Sonntag, 8. April 2018

Der Pate aus Stuttgart gefasst


Über 25 Jahre lang war es dem Pizzeria-Wirt aus Stuttgart gelungen, durch die Maschen von italienischen und deutschen Fahndern, Ermittlungen und Justizprozessen zu schlüpfen. Mario L. soll Handlanger und Statthalter einer mächtigen Mafia-Familie aus Kalabrien, des Farao-Marincola-Clans, sein und für sie, völlig unbehindert, illegale Geschäfte in Deutschland geführt haben.



War ihm das gelungen, weil er Vermögen besaß und Freundschaften in Politik und Wirtschaft pflegte? Schon in den 90er-Jahren speisten baden-württembergische Politiker in der Pizzeria von „Mariuzzo“, darunter der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag und heutige EU-Kommissar, Günther Oettinger. Am Dienstag führte die Polizei außer in Baden-Württemberg auch Razzien in Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen durch.

Politische Macht ist für die Mafia in Italien alles. Noch während Mario L. abgeführt wurde, legten italienische Carabinieri nicht nur zwölf Komplizen Handschellen an – auch sie mutmaßliche Angehörige und Handlanger der mächtigen ’Ndrangheta-Familie –, sondern auch Lokalpolitikern in Kalabrien. Unter ihnen ist der Präsident der Provinz Crotone. Gegen 158 weitere Verdächtige wurden Haftbefehle in ganz Italien vollstreckt. Ziel der „Operation Stige“ der italienischen Antimafia-Staatsanwaltschaft und der Carabinieri war ein Schlag gegen das Wirtschaftssystem der Farao-Marincola-Familie. Sie ist tonangebend in der kalabrischen Mafia, ein „Clan der Serie A“, wie es der ermittelnde Staatsanwalt Nicola Gratteri nannte.
(siehe auch Mafia-Clans – hier im Blog)

Die Vorwürfe lauten Erpressung, Korruption, Geldwäsche und illegale Geschäfte. Aktiv ist der Clan im Lebensmittel- und Weinhandel, in der Müllentsorgung und in Beerdigungsunternehmen – Sektoren, die zu den einträglichsten Wirtschaftszweigen der Region Kalabrien gehören. 50 Millionen Euro Vermögenswerte wurden bei der Razzia beschlagnahmt. In Deutschland ging es vor allem um Wein: Lokale Wirte und Händler wurden gezwungen, Produkte zu kaufen, die der Farao-Marincola-Clan nach Deutschland exportierte.

„Tochterorganisationen“ in Stuttgart, Frankfurt, München und Wiesbaden organisierten das Geschäft, nach den Erkenntnissen der Ermittler mit denselben hierarchischen Strukturen und kriminellen Methoden des Mutter-Clans. Auch Mario L. soll für den Farao-Marincola-Clan jahrelang diese Geschäfte gelenkt haben. Dabei war er der deutschen Öffentlichkeit längst bekannt. In den 90er-Jahren brüstete L. sich gern damit, dass er mit dem damaligen CDU-Fraktionschef und späteren Ministerpräsident Oettinger befreundet sei. Mario L. hatte der Landes-CDU damals Spenden in Höhe von mehreren Tausend Mark zukommen lassen, in seinem Lokal richtete er „kalabrische Abende“ für die Fraktion aus.

Man konnte Oettinger häufig in L.s Restaurant antreffen. Der damalige Justizminister Baden-Württembergs, Thomas Schäuble (CDU), warnte Oettinger 1992 unter vier Augen, dass sein Name im Zusammenhang mit abgehörten Telefonaten aus der Pizzeria mehrfach aufgetaucht sei. Auch Innenminister Frieder Birzele (SPD) unterrichtete Oettinger im Oktober desselben Jahres, dass Mario L. im Verdacht stehe, mit einer Mafia-Organisation zusammenzuarbeiten.


Prozess aus Mangel an Beweisen eingestellt

In einem Vermerk der Staatsanwaltschaft Stuttgart von 1994 stand L. als mutmaßliches Clanmitglied unter dem „dringenden Verdacht, Organisator von Rauschgift- und Waffentransporten im Großraum Stuttgart“ zu sein und mehrere Millionen Mark in schweizerische und italienische Immobilien und Wertpapiere investiert zu haben.

Ein Untersuchungsausschuss prüfte, ob Oettinger sich des Geheimnisbruchs schuldig gemacht und die Ermittlungen behindert habe. Doch der Verdacht gegen Oettinger lief ins Leere. Die italienische Justiz eröffnete in den 90er-Jahren einen Prozess gegen Mario L., aber 1999 wurde der mangels Beweisen freigesprochen.
Die „Operation Stige“ (italienisch für Styx, den Unterweltfluss der griechischen Mythologie) ist ein wichtiger Meilenstein im Kampf der italienischen Ermittler gegen die Expansion der ’Ndrangheta aus Kalabrien, die heute weltweit operiert und zu den gefährlichsten und mächtigsten kriminellen Organisationen der Welt aufgestiegen ist. Sie macht einen Jahresumsatz von schätzungsweise 150 Milliarden Euro – mit Drogen- und Waffenhandel sowie Geldwäsche, aber auch mit Investitionen in legale Unternehmen. Mit ihrer finanziellen Kraft kauft sie sich in die Politik ein.

Ermittler warnt vor langem Arm der Mafia

„Operation Stige“ ist dafür exemplarisch. Staatsanwalt Gratteri, der das kriminelle Potenzial der ‘Ndrangheta wahrscheinlich besser kennt als irgendein anderer, ist ständig in Europa, den USA und Kanada unterwegs. Um zu ermitteln und um seine Arbeit mit anderen Fahndern zu koordinieren. Er rät seit vielen Jahren, die Gefahr auch in Deutschland nicht zu unterschätzen. Am Dienstag warnte Gratteri vor allem vor der Infiltration der Politik durch Mafia-Familien.

