Person als Schweigegeld geflossen sein. Auch der Handel mit Drogen (vor allem Kokain) soll Millionen gebracht haben.

Sonntag, 28. Juli 2013

Rocker terrorisieren nach Mafia-Vorbild Insel Mallorca

2011 rollten die ersten schweren Maschinen über den Ballermann. Hells Angels, die in Deutschland das Weite gesucht hatten, wollten die Partymeile übernehmen – mit dem Erfolgsrezept der Mafia: Wer kein Schutzgeld zahlt, muss die randalierenden Rocker im Lokal ertragen.
 
 
Frank Hanebuth.
Die Hells Angels sind zu brutal für Deutschland, und jetzt auch auf Mallorca kriminell mehr als 30 Wohnungen und Lokale hat die Polizei der Insel bei einer Großrazzia gegen die Rocker durchsucht. 24 Personen wurden gleich festgenommen – darunter der Ex-Chef der Hells Angels Hannover: Frank Hanebuth.

Die schweren Männer und Frauen müssen sich nun wegen Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation, Schutzgelderpressung und Geldwäsche verantworten. Und nachdem die Schlagzeilen durch die Presse gewandert sind, trauen sich jetzt auch erste Opfer aus der Deckung in die Öffentlichkeit.
 
 



Ich wusste gleich, dass sich alles verändern würde“
 
Für Tomeo B. kommt der Schlag der Behörden allerdings zu spät, wie er in der Zeitung „Bild am Sonntag“ berichtet. Denn sein früherer Rückzugsort ist schon lange nicht mehr da: Seinen Biergarten auf dem Ballermann musste er schließen, und seit dem Zusammenbruch des Familienunternehmens suchen alle Mitglieder der Familie auf eigene Faust ihr Glück – zerstreut über ganz Spanien.

„Eines Abends kam eine Gruppe Hells Angels in unser Lokal. Sie sagten, dass wir ab jetzt mehrere 1000 Euro pro Monat zahlen müssten. Sonst könnten sie Schutz und Bestand des Biergartens nicht garantieren“, berichtete der 46-Jährige der „Bild am Sonntag“. Doch „da wäre uns nichts mehr zum Leben geblieben“, sagte er weiter. „Ich wusste gleich, dass sich ab nun alles verändern würde.“

 
Pöbeleien im Biergarten
 
Bis zu jenem Tag im Sommer 2011 hätten alle sieben Familienmitglieder aus drei Generationen von dem Unternehmen leben können, berichtete er der Zeitung. Das Lokal hätten sie vor etwas mehr als zehn Jahren eröffnet – in bester Ballermann-Lage. Erst in den 60er-Jahren war die Familie vom spanischen Festland auf die Insel gekommen.
 
Doch ihr Stolz verwandelte sich bald in blankes Entsetzen: Regelmäßig seien die Muskelmänner mit schweren Motorrädern vorgefahren, um der Familie das Geschäft zu verderben. Sie hätten sich in die erste Reihe des Biergartens gesetzt und andere Gäste angepöbelt. „Immer weniger Menschen sind zu uns gekommen“, erinnert sich Tomeo B. in der „Bild am Sonntag“, „sie hatten Angst vor den Rockern“. Auch die Familie fürchtete sich: „Wir hatten Angst um unsere Gesundheit und die unserer Kinder“.

 
„Die Hells Angels haben meine Familie zerstört“

So mussten sie irgendwann aufgeben. „Der Familienrat hat beschlossen, dass unser Lokal geschlossen wird“, sagte Tomeo B. dem Blatt. Sein Vater arbeite jetzt wieder auf dem Festland, als „Mädchen für alles“ in einer Ferienanlage. Die anderen sind auf der Insel geblieben – wo sie sich als Hilfskräfte verdingen mussten.

Die Täter dagegen sitzen nun in Untersuchungshaft im Knast von Palma – und müssen dort ebenfalls leiden, denn das Gefängnis ist viel zu voll: 1450 Häftlinge teilen sich das Gebäude, das eigentlich nur für 1000 Personen gebaut wurde. Zwei Gefangene teilten sich nun eine 10 Quadratmeter große Zelle, schreibt die „BamS“. Zudem seien die Rocker in unterschiedlichen Bereichen des Gefängnisses untergebracht – um zu verhindern, dass sie sich absprechen und die Wärter bedrohen.


Doch Tomeo kann das nicht trösten – Sein Lokal wird er nicht zurückbekommen: In der „Bild am Sonntag“ klagt er: „Die Hells Angels haben meine Familie zerstört und uns unserer Existenz beraubt.“
 
Frank Hanebuth bleibt vorläufig in Haft. Dies entschied ein Haftrichter in Palma auf Mallorca. Der bekannteste und angeblich einflussreichste deutsche Rocker war am Dienstagmorgen im Rahmen einer Razzia spanischer Sondereinheiten auf Mallorca, bei der mehr als zwanzig Hells Angels vorläufig festgenommen wurden, verhaftet worden.


Spanische Polizisten vor Hanebuths Haus in Lloret de Vistalegre:
Auf Mallorca sind 25 Mitglieder der Rockergruppe "Hells Angels"
festgenommen worden

Einige der Festgenommenen, darunter Jens B., ein früheres Mitglied der Hells Angels aus Hannover, kamen frei. Gegen den 49 Jahre alten Hanebuth allerdings wurde Haftbefehl erlassen. Aus Sicht spanischer Ermittler soll Hanebuth, der viele Jahre Präsident des Charters der Hells Angels in Hannover war, die "wichtigste Figur der Rockerszene in Europa" sein. Das soll so im Haftbefehl stehen. Hanebuth pflege "viele internationale Kontakte".

Bei den strafrechtlichen Vorwürfen geht es vor allem um angebliche Geldwäsche, um angeblichen Betrug, um Zuhälterei, Menschenhandel und andere Delikte. Die spanischen Strafverfolger werfen den Rockern Bildung einer kriminellen Vereinigung vor.


Die Geschäfte der „Hells Angels“ auf Mallorca – es geht um Millionen!
 
In der Hand der Rocker sollen mehrere „Table Dance“-Bars (mit Separees für Sex) gewesen sein – u. a. das Red Palace am Ballermann 6. Außerdem schickten die Rocker weiter Frauen in Deutschland auf den Strich. Laut Ermittler mussten die deutschen Prostituierten ihren „Verdienst“ persönlich bei den Bossen auf der Insel abgeben.

Auch der Handel mit Drogen (vor allem Kokain) soll Millionen gebracht haben. Das schmutzige Geld, das ihnen Drogen und Prostituierte einbrachten, mussten die Gangster „waschen“. Dafür nahmen sie das Bargeld und kauften damit mehrere Immobilien, Restaurants und Bars, um sie dann zum Teil weiterzuverkaufen.

 

 

Samstag, 27. Juli 2013

Mord, Betrug, Stimmenkauf

Bei der gestrigen Großaktion in Rom und Lamezia Terme wurden auch einige Politiker verhaftet.

Den Festgenommenen werden Morde und eine Reihe weiterer Verbrechen vorgeworfen, vom Versicherungsbetrug über Erpressung bis zum Stimmenkauf. Unter ihnen befindet sich Giampaolo Bevilacqua, ein Lokalpotentat der Berlusconi-Partei Popolo della Libertà.


Giampaolo Bevilacqua - Lokalpolitiker und Multimillionär

Die Zeitung «Corriere della Sera» bezeichnet die Operation in Lamezia Terme als Justiz-Erdbeben. Das organisierte Verbrechen und die Schattenwirtschaft hätten die Stadt in den letzten zehn Jahren vollkommen unterwandert, und der Stadtrat sei mindestens zweimal wegen mafioser Verstrickungen aufgelöst worden. Bei der Aktion der Polizei spielten offenbar Informationen von reuigen Angehörigen der Verbrecherbanden eine wichtige Rolle.



