Freitag, 8. März 2013

Interne Finanzaufsicht ermittelt im Vatikan wegen Geldwäsche-Verdachts

Vatikan-Bank

Unter der Kunden ist zum Beispiel ein Rechtsanwalt der Mafia, der Seligsprechungen für 40.000 Euro anbietet: Interne Aufseher ermitteln einem Medienbericht zufolge wegen des Verdachts der Geldwäsche gegen die Vatikanbank. Es ist nicht das erste Mal, dass das Geldhaus in eine Affäre verwickelt ist.




Im Vatikan gibt es derzeit ein Machtvakuum. Benedikts Nachfolger ist noch nicht gewählt, in den kommenden Tagen soll das Konklave zusammentreten, um den neuen Papst zu wählen. Eine Gruppe von Missbrauchsopfern hat zuvor eine schwarze Liste von Kardinalen veröffentlicht, die Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche vertuscht haben sollen.

Als wäre all das nicht schon Skandal genug, gibt es jetzt auch noch Probleme bei der Bank des Vatikan. Wie die ANSA unter Berufung auf Kreise im Vatikanischen Staatssekretariat berichtet, ermittelt die vatikanische Finanzaufsicht (AIF) in sechs Fällen wegen des Verdachts der Geldwäsche.

Die Vatikanbank hat ungefähr 20.000 Kunden, meist Angestellte des Vatikans, Ordensgemeinschaften oder religiöse Vereinigungen. Wie es in dem Bericht heißt, stuften die Ermittler etwa 1000 von ihnen als "höchst problematisch" ein. Darunter sei beispielsweise ein Rechtsanwalt der Mafia, der Seligsprechungen für 40.000 Euro anbietet. Wer da seelig gesprochen wird, liegt auf der Hand!

Die Vatikanbank, die mit offiziellem Namen "Institut für religiöse Werke" IOR heißt, ist seit vielen Jahren in Affären verwickelt. Sie soll unter anderem Gelder der italienischen Mafia gewaschen haben. Außerdem gelten die Kontrollen der Geldflüsse als unzureichend. So sollen dubiose Geschäftsleute in der Vergangenheit häufiger die Bank genutzt haben - mit Hilfe religiöser Würdenträger, die als Strohmänner fungierten. 

Der zwischenzeitliche Chef der Bank, Ettore Gotti Tedeschi, der eigentlich gründlich aufräumen sollte, wurde im Mai entlassen - offenbar auf Druck vatikanischer Würdenträger, denen sein Engagement zu weit ging. Im Sommer bescheinigte der Europarat dem Institut anhaltende Defizite im Kampf gegen Geldwäsche.

Seit Mitte Februar hat die Bank einen neuen Chef, den 54 Jahre alten deutschen Finanzexperten Ernst von Freyberg, den der zurückgetretene Papst als eine seine letzten Amtshandlungen eingesetzt hatte. Von Freyberg wird sich jetzt mit der Aufarbeitung der Affäre beschäftigen müssen.