„Wir wissen, dass die Kriminellen die Politiker heute nicht mehr erpressen müssen, um Einfluss in der Politik zu gewinnen“, sagte er am Dienstag auf einer Pressekonferenz über die aktuellen Razzien. „Die Politiker wenden sich an die Clans, um bei Wahlen deren Unterstützung und Stimmenpakete der Wähler zu erhalten. Sie gestatten der Mafia mitzuregieren, ihre Leute direkt auf politische Posten und in die öffentliche Verwaltung zu setzen“, so Gratteri.

Er weiß, dass gerade die `Ndrangheta – im Gegensatz zur sizilianischen Cosa Nostra und der neapolitanischen Camorra – international Respekt und Ansehen bei kriminellen Organisationen, Drogen- und Waffenhändlern genießt, weil sie streng hierarchisch organisiert ist und es kaum Überläufer und Kronzeugen gibt. Ihre Hauptquartiere liegen nach wie vor in kalabrischen Dörfern, hoch in den Bergen und von der Außenwelt abgeschnitten, häufig komplett von den Clans regiert.
So lag die Zentrale des Strangio-Clans im kleinen San Luca, in dem kleinen Ort Ciro das Hauptquartier der mit ihr alliierten Farao-Marincola-Familie. Gratteri weiß, wie das Leben in diesen Dörfern funktioniert: Er stammt aus dem kleinen Bergdorf Gerace in dieser Gegend.



Mittwoch, 14. März 2018

Mafiosi aus dem Umfeld des Paten Matteo Denaro verhaftet


Italienische Ermittler haben zwölf Verdächtige aus dem Umfeld des seit einem Vierteljahrhundert flüchtigen Mafia-Paten Matteo Messina Denaro verhaftet. Sie stehen im Verdacht, den mutmaßlichen Chef der sizilianischen Cosa Nostra finanziell unterstützt zu haben, erklärte die Polizei am Dienstag. Demnach stammten die Verhafteten aus Mafia-Familien der beiden im Westen der Insel gelegenen Orte Vita und Salemi.

Matteo Denaro

Am Dienstag wurde der Unternehmer Vito Nicastri in Sizilien verhaftet. Er steht im Verdacht, Messina Denaro zur Flucht verholfen und ihn finanziell unterstützt zu haben. Insgesamt wurden zwölf Personen in Haft genommen. 

Matteo Messina Denaro altert nicht. Seine Haare sind noch genauso voll wie vor 20 Jahren, das Gesicht zeichnet keine Falte mehr, die Brille trug er schon immer. Matteo Messina Denaro, 55 sieht im kollektiven Gedächtnis Italiens noch genauso aus wie irgendwann Anfang der 90er. Aus dieser Zeit stammen die letzten Fotos, die ihn zeigen. Seitdem nichts mehr. Kein Bild, kein Wort, keine Spur. 1993 tauchte Denaro unter. Und er tauchte nie wieder auf.

Messina Denaro trägt viele Namen. Einige nennen ihn "Rolex", weil er neben schönen Frauen und schnellen Autos auch teure Uhren liebt. Andere nennen ihn "Diabolik", von "diavolo", Teufel, als Hommage an seine blutige Geschichte. Denaro, der Killer, der Drahtzieher, der angeblich ganz große Boss der sizilianischen Mafia "Cosa Nostra". "Mit meinen Opfern", soll Denaro einmal geprahlt haben, "lässt sich ein Friedhof füllen." Seinen ersten Mord soll er im zarten Alter von 18 Jahren begangen haben, mittlerweile werden ihm über 50 angelastet. Deshalb trägt Denaro noch einen weiteren Namen: "capo dei capi", Boss der Bosse.

Aktuell gilt Matteo Messina Denaro als einer der meistgesuchten Schwerverbrecher der Welt, extrem gefährlich. Wie "Il Corriere della Sera" berichtet, gab der italienische Staat bisher Abermillionen Euro aus, um Denaro zu finden und dingfest zu machen. Rund 200 Beamte von Polizei und Carabinieri arbeiten an dem Fall, die Ermittlungen werden von der Staatsanwaltschaft von Palermo und Caltanissetta geleitet. Die Ermittler sind abgeschirmt, Informationsaustausch findet nur auf höchster Ebene statt, zu groß ist die Angst, ein Maulwurf könnte sich einnisten und die Ermittlungen zunichte zu machen.


PhantomSecure verhökert abhörsichere Smartphones an Mafia


Weil seine Firma neben Regierungsstellen und Behörden auch Bosse der Mafia und von Drogenkartellen mit abhörsicheren Smartphones ausgestattet haben soll, wurde der Chef von Phantom Secure jetzt in den USA verhaftet.


Der Markt für speziell gegen Spionage abgesicherte Smartphones ist äußerst überschaubar und ein guter Leumund bei Regierungen und öffentlichen Einrichtungen ein fast ebenso wichtiger Erfolgsfaktor wie das entsprechende technische Knowhow. Umso erstaunlicher scheint deshalb die Nachricht, dass nun ausgerechnet der Gründer und Chef des angesehenen Anbieters Phantom Secure, Vincent Ramos, von der US-Bundespolizei FBI verhaftet wurde.

Laut Berichten amerikanischer Medien ist er auf der Suche nach neuen zahlungskräftigen Kunden offenbar den finanziellen Verlockungen der Unterwelt erlegen und hat seine Geräte auch zu Tausenden bewusst an diverse kriminelle Organisationen von Rockergruppen über Mafiaclans bis hin zu Drogenkartellen verkauft. Das FBI wirft Ramos deshalb unter anderem Beihilfe zum Drogenhandel vor.

Phantom Secure ist nicht der erste Anbieter solcher Hochsicherheits-Mobiltelefone, der in den Verdacht geraten ist, auch kriminelle Organisationen zu beliefern. In Europa wurden etwa in den letzten zwei Jahren die Büros der beiden niederländischen Anbieter Ennetcom und PGP Sure wegen entsprechender Vorwürfe durchsucht und dabei auch mehrere Mitarbeiter verhaftet.