Senator Pietro Aiello - er entging noch einmal der Verhaftung, steht aber unter Beobachtung

Der Senator Pietro Aiello von derselben Partei entging dem Zugriff. Ihm wurde vorgeworfen, er habe Unternehmern ein Tauschgeschäft in der Art «Stimmen gegen Aufträge» vorgeschlagen. Der zuständige Richter lehnte den Antrag der Untersuchungsbehörden für einen Haftbefehl jedoch ab.

Bozen hat "Falcone-u.-Borsellino-Platz"

Bozen setzt ein Zeichen der Anerkennung für Einsatz und Opfer der Richter Falcone und Borsellino im Kampf gegen die Mafia.

Der Platz befindet sich zwischen der Duca-D'Aosta-Straße und der Roenstraße und erinnert an die beiden Richter, die im Kampf gegen die Mafia am 23. Mai 1992 einem Attentat zum Opfer gefallen sind.


...ein guter Schritt in die richtige Richtung!

Bürgermeister Luigi Spagnolli hat in Anwesenheit mehrerer Behördenvertreter das Straßennamenschild enthüllt, das dem Platz in unmittelbarer Nähe des Bozner Landesgerichtes den Namen "Falcone-u.-Borsellino-Platz" verleiht.

"Die neue Straßenbenennung ist mehr als nur ein Ausdruck zur Erinnerung an die beiden mutigen Richter, sondern auch ein Zeichen, dass die selbstlose Zivilcourage und ihr Kampf gegen das organisierte Verbrechen auch in der heutigen Gesellschaft anerkannt werden. Heute erinnern Falcone und Borsellino stellvertretend an die vielen Opfer, die der Mafia zum Opfer gefallen sind.

Die beiden Richter, die eine maßgebliche Rolle in der Zeitgeschichte Italien besetzen, werden an diesem Ort zwischen Gerichtsgebäude und öffentlichen Schulen vielen Menschen ins Bewusstsein gerufen. Dies ist auch der symbolische Wert des Platzes, der das friedliche Zusammenleben der Menschen unterstreichen soll" - betonte Spagnolli bei der feierlichen Zeremonie am neuen Platz in der Landeshauptstadt.

Freitag, 26. Juli 2013

Mafia-Bande machte Millionen mit vorgetäuschten Autounfällen

Eine Mafia-Bande in Süditalien hat der Polizei zufolge jedes Jahr Hunderte Autounfälle vorgetäuscht und damit Millionensummen für Waffen und Drogen eingenommen.

Zurich von Mafia um Millionen erleichtert

Pro Jahr soll die Bande deutlich mehr als eine Million Euro erschwindelt haben. Betroffen von dem Betrug ist den Angaben zufolge eine örtliche Tochter der Zurich Insurance Group. Das Unternehmen erklärte, es äußere sich nicht zu laufenden Ermittlungen.

Der Chef der Mafia-Organisation, der 32-jährige Giuseppe Giampa, wird verdächtigt, von 2005 bis 2011 mehr als 20 Morde in einem Bandenkrieg angeordnet zu haben. Die Unverfrorenheit des 32-jährigen Giampa findet seinen Höhepunkt im Facebook. Dort pflegt der 20-fache Mörder ein Familienidyll und heile Welt, https://www.facebook.com/giuseppe.giampa.5



...festgenommen...!

Die Ermittler erzielten nach Polizeiangaben einen Durchbruch, als Giampa zum Informanten wurde. Warum er dies tat, teilte die Polizei nicht mit. Vermutlich stand er vor dem Machtkampf mit einem verfeindeten Mafiaclan, die ihn über kurz oder lang liquidiert hätten - so der ermittelnde Staatsanwalt. Ob er im Knast in Sicherheit ist, wage ich zu bezweifeln! (Anm. CMM)





Großrazzien: Polizeioffensive gegen italienische Mafia

Mit der bislang größten Razzia dieser Art ist die Polizei in Rom gegen die Mafia vorgegangen. 51 Menschen wurden in der Hauptstadt festgenommen, weitere 65 Verdächtige gingen bei einer zweiten Razzia ins Netz. Unter den Beschuldigten sind auch mehrere hochrangige Politiker und Unternehmer.

Bei zwei Großrazzien gegen die Mafia in Italien hat die Polizei mehr als hundert Verdächtige festgenommen. In Rom gingen die Ermittler mit etwa 500 Beamten gegen das organisierte Verbrechen vor, wie italienische Medien berichteten. Mehrere Spezialeinheiten und ein Hubschrauber seien bei der bislang größten Aktion dieser Art in Rom im Einsatz gewesen.




51 Menschen wurden den Berichten zufolge festgenommen, darunter mehrere Anführer und Mitglieder von Mafia-Clans. Ihnen werden unter anderem Korruption und Drogenhandel vorgeworfen. Nach Angaben der BBC konzentrierten sich die Aktionen der Polizei auf den Stadtteil Ostia.



Ostia / Rom


In der Zeitung "Corriere della Sera" heißt es, man habe den Familien Fasciani, Triassi und D'Agati einen "tödlichen Schlag" versetzt. Die Clans hätten das organisierte Verbrechen in der Region über Jahre dominiert.

Bei einer zweiten Razzia in Lamezia Terme in Kalabrien wurden am frühen Freitagmorgen 65 Verdächtige festgenommen.


Lamezia Terme

Unter den Beschuldigten sind bekannte Politiker, Unternehmer, Anwälte und Ärzte, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Zudem beschlagnahmte die Polizei Güter im Wert von etwa 1,2 Millionen Euro. Die Festgenommenen sollen unter anderem an mehreren Morden in einem Mafia-Krieg in den Jahren 2005 bis 2011 beteiligt gewesen sein.

Bisher größter Anti-Mafia-Einsatz im Großraum von Rom

Bei zwei Großeinsätzen ist die Polizei am Freitag gegen die Mafia vorgegangen. Die Einsätze im Süden richteten sich gegen ranghohe Angehörige des Ndrangheta-Clans, darunter viele Unternehmer, Politiker und Anwälte.




Die voneinander unabhängigen Razzien hätten in Rom sowie in Kalabrien stattgefunden und sich gegen rund 100 Menschen gerichtet, teilte die Polizei mit.
In Rom sei gegen Verdächtige vorgegangen worden, die an „illegalen Aktivitäten“ beteiligt gewesen seien.

Der Polizei zufolge wurden für beide Einsätze jeweils rund 50 Haftbefehle ausgestellt. Da in Italien aber auch Haftbefehle gegen Verdächtige erlassen werden können, die bereits wegen anderer Delikte in Gewahrsam sind, war zunächst unklar, wie viele Verdächtige festgenommen wurden.


Bisher größter Anti-Mafia-Einsatz im Großraum von Rom

Die Polizei konnte am frühen Morgen unmittelbar keine Angaben zur Zahl der Festnahmen machen.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa waren allein an der Aktion in Rom rund 500 Polizisten beteiligt. Es handelte sich Medienberichten zufolge um den bisher größten Anti-Mafia-Einsatz im Großraum der italienischen Hauptstadt.

Beteiligt waren auch die Wasserschutzpolizei, Hundestaffeln sowie ein Helikopter.

ausführlicher Bericht erfolgt später...

Donnerstag, 25. Juli 2013

Treasury Sanktionen gegen fünf Camorra-Bosse

Die Jagd nach einer extrem gefährlichen Gruppe der Camorra in den USA hat ein neues Kapitel.

