Sonntag, 3. März 2013

Vatikanbank in den Klauen der Mafia

Wie kann es sein, dass es die Vatikanbank mit dem Namen Institut für Werke der Religion nennt, bis heute nicht geschafft hat, die von Europa geforderten Kriterien zu erfüllen, die notwendig sind, um als solides Institut zu gelten? Die EU beanstandet immer noch, dass die neu geschaffene Finanzbehörde des Kirchenstaats nicht effektiv genug arbeitet und dass die Vatikanbank verdächtige Transaktionen nicht ausreichend verfolgen könne.


Vatikanbank IOR

Der Vatikan hat es nicht einmal geschafft, in die „weiße Liste unverdächtiger Staaten“ der OECD aufgenommen zu werden: Ein Kirchenstaat als verdächtig: das ist das Schlimmste, was dem Vatikan passieren kann. Das Traurige an der Sache ist, dass der Vatikan angeblich immer schon daran arbeitet, in seiner Bank aufzuräumen. Wie das aussieht, ist eine Kriminalgeschichte, wie sie schlimmer kein Krimi-Autor ausdenken kann.

Seit Jahrzehnten wird die "IOR" - Istituto per le Opere di Religione, von der Mafia als sichere Geldwaschanlage genutzt.


Eingang der Vatikanbank IOR. Dorthin gelangt man nur mit Sonderausweis.

Papst Johannes Paul I wollte mehr Transparenz bei dieser Bank durchsetzen. Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, er habe seine Aktivitäten mit dem Leben bezahlen müssen. Für die These, dass der Papst vergiftet wurde, spricht die Tatsache, dass eine Obduktion seiner Leiche verhindert wurde.

Der Chef der Vatikanbank, Erzbischof Marcinkus, wird mit internationalem Haftbefehl gesucht, lebt aber unbehelligt im Vatikan. Unvergessen sind auch die Morde an den Bankiers Calvi, der als Verwalter der Vatikan-Finanzen „Bankier Gottes“ genannt wurde, und an seinem Vorgänger Sindona. Nach dem Calvi-Marcinkus-Skandal zahlte der Vatikan im Jahr 1984  zweihundert-vierzig Millionen Dollar Entschädigung.

Monsignore Renato Dardozzi, Mitglied des innersten Kreises der vatikanischen Hochfinanz, verstirbt 2003 und hinterläßt sein in der Schweiz angelgtes Geheimarchiv aus Akten des vatikanischen Staatssekretariats und Papiere der Vatikanbank dem Journalisten Gianluigi Nuzzi. Die Dokumente begründen den Verdacht der Geldwäsche im Dienste der Mafia, der Blockade von Korruptionsermittlungen, von Schmiergeldaffären und geheimen Nummernkonten, die etwa das Geld des siebenmaligen Ex-Staatspräsident Giulio Andreotti von der ehemaligen katholischen Volkspartei Democrazia Cristiana enthielten. Nuzzi erregte 2009 mit seinem Buch „Vatikan AG - Ein Geheimarchiv enthüllt die Wahrheit über die Finanz- und Politskandale der Kirche“ über das Finanzgebaren der Vatikanbank großes Aufsehen. Der Bankpräsident, Angelo Caloia, musste nach 20 Jahren an der Spitze der Vatikanbank zurücktreten

Im Zuge der Finanzkrise gerät auch der Vatikan in den Ruf einer illegalen Finanzoase. Benedikt XVI. ernennt den italienischen Bankier Ettore Gotti Tedeschi zum Leiter der Vatikanbank.

Viel hat diese Personalie nicht gebracht, denn die italienische Staatsanwaltschaft fror bei der italienischen Bank Credito Artigiano 23 Millionen Euro auf einem Konto ein, das von der Vatikanbank genutzt wurde und ermittelt gegen Tedeschi. Der trat zurück und wurde nun durch den Malteser-Ritter von Freyberg ersetzt. Zeitweise konnte man im Vatikanstaat Kreditkarten nicht benutzen, weil die italienische Zentralbank dies aus gutem Grund stoppte.

Das IOR arbeitet heute mit eigenem Vermögen und auf eigene Rechnung im Auftrag des jeweiligen Papstes, der, juristisch gesehen, Alleineigentümer des IOR ist. Bis heute legt das IOR seine Bilanzen nicht offen.