Mittwoch, 7. März 2018

Ehrenwerter Mafioso in Erfurt verklagt TV-Sender


Von Journalisten und Polizeibehörden wurde im Rahmen der Fernsehsendung „Mafiosi unter uns“ ein Erfurter Gastronom enttarnt. Die Sendung wurde im November 2015 im MDR ausgestrahlt und auch auf YouTube angeschaut werden. Nun ja, es ist kein Geheimnis, dass im Ristorante Roma häufiger Gäste verkehren, die aus Kalabrien kommend, endlich einmal in Erfurt gut essen gehen wollen.



In einem Fernsehbeitrag des MDR wird der Italiener der Mafia-Mitgliedschaft verdächtigt. Bei der Polizei übrigens auch. Wer Besitzer und Lokal kennt, kann ihn im Beitrag identifizieren. Für diese Bloßstellung forderte der Restaurant-Betreiber eine Geldentschädigung wegen Verletzung seines Persönlichkeitsrechts. Bislang erfolglos. Im Fokus des Berichts stand die ’Ndrangheta, die ihren Ursprung in Kalabrien hat und seit Mitte der 1990er Jahre als mächtigste Mafia-Organisation Europas gilt. Wichtigste Einnahmequellen sind der Drogenhandel und die illegale Müllentsorgung.

Deutschland wird vor allem dazu genutzt, die Millionen von Einnahmen sauber zu waschen, bevorzugt über hochpreisige italienische Restaurants. Nach den Ermittlungen von Polizeibehörden und Journalisten spielt die Stadt Erfurt eine maßgebliche Rolle in den Geldwäsche-Aktivitäten der ’Ndrangheta. Alle Wetter. So neu ist das auch wieder nicht, zumindest nicht für die Sondereinheit der Antimafiasektion der Carabinieri in Italien.


 Im TV-Beitrag berichteten die Journalisten anonymisiert über einen bestimmten Gastronomen, der Mitglied der Mafia sein soll. Das Bildmaterial lässt relativ einfach Rückschlüsse auf das Restaurant und seinen Besitzer zu, wenn man sich in Erfurt auskennt oder für die Sache interessiert. Diese Publizität passte dem enttarnten Gaststätten-Inhaber überhaupt nicht. Er sah sich durch die MDR-Sendung verunglimpft und in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt. Das Dumme an der Geschichte: Die Richter wiesen die Klage des Gastronomen zurück. Mein Rat? Einige Journalisten sollten öfter einmal hinter sich schauen, wenn sie essen gehen.

Samstag, 3. März 2018

Mafia-Boss in Saarbrücken festgenommen

Er war der Vizechef der süditalienischen Mafia. Jetzt wurde er in Deutschland festgenommen. Spezialeinheiten der Polizei und verdeckt arbeitende Carabinieri überwältigten den Mann in der Saarbrücker Innenstadt.




Ein international gesuchter Mafia-Boss ist am Freitagnachmittag in der Innenstadt von Saarbrücken festgenommen worden. Wie das Landespolizeipräsidium mitteilte, wurde der 31-jährige mutmaßliche Vizechef eines süditalienischen N'drangheta-Clans von Spezialeinheiten der Polizei in der Nähe der Fußgängerzone im Zentrum der saarländischen Landeshauptstadt überwältigt. Er sollte demnach noch am Abend einem Haftrichter vorgeführt werden, der dann auch über seine Auslieferung an Italien entscheide.

Der Mafia-Boss wurde demnach seit 2013 mit einem von den italienischen Behörden ausgestellten europäischen Haftbefehl gesucht. Ihm werde Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Erpressung und Rauschgiftkriminalität vorgeworfen. Bei seiner Festnahme gegen 15 Uhr sei er in Begleitung einer 31-jährigen Frau gewesen. Bei dem Einsatz arbeiteten Beamte der Polizeien des Saarlandes sowie von Rheinland-Pfalz und Carabinieri aus Catania zusammen.

Freitag, 2. März 2018

Die ’Ndrangheta mitten im slowakischen Politik-Filz


Die «italienische Spur» im Mordfall Kuciak weist auf heikle Kontakte zwischen Politik und organisiertem Verbrechen. Zu klären bleibt, wie stark die ’Ndrangheta die Slowakei bereits unterwandert hat.



Ins Zwielicht geraten waren Troskova und Jasan wegen ihrer Verbindungen zu Antonino Vadala. Er solleinem der einflussreichsten Clans der Ndrangheta angehören. Dieser soll laut der italienischen Polizei für mindestens 25 Morde verantwortlich sein und einen Teil des Kokainhandels kontrollieren. Der Italiener floh 2003 vor einem Gerichtsverfahren in die Slowakei; er hatte einem Auftragsmörder Unterschlupf gewährt. Mit viel Geld ausgestattet, kaufte Vadala im ostslowakischen Bezirk Trebisov Land und etablierte sich als Unternehmer im Immobilien- und Energiegeschäft. Obwohl er bisher nicht der Geldwäsche überführt wurde, passt die Übersiedelung in die Strategie der ’Ndrangheta, ihr Geld im Ausland zu waschen.

Politisch relevant ist die Geschichte deshalb, weil Vadala nicht nur Wahlwerbung für die Regierungspartei Smer machte, sondern auch mit Troskova und Jasan Firmen besaß. Damit hätten zwei Personen mit Mafiakontakten regelmäßig Zugang zu Ministerpräsident Fico gehabt, schreibt Kuciak. Über den Sicherheitsrat hatte Jasan zudem Kenntnis von Staatsgeheimnissen. Fico wählte ihn und Troskova persönlich für ihre Posten aus – wobei der Aufgabenbereich von Letzterer nie spezifiziert wurde. Die Kontakte der beiden werfen auch ein schiefes Licht auf Fico, auch wenn ihm selbst keine dubiosen Geschäftsbeziehungen vorgeworfen werden.

Offen bleibt, wie stark die italienische Mafia die Slowakei unterwandert hat. Auffällig ist die starke Stellung der ’Ndrangheta in der Landwirtschaft. Mafiosi kassieren dafür laut dem Nachrichtenportal Aktuality Subventionen in Millionenhöhe, auch von der EU. Die Kommission hat angekündigt, diese Zahlungen zu prüfen. Sie sind aber nur dann missbräuchlich, wenn die Landbesitzer die Größe ihrer bewirtschafteten Fläche übertreiben, um mehr Geld zu erhalten, wie dies teilweise geschah. Die Frage, ob Mafiagelder über Investitionen in slowakischen Grund und Boden gewaschen wurden, müssten die nationalen Behörden prüfen.



