Sonntag, 9. Juni 2013

Botschaft protestiert gegen Anti-Mafia-Gerichte

Die italienische Botschaft in Wien hat wegen nach Mafiosi und Anti-Mafia-Helden benannten Speisen in einem Wiener Lokal Protest eingelegt. Der Gebrauch der Namen sei nicht nur „geschmacklos, sondern auch beleidigend“ heißt es in dem Schreiben an die Behörden.

Auf Anweisung der italienischen Außenministerin Emma Bonino schreibt Sergio Pagano, ein italienischer Gesandter in Wien, der Gebrauch der Namen von im Kampf gegen die Mafia gefallenen Persönlichkeiten zu Marketingzwecken sei nicht nur „geschmacklos, sondern auch beleidigend“ gegenüber diesen Personen und all jenen Menschen, die sich täglich im Kampf gegen die Mafia engagieren.
 
 
 

Der Brief ist an die österreichischen Behörden gerichtet. Die Website des Lokals war am Samstagabend nicht mehr zu erreichen. Das Lokal selber soll schon seit einiger Zeit geschlossen sein.

„Schwere Beleidigung“

Ironische Bemerkungen über prominente Opfer im Kampf gegen die Costa Nostra, wie Staatsanwalt Giovanni Falcone und Anti-Mafia-Aktivist Peppino Impastato, seien inakzeptabel und hätten „stark negative Reaktionen“ in der Öffentlichkeit in Italien sowie in der italienischen Gemeinschaft in Wien ausgelöst, berichtete das Außenministerium in Rom.

Groß ist offenbar die Empörung auf Sizilien: Der Bürgermeister von Palermo und Anti-Mafia-Aktivist, Leoluca Orlando, schickte einen Brief an Premier Enrico Letta und Außenministerin Emma Bonino und beschwerte sich wegen der „schweren Beleidigung“ gegenüber Mafia-Opfern wie Falcone und Impastato. „Es ist äußerst dringend und notwendig, dass sich der Premier bei der Regierung in Wien einschaltet, das Andenken der Mafia-Opfer darf nicht derart beschmutzt werden“, so Orlando.

Facebook-Initiative fordert Namensänderung

Eine Facebook-Initiative, die sich “Italiani a Vienna” (Italiener in Wien) nennt, hatte kürzlich eine Unterschriftensammlung gestartet, in dem das Lokal aufgefordert wurde, die Namen seiner Menüs zu ändern. Der Initiator der Kampagne forderte mehr Respekt für die Mafia-Opfer. „Man darf den Begriff Mafia nicht zu Marketingzwecken verwenden“, sagte der in Wien lebende Italiener nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Er bemängelte, dass in Wien zuletzt mehrere Pizzerien mit Namen eröffnet worden seien, die auf die Mafia hinweisen, wie „Mafiosi“, „Camorra“ und „Al Capone“. „Wir hoffen, dass andere italienische oder österreichische Unternehmer mit geniereichen Einfällen dieser Art es sich anders überlegen werden. Man muss verhindern, dass der Begriff Mafia als Marke für Werbung genutzt wird."

Tausende unterzeichnen Petition

Der von Impastato gegründete sizilianische Radiosender „100 Passi“, der engagierte Anti-Mafia-Kampagnen führt, startete auf der Webseite „change.org“ eine an das Außenministerium gerichtete Petition gegen das Wiener Lokal, die in Kürze über 7.000 Unterschriften sammelte. Mehrere Kaufleute, Opfer von Erpressungen auf Sizilien, unterschrieben die Petition.

Italienische Medien haben von dem Lokal berichtet. Proteste führten dazu, dass sich auch Politiker der Mitte-Links-Partei „Partito Democratico“ (PD) der Sache annahmen. Auch die Linkspartei SEL verurteilte das Lokal.

Geschlossen

Der kritisierte Betrieb hatte Samstag geschlossen, im Geschäftslokal war niemand anzutreffen.  Es ist überhaupt fraglich, ob der Laden noch  in Betrieb ist. Im Lokal stehen Schachteln und leere Regale herum, am Boden liegt Mist. Von den Wänden sind alle Plakate und Tafeln abmontiert, Besen stehen in der Ecke. Samstagabend  war plötzlich auch die Homepage des Betriebes offline.