Das US-Finanzministerium kündigte Sanktionen gegen fünf Mitglieder der neapolitanischen Camorra und gegen zwei Unternehmen an, die enge Verbindungen zu der kriminellen Organisation "The Brothers Circle" unterhalten. Diese Vereinigung ist ein äußerst gefährlicher Ableger der neapolitanischen Camorra in den USA.

Die von den US-Maßnahmen betroffenen Kriminellen gehören dem Marco Di Lauro-Clan an, der seit 2004 unter dem gleichen Namen auch von den italienischen Behörden gesucht wird. Insbesondere stehen mehrere extrem gefährliche Killer auf der Fahndungsliste: Mario Riccio, 22, Antonio Mennetta, 24  Mariano Pine, 33, und Rosario Guarino, 29, Jahre alt. Zahlreiche Razzien in Neapel und Umgebung verliefen erfolglos.

  

Razzia gegen "The Brothers Circle" in Neapel


Die Organisation 'The Brothers Circle' operierten zunächst in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Inzwischen haben sie ihre Operationen in ganz Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Lateinamerika ausgeweitet. Die US-Regierung hatte bereits Sanktionen gegen ein Dutzende von Clan-Mitgliedern im Zusammenhang mit dieser Organisation ausgesprochen.

Zu den Sanktionen gehören das Einfrieren von Vermögenswerten in den Vereinigten Staaten und das Verbot für alle Amerikaner, Geschäfte mit dieser Organisation zu tätigen. (Quelle: AFP)

Mittwoch, 24. Juli 2013

Sizilianischer Mafia-Schatz auf rumänischer Müllkippe?

Eine Mülldeponie in Rumänien. Angeblich schlummert hier das Geheimnis des einstigen Mafia-Boss’ von Palermo, Don Vito Ciancimino. Der ist zwar schon zehn Jahre tot, doch die Ermittlungen der italienischen Behörden laufen.

Die Journalistin Michela Monte recherchierte vor den Toren Bukarests, zwischen den Städten Glina und Popesti Leordeni. Der Name der Müllkippe “Ochiul Boului” heißt übersetzt soviel wie “Bullauge”. Auf der 114 Hektar großen Fläche landet der gesamte Abfall der rumänischen Hauptstadt. Dahinter steckt ein großes Geschäft mit Millionenumsätzen. Der geringste Teil davon dürfte bei denen ankommen, die den Müll von der Straße schaffen.




Eine Anwohnerin berichtet: “Das Wasser hier kann man nicht trinken. Ich kaufe nur noch Wasser in Flaschen. Auch Obst und Gemüse sind ungenießbar. Und wegen des Gestanks kann ich vor 11 Uhr am Mittag nicht aus dem Haus. Sogar vor meinem Garten landet der Müll schon. Das dürfen sie nicht.”

Die Genehmigung zum Betrieb der Deponie kommt von der Stadtverwaltung von Popeşti-Leordeni. Nach über zehn Jahren Schweigen wird hier erklärt: Eine Firma namens Ecorec hat sich die Landrechte gesichert – für 5.000 Dollar pro Monat. “Fünf oder sechs Leute waren an dem Geschäft beteiligt,” heißt es in der Stadtverwaltung. “Und die haben damit nicht schlecht verdient. So etwa eine Million Euro.”

Der Vetrag mit der Firma offenbart, dass Ecorec eine Tochterfirma von Agenda 21 ist, einem weiteren Unternehmen mit Sitz in Bukarest. Geschäftsführer sind zwei italienische Brüder namens Pileri, der Manager von Ecorec heißt Victor Dombrovschi. Doch trotz dieser Informationen ist es nicht möglich, auf die Deponie zu kommen. Die Stadtverwaltung jedenfalls gibt an, keinen Zugang zu haben.

Eine Anfrage bei Ecorec bleibt ohne Reaktion, dennoch fahren wir zum Firmengelände und begeben uns auf die Suche. Am Werkstor werden wir abgefangen. Statt eines freundlichen Empfangs werden wir aufgefordert, unsere Namen aufzuschreiben, wo wir herkommen und was wir wollen. Man gibt uns keine Telefonnummer und gibt an, den Manager Victor Dombrovschi vergangenes Jahr zum letzten mal gesehen zuhaben.

In den Medien taucht der Ecorec-Manager nur selten auf. Einige wenige Journalisten haben bereits über ihn ihn berichtet, seine Geschäfte und Verbindungen beleuchtet. Einer von ihnen ist Tiberiu Lovin: “Victor Dombrovschi ist eine sehr interessante Person. Vor den Medien versteckt sich er sich gut,” erzählt der Journalist. “Er ist ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter und hat somit Kontakte zu sehr wichtigen Leuten in Rumänien – Politiker, Geschäftsleute, Medienbesitzer.” Frühzeitig sei Dombrovschi in sämtliche Geschäftsbereiche eingestiegen, vom Gashandel bis zur Müllentsorgung. “Und hier kommen wir zu den Brüdern Pileri.”

Michela Monte: “Die rumänischen Medien thematisieren den Fall Ecorec nicht und so hinterfragt keiner, wo das Geld des Unternehmens herkommt. Anders die Staatsanwälte in Italien. Daher auf nach Palermo!”

In Palermo sitzt das Unternehmen Sirco. Laut italienischen Behörden wird hier das Geld aus Rumänien gewaschen. An der Spitze des Systems stehen demnach die Verwalter des Erbes des vor zehn Jahren verstobenen Mafia-Bosses Don Vito Ciancimino. Das italienische Unternehmen Sirco wasche, so die Ermittler, das Don Vito-Kapital mit Hilfe von “Angenda 21”. Diese Firma wiederum besitzt Mehrheitsanteile an Ecorec, dem Betreiber der Müllkippe bei Bukarest. Seit 2005 ermitteln die italienischen Behörden gegen alle drei Firmen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass das in Rumänien investierte Geld zum Erbe von Mafia-Boss Don Vito gehört. Dessen Sohn Massimo wolle nun versuchen, den Familienschatz dort zu verstecken. “Mein Vater Vito war Politiker in der sizilianischen Stadt Corleone, wurde dann Stadtrat. 13 Jahre behielt er das Amt,” versucht Massimo den Vorwurf zu entkräften. “Danach wurde er Beauftragter für öffentliche Bauvorhaben, die berühmte Mitgliedschaft im sogenannten “Sack of Palermo. Damals beruhte das wirtschaftliche Leben auf dem Baugewerbe.”

Michela Monte: “300 Millionen Dollar beträgt der Wert der größten Müllhalde in Europa. Ist das Ihr Schatz, den Sie in Rumänien investiert haben?”

Massimo Ciancimino verspricht: “Ich werde direkt antworten.” Er sei nie in Rumänien gewesen. “Und die Gerichte haben bestätigt, dass Massimo Ciancimino nie in Rumänien war.”

Monte: “Kennen Sie Victor Dombrovschi, der angeblich Manager des Unternehmens in Rumänien ist?”

Ciancimino: “Nein, den kenne ich nicht, keine Ahnung. Er hat einen Namen wie eine Sozialversicherungsnummer. Ich weiß nicht, wer das ist. Das ist ja ein ungeheuerlicher Name.”
Das italienische Gericht ist anderer Ansicht, was Massimos Verhältnis zum Unternehmen in Rumänien angeht. “In die konkrete Geschäftsführung ist er nicht eingebunden,” erklärt Silvana Saguto vom zuständigen Gericht in Palermo. “Wenn es ums Kaufen oder Verkaufen geht, etwa Material zur Biogasproduktion, greift er nur ein, wenn er Geld freigeben muss. Er schert sich nicht um die Deponie.” Er kümmere sich nur, wenn sie etwas an den Eigentumsverhältnissen ändern wollten.