Donnerstag, 1. März 2018

Journalist Ján Kuciak von `Ndrangheta hingerichtet


Mitglieder des italienischen Mafiaclans ’Ndrangheta haben sich in der Slowakei ausgebreitet. Von den Mächtigen werden sie geschützt.


Ján Kuciak hat seine Recherchen nicht mehr zu Ende führen können. Am 25. Februar wurde der Reporter des slowakischen Nachrichtenportals aktuality.sk mit seiner Verlobten Martina Kusnirova in ihrem Haus im Dorf Velka Maca erschossen. Kuciaks letzte Recherche drehte sich um mögliche Verbindungen der kalabrischen Mafia ‘Ndrangheta bis in die höchsten Sphären der slowakischen Politik.

Kuciak hatte herausgefunden, dass eine enge Beraterin des slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico, Maria Troskova, und der Chef des nationalen slowakischen Sicherheitsrates, Viliam Jasan, Verbindungen zu einem dubiosen kalabrischen Geschäftsmann namens Antonino Vadala unterhielten. Fico könnte diese Verbindung noch in erhebliche Bedrängnis bringen. Am Mittwoch trat der slowakische Kulturminister als Reaktion auf den Mord an dem Journalisten zurück.

Der Italiener Vadala lebt seit Jahren in der Slowakei und ist dort an einer Vielzahl von obskuren Unternehmungen involviert, von landwirtschaftlichen Betrieben bis zu Biogasanlagen. Zahlreiche Indizien deuten darauf hin, dass Vadala in Verbindung mit der ‘Ndrangheta steht, immer wieder wurden in seine Unternehmen Gelder aus dunklen italienischen Quellen investiert.

Antonio Vadala - Mitglied der `Ndrangheta

In diversen Gerichtsverfahren musste sich Vadala in den vergangenen Jahren unter anderem wegen illegalen Waffenbesitzes oder des Verdachts auf betrügerische Spekulation und Mehrwertsteuerbetrug verantworten. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass seine Firmen an Agrar-Subventionsbetrug und Geldwäsche beteiligt waren. Den Beweis dafür konnte Ján Kuciak nicht mehr führen. Wir dokumentieren den Stand seiner Recherchen anhand seines letzten, unfertigen Textes, der sich auf seinem Computer befand.



Samstag, 24. Februar 2018

Paten der deutschen Provinz


In Erfurt soll die 'Ndrangheta Restaurants betreiben, das vermutet auch die italienische Antimafiabehörde. Die Behörden in Thüringen aber sehen keinen Anfangsverdacht.



Die Michaelisstraße in Erfurt ist das, was man als gute Adresse bezeichnet. Manche nennen sie sogar die steinerne Chronik der Stadt. Ein mittelalterliches Gebäude reiht sich an das nächste, vom vormaligen Hauptgebäude einer der ältesten deutschen Universitäten bis hin zur Michaeliskirche ist alles saniert. Der Benediktsplatz und die Krämerbrücke grenzen an, auch der Fischmarkt mit seinen alten Gildehäusern ist nah. Hier ist die thüringische Landeshauptstadt, die auch sonst sehr vorzeigbar ist, besonders hübsch.

Am Abend des 11. Oktober saßen Einheimische und Touristen vor den Cafés der Michaelisstraße. Es war ungewöhnlich lau, die Innenstadt voller Menschen. Sie aßen Eis oder genossen einen letzten Aperol vor dem Winter. Plötzlich fiel ein Schuss. Menschen schrien, Stühle flogen. In einem Lokal am Ende der Straße gingen etwa 20 Männer aufeinander los. So berichteten es später Zeugen. Nach wenigen Minuten war alles vorbei. Die herbeigerufene Polizei traf keinen der Angreifer mehr an. Sogar eines der Opfer war geflohen. Der Rest der Beteiligten schweigt, bis heute.   

Die Polizei führte Razzien und Durchsuchungen in Erfurt, Weimar und Suhl durch, auch in Zwickau und Berlin. Gefunden wurden Schusswaffen, Elektroschocker, Schlagstöcke und fast 30.000 Euro Bargeld. 15 Tatverdächtige ermittelten die Beamten, darunter mehrere Russen, ein Serbe, aber auch Männer mit deutschem Pass. Fünf kamen in Untersuchungshaft.   

Einige Monate später, an einem schmuddeligen Wintertag, sitzt Peter Hehne an einem großen Besprechungstisch im Thüringer Landeskriminalamt. Die Polizeibehörde befindet sich an einer Ausfallstraße im Süden Erfurts, in einem großen, gut bewachten Gebäudekomplex. "Von Mafia rede ich nicht so gerne", sagt er. Wenn, dann gehe es um organisierte Kriminalität, kurz OK. 


Jeder kann es sehen

Neben Hehne sitzt LKA-Präsident Frank-Michael Schwarz. Er war den größten Teil seines beruflichen Lebens Staatsanwalt und lässt lieber seinen Abteilungsleiter reden. Ab und an sagt er in ausgesucht freundlichem Ton Sätze wie: "Wir müssen uns streng an die Strafprozessordnung halten." Das soll wohl heißen: Wir würden ja gerne mehr tun. Aber leider.

Hehne ist als Abteilungsleiter für das OK-Dezernat 62 zuständig. Der Beamte schiebt seine Brille auf der Nase nach oben und referiert: 20 Dienstposten stünden für die OK zur Verfügung, 16 seien mit realexistierenden Beamten besetzt. "Und die", sagt er, "haben alle allein mit dem, was sich aus dem Hellfeld an Ermittlungen aufdrängt, gut zu tun."

Der Begriff Hellfeld ist bitter wörtlich zu nehmen. Es bezeichnet jenen Bereich der organisierten Kriminalität, der für die Strafverfolger sichtbar ist. Was die Polizei in Erfurt sieht, kann aber praktisch auch jeder andere sehen. 

