Montag, 11. März 2013

Südtirol - neueste Zielscheibe der 'Ndrangheta

Laut Oberstaatsanwalt Rispoli ist seit neuestem Südtirol eine lukrative Zielscheibe der 'Ndangheta. Im Bericht der Antimafia-Kommission im italienischen Parlament taucht zum ersten mal auch der Name von Südtirol im Kampf gegen das organisierte Verbrechen auf. Wie die Tageszeitung Alto Adige berichtet, gilt die Provinz als Erweiterungsgebiet einer möglichen Infiltration vonseiten der `Ndrangheta.

Der ehemalige Senator von Italien der Werte Luigi Li Gotti erklärte, dass sich das Phänomen der organisierten Kriminalität vom Süden nun auch in die Mitte und in den Norden des Landes ausbreite.

Betroffen sei unter anderem auch die Emilia Romagna, vor allem im Bausektor, während in Ligurien kriminelle Organisationen im Bereich des Glückspiels Fuß fassen würden. Auch das Aostatal sei kein unberührter Fleck mehr, während es in Bozen Infiltrierungsversuche der `Ndrangheta-Clans der Muto und der Chirillo gebe.

Li Gotti spricht wörtlich von „Kontamination“. Der Senator, der von Beruf gelernter Anwalt ist, weiß, wovon er spricht. Unter seinen Mandanten befindet sich eine Reihe von sogenannten „Pentiti“, also von ehemaligen Mitgliedern des organsierten Verbrechens, die bereit sind, mit der Justiz zusammen zu arbeiten.

Li Gotti bezieht sich vor allem auf das Jahr 2011, als die Ordnungskräfte mehrere Untersuchungen im ganzen Staatsagebiet abgeschlossen hatten. Besonders für Aufsehen sorge die Operation „Overloading“, in deren Rahmen über 70 Personen in der Provinz Bozen, in der Emilia Romagna und in Kalabrien verhaftet worden waren. Außerdem wurde ein Vermögen von mehr als 200 Millionen Euro beschlagnahmt.



Oberstaatsanwalt Guido Rispoli


Die mächtigen Familien der Muto und der Chirillo galten damals in der Provinz Cosenza als äußerst gefährlich- sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch, was den Besitz an Waffen anbelangt. Vor allem erstere konzentrierte sich auf den Drogenhandel.

Die Operation wurde am Anfang des Jahres 2011 in die Wege geleitet und wurde von der Bezirksdirektion der Antimafia-Polizei von Catanzaro koordiniert. In Bozen arbeitete man mit der Finanzpolizei zusammen.

Im Mittelpunkt stand der internationale Handel mit Kokain. Die Drogen kamen von Venezuela über Spanien nach Europa und wurden mithilfe von Kurieren über Direktflüge nach Rom gebracht. Anschließend wurde die Ware verteilt und über den Brenner nach Norden exportiert.

Um sichere Kanäle über die Staatsgrenze ausfindig zu machen, soll die `Ndrangheta auch Vertrauenspersonen in Bozen genutzt haben. Ein Anteil des Kokains wurde direkt vor Ort vertickert.

Im Rahmen der Operation „Overloading“ konnte die Organisation allerdings enttarnt werden, bevor sie weiter Fuß fassen konnte. Li Gotti erklärt, dass er im Bericht Bozen als Beispiel erwähnt habe, um zu zeigen, um die Auswüchse des Phänomens zu verdeutlichen.

Seit 2012 wurden in Südtirol weitere Untersuchungen durchgeführt. Allerdings konnten geringe Machtzuwächse festgestellt werden.

Auch Regierungskommissar Valerio Valenti erklärt, dass bislang keine Mafia-Clans in Südtirol wirklich Fuß fassen konnten. Trotzdem gelte es, weiterhin höchste Wachsamkeit walten zu lassen. Vor allem in Zeiten der Wirtschaftskrise würden die Geschäfte der organisierten Kriminalität aufblühen.

Laut Valenti wecke Südtirol den Appetit der Clans, weil sich die Provinz an einer strategisch günstigen Position zwischen Norden und Süden befindet und weil es viele unternehmerische Initiativen gibt.