Dienstag, 18. Juni 2013

Ein sizilianischer Journalist kämpt mutig gegen die Mafia

Das Gesetz des Schweigens - dafür ist die Mafia berüchtigt. Pino Maniaci bricht dieses Gesetz. Der mutige Lokaljournalist produziert Tag für Tag eine Fernsehsendung über die sizilianische Mafia.
Wer sich Pino Maniacis Studios nähert, merkt das nicht nur an den Carabinieri, den Polizisten, die diskret in der Nähe Wache halten. Er merkt es auch am stechenden Geruch von Zigarettenqualm. Der Journalist und TV-Moderator Pino Maniaci raucht drei Packungen am Tag, "manchmal sogar vier", grinst er. (Anmerkung Claudio M. Mancini - die würde ich an seiner Stelle auch rauchen...)




Er liebe sein Land, erklärt mir Maniaci. "Und dieses Land braucht Journalisten, die ihren Job als wahre Mission begreifen". Journalistische Erfahrung brachte er für seine täglich zweistündige Anti-Mafia-Live-Nachrichtensendung nicht mit. "Ich wollte zuverlässige, glaubwürdige Nachrichten verbreiten", meint Maniaci. "Das heißt, man muss die Dinge sagen wie sie sind."

Der Inhaber einer kleinen Baufirma kaufte 1999 einen lokalen Fernsehsender in Partinico, einer unscheinbaren Kleinstadt etwa 30 Kilometer von der sizilianischen Hauptstadt Palermo entfernt. Von da an änderte sich sein Leben grundlegend. Ein Jahr später war "Telejato" der erste und der einzige Anti-Mafia-Fernsehsender Siziliens - und Maniaci bei der örtlichen Mafia der Feind Nummer Eins.

Maniaci markiert den starken Mann, während er an seiner Zigarette zieht, flucht und Witze über seine Gegner macht. Nicht, weil ihm die Gefahren seiner Berichterstattung über die Mafia nicht bewusst wären. Die Autoreifen haben sie ihm mehrfach aufgeschlitzt, Bremsleitungen durchgeschnitten, seine Wagen brannten aus, wurden beschossen, die Windschutzscheibe von Kugeln zerschmettert. Der Journalist hat schon so viele Drohbriefe erhalten, dass er aufgehört hat, sie zu lesen. Angst um sich und seine Familie hat er aber trotzdem, gibt Maniaci zu.

Einen Anschlag auf sein Leben hat Maniaci mit vier gebrochenen Rippen, einem gebrochenen Bein, einem blauen Auge und zerbrochenen Zähnen überlebt. Er erzählt, wie er damals davongekommen ist: Sein Vater habe ihm, als er noch jung war, beigebracht, den Schlips mit einem doppelten Knoten zu binden. "Sie versuchten mich zu erwürgen, indem sie an beiden Enden fest zogen. Mein Vater hat mich gerettet, denn ein doppelter Knoten lässt sich nicht sehr eng zuziehen."