In dieser übersichtlichen Stadt, die mit den vielen eingemeindeten Dörfern gerade mal gut 210.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählt, kämpfen kriminelle Banden erstaunlich offen im öffentlichen Raum. Bereits im Sommer 2014 kam es zu einer Schießerei vor einem Spielpalast. Dabei wurden zwei Männer schwer verletzt. Es gab zwar einen Prozess und einige Verurteilungen, doch wer da genau gegen wen kämpfte, wissen die Ermittler bis heute nicht.


"Die Leute sind so dreist"

Später brannte der Wagen eines mutmaßlichen Mafiamitglieds aus, postwendend traf es ein Auto der Konkurrenz, wobei es sich beide Male um Fahrzeuge der obersten Preisklasse handelte. Es wurde ein Brandanschlag auf ein Restaurant in der Innenstadt verübt. Bei einer Auseinandersetzung in einem Bordell wurde einem Mann eine Mistgabel in den Bauch gerammt. Und als im vergangenen Jahr der Boxer Arthur Abraham in der Erfurter Messehalle zum Kampf antrat, kam es in aller Öffentlichkeit zu einer Massenschlägerei. Dabei waren zum Teil dieselben Männer beteiligt wie bei der Schießerei vor dem Spielpalast.  

"Wir haben es in Erfurt mit gefährlichen Mitgliedern der Mafia zu tun", sagt Ermittler Hehne. "Diese Leute sind so dreist, in der Öffentlichkeit herumzuschießen und sich zu prügeln." Die Erfurter Polizei ist vollauf beschäftigt mit dem Hellfeld.

Doch was ist mit dem Dunkelfeld? Was ist mit den Behauptungen von Buchautorinnen und -autoren wie Claudio Mancini, Petra Reski und Jürgen Roth, dass sich die italienische Mafia seit den frühen 1990er-Jahren in Mitteldeutschland – und hier vor allem in Erfurt – eingenistet hat? Und was ist mit den italienischen Antimafiabehörden, die in der Stadt eine gut organisierte Dependance der kalabrischen Mafia vermuten? Die Justizbehörden schweigen sich darüber aus.  

Montag, 12. Februar 2018

Sizilien: „König“ der illegalen Wetten verhaftet


Bei einer Razzia gegen die Mafia auf Sizilien sind am Donnerstag 31 Personen festgenommen worden. Zu ihnen zähle auch ein Unternehmer, der als italienischer "König" der illegalen Wetten gilt, teilte die Polizei mit.



Mithilfe der Mafia soll der Geschäftsmann ein Netz aus über 700 illegalen Wettstellen in ganz Italien aufgebaut haben, die ihm Millionen bescherten. Dank mafiöser Unterstützung avancierte er laut den Ermittlern zum Monopolisten im Bereich der illegalen Wetten. Teile seiner Einnahmen flossen den Mafia-Clans zu. Dem Unternehmer werden Mafia-Zugehörigkeit, Geldwäsche, Betrug auf Kosten des Staates und Drogenhandel vorgeworfen, berichteten die Ermittler.

Hinter Gittern landeten auch einige enge Mitarbeiter des Mannes. Beschuldigt wurde er von abtrünnigen Mafiosi, die sich zur Zusammenarbeit mit der Justiz entschlossen hatten. "Game over" - so lautet der Name der komplexen Untersuchung der Staatsanwaltschaft von Palermo. Illegale Wetten seien in den vergangenen Jahren für Cosa-Nostra-Clans immer rentabler geworden. Sie hätten sich als ein einfacher Weg zur Geldwäsche etabliert, berichteten die Ermittler.

Justiz rüstet gegen Clan-Mafia in Duisburg auf


"Wir haben es in Duisburg mit 70 relevanten Familien mit mehr als 2.800 Personen zu tun“, erklärte Justizminister in NRW. Diese sollen mit dem Modell "Staatsanwälte vor Ort" besser überwacht werden.


 Mit dem Modell „Staatsanwälte vor Ort“ will die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen in Zukunft den kriminellen Machenschaften der 70 Clans auf den Leib rücken. Zuerst wird das Projekt in Duisburg starten und später auf andere Städte ausgeweitet werden.

Um eine Verbesserung der Datensammlung zu gewährleisten, will Justizminister Biesenbach (CDU), im Norden Duisburgs, zusätzlich zwei Vor-Ort-Staatsanwälte abstellen. Sie sind dazu beauftragt, Informationen über das Milieu der Familienclans zu sammeln, zu bündeln und einen besseren Informationstransfer, zu gewährleisten. Somit kann eine Strafverfolgung schneller erfolgen. Es ist bisher zu wenig über die Aktionen der Clan-Mafia bekannt, sodass es schon vorkam, dass Clanmitglieder mit einem Mercedes der S-Klasse beim Amt vorfuhren, um Hartz IV-Leistungen zu beantragen. Und besonders die männlichen Clanmitglieder seien in Straftaten wie Körperverletzung, Raub, Schutzgelderpressung und Drogenkriminalität, verwickelt.

Direkt im Brennpunkt, im Stadtteil Hamborn sollen die Vor-Ort-Staatsanwälte ihren Sitz bekommen. „Wir haben es in Duisburg mit 70 relevanten kurdisch-, türkisch- und arabischstämmigen Familien mit mehr als 2.800 Personen zu tun“, begründete Peter Biesenbach gegenüber der „Rheinischen Post“ die Dringlichkeit eines solchen Projektes. Es geht auch darum, Einnahmen aus kriminellen Machenschaften einzuziehen. Allein in NRW sollen in 2017 bereits 192 Millionen Euro, durch die Beschlagnahme illegalen Vermögens eingenommen worden sein, teilte Biesenbach der RP mit.

Wie die Sprecherin der Duisburger Staatsanwaltschaft, Anna Christiana Weiler der „NRZ“ mitteilte, reagierte die Staatsanwaltschaft Duisburg erfreut auf die Ankündigung des Justizministers. Das neue Konzept für die Vor-Ort-Staatsanwälte sei in Duisburg erarbeitet worden, um die Zusammenarbeit von Polizei, Zoll, Steuerfahndung, Job-Center und Ordnungsamt im Kampf gegen kriminelle Clan-Strukturen weiter zu verbessern.

