Sonntag, 26. Mai 2013

Saviano bereut Mafia-Buch „Gomorrha“

Der italienische Bestseller-Autor Roberto Saviano bereut es, über die Mafia geschrieben zu haben.

„Ich habe in den Abgrund geschaut und mich in ein Monster verwandelt“, sagte der 33-Jährige, der seit Erscheinen seines Tatsachenromans „Gomorrha“ im Jahr 2006 unter Polizeischutz lebt, der „Welt am Sonntag“.


Roberto Saviano

„Ich bin so vielen bizarren Personen begegnet, habe unglaubliche Geschichten gehört. Irgendwann habe ich angefangen, selbst wie ein Mafioso zu denken, allem und jedem zu misstrauen.“
"Dieses Buch hat mein Leben zerstört".

Auch seine Familie müsse sich verstecken und an geheimen Orten aufhalten, sagte Saviano. „Dieses Buch hat mein Leben zerstört. Es ist wichtig zu berichten, keine Angst zu zeigen, sich nicht zum Schweigen bringen zu lassen. Aber genau so wichtig ist es, seine Straße zum Glück zu verteidigen.“

Dieses Statement dürfte allerdings nur die halbe Wahrheit sein - Saviano darf sich de facto nicht mehr auf der Straße sehen lassen. Seine profilneurotische Sucht, in der Medianlandschaft nach Publizität und damit nach Anerkennung zu suchen, dürfte ihn eines Tages teuer zustehen kommen. Dessen ist er sich mehr und mehr bewusst geworden. Abgesehen davon werden inzwischen angesichts seiner enormen Bemühungen, nach jedem Mafia-Verbrechen in allen italienischen TV-Sendern seine Stimme zu erheben und gebetsmühlenartig seine Bücher in den Blickpunkt zu rücken, dessen moralisch-altruistischen Motive angezweifelt.

Auf der Straße des Glücks, wie er sich ausdrückt, gibt es für ihn längst nichts mehr zu verteidigen.