Freitag, 26. April 2013

Italien hat die großen Paten im Visier

Sonderplan gegen das organisierte Verbrechen sieht unter anderem Maßnahmen gegen Giftmüll-Handel und Schutzgelderpessung vor. 

Der italienische Ministerrat hat am Donnerstag einen Sonderplan zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens verabschiedet. Der Plan sieht unter anderem Maßnahmen zur Bekämpfung der finanziellen Interessen der Mafia vor. Stärkere Kontrollen sollen verhindern, dass von der Mafia unterwanderte Unternehmen Zugang zu öffentlichen Bauaufträgen erhalten. Vor allem die Paten will man nun gezielt aufspüren und dingfest machen. 

 

Pietro Sondrini, Schiffeigner für Sondermülltransporte

 Giftmüll-Handel und Schutzgelderpressung

Hinzu werden Maßnahmen zur Bekämpfung des illegalen Handels mit Giftmüll ergriffen, mit dem das organisierten Verbrechens Gewinne in Milliardenhöhe erzielt. In den letzten 5 Jahren wurden bei den Versicherungen der Verlust von 47 Containerschiffen gemeldet, auf denen nachweislich hunderttausende Tonnen von hochgiftigem Industriemüll  aus Italien, Frankreich, insbesondere auch Deutschland und den Niederlanden transportiert worden sind.  Man geht inzwischen davon aus, dass diese Schiffe nicht nur mitsamt den Mannschaften von der Mafia in internationalen Gewässern versenkt  sondern gleichzeitig auch hohe Versicherungssummern kassiert wurden. 

Verstärkter Schutz ist auch für Unternehmer und Kaufleute vorgesehen, die der Mafia Schutzgeld zahlten und ihre Erpresser anzeigen. Außerdem will Italien eine intensive internationale Zusammenarbeit mit anderen Ländern im Kampf gegen die Mafia fördern. Allerdings fühlen sich die italienischen Behörden besonders von der deutschen Justiz im Stich gelassen.

Kernelement des Plans ist die Gründung einer nationalen Agentur, die alle von der Mafia konfiszierten Güter verwalten wird. Gesellschaften, Grundstücke und Häuser, die der Mafia beschlagnahmt werden, sollen von dieser neu eingerichteten Agentur verwaltet werden, die ihren Sitz in der süditalienischen Stadt Reggio Calabria haben wird. Die Agentur soll  garantieren, dass diese nicht wieder in die Hände der Mafia geraten. ...(allein, mir fehlt der Glaube!)

Kampf gegen Schwarzarbeit

Der Ministerrat, der erstmals in der republikanischen Geschichte Italiens in Reggio Calabria tagte, ergriff auch Maßnahmen zur Bekämpfung der Schwarzarbeit in Süditalien. Kontrollen sollen demnächst in 20.000 Landwirtschafts- und Bauunternehmen durchgeführt werden. Damit will man unter anderem Fälle wie jene in der kalabresischen Kleinstadt Rosarno vorbeugen, wo es vor zwei Wochen zu rassistischen Unruhen zwischen Einheimischen und den afrikanischen Saisonarbeitern gekommen war, die massiv in der süditalienischen Landwirtschaft eingesetzt werden. 550 zusätzliche Inspektoren sollen die Kontrollen gegen die Schwarzarbeit durchführen.