Bereits im Jahr 2015 soll der damalige nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) im Kampf gegen die Familienclans in NRW, eine bessere Ausstattung der Polizei versprochen haben, so berichtet die „Junge Freiheit“. Das Projekt wurde in Berlin- Neukölln bereits erfolgreich getestet. 


Freitag, 2. Februar 2018

BKA zählt fast 600 Mafia-Mitglieder in Deutschland


(siehe auch unter CLANS IN DEUTSCHLAND - Hier im Blog)

Seit 2008 hat sich die Zahl der italienischen Clan-Mitglieder in Deutschland mehr als vervierfacht. Die Polizei warnt vor dem zunehmenden Einfluss der Mafia und ruft Opfer auf, ihr „Schweigen zu brechen“.

Die Zahl der italienischen Mafia-Mitglieder in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht. Das berichtet das Nachrichtenmagazin FOCUS unter Berufung auf das Bundeskriminalamt (BKA). Demnach sind die Polizei bundesweit rund 590 Personen bekannt, die Mafia-Clans angehören. Das sind mehr als vier Mal so viele wie vor zehn Jahren, als die Zahl bei 136 lag.



Die stärkste Mafia-Gruppe in Deutschland ist aktuell die ’Ndrangheta mit 353 Mitgliedern, gefolgt von der Cosa Nostra mit 125 Mitgliedern und der Camorra mit 91 Mitgliedern. Die Dunkelziffer dürfte viel höher sein. Verwaltungen, Ämter und Behörden besonders gefährdet.

Das BKA warnt vor dem zunehmenden Einfluss der Mafia auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Sabine Vogt, Abteilungsleiterin Schwere und Organisierte Kriminalität, sagte dem FOCUS: „Vielen ist gar nicht bewusst, welchen Einfluss, welche Macht die Mafia auch hierzulande hat.“ Die Mafia lasse nichts unversucht, „um in die Gesellschaft einzudringen und die Wirtschaft zu schädigen“.

Vogt sagte dem FOCUS weiter: „Es gibt viele Bereiche, die für die Mafia interessant sind, etwa öffentliche Verwaltungen, Ämter und Behörden. Überall da, wo es um große Projekte, lukrative Aufträge, Zulassungen oder Baugenehmigungen geht, muss man sensibel sein.“ Die Einflussnahme könne auf sehr subtile Art erfolgen. Vogt: „Eine Einladung ins Restaurant, Spenden für den Sportverein, eine Kiste Wein – solche kleinen, harmlos wirkende Freundschaftsdienste haben oft ganz andere Hintergründe.“

Das BKA appelliert an Opfer der Mafia, sich an die deutsche Polizei zu wenden. Sabine Vogt sagte dem Magazin: „Wer einmal in die Hände der Mafia geraten ist, wird sich aus eigener Kraft schwer wieder befreien können. Allerdings muss man einen Schritt nach vorne machen und bereit sein, Strafanzeige bei der Polizei zu stellen. Die Opfer müssen ihr Schweigen brechen. Es ist das Einzige, was sie der Mafia entgegensetzen können.“ Laut Vogt sei der Staat in der Lage, durch spezielle Programme „aussagewillige Mafia-Opfer zu schützen“.


Große Anti-Mafia-Operation auch in Deutschland

Erst Anfang Januar gelang der Polizei ein großer Schlag gegen die kalabrische Mafia in Italien und Deutschland. Bei der Operation „Stige“ wurden etwa 170 mutmaßliche Mitglieder der 'Ndrangheta festgenommen, darunter elf in Deutschland. Die in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen gefassten Männer im Alter von 36 bis 61 Jahren stehen im Verdacht, als Mitglieder einer kriminellen Vereinigung schwere Straftaten wie Erpressung und Geldwäsche begangen zu haben.

Zu den Hintergründen der Aktion erklärte die BKA-Ermittlerin Sabine Vogt im FOCUS: „Im Prinzip ging es um eine Art Schutzgelderpressung auf gehobenem Niveau. Oberflächlich betrachtet wirkte es wie ein legales Geschäft: Der Clan in Kalabrien exportierte Waren nach Deutschland. Wein, Käse, Pizza-Zutaten, Olivenöl, Obst. Die Produkte wurden Gastwirten geliefert, und sie haben diese auch gekauft – aber nicht freiwillig. Sie sind beispielsweise gezwungen worden, für minderwertige Ware überhöhte Preise zu zahlen.“


Zur konkreten Höhe des entstandenen Schadens konnte Vogt keine Angaben machen, weil die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. „Im Moment können wir die Größenordnungen nur erahnen. Insider stellen die Situation dramatisch dar. Nahezu alle italienischen Betriebe der Gastronomie sind Erpressungsopfer. Wenn ein Gastwirt mehrmals im Jahr Lieferungen erhält und jeweils 10.000 Euro zahlen muss, kommt einiges zusammen. Geht man davon aus, dass 80 oder mehr Wirte betroffen waren und die Praxis über Jahre lief, ergibt sich eine erhebliche Summe.“

Donnerstag, 1. Februar 2018

Schlag gegen die Mafia auf Sizilien

Bei einer Razzia gegen die Mafia auf Sizilien sind am Donnerstagvormittag 31 Personen festgenommen worden. Zu ihnen zählt auch der Unternehmer Antonio Benedetto, der als italienischer “König” der illegalen Wetten gilt, teilte die Polizei mit. Mithilfe der Mafia soll der Geschäftsmann ein Netz aus über 700 illegalen Wettstellen in ganz Italien aufgebaut haben, die ihm Millionen bescherten.


 Dank mafiöser Unterstützung avancierte der Mann zum Monopolisten im Bereich der illegalen Wetten. Teile seiner Einnahmen flossen demnach den Mafia-Clans zu. Dem Unternehmer wird Mafia-Zugehörigkeit, Geldwäsche sowie Betrug auf Kosten des Staates und Drogenhandel vorgeworfen, berichteten die Ermittler.