Nach Auffassung des Gerichts ist Victor Dombrovschi die Schlüsselfigur. Er soll 2007 dafür gesorgt haben, dass Ecorec nicht mehr unter juristischer Beobachtung steht. Sirco stoppte den Geldfluss, zuerst zu Agenda 21, dann zu Ecorec. Man kreierte fiktive Schulden und versteigerte die Anteile an Ecorec. Der Käufer ist eine neue rumänische Gesellschaft namens Alzalea. Sie dürfte wieder mit Ciancimino in Zusammenhang stehen, also zurück als Teil der 300 Millionen investierten Dollar.
Die Versteigerung konnte das Gericht in Palermo nicht verhindern.

Die Verhandung fand in Rumänien nach dem Verkauf statt, erklärt Richterin Saguto. Sie hatte 2010 die Ermittlungen gegen die neue Firma, die Ecorec kontrollierte, angeordnet. “Anstatt uns einen Eiblick in die Verwaltung der Deponie und die Genehmigung zu gewähren, gaben sie uns das bewegliche Eigentum, das von sehr geringer Bedeutung ist, sieben LKW.” Im Moment liefen Gespäche mit der rumänischen Seite, um das zu klären. “Sie haben zwar auf unser Ersuchen reagiert, aber tatsächlich haben sie uns keinen Zugang gewährt.” Sollte man auf dem juristischen Weg weiter erfolglos bleiben, will das Gericht die italienische Regierung um ein Eingreifen bitten.

Die Suche nach dem Schatz von Don Vito geht also weiter. Nach Einschätzung von rumänischen Beobachtern wird es immer schwerer, eine Verbindung zu den Firmen in Rumänien nachzuweisen. Die rumänischen Behörden sagen, sie könnten sich während der der laufenden Ermittlungen nicht äußern. Codrut Olaru, der Leiter der Anti-Mafia-Behörde, bestätigt jedoch eine Zusammenarbeit der italienischen Seite: “Wenn Gerichte im Ausland, auch aus Italien, uns bitten, Dinge zu beschlagnahmen, dann kommen wir dem in der Regel nach. Entsprechend unseren Vorschriften und der italienischen Anfrage, werden wir wie gewöhnlich vorgehen, um all das gewaschene, in Rumänien ermittelte Geld einzureiben.”

Mafiaboss beim Sonnenbad am Strand geschnappt

Der italienischen Polizei ist ein weiterer Schlag gegen die Mafia gelungen. Einer der führenden Chefs der ‘Ndrangheta ging ihr am kalabrischen Strand ins Netz. Diese wird für 80 Prozent des Drogenschmuggels nach Europa verantwortlich gemacht.


Mafia-Boss Roberto Matalone

Der 35jährige Roberto Matalone soll zum einflussreichen Pesce-Clan gehören. Er ist mit der Schwester des Paten Francesco Pesce verheiratet. Diesen schnappten die Carabinieri im vergangenen Jahr in einem unterirdischen Bunker.

Weniger lichtscheu verhielt sich der gesuchte Matalone. Mit Badelatschen, Handtuch und Sonnenschirm machte er es sich mit seiner Familie am Strand von Joppolo gemütlich. Die Ferienlektüre: “Cacciatori di Mafiosi” – übersetzt: “Mafiajäger” des italienischen Journalisten Andrea Galli.

Ist die Mafia unbesiegbar?

Warum will es keiner italienischen Regierung gelingen, die Mafia zu besiegen? Was hat der Staat nicht schon alles versucht! Mehrere mutige Staatsanwälte sind von der Mafia ermordet worden.
Hier in der Region Kalabrien gab es im Juni 2010 eine Riesen-Razzia bei der dortigen Mafia, der
‘Ndrangheta. Sie ist heute die mächtigste unter den drei großen Mafia-Formationen.


Piero Grasso

Rund 140 Personen wurden festgenommen, wie Anti-Mafia-Staatsanwalt Piero Grosso erklärt. Doch mit jeder Verhaftung rücken zwei neue Mafiosi nach. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Seine Behörde habe die kriminellen Beziehungen rekonstruieren können, diese Ermittlungen hätten gezeigt, wie das Management bei den illegalen Geschäften funktioniere und wie die organisierten Banden den Profit untereinander aufteilten. In Italien machen illegale Aktivitäten 3,7 % des BIP aus (Das Bruttoinlandsprodukt (Abkürzung: BIP) gibt den Gesamtwert aller Güter -Waren und Dienstleistungen) an, die innerhalb eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt wurden und dem Endverbrauch dienen.) In Umsatz ausgedrückt sprechen wir über 180 Milliarden Euro pro Jahr.

Umgerechnet betragen die Reingewinne der Mafiosen 40,7 Milliarden Euro. Am meisten verdient die Camorra mit 33,75 Milliarden Euro, dann folgt die ‘Ndrangheta mit 33,49 Milliarden und die böse alte Cosa Nostra kommt mit 19.87 Milliarden nur auf den dritten Platz. Camorra und ‘Ndrangheta teilen sich 70% vom Kuchen, die Cosa Nostra bekommt 18%.

Neu und besonders gefährlich ist, dass die Mafia ihre Gewinne nutzt, um in das legale Wirtschaftsleben einzudringen. In Italien vor allem in den Großhandel mit Obst und Gemüse. Die drei großen Mafia-Familien haben in Süd-Italien den Markt unter sich aufgeteilt. Giandomenico Lepore, der Chef der Anti-Mafia-Staatsanwälte von Neapel erklärt dazu: “In der unteren Latium-Region haben wir gesehen, wie zu einem bestimmten Zeitpunkt der Clan der Caselesi anfing, mit der sizilianischen Mafia zusammen zu arbeiten. Es ging dabei um einer der wichtigsten Großmärkte für Obst und Gemüse in Italien.”

Die drei großen Mafia-Formationen haben sich inzwischen auch in Europa festgesetzt, besonders in Spanien, Deutschland und den Niederlanden. Neuerdings investiert die Mafia verstärkt in Immobilien. Das ist zur bevorzugten Form der Geldwäsche geworden, wogegen der Rechtsstaat kaum etwas unternehmen kann.

Luisida De Ieso hat für euronews mit dem Chef der italienischen Anti-Mafia-Behörden Piero Grasso gesprochen. Er ist Spitzenkandidat der Demokratischen Partei für den italienischen Senat. Während des Wahlkampfs ist er von seinem Amt freigestellt. Die Mafia ist längst in den globalen Markt eingestiegen und hat sich als privater Kreditgeber etabliert.

euronews:
Einem Regierungsbericht zufolge entspricht ihr Umsatz vier Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts. Die italienische Regierung scheint dem Tempo der Mafia im Alleingang hinterherzuhinken. Muss der Kampf gegen die Mafia international werden?   

Piero Grasso:
Die Mafia ist mittlerweile ein grenzübergreifendes Phänomen. Ihre Geschäfte betreibt sie in vielen Ländern und deswegen muss auch die Beweisführung gegen diese Strukturen international koordiniert erfolgen. Die Umsätze der Mafia im Ausland liegen für uns völlig im Dunkeln. Vermutlich liegen sie um das Doppelte höher.

euronews:
Gibt es auf europäischem Niveau überhaupt Mittel, der Mafia entgegenzutreten, speziell um deren Geldgeschäfte aufzudecken?

