Dienstag, 28. Mai 2013

Großer Mafia-Prozess in Sizilien hat begonnen

Verfahren um geheime Absprachen mit der Politik

In Sizilien hat ein großer Mafia-Prozess begonnen, bei dem insgesamt zehn Angeklagte vor Gericht stehen. Unter ihnen sind der frühere Mafia-Boss Toto Riina sowie drei ehemalige führende Polizeioffiziere. In dem Verfahren geht es um mutmaßliche Absprachen zwischen der Mafia und der politischen Führung des Landes vor rund 20 Jahren. Auch der damalige Innenminister Nicola Mancini ist wegen Falschaussage angeklagt. Aus formalen Gründen wurde der Prozess gleich nach der Eröffnung auf Freitag vertagt.


Nicola Mancini

Geheimverhandlungen zwischen Vertretern des italienischen Staates und der Mafia um einen „Nichtangriffspakt“ stehen im Zentrum des Maxi-Prozesses.Es ist allerdings nicht damit zu rechnen, dass angeklagte die Politiker auspacken oder Zeugen plaudern werden. Einer der größten Mafia-Bosse Italiens - Toto Riina - hat bereits angekündigt, dass er ohne Gegenleistung der Staatsanwaltschaft keinerlei Aussagen vor Gericht machen wird.


Toto Riina



In dem Verfahren mit zehn Angeklagten wollen die Staatsanwälte beweisen, dass Staatsbehörden und Polizeispitzen mit Mafia-Bossen über ein Ende der 1992 begonnenen blutigen Anschlagsserie der Mafia verhandelten.
 
Die Anklage lautet auf Verschwörung gegen den Staat. In den 1990er Jahren sei die Verhaftung eines führenden Bosses der sizilianischen Cosa Nostra zurückgestellt und das Strafmaß für über 300 inhaftierte Mafiosi gemildert worden.
 
Als Zeugen sollen auch Staatspräsident Giorgio Napolitano und der frühere nationale Anti-Mafia-Staatsanwalt Pietro Grasso, heute Präsident des Senats in Rom, gehört werden.
 
Unter den Haupt-Angeklagten ist der ehemalige Innenminister Nicola Mancini, der das Verfahren gegen sich abgetrennt sehen will, weil er ein Mafia-Gegner sei und nicht in einem Prozess mit der Cosa Nostra sein könne.Ein solches gesondertes Verfahren ist dem ebenfalls verdächtigten Ex-Minister Calogero Mannino sowie dem inhaftierten und oft kranken Ex-Mafia-Paten Bernardo Provenzano bereits zugestanden worden.
 
Die Anklage stützt sich auch auf – möglicherweise fragwürdige – Aussagen eines wegen Mafia-Verbindungen verurteilten Geschäftsmannes.