Hinter Gittern landeten auch einige enge Mitarbeiter des Mannes. Beschuldigt wurde er von abtrünnigen Mafiosi, so genannte Pentiti, die sich zur Zusammenarbeit mit der Justiz entschlossen hatten.

“Game over” – so lautet der Name der komplexen Untersuchung der Staatsanwaltschaft von Palermo. Illegale Wetten seien in den vergangenen Jahren für Cosa-Nostra-Clans immer rentabler geworden. Sie hätten sich als ein einfacher Weg zur Geldwäsche etabliert, berichteten die Ermittler.


Freitag, 26. Januar 2018

Falschgeld: Euro-Blüten kommen aus Neapel

Weltweit wurden im Vorjahr rund 694.000 gefälschte Euro-Banknoten aus dem Verkehr gezogen, das ist ein Zuwachs um 1,5 Prozent. Indes sind in Deutschland die aufgegriffenen Fälschungen um 11,9 Prozent und in Österreich sogar um 19,1 Prozent zurückgegangen. Insgesamt wurden 9.892 Euro-Blüten hierzulande beschlagnahmt.


 "Wir wissen, dass zirka 70 Prozent der Euro-Blüten aus dem Großraum Neapel stammen, der Rest kommt vor allem aus Ost- und Südosteuropa", heißt es von Behörden. Das heißt: Die italienische Mafia-Organisation Camorra hat das Falschgeld-Geschäft fest im Griff. Mit einem Anteil von 64,4 Prozent führen gefälschte 50-Euro-Scheine das Ranking an, gefolgt von 20-Euro-Scheinen mit 20,3 Prozent.

"Im Rhythmus von zehn bis zwölf Jahren werden neue Serien ausgegeben, weil sich in einem solchen Zeitraum technisch sehr viel ändert", sagt Hammerschmidt. "Es gibt mittlerweile tolle Kopierer, mit denen man Fälschungen herstellen kann." Um den Fälschern einen Schritt voraus zu sein, werden regelmäßig neue Serien mit neuen Sicherheitsmerkmalen produziert. Vor allem beim "Banknoten-Papier" beißen sich auch gewiefte Fälscher die Zähne aus. Die Banknoten bestehen aus Baumwolle.


Dienstag, 23. Januar 2018

Mafia kassiert auf jeden Flüchtling Schutzgeld / VIDEO

Agrigento – Carabinieri, Polizei und Justiz gelang es nach mehrjährigen Ermittlungen, einen harten Schlag gegen die sizilianische Cosa Nostra auszuführen. Dabei wurde die gesamte kriminelle Organisation der „Bergprovinz“ von Agrigento zerschlagen und zwischen Capi, einfachen Mafiosi und Mafiaunterstützern insgesamt 56 Personen verhaftet.




Den Verhafteten werden unter anderem Erpressung, Wahlbetrug, Drogenhandel und Erschleichung von öffentlichen Aufträgen zur Last gelegt. Besonders der Versuch der Cosa Nostra Geld von Gesellschaften, welche Flüchtlings- und Asylzentren betreiben, zu erpressen, hinterließ bei den Ermittlern tiefen Eindruck. Die Mafia wollte nicht nur einen Gutteil der Gewinne einstreichen, sondern auch von jedem einzelnen aufgenommenen Flüchtling ein „Kopfgeld“ kassieren.

Der dickste Fisch, der bei der von 400 Ordnungskräften durchgeführten, „Gebirge“ genannten Polizeiaktion den Ermittlern ins Netz ging, war Francesco Fragapane. Der 37-Jährige galt innerhalb der Cosa Nostra als „Aufsteiger“ und junger Boss einer „neuen Mafia“, die auf die alten Familien aus Palermo herabblickte. Nur die berühmten Corleonesi wurden von ihnen als gleichrangig angesehen. Im Hinterland von Agrigento schuf sich Fragapane ein „eigenes Reich“, in dem auf vielfache Art und Weise Geld in die Kassen der Cosa Nostra floss.

Dank des Einsatzes der Carabinieri, bei dem auch ein Bürgermeister, dem Verstrickungen mit der Mafia nachgesagt werden, verhaftet wurde, konnte dieses auf Schutzgelderpressung, Drogenhandel und Erschleichung öffentlicher Aufträge gebaute Geschäftsmodell der „ehrenwerten Gesellschaft“ zerschlagen werden. Der Oberstaatsanwalt von Palermo, Francesco Lo Voi, kritisierte aber einmal mehr, dass die Erpressungsopfer – es soll sich um insgesamt 20 Unternehmen handeln – die Täter nicht angezeigt hatten.



Auf der anderen Seite zeigte sich Lo Voi erfreut. „Es blieb beim Versuch, neue Flüchtlingszentren zu errichten. Das Interesse einiger Teile von Cosa Nostra, in einer Sparte Fuß zu fassen, wo zur Errichtung neuer Flüchtlingszentren viele öffentliche Gelder fließen, ist sehr groß und gegenwärtig“, so der Oberstaatsanwalt von Palermo.

Abgehörte Telefongespräche bestätigten den Verdacht. Im Jahr 2014 versuchte Calogerino Giambrone, Boss der Mafiafamilie von Cammarata, vom gemeinnützigen Verein Omnia Academy von Favara, welches ein Zentrum betrieb, das 15 minderjährige Flüchtlinge beherbergte, Schutzgeld einzutreiben. Außerdem verlangte der Capo damals, dass der Verein der Tochter des Bürgermeisters von Cammarata, Vito Mangiapane, der mit der lokalen Mafiafamilie enge Kontakte pflegte, einen Arbeitsplatz verschaffe. Beides misslang, was beim Boss großen Zorn auslöste.

Ein anderer Erpressungsversuch richtete sich gegen die Genossenschaft San Francesco von Agrigento. Die Einrichtung soll aufgrund der guten Verbindungen der Mafia die behördlichen Genehmigungen der Gemeinde erhalten haben und direkt auf dieser Basis geschaffen worden sein. Cosa Nostra wollte in diesem Fall die Hälfte der Arbeitsplätze und 40 Prozent der Einnahmen erhalten sowie für jeden aufgenommenen Flüchtling einen Anteil kassieren. Allerdings schlug auch dieser Versuch, die Hände ins „Flüchtlingsgeschäft“ zu bekommen, fehl.