Piero Grasso:
Italien verfügt über vergleichsweise moderne und effiziente juristische Möglichkeiten. Das konnte ich im Gespräch mit europäischen Kollegen feststellen. Wir müssen vor allem illegal angehäuftes Vermögen finden und beschlagnahmen. Was das angeht, haben wir in Italien eine überaus fortschrittliche Rechtslage. Das müsste in anderen Staaten in- und außerhalb der EU genauso sein. Kein Staat darf von der Mafia als legaler Parkplatz für illegal erworbenes Geld genutzt werden.
In Italien aber sind die Maßnahmen sehr streng. Innerhalb von viereinhalb Jahren haben wir Besitz im Wert von 40 Milliarden Euro beschlagnahmt. Das muss so weitergehen. Der Mafia das Geld abnehmen, darum geht es uns. Aber die europäischen Nachbarn müssen mitziehen, was sie derzeit nicht tun.

euronews: 
Welche Maßnahmen im Kampf gegen die Mafia müsste die italienische Regierung ihrer Erfahrung nach ergreifen und was werden Sie auf europäischer Ebene zu ändern versuchen, sollten Sie in den Senat gewählt werden?

Piero Grasso:
Wie gesagt, wir haben in Italien diesbezüglich eine sehr gute Gesetzgebung, die aber noch perfektioniert werden sollte. So muss Geldwäsche bestraft werden. Wer ein Verbrechen begeht und die Erträge daraus verschleiert, muss bestraft werden. Wir brauchen Gesetze gegen Schwarzgeldkonten, gegen Steuerbetrug und eine Verbesserung der Gesetze gegen Korruption.
International gesehen müssen wir die italienische Gesetzgebung diesbezüglich exportieren, besonders was die Möglichkeit von Beschlagnahmungen angeht. Einige wenige Länder versuchen eine Anpassung.

euronews:
Geben Sie uns ein konkretes Beispiel. Was würden Sie vorschlagen?

Piero Grasso:
Wir sollten das Vermögen derer beschlagnahmen dürfen, die im Verdacht stehen, in organisiertes Verbrechen verwickelt zu sein.

euronews:
Der Kampf gegen die Mafia ist auch der Kampf gegen eine bestimmte Haltung in Italien. Günstlingswirtschaft ist ein Problem. Wie könnten Sie als Parlamentsmitglied in Zukunft zu einem Wandel dieser Mentalität beitragen?

Piero Grasso:
Im Kampf gegen die Mafia können wir nicht ausschließlich auf Bestrafung setzen. Wir brauchen einen kulturellen Wandel. Dafür müssen wir aber erst einmal auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen. Die Mafia – oft ja auch die Politik – nutzt die Position der Menschen aus und präsentiert sich ihnen als Heilsbringer. Sie verspricht, handelt aber nicht. So macht sie die Menschen zu Sklaven und erzwingt damit ihre Zustimmung.

All das führt zu einer Schwächung der Demokratie und der Freiheiten der Bürger. Die Sozialpolitik muss folglich die Not der Menschen lindern und ihnen einen Gewissen Standard bieten. Nur auf dieser Basis können wir dann an einer Kultur der Legalität arbeiten.

Dienstag, 23. Juli 2013

US-Mafiaboss Joseph Massino bald wieder auf freiem Fuß

Das "Ratting" (die Unterstützung der Justizbehörden) aus der Mafia hat sich für den berüchtigten ehemalige Mafiaboss Joseph Massino bezahlt gemacht. Mit Blick auf ein Leben im Gefängnis für acht eigenhändig Morde, dürfte er in den nächsten Tagen zur Belohnug für den Verrat bald als freier Mann das Gefängnis verlassen. Das entschied gestern Vincent "Vinny Gorgeous" Basciano, ein Richter aus Brooklyn. Massino, Boss der Bonanno Familie von 1991 bis 2003, wird mit einer neuen Identität als Teil des Zeugenschutzprogramm ein neues Leben beginnen.



 

Montag, 22. Juli 2013

Weltweiter Organhandel der Mafia

Das System des Organhandels mit seinen teilweise mafiösen Strukturen ist nur schwer zu durchschauen. Sicher ist: Die Reichen profitieren davon, dass die Armen ihr Leben riskieren.

Wiru ist 12 Jahre alt und lebt in einem kleinen Dorf in Indien. Dort, drei Stunden südlich von Delhi, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man als Kind gekauft wird. 2500 Rupien hat Wiru gekostet, etwa 38 Euro, seither arbeitet er in einer Fabrik und klebt gefälschte Gucci-Taschen zusammen. 200 pro Tag muss er schaffen, sonst bekommt er Ärger mit seinem Besitzer. "Wenn ich groß bin, werde ich reich", sagt Wiru, "dann verkaufe ich eine meiner Nieren und muss nicht mehr hier arbeiten." Sein Vater, den er seit drei Jahren nicht mehr gesehen hat, habe das auch so gemacht.



Eine Niere kostet in Indien und Afrika nur etwa 1000 Dollar.

Tatsächlich hat sich in den Slums der großen Städte in Indien herumgesprochen, dass es eine Möglichkeit gibt, der Armut zu entrinnen. Rund 55.000 Rupien, etwa 800 Euro, ist eine Niere auf dem Schwarzmarkt wert, für viele Inder ein Vermögen. Zwar hat das Land den Handel mit menschlichen Organen untersagt und vor einigen Jahren wurde das Strafmaß von zwei auf fünf Jahre Gefängnis erhöht, aber eine abschreckende Wirkung hat das kaum. Das Geschäft ist zu lukrativ und das Risiko, erwischt zu werden, nicht groß. Zumal sich der Spender nur als Freund des Empfängers ausgeben und das Geld, das bezahlt wird, als Geschenk deklarieren muss. Insofern ist die Befragung durch eine offizielle Regierungskommission zu den Motiven der Spende meist nur eine Farce.


Nieren sind in Indien besonders günstig

Schon im Jahr 2003 wies die Anthropologin Nancy Scheper-Hughes in der medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" darauf hin, dass sich der Transplantationstourismus in den armen Ländern zu einem regelrechten Wirtschaftsfaktor entwickle und immer und überall in die gleiche Richtung gehe: Von Süden nach Norden, von Osten nach Westen, von arm nach reich, von dunkler Hautfarbe zu heller.

Eine indische und afrikanische Niere kostet etwa 1000 Dollar, eine Niere aus Rumänien oder Moldawien etwa 2700 Dollar, eine türkische Niere bis zu 10.000 Dollar, in den USA können Nierenhändler 30.000 Dollar an einer Transaktion verdienen - manchmal auch das Zehnfache.

Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gingen im Jahr 2007 davon aus, dass weltweit etwa fünf Prozent aller Transplantationen über den Schwarzmarkt versorgt würden und in manchen Ländern diese Praxis sogar vorherrschend sei. Das bedeutet bis zu 20.000 Nieren weltweit jährlich - bei steigender Nachfrage, weil die Menschen immer älter werden. Derzeit warten in Deutschland 8000 schwerkranke Menschen auf eine neue Niere,  40.000 in Europa. 2011 wurden in der Bundesrepublik 2850 Nieren auf offiziellem Weg transplantiert.


Organhandel-Mafia

In der aktuellen Ausgabe des Magazins "Der Spiegel" wird ein Fall dokumentiert, bei dem ein deutscher Fabrikant die Niere einer russischen Emigrantin bekam. Anders gesagt: die Geschichte darüber, wie reiche Kranke auf Kosten von Armen ihr Leben verlängern können. "Das sind mafiöse Strukturen", sagt der Spiegel-Redakteur Steffen Winter. "Der Arzt, der in unserem Fall die Operation durchgeführt hat, ist in mehreren Ländern der Welt aktiv, hat schon 4000 Nieren transplantiert und wird mit internationalem Haftbefehl gesucht."


Ärzte verpflanzen weltweit Organe aus dem Organhandel.
Viele Ärzte werden bereits mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Der Handel mit Organen, das skrupellose Ausnutzen von Hoffnung auf der einen und Ausweglosigkeit auf der anderen Seite, ist ein Milliardengeschäft. Die Organisation "Organs Watch" beschreibt den typischen Empfänger zum Beispiel in den USA, in Israel, Saudi Arabien oder Australien als 48,1 Jahre alt, männlich, Jahreseinkommen 53.000 Dollar. Der typische Spender kommt aus Indien, China, Moldavien oder Brasilien, ist 28,9 Jahre alt, männlich und hat ein Jahreseinkommen von 480 Dollar.

Ärzte jetten durch die Welt und verpflanzen überall dort Organe, wo dies ohne große Kontrolle möglich ist. Wenn schließlich, so die Ergebnisse der Spiegel-Recherche, ein Krankenhaus irgendwo in Südafrika oder Brasilien nach einigen Tagen auffliegt, weichen die Chirurgen in das nächste Land aus. Derzeit sind vor allem Kliniken auf Zypern und in Kasachstan beliebt.


Authentischer Roman über Organhandel der Mafia


 

Erheblicher Schlag bei Razzia gegen US-Mafia

Fünf mächtige Mafia-Familien im Großraum New York: Bei der größten Razzia in der US- Geschichte scheint den Ermittlern ein schwerer Schlag gelungen.

Die Cosa Nostra hat einen erheblichen Schlag erlitten: Bei der größten Razzia gegen die Mafia in der US- Justizgeschichte haben Ermittler mehr als 120 Verdächtige festgenommen. FBI und Polizei hatten am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit) in einem gewaltigen Schlag in New York und Umgebung Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht und die mutmaßlichen Mafiosi in Gewahrsam genommen. US-Justizminister Eric Holder sprach von der bislang größten Einzelaktion gegen die Mafia: "Die heutigen Festnahmen und Anklagen sind ein wichtiger Schritt bei der Zerschlagung der Cosa Nostra und ihrer illegalen Aktivitäten."


Eric Holder

Den Mafiosi werden so ziemlich alle schweren Verbrechen vorgeworfen, die das Strafgesetzbuch zu bieten hat: Erpressung, Kokainhandel, illegaler Waffenbesitz, Körperverletzung, Hehlerei, Brandstiftung, Schutzgelderpressung, Zinswucher, illegales Glücksspiel und natürlich Mord. Der Schlag richtete sich offenbar vor allem gegen die Gambino-Familie, aber auch gegen die Genoveses, Bonnanos, Luccheses and Colombos – alles mächtige Mafiagrößen in New York, New Jersey und Rhode Island.

Exemplarisch veröffentlichte die Staatsanwaltschaft den Fall von Joseph Watts, der ebenfalls verhaftet worden war. Weil er keine italienischen Wurzeln habe, stieg Watts nie bis ganz nach oben in der Cosa Nostra auf, er habe es aber bis zum "Capo" gebracht. Als solcher Unterführer habe ihn der damalige Chef der Gambino-Familie 1989 mit dem Mord an dem verhafteten Mafia-Mann Frederick Weiss beauftragt, weil der offenbar mit der Justiz zusammenarbeitete.
 
Watts heuerte ein Mörderteam an und kümmerte sich sogar um den Aushub eines Grabes, in dem das Opfer verscharrt werden sollte. Er wartete mit einer Waffe in einer Garage, doch Weiss kam nicht. Dafür wurde der mutmaßliche Überläufer am nächsten Tag von einem anderen "Hit Team" erschossen. Watts hat der Staatsanwaltschaft zufolge jetzt gestanden, an dem versuchten Mord beteiligt gewesen zu sein.
 
Die Festgenommenen wurden zunächst auf ein Gefängnisschiff im Fort Hamilton vor der Küste New Yorks gebracht. Zu ihnen gehört auch der derzeitige Boss der Colombo-Familie, der im Bundesstaat Rhode Island lebt. Die übrigen der mutmaßlichen Gangster seien der Polizei in New York selbst und in angrenzenden Gebieten von Long Island sowie im Nachbarstaat New Jersey ins Netz gegangen. In der gleichen Gegend spielt auch die in den USA und Deutschland erfolgreiche Mafiaserie "Die Sopranos".

Samstag, 20. Juli 2013

Der mysteriöse Tod des Mafia-Zeugen "Stippo"

Der Prozess gegen den Ex-Mafia-Boss und FBI-Informanten James "Whitey" Bulger holt die Schrecken der 80er zurück: Jetzt starb der wichtigste Zeuge namens "Stippo" unter rätselhaften Umständen. (siehe auch Vorbericht)


Die Geschichte des ehemaligen Mafia-Bosses James "Whitey" Bulger hat bereits Hollywood inspiriert. Sein brutales Leben diente als Vorlage für den Hollywood-Film "Departed – Unter Feinden" von Martin Scorsese.


Schutzgelderpressungen, Drogenhandel, Korruption – mit harter Hand regierten James "Whitey" Bulger und seine "Winter Hill Gang" in den 70er- und 80er-Jahren große Teile Bostons. Wer sich seiner Regentschaft nicht beugte, wurde von dem gnaden- und scheinbar gewissenlosen Bulger aus "dem Weg geräumt".
 
Mindestens 19 Menschen soll der Mafia-Killer persönlich ermordet haben. Das zumindest wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, die den gefürchteten Bulger nach jahrelanger Flucht vor den Behörden vor vier Wochen in seiner alten Heimstadt vor Gericht stellte.
 
Es ist ein spektakulärer Mafia-Prozess, bei dem jetzt die Erinnerungen an die Schreckensherrschaft des mittlerweile 83 Jahre alten Bulger wieder zurückkehren. Doch jetzt wurde einer der wichtigsten Belastungszeugen tot aufgefunden. Und niemand weiß, wie Stephen "Stippo" Rakes ums Leben gekommen ist. Eine Autopsie soll den mysteriösen und plötzlichen Tod des einstigen Besitzer eines Alkoholladens aufklären.
 
"Ich hoffe sehr, dass Rakes nicht ermordet wurde", sagte Steve Davis, einen anderen Zeugen, den es bei dem Gedanken, dass alte Freunde von Bulger Rakes wie in klassischer Mafia-Manier mundtot gemacht haben, schüttelte. "Das erinnert mich sofort wieder an die 80er-Jahre", sagt Davis außerhalb des Bundesgerichts in Boston. Damals sei das auch so gewesen. Wer auspacken wollte, sei verschwunden oder ermordet worden. Unter den Opfern der Mafia ist auch Davis Schwester Debra. Sie soll von Bulger mit dessen eigenen Händen erdrosselt worden sein.
 