Den „Kollegen“ von der kalabresischen ’Ndrangheta, zu der die Mafia von Agrigento und Umgebung enge Kontakte unterhielt, war es hingegen sehr wohl gelungen, in das Geschäft mit den Flüchtlingen einzusteigen.

Der Schlag gegen die Mafia war hart. Die Verhaftungen zeigten aber auch, dass Cosa Nostra in Sizilien auch nach dem Tod ihres Capo dei Capi, Salvatore „Totò“ Riina, immer noch sehr aktiv ist, und in allen Geschäftsfeldern, wo Geld zu verdienen ist, ihre Hände mit im Spiel haben will. Siziliens Weg ist noch weit.

Donnerstag, 11. Januar 2018

Mafia-Mitglieder werden nach Italien ausgeliefert

VON KATHARINA ISKANDAR

Die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt prüft die Auslieferung der in Nordhessen festgenommenen Mafia-Mitglieder. Die Männer sollen unter anderem in Frankfurt und Wiesbaden ihr Unwesen getrieben haben.



Nach den Festnahmen von fünf mutmaßlichen Mitgliedern der kalabrischen `Ndrangheta in Nordhessen prüft die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt deren Auslieferung. Ein Sprecher sagte auf Anfrage, ein entsprechendes Ersuchen der italienischen Ermittlungsbehörden liege vor. Wann die Männer nach Italien gebracht würden, sei unklar.

Wie berichtet, wird den Männern vorgeworfen, zum sogenannten Farao-Clan der ’Ndrangheta zu gehören und sich an kriminellen Machenschaften beteiligt zu haben. Die Taten sollen unter anderem in Frankfurt und Wiesbaden verübt worden sein.

Nach Erkenntnissen der italienischen Behörden liefen die Erpressungen immer nach demselben Schema ab: Gastronomen wurden Wein oder andere Produkte geliefert, anschließend wurden sie unter massiven Drohungen gezwungen, diese zu verkaufen.


Mittwoch, 10. Januar 2018

Empfindlicher Schlag gegen `Ndrangheta

In einer Großaktion sind 169 Mitglieder der 'Ndrangheta und mit ihnen verstrickte Geschäftsleute und Lokalpolitiker festgenommen worden. Es ist der schwerste Schlag seit langem gegen die kalabrischen Clans, deren Tentakel bis nach Deutschland reichen.



In der Nacht auf Dienstag haben Spezialeinheiten der Carabinieri bei einem Großeinsatz gegen einen einflussreichen 'Ndrangheta-Clan in verschiedenen Regionen Italiens und auch in Deutschland 169 Personen verhaftet. In den letzten Jahren sind den Sicherheitskräften immer wieder Schläge gegen die kalabresische Mafia gelungen, doch diese Operation übertrifft alle bisherigen bei weitem. Die Untersuchung gegen den Clan der Farao-Marincola aus Cirò Marina hatte Jahre gedauert. Der zuständige Staatsanwalt, Nicola Gratteri, sprach am Dienstag von der größten Operation gegen die 'Ndrangheta der letzten 23 Jahre.

 

Den Bürgermeister gekauft


Unter den Verhafteten befinden sich neben einflussreichen Clan-Mitgliedern und deren Handlangern auch zahlreiche Unternehmer und rund ein Dutzend Lokalpolitiker, die mit der organisierten Kriminalität unter einer Decke gesteckt haben sollen. Auch der Bürgermeister von Cirò Marina wurde verhaftet, der dank seinen engen Beziehungen zur Mafia im letzten Jahr auch zum Präsidenten der Provinz gewählt worden war. Im Gegenzug für die Unterstützung der Mafia bei den Wahlen vergaben der Bürgermeister und andere involvierte Entscheidungsträger kommunale Aufträge an die Mafia und drückten bei deren illegalen Aktivitäten beide Augen zu.



Deutschlands Regierung beteuert, dass sie die Gefahr der Mafia sehr ernst nehme. Dennoch hat sich die Zahl der Clanmitglieder im Land in den vergangenen zehn Jahren mehr als vervierfacht.

Die Razzia gegen Mit­glieder der 'Ndrang­he­ta hat auch die deutsche Öffentlichkeit daran erinnert, dass die italienische Mafia kein fernes, südeuropäisches Problem ist. Ihre Clans haben in der Bundesrepublik schon in den siebziger Jahren Wurzeln geschlagen. Zum einen ist das Land ein riesiger Absatzmarkt, etwa für Drogen. Zum anderen lässt sich hier das Geld aus der Heimat waschen, durch Immobiliengeschäfte, im Handel oder in der Gastronomie. Deutsche lieben Pasta und Pizza.

 

Das Fanal von Duisburg


Der erste und bis jetzt einzige Kriminalfall, bei dem die Mafia auf deutschem Boden für alle sichtbar in Erscheinung trat, ereignete sich vor zehneinhalb Jahren vor der italienischen Pizzeria «Da Bruno» in Duisburg. In den frühen Morgenstunden des 15. August 2007 erschossen mehrere Täter den Wirt, seinen Lehrling und vier weitere gebürtige Kalabresen. Die Runde hatte zuvor in einem Hinterzimmer des Lokals ein Aufnahmeritual der 'Ndrang­he­ta durchgeführt, der mächtigsten und finanziell potentesten Mafiaorganisation Europas.


Die Morde waren nicht das Werk diskreter Auftragskiller, sondern eine öffentliche Hinrichtung. Mehr als 50 Schüsse gaben die Täter auf ihre Opfer ab. Wie sich später herausstellte, ging dem Ganzen eine jahrzehntelange Fehde zweier 'Ndrang­he­ta-Clans voraus. Erst im Jahr zuvor hatte die Gruppe, zu welcher der Wirt und seine Runde gehörten, in Italien aus Versehen eine Cousine des Haupttäters erschossen. Eigentlich hätte es deren Mann treffen sollen; nach den Regeln der kalabrischen Mafia rührt man die Frauen der Clans nicht an.