 
'Stippo' hatte keine Angst vor Bulger

Der 59 Jahre alte Rakes, der von Bulger mit vorgehaltener Waffe 1984 zum Verkauf seines Alkoholgeschäfts gezwungen worden sein soll, war am Mittwochnachmittag von einem Jogger in Lincoln im US-Bundesstaat Massachusetts und 30 Autominuten westlich von Boston, auf einer Straße tot aufgefunden worden. Wie der "Boston Globe" berichtet, soll die "Leiche dort abgelegt" worden sei. Mysteriös ist auch, dass Rakes Brieftasche und dessen Auto verschwunden sind.
"Ich bin der Typ, der ein Alkoholgeschäft aufgebaut hat und von Bulger bedroht wurde", hatte Rakes vor Beginn der Verhandlungen in einem Interview gesagt. "Ich bin gespannt auf den Prozess und kann es gar nicht erwarten, auch selbst auszusagen."
Bisher, so heißt es aus Ermittlungskreisen der Polizei, gebe es aber keine "klaren Hinweise auf Gewaltanwendung". Laut einem Bericht des TV-Senders ABC wollen die Behörden auch einen Selbstmord nicht ausschließen. Eine Theorie, die Rakes Ex-Frau Julie Dammers und dessen Freund Steven Davis für ausgeschlossen halten.
"Ich kann ihnen versichern, dass mein Ex-Mann keinen Selbstmord begehen würde", sagte Dammers in einem Interview mit dem "Boston Globe". "Ich bin überrascht und total geschockt."
Auch Davis hält die Theorie für Unsinn. "Sich selbst umzubringen, würde er niemals tun." Rakes habe den Prozess von Anfang an im Gerichtssaal mitverfolgt und wollte unbedingt in den Zeugenstand treten. "Er wusste, dass er auf den weiteren Prozessverlauf großen Einfluss haben werde", sagte Davis. "'Stippo' hatte keine Angst vor Bulger."
 
"Rein kriminelle Beziehungen"

Nach dem Tod von Rakes, setzt die Staatsanwaltschaft jetzt vor allem auf Bulgers früheren Komplizen Stephen "The Rifleman" Flemmi, der lange Zeit als rechte Hand des Mafia-Killers galt. "Der Gewehrmann", der am Tag nach Rakes plötzlichen Tod im Zeugenstand aussagte, erklärte, dass seine Beziehung zu Bulger "rein kriminell" gewesen sei. Er habe 15 Jahre ganz eng mit ihm zusammengearbeitet und sei selbst mit ihm in den Urlaub gefahren.
 
 
The Rifleman" Flemmi
 
Flemmi wurde 2004 selbst wegen zehn Morden zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Der 79-Jährige hatte zuvor mit der Staatsanwaltschaft einen Deal gemacht. Er legte ein Geständnis ab und bot sich als Kronzeuge gegen Bulger an. Die Anklage verzichtete im Gegenzug auf die Todesstrafe.
 
Von ihrem Kronzeugen Flemmi verspricht sich die Staatsanwaltschaft vor allem auch weitere Informationen von Bulgers Beziehungen zum FBI. Der Mafioso soll zwischen 1975 und 1990 als Informant für die Bundespolizei gearbeitet haben. Auch der jetzt tot aufgefundene Rakes hatte das immer vermutet, weil ihm die Polizei Hilfe wegen der Erpressungen verweigert hatte. Im Jahre 2002 hatte Rakes aus diesem Grund die US-Regierung angezeigt. Die Klage wurde jedoch abgewiesen.
"Ich habe persönlich gehört wie Bulger mehr als 100 Telefonate mit dem FBI geführt hat", sagte Flemmi. "Er und der Agent John Connolly hatten eine enge Geschäftsbeziehung zueinander."
 
Verbrecher blieb trotz Fahndung unbehelligt

Bulgers Anwälte dagegen bestreiten das und nennen Flemmi als Zeugen "nicht glaubhaft". Und dass obwohl die Bundespolizei selbst zugeben musste, das Agent Connolly Bulger nicht nur engagiert, sondern auch dessen Flucht arrangiert hatte. Der Mafia-Killer lebte fast 16 Jahre zusammen mit seiner Frau – sie wurde wegen Fluchthilfe bereits zu acht Jahren Gefängnis verurteilt – unbehelligt in Santa Monica, in Kalifornien.
 
Dort wurde das Bulger-Ehepaar 2011 verhaftet und nach Boston für ihren Prozess überstellt. Bei der Festnahme wurden nicht nur ein Arsenal an Waffen sichergestellt, sondern auch 800.000 Dollar in bar, die die Bulgers in den Wänden ihrer Wohnung in Santa Monica versteckt hatten.
 
Agent Connolly wurde nach zwei Prozessen 2002 und 2005 wegen Mordes zu 50 Jahren Haft verurteilt. James "Whitey" Bulger droht in Boston bei einer Verurteilung eine lebenslange Gefängnisstrafe.
 
 
 
FBI Agent Connolly

Freitag, 19. Juli 2013

Zeuge in Mafia-Prozess tot aufgefunden

Im Prozess gegen den Bostoner Ex-Mafiaboss James Bulger, genannt "Whitey", ist ein Zeuge tot aufgefunden worden. Die Todesursache wird zur Zeit untersucht. Der 83-jährige Bulger war 2011 festgenommen worden, ihm werden unter anderem 19 Morde vorgeworfen.

James "Whitey" Bulger war viele Jahre der mächtigste Gangsterboss in Boston. 2011 wurde er festgenommen.

 
Boston - Noch einmal kehrte der Schrecken nach Boston zurück, den James Bulger, genannt "Whitey", und seine Bande dort in den siebziger und achtziger Jahren verbreiteten: Der frühere Inhaber eines Alkohol-Geschäfts, Stephen Rakes, wollte gegen den Ex-Mafiaboss aussagen - und wurde am Mittwoch tot aufgefunden.
Rakes stand auf der Zeugenliste, war jedoch bislang nicht im Prozess aufgetreten. Bulger soll ihn angeblich 1984 erpresst haben. Laut der Staatsanwaltschaft hat der frühere Mafiaboss den Ladeninhaber Rakes und seine damalige Frau mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen, ihm sein Geschäft zu verkaufen.

Mit diesen Bildern suchte das FBI nach James "Whitey" Bulger. Auf dem Höhepunkt seiner Macht kontrollierte er in den achtziger Jahren illegales Glücksspiel und Drogenhandel in Boston.

Rakes' Ex-Frau Julie Dammers Rakes sei über die Todesnachricht "überrascht und schockiert" gewesen, teilte einer ihrer Anwälte mit. Dieser zog jedoch auch in Zweifel, dass der Tod des 59-Jährigen irgendetwas mit dem Prozess gegen Bulger zu tun habe. Der Leichnam Rakes' wird zur Zeit von der Gerichtsmedizin untersucht. Es seien keine offensichtlichen Zeichen von Gewalteinwirkung erkennbar, teilte die lokale Bezirksstaatsanwaltschaft mit.

In diesem Haus in Santa Monica in Kalifornien fassten Polizisten schließlich Bulger und seine Geliebte. Sie ließen sich widerstandslos festnehmen.

Im Prozess gegen Bulger sagen eine Reihe von Erpressungsopfern aus, die jahrzehntelang unter der Gewaltherrschaft Bulgers und seiner "Winter Hill"-Gang litten. Allerdings setzt die Staatsanwaltschaft vor allem auf Bulgers frühere Komplizen wie den Auftragskiller Johnny Martorano oder Stephen Flemmi, angeblich lange Zeit die rechte Hand des Mafiabosses.

In Bulgers Wohnung in Santa Monica in Kalifornien fanden Ermittler Pistolen, ein Sturmgewehr, eine Shotgun - insgesamt sollen es etwa 30 Waffen gewesen sein.


Flemmi, genannt "Rifleman", erschien am Donnerstag erstmals vor Gericht. Er sitzt selbst seit 2004 in Haft und hat schon zehn Morde zugegeben. Ein Deal mit der Staatsanwaltschaft ersparte ihm die Todesstrafe - dafür soll er nun gegen seinen früheren Komplizen aussagen. Außerdem verspricht sich die Staatsanwaltschaft von seiner Aussage Informationen über die Verquickungen Bulgers mit dem FBI.

Die Behörde hatte bereits eingeräumt, dass Bulger zwischen 1975 und 1990 als Informant der Ermittlungsbehörden gearbeitet haben soll. Der frühere Agent John Connolly, der Bulger persönlich engagiert haben will, wurde 2002 und 2005 unter anderem wegen Mordes zu insgesamt 50 Jahren Haft verurteilt. Er hatte Bulger demnach bei vielen Taten geholfen und seine Flucht gedeckt. Bulger war 1995 untergetaucht und hatte bis 2011 unbehelligt als Pensionär in Südkalifornien gelebt.

In der Wand hatte Bulger zudem mehr als 800.000 Dollar versteckt.


Gegen die mangelnde Unterstützung durch die US-Behörden hatte sich auch der frühere Ladenbesitzer Rakes aufgelehnt. Er verklagte 2002 die amerikanische Regierung, sie habe ihn nicht ausreichend vor Bulgers Gang beschützt. Die Klage wurde damals von einem Bundesrichter abgewiesen. Den Prozess gegen Bulger hatte er laut dem Anwalt seiner Ex-Frau intensiv verfolgt - er wollte demnach unbedingt gegen den Mafiaboss aussagen. Das müssen nun andere für ihn tun.

Donnerstag, 18. Juli 2013

Wenn ich auspacke, müssen die Priester den Petersdom verkaufen.....

Geheime Konten, Geldwäsche für die Mafia, Korruption und ein vergifteter Espresso. Die Geschichte der Vatikanbank reicht bis ins 19.Jahrhundert zurück. Für Skandale und Kriminalfälle sorgten die »Banker Gottes« seit jeher. Wer zu viel wusste, lebte mitunter kürzer als gedacht.

Petrus hatte kein Konto auf der Bank!“, ließ Papst Franziskus die Gläubigen und Ungläubigen vor wenigen Tagen wissen. Es war an der Zeit, ein wenig auf Distanz zum schnöden Mammon zu gehen. Denn Franziskus selbst hat, wie all seine Vorgänger seit 126 Jahren, nicht nur ein Bankkonto. Er hat sogar eine eigene Bank. Und eine skandalumwitterte noch dazu.





Geheime Konten, illegale Parteienfinanzierung, Geldwäsche, Mafia und Korruption. Das Institut für religiöse Werke (IOR), besser bekannt unter dem Namen Vatikanbank, ist seit seiner Gründung eine Legende. Verborgen hinter den teils neun Meter dicken Mauern des Turms Nikolaus V. im Vatikan gilt die Bank als eines der undurchsichtigsten und gefährlichsten Finanzinstitute der Welt.

Wer zu viel über das Innenleben des IOR wusste, lebte in den vergangenen Jahrzehnten oft recht unsicher.

Seinen größten Skandal erlebte die Vatikanbank in den 1980er-Jahren. Damals wurde bekannt, dass die beiden italienischen Bankiers Roberto Calvi und Michele Sindona jahrelang Mafiagelder über Konten des IOR gewaschen hatten, das nicht unter der Kontrolle der italienischen Bankaufsicht steht. Als Komplize hatten sich die beiden niemand Geringeren als Erzbischof Paul Marcinkus, den damaligen Chef der Vatikanbank selbst, geangelt.

Als Roberto Calvis Institut, die Banco Ambrosiano, Anfang der Achtziger in finanzielle Schwierigkeiten geriet, ging dieser in die Offensive: „Wenn ich auspacke, müssen die Priester den Petersdom verkaufen“, drohte er damals unverhohlen. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Wenig später fand man den „Banker Gottes“ von einer Brücke baumelnd in London. Noch am selben Tag nahm sich seine Sekretärin in Mailand das Leben. Sein Komplize Michele Sindona wurde 1986 zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch er drohte damit, auszupacken.

48 Stunden nach dem Richterspruch starb Sindona im Gefängnis an einem mit Zyankali vergifteten Espresso. Vatikanbank-Chef Paul Marcinkus blieb unterdessen verschont. Er flüchtete sich hinter die vatikanischen Mauern, wo Johannes PaulII. seine Auslieferung an die italienische Justiz jahrelang verhinderte. Später konnte sich der Geistliche, dem auch eine Reihe anderer dubioser Geschäfte nachgesagt wurden, unbehelligt in die USA absetzen.

Papst mistet aus. Die Wurzeln der Vatikanbank reichen bis ins 19.Jahrhundert zurück. 1887 gründete Papst LeoXIII. die „Kommission für fromme Zwecke“. Erst 1942 wurde sie als Istituto per le Opere di Religione zu einem eigenständigen Geldhaus mit der Aufgabe, die Vermögensverwaltung für Kleriker, Klöster, Diözesen und Orden weltweit zu übernehmen. Gerade einmal 19.000 Menschen besitzen ein Konto bei der Vatikanbank, die zuletzt 86,6 Millionen Euro Gewinn in die Taschen des Vatikan gespült hat. Mehr als 2.700 Konten werden Superbossen der Mafia und der 'Ndranghtea zugeschrieben. Angeblich sollen dort Milliardenvermögen gebunkert sein.

Heute steht das Institut wieder in den Schlagzeilen. Seit 2010 ermittelt die italienische Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Geldwäsche. Anders als in den 1980er-Jahren begann der Papst diesmal tatsächlich, in „seiner“ Bank auszumisten. Vor wenigen Tagen trat die Spitze der Vatikanbank geschlossen zurück. Mit René Brülhart (siehe Interview) wurde ein Außenstehender zum Finanzaufseher des Vatikans berufen. Er soll den jahrzehntealten Sumpf trockenlegen.

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Ex-Polizeichef in Mafia-Prozess freigesprochen

Mario Mori, Ex-Kommandant der Carabinieri-Sondereinheit ROS, ist von einem Gericht in Palermo vom Vorwurf freigesprochen worden, die Festnahme der langjährigen Nummer eins der Mafia, Bernardo Provenzano, im Jahr 1995 verhindert zu haben.


Mario Mori, Ex-Kommandant der Carabinieri-Sondereinheit ROS

Provenzano, ehemaliger Chef der Cosa Nostra, war im April 2006 in seinem sizilianischen Heimatdorf Corleone verhaftet worden.

Die Polizei hatte ihn 43 Jahre lang gesucht.

Fünf Jahre lang hat der Prozess gegen Mori gedauert, über 100 Gerichtsverhandlungen fanden in Palermo statt.

Mori hatte vor Gericht zugeben, er habe als ROS-Chef öfter den mit der Mafia verstrickten Ex-Bürgermeister von Palermo, Vito Ciancimino, getroffen, er dementierte jedoch Vorwürfe, nach denen es Verhandlungen zwischen den Carabinieri und der Mafia gegeben habe, um weitere Attentate der Cosa Nostra gegen Staatsanwälte und Richter zu verhindern.

Ciancimino, der zur Zeit des Baubooms in den 60er Jahren Bürgermeister von Palermo war und Mafia-Firmen Milliardenaufträge zugeschanzt haben soll, war 1991 wegen Amtsmissbrauchs und Korruption zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Er starb im Jahr 2002.

Mori bestritt vor Gericht außerdem, dass es ein Dokument gegeben habe, auf dem der Mafia-Boss Salvatore „Toto“ Riina die Forderungen der Cosa Nostra-Paten an den Staat niedergeschrieben habe.
Er war bereits 2006 vom Vorwurf der Verschleppung von Anti-Mafia-Ermittlungen freigesprochen worden.

Ihm und einem Mitarbeiter wurde zur Last gelegt, in seiner Zeit bei der Anti-Mafia-Einheit in Palermo nach der Festnahme Riinas im Jänner 1993 die Durchsuchung von dessen Luxusvilla auf Sizilien verzögert zu haben.

Die Villa, in der Riina acht Jahre lang mit seiner Familie gelebt hatte, war erst 18 Tage nach seiner Festnahme durchsucht worden.